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VW Passat 1,6 TDI BlueMotion: Geduld wird belohnt

von Axel F. Busse

Vertreterauto hin oder her: Der Passat Kombi ist in seiner Klasse das Maß der Dinge, ein bisschen langweilig zwar, aber in der Summe seiner Qualitäten fast unschlagbar. Doch was macht ihn so besonders?

Klassischer Firmenwagen: Neun von zehn Passat Variant werden in Deutschland gewerblich zugelassen.
Klassischer Firmenwagen: Neun von zehn Passat Variant werden in Deutschland gewerblich zugelassen.(Foto: n-tv.de/Busse)

Die Bierkutscher von einst wussten schon, was sie an ihren Zossen hatten: Zuverlässig, anspruchslos, bärenstark und genügsam – das waren die Qualitäten jener Alltags-Schlachtrösser, die bei Wind und Wetter ihre Last durch die Straßen zogen. Aus ihnen mit etwas Kosmetik einen Galopper des Jahres machen zu wollen, wäre keinem der ehrenwerten Transport-Unternehmer auf dem Bock in den Sinn gekommen.

Etwas Kosmetik hat allerdings der VW Passat bekommen, das geliftete Einheitsgesicht ziert seit gut einem halben Jahr auch die Front des Volkswagen-Bestsellers, der in Deutschland vor allem als Kombi gefragt ist. Rund zwei Drittel aller Passats werden hierzulande mit langer Ladefläche geordert. Und häufiger als bei jedem anderen Fahrzeugs des Segments sind es gewerbliche Halter, die sich für diesen Wagen entscheiden. Also doch Vertreterauto?

Und wenn schon. Bereits bevor das runderneuerte Modell auf den Markt kam, registrierte die Zulassungsstatistik nahezu neun von zehn Halter, die sich als "gewerblich" identifizierten. Doch für Familien bietet der Passat Variant ebenfalls die Vielseitigkeit und Wirtschaftlichkeit, die als entscheidender Kaufgrund gilt. Letztlich ist auch der Wiederverkaufswert nicht zu verachten. Schon im Einsteiger-Diesel, dem 105 PS starken Vierzylinder, sind alle Qualitäten zu finden, die von einem Passat Variant erwartet werden.

Laden, was die Klappe hält

Familiengesicht: Seit dem Facelift Ende 2010 passt die Passatfront wider zum VW-Auftritt.
Familiengesicht: Seit dem Facelift Ende 2010 passt die Passatfront wider zum VW-Auftritt.(Foto: n-tv.de/Busse)

Obwohl der VW im Vergleich mit den Kombis der Konkurrenz nicht die längste Karosserie hat (4,77 Meter), bietet er einen der größten Laderäume. Bis zu 1731 Liter Volumen lassen sich nach Umlegen der Rückbank nutzen, das sind zum Beispiel ganze 300 Liter mehr als etwa der in gleicher Klasse rangierende A4 Avant von Audi bietet. Und der ist immerhin auch 4,70 Meter lang. Zu der großzügig bemessenen Zuladung von mehr als 650 Kilogramm sollte die Höhe der Ladekante passen. Die gemessenen 62 Zentimeter sind zwar kein Bestwert (beim T-Modell der E-Klasse sind es zum Beispiel nur 55 Zentimeter), aber für die meisten Gelegenheiten eine akzeptable Größe. Die Klappe schwingt jedenfalls locker bis auf zwei Meter Höhe auf, so dass sich die meisten Mitteleuropäer beim Beladen nicht ducken müssen.

Modischer Firlefanz im Innenraum ist nicht die Sache eines Passat. Die demonstrative Schlichtheit geht einher mit einem hohen Qualitätsanspruch. Passgenaue Teile, sanfte Oberflächen, Plastik, nur wo es unvermeidlich ist – das kann sich sehen lassen. Die eingängige und selbsterklärende Bedienung ist legendär, alle wichtigen Elemente sind in Reichweite. Für die nächste Modellgeneration könnte man allerdings mal die Architektur von Armaturenbrett und Konsole unter die Lupe nehmen, denn der Navi-Bildschirm sitzt etwas tief, so dass der Blick doch immer wieder ein paar Sekunden von der Straße weg wandert. Für alle Passagiere herrscht ein gutes Raumgefühl, die Sitze sind bequem, auch wenn vorn die Polster etwas kurz geraten sind. Die matten Metalloberflächen, wie sie der Testwagen zur Schau trug, mögen nicht jedermanns Sache sein, doch zum Glück bietet der Passat-Katalog ja für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas Ansehnliches.

Nur zwei Farben aufpreisfrei

Ein gutes Raumgefühl und bequeme Bedienung kennzeichnen das Interieur.
Ein gutes Raumgefühl und bequeme Bedienung kennzeichnen das Interieur.(Foto: n-tv.de/Busse)

Apropos Geldbeutel: Wie bei den anderen Modellreihen auch unterscheidet der Katalog zwischen drei Ausstattungslinien. "Trendline" steht für das Basis-Ausstattungsniveau, wo es von Hause aus Stahlräder, eine schwarze Dachreling und die bereits erwähnten Dekoreinlagen in "Chrom matt" gibt. Mit dem 105 PS starken 1,6-Liter Diesel kostet dieser Variant 27.400 Euro. Zwei von zehn Außenfarben sind tatsächlich ohne Aufpreis zu haben, nämlich Candy-Weiß und Uranograu. Wieso sieht man die wohl so selten? Das Reflexsilber-Metallic des Testwagens verteuerte diesen um 550 Euro. Ob Chromleisten an den Seitenfenster (+225 Euro) oder die silber eloxierte Dachreling (+270 Euro) wirklich den Nutzen dieses Lademeisters erhöhen, mag jeder für sich entscheiden.

Tatsache ist, dass Volkswagen für den Passat auch wirklich sinnvolle und empfehlenswerte Zusatzausstattung bereithält. Die beheizbare Frontscheibe zum Beispiel ist für 185 Euro Aufpreis geradezu ein Schnäppchen. Sie ist fast so nützlich wie eine etwa zehnmal so kostspielige Standheizung und schafft besser als jedes Gebläse im Nu freie Sicht. Empfehlenswert sind auch die elektrisch öffnende und schließende Heckklappe (+450 Euro) sowie die Seitenairbags nebst Gurtstraffer hinten (+370 Euro). Mancher Handlungsreisende, der viele Stunden pro Jahr im Stau vertrödelt, wird wohl für den TV-Empfang dankbar sein, der für 1015 Euro ermöglicht wird. Mit all diesen (und noch ein paar weiteren) Annehmlichkeiten wusste der Testwagen aufzuwarten, was zu einem Endpreis von 39.248 Euro führte. Da muss der Motor schon recht sparsam sein, um diese Kosten zu rechtfertigen.

Gefühlt mehr als 105 PS

Eine vier vor dem Komma ist für solch ein stattliches Auto schon eine ehrenwerte Sache, genau 4,4 Liter verbrauchte der kleine Diesel auf dem Prüfstand beim EU-Normtest. Dass Prospektwerte und Praxisbetrieb zwei Seiten einer Medaille sind, weiß inzwischen jeder. So auch beim Passat: 5,8 Liter zeigte der Bordcomputer am Ende, was durchaus noch respektabel ist. Dem Motor ist zugute zu halten, dass er laufruhig und kultiviert ist, willig anzieht und gefühlt mehr Leistung auf die Straße bringt, als tatsächlich vorhanden. Ein kraftvoller Antritt überspielt den schläfrigen Charme, den man 105 PS zuzurechnen geneigt ist. Er ist den 250 Newtonmetern Drehmoment zu danken, die schon ab 1500 Umdrehungen zur Verfügung stehen. Deshalb auch ist dieser Variant sehr schaltfaul zu fahren.

Mit einem Ladevolumen von bis zu 1731 Litern hängt der Variant die meisten Konkurrenten klar ab.
Mit einem Ladevolumen von bis zu 1731 Litern hängt der Variant die meisten Konkurrenten klar ab.(Foto: n-tv.de/Busse)

Nur sollte man den sechsten Gang wirklich nur überland nutzen, auch wenn die Schaltempfehlung im Cockpit anderes nahelegt. Lästiges Brummen ist die Folge, wenn man im 6. Gang mit zu geringem Tempo unterwegs ist und die Drehzahlnadel knapp über der Ziffer 1000 dümpelt. Fahrwerk und Lenkung leisteten sich keine Schwächen. Der ausgewogene Kompromiss zwischen Komfort und Straffheit passt zum Charakter des Autos, die elektrische Lenkung kann man bei Bedarf noch mit der Fähigkeit aufrüsten, Längs- und Querparklücken selbstständig anzusteuern.

Bilderserie

Fazit: Es gibt immer einen, der's besser kann. Maßstäbe in Emotionalität oder Dynamik, in Tempo oder Komfort zu setzen, ist nicht Aufgabe des Passat. Aber es gibt nur wenige, die so vieles so gut können. Funktionell, wirtschaftlich, für Familie und Firma gleichermaßen sinnvoll, präsentierte sich der Testwagen als grundsolides Vielzweck-Auto, das die Geduld seiner Nutzer obendrein noch belohnt. Wie der ADAC ausrechnen ließ, verlangt der Passat Variant 1.6 TDI bei drei Jahren Haltedauer und einer Jahreslaufleistung von 30.000 Kilometern lediglich 31,1 Cent je Kilometer.

DATENBLATTVW Passat Variant 1.6 TDI Blue Motion
Abmessungen L / B / H4,77/ 1,82/ 1,52 m
Leergewicht (DIN)1543 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen normal /
Rückbank ausgebaut
603 l / 1731 l
max. Zuladung652 kg
MotorVierzylinder Diesel-Motor mit 1598 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang manuell
Leistung105 PS (77 kW) bei 4400 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebVorderrad
Höchstgeschwindigkeit193 km/h
max. Drehmoment250 Nm bei 1500 – 2500 U/min
Tankinhalt70 l
Beschleunigung 0-100 km/h12,5 Sek
Normverbrauch (außerorts / innerorts / kombiniert)5,3 l / 4,0 l / 4,4  l
Testverbrauch5,8 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
116 g/km
Grundpreis27.400 Euro
Preis des Testwagens39.248 Euro
Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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