Hyundai i10 in der Praxis: Großes aus Indien
So international ist nicht jedes Auto: In Korea entworfen, in Indien gebaut und auf europäische Bedürfnisse abgestimmt. Aber hat der Hyundai i10 auch das Zeug, nach dem Abwrackprämien-Boom sein Auto zu stehen? Ein Praxistest.
Klein- und Kleinstwagen sind auch nach der Abwrackprämie gefragt. Die zunehmende Verkehrsdichte in Großstädten und eine wachsende Vernunft vieler Autofahrer machen es möglich. Was braucht es wirklich, um von A nach B zu kommen? Vier Räder, vier Sitzplätze für den Notfall und Platz fürs Gepäck. Dazu sollte das Auto ausreichend motorisiert sein, um eine Autobahn zu befahren. Das bieten Fahrzeuge dieser Kategorie locker.
Gute Gründe also für Hyundai, mit dem i10 neu anzugreifen. Der Atos-Nachfolger ist im Frühjahr 2008 präsentiert worden und konnte somit den vollen Boom der Abwrackprämie mitnehmen. Mit fast 24.000 Zulassungen im Jahr 2009 ist er für die Marke das wichtigste Modell in Deutschland. Mehr als ein Drittel der Verkäufe von Hyundai rollen als i10 vom Hof. Dabei ist der Diesel-Anteil kaum der Rede wert. Nur 1,2 Prozent der neu angemeldeten Autos sind Selbstzünder. Deshalb haben wir dem i10 1.2 auf den Zahn gefühlt.
Sympathisch sieht er aus, der Kleinste von Hyundai. Die Überarbeitung hat das Auto deutlich hübscher gemacht als seinen Vorgänger, den Atos. Das gelbe Blechkleid schmiegt sich in rundlichen Formen um den Innenraum. Die Fahrzeugfront birgt zwei gebogene Scheinwerfer und einen großen Lufteinlass unter der Motorhaube. Man kann ihn schon auf den ersten Blick sympathisch finden. Dabei ist eine Verwandtschaft mit dem größeren Bruder i30 nicht von der Hand zu weisen. Mit seinem zutraulichen Äußeren hat er schon mal erste Pluspunkte gesammelt.
Viel Platz vorne
Der Einstieg durch die Türen ist bequem und auf einer angenehmen Höhe. Dabei überrascht er mit einer Menge Platz auf den vorderen Sitzen. Für ein Auto mit seinen Abmessungen ist er wirklich sehr geräumig. Auch Großgewachsene finden auf den vorderen Sitzen bequem Platz. Allerdings bietet das Gestühl wenig Seitenhalt. Anders sieht es auf der Rückbank aus. Da werden die Abmessungen von 3,57 Metern Länge, 1,60 Metern Breite und 1,54 Metern Höhe spürbar. An den Knien vor allem, die sich bei Erwachsenen unabänderlich an den Vordersitzen reiben. Dabei hat Hyundai mit einem Radstand von 2,38 Metern sicher nicht gegeizt. Dennoch ist das Raumgefühl für einen Kleinstwagen sehr gut und verhilft dem indischen Koreaner zu einer Bestnote für sein Segment.
Auch in Sachen Verarbeitung lässt sich nicht viel mäkeln. Im unserem Test sind wir die Ausstattung Style gefahren. Die höchste Variante, daneben gibt es nur noch die Classic-Variante, erfüllt eine Menge an Sonderwünschen bereits serienmäßig. Vier Airbags, Alarmanlage und höhenverstellbare Sitze sind in dieser Klasse keine Selbstverständlichkeit. Ein Manko ist das ESP, das es nur als Sonderausstattung gegen 550 Euro Aufpreis gibt. Ein Sicherheitsfaktor, auf den nicht verzichtet werden sollte. Der Kofferraum bietet 225 Liter Platz. Das ist nicht viel, doch bei umgelegter Rückbank, auch assymetrisch teilbar, werden daraus 910 Liter. Mit bis zu 410 zusätzlichen Kilogramm darf das Auto belastet werden.
Spitzenmotorisierung mit 78 PS
Reingesetzt und losgefahren. Der 1,2-Liter-Benziner bringt die knapp eine Tonne Leergewicht ordentlich nach vorne. Dabei ist das Aggregat wirklich ein Motörchen. 82,4 Kilogramm Trockengewicht sind für diesen Antrieb wirklich ein sensationeller Wert. Mit 78 PS ist er für das Auto ausreichend stark und bringt den i10 auf eine nominelle Spitzengeschwindigkeit von 164 Kilometern pro Stunde. Und in der Tat lässt er sich auch auf der Autobahn recht souverän bewegen. Überholmanöver bei 130 km/h macht er ohne Probleme mit, wird aber jenseits der 145 km/h etwas träge. Wohl aus Kostengründen muss sich der i10 mit fünf Gängen begnügen. Schade, dass der Motor nur die Schadstoffklasse Euro4 erfüllt.
Der Benziner verlangt dabei stets bei Laune gehalten zu werden. Drehzahlen unter 3000 Umdrehungen pro Minute sind nicht unbedingt sein Ding. Bei 4000 Umdrehungen stehen die maximalen 118 Newtonmeter zur Verfügung. Dann lässt es sich mit dem Hyundai auch flott vorankommen. Allerdings zeigt er sich bei flotter Fahrweise auch nicht ganz undurstig. Der Normverbrauch von fünf Litern im EU-Mix rückt eher in weite Ferne. In unserem Test, einer Mischung aus viel Stadtfahrt und einigen Landstraßen- und Autobahnstücken, ist er mit 6,5 Litern zurechtgekommen. Das ist in Ordnung, wenn auch nicht wenig für ein Auto dieser Kategorie. Die Umwelt belastet er dabei mit 119 Gramm CO2 pro Kilometer. Auch das ist ordentlich, aber nicht Spitze.
Solide Verarbeitung
Das Fahrerlebnis insgesamt ist solide und dem Auto angemessen. Es klappert und rüttelt nichts im Innenraum. Die verwendeten Materialien sind vorwiegend Hartplastik, was aber in dieser Klasse zu keiner Beanstandung Anlass gibt. Die Mittelkonsole ist funktional gestaltet. Mit drei Rundschaltern lässt sich die optionale Klimaanlage (890 Euro Aufpreis) recht einfach bedienen. Darüber ist das serienmäßige MP3-Radio mit sechs Lautsprechern verbaut, was Soundfetischisten nicht glücklich machen wird, aber für den normalen Gebrauch sehr komfortabel ist. Zumal es auch als Standard mit einem Aux-Eingang parat steht. Das Cockpit ist übersichtlich und einfach gestaltet. Den Drehzahlmesser gibt es nur in der Style-Variante.
Nach den ersten Kilometern lässt sich feststellen, dass der i10 ein braves Automobil ist. Mit dem optionalen ESP stellt er die Person hinter dem Lenkrad vor keine allzu schwierigen Aufgaben. Die Aufstellneigung in schnellen Kurven ist überschaubar. Man muss es schon auf die Spitze treiben, um den Koreaner ins Schleudern zu bringen. Die Gänge lassen problemlos nacheinander einlegen, aber die Wege dürften bei dem kurzen Schalthebel etwas kürzer sein. Nach dem Anfahren fällt der 1,2-Liter-Benziner in ein kleines Loch, das er erst bei Drehzahlen jenseits der 2000 Umdrehungen überwindet. Dann geht es aber recht flott von dannen. Die Lenkung ist direkt, leidet aber ab und an unter den kleinen 14-Zoll-Rädern. Bei höheren Geschwindigkeiten wird sie leicht gefühllos.
Zehn Jahre sicher gegen Rost
Kommen wir schließlich zu den monetären Aspekten. Die sind in dieser Kategorie ja oft entscheidend. Unser Testwagen kommt mit einem Basispreis von 11.590 Euro daher. Der Einstieg ist beim i10 bei 9.990 Euro für den 1,1-Liter Benziner in der Classic-Ausstattung angesiedelt. Den 1,1-Liter-Diesel gibt es nur mit der Style-Variante für 12.790 Euro. Unser Testwagen hatte ESP an Bord, was unbedingt empfehlenswert ist. Zusammen mit der Klimaanlage kommt ein Preis von 13.030 Euro zustande. Ein Automatikgetriebe gibt es gegen 1.090 Euro. Dann hat der Hyundai aber auch wirklich alles an Bord, was auf der Preisliste zu finden gibt. Drei Jahre Garantie gibt Hyundai auf den i10, für weitere 419 Euro werden daraus fünf Jahre. Erfreulich sind die zehn Jahre Garantie gegen Durchrostung, die dem i10 mit auf den Weg gegeben werden.
Unser Fazit nach dem Praxistest ist durchaus positiv. Zwar ist der Testwagenpreis von mehr als 13.000 Euro für einen Kleinstwagen nicht ohne, aber die lange Ausstattungsliste, die gute Verarbeitung und die erweiterte Garantie rechtfertigen ihn durchaus. Für seine Klasse bietet der i10 eine Menge Platz und wird selbst kleinere Familien glücklich machen können. Einzig das ESP würde man sich heutzutage serienmäßig wünschen, denn es ist zu befürchten, dass viele Käufer aus falscher Sparsamkeit auf das Sicherheitssystem verzichten werden. In jedem Fall hat der Hyundai gute Karten, auch nach dem Abwrackboom zahlreiche Kunden gewinnen zu können.
Quelle: n-tv.de

