Dodge Journey Eco+: Gas geben, Geldbörse schonen
Fahren für die Hälfte - welcher Autobesitzer wäre nicht begeistert? Autogas (LPG) kostet an den aktuell mehr als 5700 Tankstellen in Deutschland um die 60 Cents pro Liter. Der nachträgliche Einbau einer Autogas-Anlage ist aber häufig mit dem Verlust der Hersteller-Garantie für das Fahrzeug verbunden. Was tun? Zu den Anbietern von werksseitig eingebauten LPG-Anlagen gehört auch die Marke Dodge. Wie das "Gas geben" in der Praxis funktioniert zeigt der Test mit dem Modell Journey SE 2.4 Eco+.
Die zu Chrysler gehörende Marke Dodge hat in Deutschland ein schweres Jahr hinter sich. Modelle wie der robuste Offroader Nitro mussten Zulassungsrückgänge um mehr als 50 Prozent hinnehmen, aber der Familienvan Journey konnte einen Zuwachs erreichen, der sogar noch höher ausfiel, als der des etwas kleineren Caliber.
Den fast 4,90 Meter langen und annähernd 1,70 Meter hohen Journey gibt es als 5- und als 7-Sitzer, doch nicht für die Kunden, die richtig sparen wollen. Der zusätzliche Tank für die Autogas-Füllung ist crashsicher hinter den Rücksitzen angebracht, weshalb die sonst für 1300 Euro Aufpreis erhältliche dritten Reihe entfallen muss. Der 70 Liter fassende Behälter kostet zweimal: Einmal 900 Euro Aufpreis gegenüber dem reinen Benzin-Fahrzeug und einmal rund 84 Liter Gepäckraum. Letzteres macht sich jedoch angesichts der verbleibenden rund 700 Liter Laderaum (bis Dachhöhe) nicht weiter störend bemerkbar. Über den Füllstand des Gasbehälters informiert eine Leuchtdiodenanzeige vor dem Schalthebel.
Zwei Kraftstoffe zur Wahl
Der Journey Eco+, der laut Marktforschung Männer zwischen 27 und 45 und andere freizeitaktive Singles ebenso begeistern soll wie Familien mit großem Platzbedarf, lockt mit einem Einstiegspreis von 25.290 Euro. Im Gegensatz zu den mit Dieselmotor ausgestatteten Journey-Modellen, die mit Sechsgang-Handschaltung bestellt werden können, muss der Benzin- oder Gas-Fahrer mit einem Gang weniger auskommen. Als Antriebsquelle dient ein quer eingebauter Vierzylindermotor mit 2,4 Litern Hubraum, der 170 PS abgibt.
Weniger sollten es wirklich nicht sein, das ist schon nach wenigen Kilometern klar. Das üppig dimensionierte Auto geht mit fast 1900 Kilogramm Gewicht an den Start, die müssen erst einmal in Bewegung gebracht werden. Überholvorgänge auf der Landstraße wollen deshalb sorgsam überlegt sein, auch wenn das Zurückschalten flott von statten geht und die Kurbelwelle hoch dreht. Für 188 Stundenkilometer soll das Auto gut sein, der Testwagen brachte es auf immerhin 176 km/h (GPS-Messung). Da der Motor seine Anstrengung aber akustisch klar zum Ausdruck bringt und auch die Schaltung sich etwas wabbelig und unpräzise anfühlt, befleißige man sich lieber einer schaltfaulen, gemächlichen Gangart und freue sich an dem, was das Auto Angenehmes mit sich bringt.
Das sind zum Beispiel die freundlichen Platzverhältnisse. Wer vorne sitzt, kann ein großzügiges Raumgefühl genießen. Die Windschutzscheibe ist weit weg, die Mittelkonsole trennt zwei üppig bemessene Passagierbereiche und Kopf- und Schulterfreiheit sind vorbildlich. Man sitzt hoch, hat eine gute Übersicht und kann auch das Lenkrad in der Horizontalen verstellen, was leider längst nicht überall Standard ist. In der zweiten Reihe sitzt man auch mit mehr als 1,80 Metern Körpergröße noch bequem, die Rückenlehne des Mittelsitzes kann als Armlehne mit Getränkehalter herunter geklappt werden. Selbst hinter komplett zurück geschobenen Vordersitzen herrscht noch ordentliche Beinfreiheit.
Viel Platz und originelle Staufächer
Für den Fußraum der Fondpassagiere haben die Dodge-Entwickler eine sehr amerikanisch anmutende Verwendung gefunden: Unter einer teppichbezogenen Abdeckplatte verbirgt sich ein Staufach, das mit bis zu zwei Sixpacks Getränkedosen nebst dazugehörigem Eis befüllt werden kann. Ist das Eis geschmolzen, wird die Wanne heraus gehoben und ausgeschüttet.
Der Bequemlichkeit der hinten Sitzenden kommt außerdem zugute, dass sie ihre Polsterflächen und Rückenlehnen individuell bewegen und den eigenen Gewohnheiten anpassen können. Das ist bei langen Touren sehr hilfreich und wurde auch auf dieser Testfahrt ausgiebig genutzt. Was den Komfort komplettiert hätte, wären bewegliche Kopfstützen hinten, mit denen konnte der Testwagen jedoch nicht aufwarten.
Stattdessen werden die Käufer des Eco-Modells mit einem TomTom-Navigationsgerät verwöhnt, dass sozusagen Teil des LPG-Pakets ist. Das nicht nur deshalb bemerkenswert, weil andere Journey-Kunden für ein fest installiertes Navigationssystem mindestens 1620 Euro Aufpreis zahlen müssen, sondern auch, weil im Datenspeicher die Gastankstellen verzeichnet sind, die dem Nutzer Kilometerkosten von unter zehn Cent bescheren.
Die Betriebskostenrechnung ist und bleibt das stärkste Argument für den Journey Eco+. Im Test legte das Fahrzeug mit einer Gasfüllung 550 Kilometer zurück und verbrauchte dabei 56,05 Liter Autogas. Knapp 10,2 Liter/100 Kilometer hört sich zunächst nicht sehr sparsam an. Steht aber der Literpreis von 63 Cent dagegen, kostet jeder gefahrene Kilometer nur 0,06 Euro. Das ist mit Benzin nicht zu schaffen.
Fast vollkommenes Reiseglück
Die Gegenrechnung mit herkömmlichem Kraftstoff: Nach 743 Kilometern war auch der Benzintank leer, das macht einen Durchschnittsverbrauch von 10,3 l/100 km. Zwar ist das recht weit weg von den 8,8 Litern, die der Benziner im EU-Normtest erreichte, aber das Testfahrzeug war auch mit vier Personen nebst Gepäck beladen, was die Sparsamkeit natürlich nicht fördert. Bei 1,35 Euro je Liter Superbenzin kommt ein Kilometerpreis von knapp 0,14 Euro heraus. Das bedeutet, wer die große Reichweite von rund 1300 Kilometern ausnutzt, zahlt im kombinierten Betrieb rund 10 Cent je Kilometer. Das ist wirklich günstig, besonders für den, der viel und weit fährt.
Der Hersteller hält sich zu Recht zugute, schon in der Basisversion ein hohes Ausstattungsniveau zu bieten. Dazu gehören außer Klimaanlage und elektrischen Fensterhebern auch ein CD-Radio mit Sechsfach-Wechsler und MP3-Funktion sowie Alarmanlage, ESP und Reifendruckkontrollsystem. Das Reiseglück ist jedoch nicht vollkommen, denn etwas sehr Nützliches fehlt: Die Außentemperaturanzeige. Auf eine Warnung, die Straßennässe könnte überfrieren, muss verzichten, wer in die Winterferien fährt. Das so genannte Travel-Paket, das für 880 Euro extra bestellt werden kann, enthält zwar eine Dachreling und abgedunkelte Scheiben, aber keinen Bordrechner mit Außenthermometer oder Reichweitedaten. Den gibt es nur für Diesel-Journeys.
Fazit: Der Dodge Journey Eco+ ist ein vielseitiges und genügsames, praktisches und hinlänglich komfortables Reiseauto. Für den Preis eines VW Golf gibt es Platz wie im Touran - der aber bei gleicher Leistung rund 5000 Euro mehr kostet. Mit dem LPG-Antrieb wird der Lade-Ami zum Sparmeister, da fällt es leicht, über kleine Unzulänglichkeiten hinweg zu sehen.
Quelle: n-tv.de

