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Mit dem Grand Voyager hat Chrysler ein ausgesprochen komfortables Reisemobil auf die Räder gestellt. Platz und elektrische Helferlein gibt es satt.
Mit dem Grand Voyager hat Chrysler ein ausgesprochen komfortables Reisemobil auf die Räder gestellt. Platz und elektrische Helferlein gibt es satt.(Foto: Markus Mechnich)

Chrysler Grand Voyager : Groß auf Reisen

Markus Mechnich

Der größte unter den hierzulande angebotenen Chryslern will sich als Reisemobil profilieren. Dabei glänzt er mit guter Ausstattung und Komfort. Ob das Paket auch wirklich für die große Fahrt taugt? Wir haben ihn auf die Probe gestellt.

Bilderserie
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Der Van als Fahrzeugmodell ist in Europa eine Erfolgsgeschichte geworden. Auch wenn Renault gerne für sich reklamiert, die Großraumlimousine für die Familie erfunden zu haben: Der erste Van war ein Dodge aus den USA und wurde unter der Regie von Chrysler gebaut. Man hat also Tradition in diesem Segment, wo in Deutschland selbst im Krisenjahr 2009 immer noch mehr als 500.000 Zulassungen registriert werden konnten.

Dass sich der Grand Voyager nicht wirklich als Verkaufsschlager etablieren konnte, liegt sicher an dem nicht zu verachtenden Einstiegspreis von 35.290 Euro. Das ist ein Wort, wobei gerne vernachlässigt wird, dass die Grundausstattung gegenüber der oft spartanischen Konkurrenz geradezu üppig ausfällt, insbesondere bei der Version "Limited", für die aber noch ein paar Scheine mehr auf den Tisch gelegt werden müssen. Von seinen Abmessungen und dem großzügig bemessenen Innenraum her spielt der Grand Voyager in derselben Liga wie ein VW T5, also ein so genannter Bus. Verglichen damit kann sich der Preis durchaus sehen lassen.

Im Inneren muss es stimmen

Mit dem Modellwechsel vor zwei Jahren ist die äußere Form des Grand Voyager gefälliger geworden. Die kantige Grundform hat man zwar beibehalten, aber die Front des Fahrzeugs wurde etwas rundlicher gestaltet. Einige Design-Elemente der Limousine 300C wurden im Zuge des Facelifts auf den Grand Voyager übertragen, dazu zählen die verbreiterten Kotflügel oder einige Chromelemente rund um den Kühlergrill. Damit ist die Optik des Autos filigraner und wertiger geworden.

Mit einer Länge von 5,14 Metern gehört der US-Import zu den größten in seinem Segment.
Mit einer Länge von 5,14 Metern gehört der US-Import zu den größten in seinem Segment.(Foto: Markus Mechnich)

Wichtig für einen Van US-amerikanischer Bauart ist die Funktionalität im Inneren. Da kann der Chrysler Grand Voyager groß auftrumpfen. Die Zahl der Becherhalter in diesem Auto ist fast zweistellig, und auch die Anzahl und Größe der Staumöglichkeiten vorne und um die beiden hinteren Sitzreihen setzt Maßstäbe. Was europäisch geprägten Modellen erst die US-amerikanische "Coffee-to-go"-Kultur beibringen musste, hat der Grand Voyager quasi schon mit den Genen eingeimpft bekommen. Die Platzverhältnisse im Grand Voyager können nur als üppig bezeichnet werden. Auf allen drei Sitzreihen mangelt es weder an Beinfreiheit noch an seitlichem Raum. Selbst die dritte Reihe braucht kein Erwachsener zu schmähen.

Alles elektrisch

Funktionalität ist dabei Trumpf. Sei es das riesige Staufach in der Mittelkonsole, die Seitentaschen enormer Größe oder die versenkbaren Sitze der zweiten und dritten Reihe: Es muss einfach gehen und bequem sein. Das Sitzsystem ist übrigens wirklich ein Clou, denn auf Knopfdruck lässt sich das Gestühl in Reihe zwei und drei in eine glatte Fläche verwandeln. Das etwas umständlich genannte "Stow'n'Go"-System bringt Kinderaugen zum Leuchten. Es bewegt sich und legt sich wie von Geisterhand. Das gilt auch für die vollelektrischen Seitentüren rechts und links, aber auch die elektrische Heckklappe. Große wie kleine Jungs haben ihre Freude daran. Auch die hinteren Seitenscheiben lassen sich stromunterstützt ausklappen.

Alles geht elektrisch: Große und kleine Jungs können sich an den per Knopfdruck automatisch öffnenden Türen ergötzen.
Alles geht elektrisch: Große und kleine Jungs können sich an den per Knopfdruck automatisch öffnenden Türen ergötzen.(Foto: Markus Mechnich)

Generell versprüht der Grand Voyager Wohnzimmercharme. Das Gestühl in der vorderen Reihe ist in der "Limited"-Version teils mit Leder bezogen und ausgesprochen bequem. Dafür hapert es am Seitenhalt, was zwar nicht übermäßig stört, denn dieser Chrysler ist generell alles andere als ein Sportler. Die Verarbeitung und die Materialien können hingegen nicht so ganz überzeugen. Viel Hartplastik und kleine Ungenauigkeiten prägen das Erscheinungsbild. Nicht tragisch, aber auch nichts für Pedanten.

Weiche Aufhängung

Nett ist auch das zweite, optionale Sitzsystem "Swivel'n'Go". Hierbei können die Sitze der zweiten Reihe elektrisch umgedreht werden. Damit lässt es sich während der Fahrt am serienmäßigen Klapptisch konferieren. In unserem Testwagen war auch das DVD-Entertainmentsystem an Bord, das in der Lage ist, verschiedene Medien parallel abzuspielen. Das erweist sich dann als praktisch, wenn der Nachwuchs auf der Rückbank auf langen Fahrten unterhalten werden will. So müssen Mami und Papi nicht stundenlang Kinderfilme mithören.

Auch beim Fahrwerk liegt der Schwerpunkt auf Komfort. So ist der Grand Voyager butterweich aufgehängt. Das ist auf langen Autobahnfahrten ausgesprochen bequem. Auch die Landstraße ist ein Domizil des großen Amerikaners, wobei man es in Kurven langsam angehen lassen sollte. Die Neigungen der Karosserie sind spürbar und der Grenzbereich, vor allem auf nasser Straße, kann durchaus schnell erreicht werden. Nein, der flotte Ritt ist nicht das Ding dieses Chryslers. Er ist zum Cruisen und kommoden Reisen konstruiert. Und das macht er seinen Insassen auch mit einem sänftenartigen Schaukeln klar. Gewonnen hat das Fahrwerk durch die neue Verbundlenkerachse, die die bisher verbaute Starrachse ersetzt hat.

Kein Leichtgewicht

Für das Modelljahr 2010 hat Chrysler vor allem an der Motorisierung, am 2,8-Liter-Diesel gearbeitet. Vor allem den Verbrauch des Selbstzünders wollten die Ingenieure in den Griff bekommen. Das ist teils auch gelungen, denn nach EU-Zyklus sank der innerstädtische Verbrauch um einen Liter auf 11,8. Insgesamt soll er bei 8,8 Litern im Mittel liegen.

Viel Raum gibt es eigentlich auf jedem Sitzplatz in diesem Chrysler. Schon als Basisfahrzeug bringt der Grand Voyager recht viel Ausstattung mit.
Viel Raum gibt es eigentlich auf jedem Sitzplatz in diesem Chrysler. Schon als Basisfahrzeug bringt der Grand Voyager recht viel Ausstattung mit.

Bei unseren Fahrten stellten wir mit Schwerpunkt Stadtverkehr (rund 80 Prozent) einen Verbrauch von 12,4 Litern fest. Das ist zwar nicht weit über der Angabe für die reine Stadtfahrt, aber dennoch nicht wenig für einen Dieselantrieb. Entschuldigend muss aber gesagt werden, dass es sich hier um ein Wagen mit einem Leergewicht von 2175 Kilogramm handelt. Selbst für ein Fahrzeug mit diesen Abmessungen gehört der Grand Voyager damit zu den Dickhäutern.

Kein Schnellstarter

Das zeigt sich allerdings auch bei seinen Fahreigenschaften. Die 163 PS des Diesels haben ihre Last mit dem schweren Komfort-Reisenden. Beim Start an der Ampel braucht er schon so seine Gedenksekunde, bis die mehr als zwei Tonnen ins Rollen kommen. Auch riskante Überholmanöver sollte man sich mit dem Grand Voyager lieber verkneifen, denn die Beschleunigung von 80 bis 120 Stundenkilometern braucht ihre Zeit.

Der Chrysler Grand Voyager bietet viel, verlangt aber auch seinen Preis.
Der Chrysler Grand Voyager bietet viel, verlangt aber auch seinen Preis.(Foto: Markus Mechnich)

Sehr hilfreich dabei ist die gut funktionierende Sechsgangautomatik, die den Diesel möglichst in seinem kräftigsten Bereich hält. Zwischen 1600 und 3000 Umdrehungen stellt der Motor sein maximales Drehmoment von 360 Newtonmetern zur Verfügung. Damit lässt sich das Auto ordentlich bewegen, weshalb die serienmäßige Automatik durchaus sinnvoll ist.

Intensives Verwöhnprogramm

Der US-Boy für die große Fahrt kann als "Limited" durchaus mit Serienausstattung glänzen. 17- Zoll-Leichtmetallfelgen, elektrische Sitze, Xenon-Licht und besagte Schiebetüren, Heckklappe und Sitzreihen elektrisch: Das ist schon ein Komfortpaket, was Chrysler da anbietet. Ergänzt werden kann das Ganze noch mit dem Luxury-Paket, das noch solche Nettigkeiten wie Navi, Rückfahrkamera oder ein elektrisches Glasdach bereit hält. Mit der Ausstattung "Limited" kommt der Grand Voyager auf einen Preis von 45.590 Euro.

Das Reisemobil von Chrysler versteht sich ganz klar auf sein Metier. Er ist ausgesprochen komfortabel ausgelegt und verwöhnt seine Insassen mit zahlreichen kleinen, aber feinen Details. Da ist leicht zu verzeihen, dass es dem Grand Voyager etwas an Agilität fehlt. Leichte Abstriche handelt sich der US-Boy sonst nur noch in Sachen Materialien und Verarbeitung ein. Wer bereit ist, den Preis von rund 45.000 Euro zu bezahlen, der bekommt ein Reisemobil mit allem Drum und Dran. Für weniger verwöhnte Menschen geht es auch rund 10.000 Euro billiger, was das Fahrzeug dann auch preislich interessant macht.

 

Datenblatt

Chrysler Grand Voyager 2.8 CRDi

Abmessungen LxBxH
5,14 / 1,95 / 1,75 Meter
Leergewicht
2175 kg
Sitzplätze
7
Ladevolumen
normal/maximal
638 / 3296 Liter
Maximale Zuladung
600 kg
Motor
Diesel-Motor mit vier Zylindern in Reihe
2,8 Liter Hubraum
Antrieb und Getriebe
Frontantrieb,
6-Gang Automatik
max. Leistung
163 PS (120 kW) bei 3750 U/Min
Kraftstoffart
Diesel
Tankinhalt
75 Liter
Höchstgeschwindigkeit
185 km/h
max. Drehmoment
360 Newtonmeter zwischen 1600 und 3000 U/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h
12,8 Sekunden
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Schnitt)
 
11,8/7,1/8,8 Liter
CO2-Emissionen
233 Gramm pro Kilometer
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette
EURO 5 / Grün
Typklassen
Haftpflicht/Teilkasko/Vollkasko
22/21/26
Grundpreis
35.290 Euro

 

Quelle: n-tv.de

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