Skoda Octavia Combi GreenLine: Grüne Welle aus "Nahost"
Sparen heißt bei Skoda GreenLine. Der Octavia als Öko-Modell will versuchen, was dem großen Bruder Superb schon gelungen ist: der leicht bessere, aber vor allem günstigere Volkswagen zu sein. Gelingt ihm das? Ein Praxistest.
Auch bei Skoda hat man die Zeichen der Zeit erkannt und ist auf die Grüne Welle aufgesprungen. GreenLine heißen, passend dazu, die Sparmodelle der tschechischen Marke unter dem Dach von VW. Im letzten Jahr, parallel zu der Vorstellung des Facelift, hat man die Modellpalette des Octavia um die Öko-Varianten ergänzt. Wie sparsam ist GreenLine wirklich? Wir haben mal genauer hingeschaut.
Dass Skoda fast die besseren Volkswagen baut, hat man mittlerweile auch in Wolfsburg gemerkt. VW-Chef Martin Winterkorn soll den Tschechen eine Osteuropa-Orientierung verordnet haben, weil der Superb so einiges besser kann als der hauseigene Passat und dabei noch erheblich billiger ist. Der Erfolg der Marke könnte so seine ganz eigenen Probleme mit sich bringen. Gleiche Technik, nicht selten das bessere Paket und dabei deutlich billiger - kein Wunder, dass Herr Winterkorn da leicht in Rage gerät.
Für den Octavia gilt nur bedingt, was den Superb so problematisch macht: Er ist nicht schlechter, aber etwas billiger. Der Preisunterschied beträgt schmale 585 Euro zwischen dem Octavia Combi GreenLine und einem VW Golf Variant Blue Motion mit der ähnlichen Motorisierung. Dafür bringt der Tscheche Leichtmetallfelgen im 15-Zoll-Format mit.
Steuerung vom Superb
Die Vorzüge des Octavia an sich sind durchaus schon des Öfteren besprochen worden. Der Tscheche ist ein Nutzfahrzeug bester Güte und überzeugt mit Praktikabilität und pfiffigen Ideen. Mit dem Facelift zu Beginn des letzten Jahres hat der Octavia auch äußerlich an Attraktivität gewonnen. Die Front hat man leicht dynamischer gezeichnet und den Innenraum aufgewertet. Da bekam der Octavia beispielsweise Lenkrad, Instrumente und Schaltknüppel vom großen Bruder Superb.
Was also zeichnet jetzt aber das besondere Modell GreenLine aus? Kern des Ganzen ist natürlich der Motor, ein 1,6-Liter-Diesel, der speziell hinsichtlich der Treibstoffökonomie überarbeitet wurde. Mit 105 PS und einem Drehmoment von 250 Newtonmeter ist der GreenLine nicht untermotorisiert für seine Fahrzeugklasse. Skoda verspricht einen Verbrauch für das Fahrzeug von 4,4 Liter auf 100 Kilometer. Das ist schon ein Wort. Die CO2-Emissionen liegen bei 114 Gramm pro Kilometer. Der Golf Variant zum Vergleich soll sich schon mit 4,2 Litern begnügen und 109 Gramm CO2 emittieren.
Mehr Druck auf den Reifen
Damit diese Werte erreicht werden können, bringt das Fahrzeug einen aerodynamisch optimierten Unterboden und ein optimiertes, sprich verringertes, Fahrzeuggewicht mit. Die Reifen mit geringem Rollwiderstand werden zudem mit höherem Luftdruck gefahren. In der Praxis ist von diesen Modifikationen nichts zu merken. Der Komfort ist immer noch akzeptabel und die Abrollgeräusche sind eher leiser als beim normalen Octavia Combi. Das Fünfganggetriebe ist länger übersetzt und passt so besser zu einer ökonomischen Fahrweise. Dennoch wird auf der Autobahn schon mal ein sechster Gang vermisst.
Bleibt also die Frage nach dem Verbrauch in der Praxis. Wir sind mit dem Fahrzeug zwei Zyklen gefahren. Der erste hatte einen Stadtanteil von 65 Prozent, der Rest teilte sich auf in Landstraße und einen geringen Teil Autobahn. Bei diesen rund 300 Kilometern erzielten wir, bei moderater Fahrweise, einen Verbrauch von 6,1 Litern. Das sind rund 0,6 Liter mehr als die Herstellerangabe für die Stadt. Kein schlechter Wert, aber auch nicht berauschend.
Sparsam unterwegs, aber kein Verkehrshindernis
In der zweiten Runde haben wir bei 240 Kilometern einen Landstraßenanteil von rund 50 Prozent, Autobahnstrecken von 20 und Stadtanteile von 30 Prozent eingebaut. Hier kam der Octavia Combi auf einen Verbrauch von genau fünf Litern. Das ist schon erfreulich nahe am Normverbrauch des Herstellers. Auch hier wurde zurückhaltend gefahren, ohne dabei aber zu schleichen.
Als Ergebnis der beiden Verbrauchstest lässt sich sagen, dass der Octavia tatsächlich ein sparsames Auto ist. Ohne Krämpfe im Gasfuß lässt sich der Tscheche auf einem Niveau zwischen fünf und sechs Litern bewegen. Der Normverbrauch ist mit größerer Zurückhaltung keine Utopie. Damit gehört der Skoda zu den sparsamsten Autos, die wir bisher in unseren Test hatten.
Kleinerer Tank, mehr Stauraum
Was den Nutzwert angeht, so bringt die Version GreenLine keinerlei Einschränkungen mit sich. Wie beim normalen Octavia ist der Innenraum übersät mit praktischen Ablagen, Fächern und sonstigem Stauraum. Mit 605 Liter ist der Stauraum sogar 25 Liter größer als beim normalen Combi. Bei umgeklappter Rückbank sind es mit 1655 Liter sogar 35 mehr. Für das verbesserte Gewicht hat man dem Tank allerdings fünf Liter abgeknabbert. Das Volumen beträgt hier nur noch 55 Liter. Was allerdings normalerweise immer noch für fast 1000 Kilometer reichen sollte.
Was die Fahrleistungen und das Verhalten des Autos angeht, so gibt es ebenfalls nur geringe Unterschiede zum normalen Octavia Combi. Die aufgepumpten Leichtlaufreifen machen sich kaum bemerkbar, das Fahrwerk ist straff, aber nicht unkomfortabel, und die Spitzengeschwindigkeit von 190 Stundenkilometern ist absolut ausreichend. Jenseits der 150 km/h wird es allerdings zäh mit dem Beschleunigen. In Kurven und bei abrupten Bremsmanövern hält der Skoda keine bösen Überraschungen bereit.
Knappe Kalkulation
Kommen wir zu den Kosten, denn Sparsamkeit ist beim Autokauf ja leider immer noch teuer. Gegenüber dem gleich motorisierten Combi in der vergleichbaren Ausstattung „Ambiente“ kostet das Modell GreenLine 450 Euro Aufpreis. Das ist zwar nicht viel, aber es werden auch nur 0,1 Liter Spritersparnis und eben der Raumgewinn im Heck erkauft. Und natürlich die 15-Zoll-Leichtmetallfelgen, womit sich der Aufpreis so halbwegs rechnet. 22.290 Euro kostet der Skoda Octavia als GreenLine.
Unser Fazit fällt durchaus positiv aus. Der Octavia GreenLine ist ein ausgesprochen sparsames Auto, das aber kaum Einbußen in Sachen Komfort, Nutzwert oder Ausstattung mit sich bringt. Dass er keinerlei sportliche Ambitionen hegt, werden Käufer, die sich für ein solches Modell entscheiden, leicht verschmerzen. Zumal er sich, skodatypisch, sehr schön fahren lässt. Die Verbrauchswerte haben uns durchweg überzeugt, auch, weil wir nicht nur auf Schleichfahrten unterwegs waren. Er ist eine Überlegung wert, dieser Octavia GreenLine. Viel günstiger kann man derzeit in er Kompaktklasse nicht unterwegs sein.
Datenblatt | |
Abmessungen LxBxH | 4.57 / 1,77 / 1,45 Meter |
Leergewicht | 1385 kg |
Sitzplätze | 5 |
Ladevolumen | 605 / 1655 Liter |
Maximale Zuladung | 585 kg |
Motor | Diesel-Motor mit vier Zylindern in Reihe |
Antrieb und Getriebe | Frontantrieb, |
max. Leistung | 105 PS (77 kW) bei 4400 U/Min |
Kraftstoffart | Diesel |
Tankinhalt | 55 Liter |
Höchstgeschwindigkeit | 190 km/h |
max. Drehmoment | 250 Newtonmeter zwischen 1500 und 2500 U/Min |
Beschleunigung 0 - 100 km/h | 11,9 Sekunden |
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Schnitt) | 5,5/3,7/4,4 Liter |
CO2-Emissionen | 114 Gramm pro Kilometer |
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette | EURO 5 / Grün |
Typklassen | 15/17/23 |
Grundpreis | 22.290 Euro |
Quelle: n-tv.de

