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Der Hyundai i30 Kombi soll eine echte Alternative zum Golf Variant sein.
Der Hyundai i30 Kombi soll eine echte Alternative zum Golf Variant sein.(Foto: Holger Preiss)
Dienstag, 26. September 2017

Etwas mehr Punch bitte: Hyundai i30 Kombi - der Unaufgeregte im Test

Von Holger Preiss

Kein Zweifel, Hyundai baut Autos, die qualitativ und technisch keine Fragen mehr aufwerfen. Auch die Optik ist so kompatibel, dass die Fahrzeuge für viele attraktiv werden. Aber manchmal verhindern kleine Makel die endgültige Begeisterung.

Die Linien des i30Kombi sind gefällig und die Rücklichter strahlen mit LED-Licht.
Die Linien des i30Kombi sind gefällig und die Rücklichter strahlen mit LED-Licht.(Foto: Holger Preiss)

Ja, inzwischen ist es so, dass der einst von den Deutschen so geliebte Kombi ins Hintertreffen gerät. Die SUV dominieren den Markt. Und weil das so ist, hat Volkswagen jetzt auch im Segment der Kompakten dem ewigen Bestseller VW Golf mit dem T-Roc einen Offroad-Bruder an die Seite gestellt. Ob auch Hyundai solche Pläne für den i30 schmiedet, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden. Ist auch für diesen Testbericht uninteressant, denn angetreten ist der Hyundai i30 Kombi. Und dessen angesagtes Ziel ist es nicht, den SUV in die Seite zu treten, sondern dem VW Golf. In unserem speziellen Fall dem Variant.

Bereits mit dem Hatchback hatten die Koreaner unter Beweis gestellt, dass das Lob, das einst Ex-VW-Chef Martin Winterkorn unfreiwillig auf der IAA verteilt hatte, so eine Art Zielmarke ist. Ebenso gefällig und unaufgeregt wie der Golf fährt unterdessen der Hyundai i30 vor. Die Proportionen dürften den Europäern gefallen und auch qualitativ muss sich der kompakte Koreaner nicht verstecken. Bis auf ein Knarzen der Abdeckhaube des Mittelfaches konnten keine akustischen Verwerfungen während des Testlaufs über unterschiedlichste Pisten festgestellt werden.

Schlicht unaufgeregt

Nicht aufregend, aber funktional gibt sich der Arbeitsplatz des Fahrers im Hyundai i30 Kombi.
Nicht aufregend, aber funktional gibt sich der Arbeitsplatz des Fahrers im Hyundai i30 Kombi.(Foto: Holger Preiss)

Dafür darf der Autor aber konstatieren, dass das Innenleben ebenso schlicht ist wie die Außenhaut. Große analoge Rundinstrumente zeigen Speed und Drehzahl an. Dazwischen ruht die Matrix für weiterführende Infos zum Spritverbrauch, Außentemperatur, Lieblingslied oder Navi. Über der Mittelkonsole ragt der 5 Zoll große TFT auf, der von einem schwarzen Klavierlackrahmen gesäumt wird. Darunter liegen die Bedienelemente für die Zweizonen-Klimaautomatik. Das alles ist funktional, regt nicht auf aber auch nicht an.

Etwas Leben haben die Designer durch eine farbliche Zweiteilung der Armatur in die Bude zu bringen versucht. Die wird im Testwagen auch bei den angenehm straffen Polstern aufgegriffen. Während die Seitenwangen in Anthrazit gehalten sind, leuchtet die Sitzauflage in einem hellen Grau. Ob das gefällt, muss der Betrachter für sich selbst entscheiden. Fakt ist, dass die helle Einlage extrem schmutzempfindlich ist. Auch die mit der Mittelkonsole verbaute Hartplastik schmeichelt den Fingern nicht wirklich, tut aber auch nicht weh.

Durstig aber ohne Kraft

Ob der Zweifarb-Look im Hyundai i30 Kombi gefällt, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Ob der Zweifarb-Look im Hyundai i30 Kombi gefällt, muss jeder für sich selbst entscheiden.(Foto: Holger Preiss)

Mehr schmerzen könnte sportliche Fahrer das Triebwerk des Testwagens. Bewegt wurde der nämlich von einem 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 120 PS und 171 Newtonmeter maximalem Drehmoment. Das klingt nicht nur nach wenig, das ist es auch - nicht von der Nennleistung, sondern vielmehr von der Art der Kraftverteilung. Die ist ohne jede Form der Spontanität. Selbst bei einem beherzten Tritt auf das Gaspedal wird nicht der Hauch einer Kraftreserve zur Verfügung gestellt.

Der Hyundai beschleunigt scheinbar nach eigenen Vorgaben, aber nicht nach denen des Fahrers in 11,4 Sekunden auf 100 km/h und erreicht irgendwann auch eine Spitzengeschwindigkeit von Tempo 188. Wem bei der Beschleunigung nicht ein langer Bart wachsen soll, der muss zum einen die Schaltempfehlungen der Elektronik ignorieren, zum anderen den Gangwahlhebel fleißig bewegen. Das erste gibt wenigstens etwas mehr Dampf auf die Kette, das andere fällt nicht schwer, denn der Handschalter lässt sich problemlos über die sechs Stufen rauf und runter schieben.

Der Dreizylinder im Hyundai i30 Kombi ist kein Leistungswunder.
Der Dreizylinder im Hyundai i30 Kombi ist kein Leistungswunder.(Foto: Holger Preiss)

Was am Ende der Unsportlichkeit dann aber so richtig ärgerlich ist, ist ein Durchschnittsverbrauch von 8,5 Litern im Testverlauf. Das sind ohne dynamische Exzesse und übermäßigen Stadtverkehr fast drei Liter mehr als das Datenblatt für den 1.0 T-GDI im i30 Kombi ausweist. Für den Vortrieb empfiehlt es sich also durchaus mal eine Probefahrt mit dem 1,4 T-GDI zu machen. Der Vierzylinder bietet 140 Pferden freien Lauf und drückt maximal 242 Newtonmeter auf die Vorderachse. Im Schnitt soll der Vierender nach Herstellerangaben im Schnitt auch nur etwas mehr als sechs Liter Benzin konsumieren. Am Ende dürfte im Alltag nicht mehr auf der Uhr stehen als beim Dreizylinder. Allerdings sollte mit diesem Triebwerk deutlich mehr Fahrspaß geboten sein.

Gutes Fahrwerk und viel Raum

Das Fahrwerk jedenfalls gäbe solchen auf jeden Fall her. Mit Einzelradaufhängung, vorne an MacPherson-Federbeinen und hinten an einer Mehrlenkerarchitektur, glänzt der i30 auch als Kombi mit einem erstaunlich agilen Fahrverhalten und Dank Traktions- und elektronischer Stabilitätskontrolle einem ordentlichen Handling. Die elektromechanische Lenkung könnte noch einen Tick straffer sein und etwas direkter. Aber hier wird schon auf recht hohem Niveau gejammert. Was nach wie vor klasse ist, sind die Dämmarbeiten am i30 Kombi. Außengeräusche gibt es nur sehr verhalten für die Insassen. Lediglich der knurrige Dreizylinder singt den Insassen ab und an sein Lied vor. Apropos Lied. Zu den Unterhaltungs-Features im i30 gehört natürlich auch eine Multimediaeinheit, die es gestattet, das Smartphone über Bluetooth zu koppeln oder entsprechend dem Betriebssystem Apple Carplay oder Android Auto zu aktivieren.

Platz gibt's im Gepäckabteil des Hyundai i30 Kombi reichlich und aufgeräumt ist es auch.
Platz gibt's im Gepäckabteil des Hyundai i30 Kombi reichlich und aufgeräumt ist es auch.(Foto: Holger Preiss)

Geboten wird auch reichlich Platz. Der Kofferraum bietet 602 Liter Stauraum. Werden die asymmetrisch zu teilenden Rückenlehnen im Fond komplett umgelegt, entsteht eine Plane Fläche, die 1650 Liter bietet. Das ist üppig und garantiert, dass bei der Urlaubsfahrt kaum etwas zurück bleiben muss. Pfiffig sind die strukturierten Staufächer unter dem doppelten Ladeboden. Hier kann Kleinkram verstaut werden, ohne dass er sich in den Tiefen des Raumes verliert. Auch im Innenraum hat Hyundai für Fächen und Ablagen gesorgt. In der Mittelkonsole gibt es sogar ein Station, auf der Smartphones induktiv geladen werden können. Da diese Funktion aber noch nicht allen Mobilgeräten eigen ist, hätte sich der Autor mehr als einen USB-Anschluss gewünscht. Zwar gibt es für die vorderen Plätze noch zwei 12-Volt-Steckdosen, die müssen aber immer mit besonderen Adaptern versehen werden, was die Sache nicht einfacher macht. Auch für die in der zweiten Reihe reisenden Passagiere wäre ein USB-Anschluss wünschenswert. Platz haben sie ja ausreichend.

Über 30.000 Euro ist fast alles drin

Bei den Assistenten zeigt sich Hyundai mit dem i30 auf dem aktuellen Stand. Der Testwagen erfreute über einen präzise arbeitenden Spurhalteassistenten, Totwinkelwarner und eine ebenso arbeitende Verkehrszeichenerkennung. Den adaptiven Abstandsradar mit Stauassistent gibt es hingegen nur für die Automatikvariante. Was für das Doppelkupplungsgetriebe spricht, das über sieben Gänge die Kraft verteilt. Dagegen könnte nur eins sprechen: der Preis. Der Testwagen in der Ausstattungslinie Style mit LED-Rückleuchten, Kühlergrill mit Chromauflage, Fenstereinfassung in Chrom, dunkel getönten Scheiben ab der B-Säule; Rückfahrkamera, elektrischer Parkbremse, Digitalem Radioempfang (DAB), Bordcomputer mit 4,2-Zoll-Farbdisplay; 17-Zoll-Leichtmetallfelgen schlägt mit knapp 27.000 Euro zu Buche.

Entscheidet sich der Käufer für den 1,4 T-GDI in der selben Ausstattung mit Automatikgetriebe, werden schon über 29.000 Euro fällig. Packt man den Wagen noch mit kleinen Helferlein voll, wie Notbremsassistent, Frontkollisionswarner, Fußgängererkennung, adaptiver Geschwindigkeitsregelung und Stauassistent, ist die 32.000-Euro-Marke schnell geknackt.

Fazit: Der Hyundai i30 Kombi ist ein solides Auto mit viel Platz, zeitgemäßen Assistenten und einem gefälligen Äußeren. Als 1.0 T-GDI ist er allerdings weder ein Leistungs- noch ein Sparwunder. Dazu ist der Dreiender einfach zu durstig und trotz seiner 120 PS ungewöhnlich schwach auf der Brust. Wer mehr will, der landet am Ende bei einem Preis, bei dem es lohnt, die nähere Konkurrenz bei der Wahl eines Neuwagens mit ins Auge zu fassen. Was die Konkurrenz aber nicht bietet, sind fünf Jahre Garantie. Die gibt's eben nur bei Hyundai.

DATENBLATTHyundai i30 Kombi Style 1.0 T-GDI
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,58 / 1,79 / 1,46 m
Radstand2,65 m
Leergewicht (DIN)1447 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen602 / 1650 Liter
MotorDreizylinder mit 998 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschalter
Systemleistung88 kW / 120 PS
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit188 km/h
Tankvolumen50 Liter
max. Drehmoment171 Nm / bei 1500 - 4000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h11,4 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)4,6 / 6,0 / 5,2 l
Testverbrauch8,5 l
EffizienzklasseA / EU6
Grundpreis24.550 Euro
Preis des Testwagens26.990 Euro

Quelle: n-tv.de

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