Unterwegs im Volvo V70: In Abrahams Schoß
Gibt es eine Straße, in der kein Volvo V70 steht? In Berlin kaum, und auch im Ruhrgebiet befindet sich fast immer einer in Sichtweite. Der "Schwedenpanzer" hat eine Erfolgsgeschichte hinter sich. Und wohl auch vor sich.
Für viele ist der Volvo V70 der Inbegriff eines Kombis: Er bietet Platz, ist ein echter Lastenträger und überzeugt mit innovativen Sicherheitskonzepten. Ein robuster Familienwagen? Ja. Aber auch einer, mit dem Papi nie schlecht ausgesehen hat. Das Vorgänger-Modell, der Volvo 850, 1993 vorgestellt und mehr als 700.000 Mal verkauft, knattert heute noch durch die Straßen – meist mit deutlich mehr als 350.000 Kilometern auf dem Buckel. Insgesamt also ist noch immer die gesamte Modellpalette unterwegs. Das kann man als echtes Qualitätszeichen deuten.
Inzwischen ist die V70-Familie in der dritten Generation angekommen. Bis zur zweiten hatte sich der Wagen kaum verändert: Er war kantig, flach gehalten, was eine niedrige Ladehöhe mit sich brachte, und er fiel auf wegen seines unglaublich großen Heck-Fensters. Die Optik, die an die amerikanischen Woodies mit ihrer äußeren Holzverkleidung erinnerte, hatte ihre Fans gefunden. Auch in den USA, einem wichtigen Markt für den Autobauer. Und so vermieden die Göteborger einen zu drastischen Eingriff. Bis zur dritten Generation. Die kommt nun doch deutlich rundgelutscht daher. Die Front ist zugespitzt, das Dach gewölbt – und das Heck hat sein markantes, sehr großes und eckiges Panoramafenster verloren. Ja, das sind Zugeständnisse an Aerodynamik und Zeitgeist. Leider aber kostet es Individualität. Im Grunde ist der V70 seit 2007 optisch im Kanon aller neuen Kombis angekommen. Allerdings gehört er dort mit 4,82 m Länge, 1,86 m Breite und 1,54 m Höhe zu den größten.
Jetzt zählt das Innere
Wem die äußeren Veränderungen wehtun, den müssen die inneren Werte heilen. Das könnten sich die Fahrzeugbauer aus dem hohen Norden auch gedacht haben. Und so sparen sie beim V70 nicht an dem, was den V70 immer ausgezeichnet hat: Sicherheit, gute Verarbeitung und angemessenen Fahrspaß. Der V70 D5 mit 205 PS, den n-tv.de gefahren hat, ist seit Mitte 2009 auf dem Markt – bei den Diesel-Varianten die Spitzen-Motorisierung. In der Summum-Version bietet der Wagen, der in der oberen Mittelklasse angreift, fast alles, was das Herz begehrt. Einparkhilfe, dynamisches Kurvenlicht, automatische Heckklappe, heizbare Sitze, ein ausgeklügeltes Befestigungssystem im Kofferraum. Und natürlich verschiedene Assistenten, die dafür sorgen sollen, dass man auch gut ankommt: Abstandsregelung, Tempomat, Fahrspurassistent. Nicht zu vergessen das Blind Spot Information System (BLIS), das vor Gefahren im toten Winkel warnt.
An der Fahrkultur lässt sich auch in der dritten Generation nichts aussetzen. Der Wagen ist trotz seiner Größe übersichtlich, die Servolenkung arbeitet präzise, die Bremsen vermitteln die erwartete Sicherheit. Unsere Fahrt auf der nächtlichen A 2 von Berlin nach Dortmund offenbart dann schnell die größte Stärke des V70: die Langstrecke. Der Volvo wird seinem Namen gerecht - und rollt und rollt und rollt. Am bequemsten zwischen 120 und 140 km/h. Es gibt kaum Innenraumgeräusche, die Sitze sind – auch dank der individuellen Einstellungsmöglichkeiten – bestens geeignet für längere Touren. Auch bei höheren Geschwindigkeiten – Schluss macht unser Testwagen bei etwa 230 km/h – vermittelt der Wagen Ruhe und das Gefühl, so sicher zu sein wie in Abrahams Schoß. Diese Art Fahrspaß ist die Domäne von Volvo – und sie bleibt ungebrochen.
Navi nervt am Anfang
Die Abstandsregelung arbeitet im Zusammenspiel mit dem Tempomaten eiwandfrei – der Wagen lässt sich vorausschauend fahren, dabei fast mit zwei Fingern steuern. Das soll man zwar nicht empfehlen, es ist aber in der Praxis so. Gewöhungsbedürftig ist lediglich, dass der Abstandsassistent beim Überholen erst wieder Gas gibt, wenn der Fahrer komplett auf der Überholspur ist. Ein flüssiges Überholen ist so zumindest erschwert.
Etwas unglücklich ist die Bedienung des Navigationssystems. Zwar sind Informationen und Wegführung einwandfrei, die Steuerung jedoch erfolgt mittels einer Tastatur auf der Hinterseite des Lenkrades. Das ist etwas fummelig – und man benötigt einige Zeit, um sich die nötigen Kombinationen zu erschließen. BMW etwa macht das deutlich besser.
Gerne in den Schnee
Im Gewimmel des Ruhrgebiets bleibt der Volvo mit seinem Sechs-Gang-Automatik-Getriebe ein freundliches, gut zu steuerndes Auto. Zwar kommen Smart-Parkplätze nicht in Frage, dank der Einparkhilfe gibt es jedoch keine Probleme. Fünf Personen haben bequem Platz. Und wegen der immensen Ladefläche kann sich jede Großfamilie bei nur einer Einkaufstour für Tage eindecken. An der Ampel überrascht der durchzugsfreudige Diesel. Zwar kommen keine Rennfahrergefühle auf, aber der Spurt ist dennoch ein großer Spaß. Etwas anstrengend wird im Stadtverkehr das BLIS. Zu oft warnen die gelben Lichter, die in der A-Säule verankert sind, auch vor Schallschutzwänden und Verkehrsinseln. Da alle Sicherheitssysteme jedoch abschaltbar sind, kein großes Problem.
Auf der Rückfahrt in die Hauptstadt besteht der V70 auch noch die Bewährungsprobe Schnee und Eis. Die Autobahn ist unwirtlich, dicke Flocken erschweren sie Sicht, der Asphalt ist rutschig. Im Volvo ist das alles etwas angenehmer als in anderen Autos. Lüftung und Heizung arbeiten gut, es ist mollig warm. Der Wagen bleibt ruhig und präzise lenkbar, die Scheinwerfer schaffen gute Sicht. Unsicherheit macht sich nicht breit. Wenn schon Schnee, dann gerne im V70 – dem schwedischsten aller Kombis.
Datenblatt | |
Abmessungen LxBxH | 4.82 / 1,86 / 1,54 Meter |
Leergewicht | 1.696 kg |
Sitzplätze | 5 |
Ladevolumen | max. 1600 Liter |
Maximale Zuladung | 614 kg |
max. Anhängelast(ungebremst/gebremst) | bis 750 kg / bis 2000 kg |
Motor | Common-Rail-Direkteinspritzung |
Antrieb und Getriebe | Frontantrieb, |
max. Leistung | 205 PS (151 kW) bei 4000 U/Min |
Kraftstoffart | Diesel |
Tankinhalt | 70 Liter |
Höchstgeschwindigkeit | 220 km/h |
max. Drehmoment | 420 Newtonmeter bei 1.500 - 3250 U/Min |
Beschleunigung 0 - 100 km/h | 8,7 Sekunden |
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Schnitt) | 9,5/5,4/6,9 Liter |
CO2-Emissionen | 183 Gramm pro Kilometer |
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette | EURO 5 / Grün |
Grundpreis | 46.290 Euro |
Quelle: n-tv.de

