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Länge läuft: Mit 5,25 Metern überragt dieser XJ die meisten Oberklasse-Limousinen.
Länge läuft: Mit 5,25 Metern überragt dieser XJ die meisten Oberklasse-Limousinen.(Foto: Axel F. Busse)

"M"s Dienstwagen im Praxistest: Jaguar XJ - spannende Alternative

Von Axel F. Busse

Auch wenn James Bonds Chefin "M" im letzten Streifen des Geheimagenten in die ewigen Jagdgründe abtreten musste, wird ihr Auto weiterleben: Das radikal neu designte Modell XJ soll Jaguar einen festen Platz in der automobilen Luxusklasse sichern.

Die große Katze schnurrt auch mit Dieselantrieb ganz leise.
Die große Katze schnurrt auch mit Dieselantrieb ganz leise.(Foto: Axel F. Busse)

Während der Dienstwagen des Geheimagenten seiner Majestät 007 in der Regel ein Aston Martin ist, darf sich seine Chefin im Film "Skyfall" wieder in einer britischen Luxuskatze breit machen. Ihr Auto ist ein Jaguar XJ. Unter seiner Haube hämmert ein V8-Kompressor ganz standesgemäß. Der Fahrer des Testwagens hingegen muss sich mit einem Dreiliter-Diesel zufriedengeben. Der leistet 275 PS und hat dank seiner doppelten Aufladung ein stattliches Drehmoment von 600 Newtonmetern (Nm). Damit kommt er "M"s Dienstwagen schon gefährlich nahe, der nämlich nur 25 Nm mehr auf die Achsen presst.

Optisch hat sich Jaguar mit dem neuen XJ vom Drei-Box-Design des Vorgängers komplett verabschiedet. Die Rechnung ist aufgegangen. Zwar fanden die Traditionalisten unter dem Jaguar-Kunden erwartungsgemäß nur wenig Gefallen an der coupéförmigen Dachlinie des bereits in der Normalversion 5,12 Meter messenden Viertürers, doch dieser Verlust konnte durch Neukunden mehr als wettgemacht werden.

Die englische Traditionsmarke, die nach ihrem Selbstverständnis "schöne, schnelle Autos" baut, konnte sich in dem schrumpfenden deutschen Markt zwar insgesamt behaupten, doch geht der leichte Zuwachs gegenüber den ersten zehn Monaten des Jahres 2011 auf das Konto des Modells XF. Der größere XJ teilt das Schicksal der einheimischen Konkurrenz, denn auch bei der Mercedes S-Klasse, dem BMW 7er und dem Audi A8 übte die wohlsituierte Kundschaft inzwischen Zurückhaltung.

Rundum üppig: Die Ausstattung

Vornehmes Ambiente: Edles Holz und feines Leder dominieren den Innenraum.
Vornehmes Ambiente: Edles Holz und feines Leder dominieren den Innenraum.(Foto: Axel F. Busse)

Gleichwohl muss man den Briten zugute halten, dass sie in der Oberklasse nicht nur beim Preis, sondern auch bei Qualität und Leistung mehr als mithalten können. Ein Basispreis von 88.820 Euro für das Modell mit langem Radstand in der Ausstattungslinie "Premium Luxury" kann zwar durchaus als kostspielig gelten, doch schaut man genau hin, wird dafür auch wirklich eine Menge geboten.

Hier ein Auszug der zum Standard-Lieferumfang gehörenden Kostbarkeiten: Adaptives Fahrwerk, Alufelgen, Notfall-Bremsassistent (EBA), Einparkhilfe vorn und hinten, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Reinigungsanlage und LED-Tagfahrlicht, elektrisch einstell- und einklappbare, beheizbare Außenspiegel, automatisch abblendend, mit Einstiegsleuchten und Memory-Funktion, Panoramadach mit elektrischen Sonnenblenden, beheizbares Lederlenkrad mit Schaltwippen und Fernbedienung für Audiosystem, Geschwindigkeitsregelung, Bluetooth-Telefonschnittstelle und interaktive Sprachsteuerung, Smart Key System für schlüssellosen Zugang, 2-Zonen-Klimaautomatik, Ledersitze mit elektrischer 12-Wege-Sitzeinstellung für Fahrer/Beifahrer und Memory für Fahrersitz, DVD-Player und Festplatten-Navigationssystem. Das darf man getrost eine üppige Ausstattung nennen. Für vergleichbare Limousinen deutscher Provenienz werden für solch einen Komfort sechsstellige Summen aufgerufen.

Die Sicht nach hinten ist eingeschränkt- zum Rangieren ist eine Rückfahrkamera empfohlen.
Die Sicht nach hinten ist eingeschränkt- zum Rangieren ist eine Rückfahrkamera empfohlen.(Foto: Axel F. Busse)

Wer allerdings genauer hinschaut, muss feststellen, dass es hier und da noch Anlass für Weiterentwicklungen gibt, will man sich auf Augenhöhe mit den deutschen Premium-Marken messen. Ein Abstandstempomat zum Beispiel wird nicht angeboten. Von Luxuslimousinen wird so etwas inzwischen aber ebenso erwartet wie zum Beispiel eine kamerabasierte Verkehrsschild-Erkennung.

Beinfreiheit wie im Liegestuhl

Die Bedienlogik des Entertainment- und Navigationssystems wird zu Recht immer wieder als praxisfremd kritisiert und nervt den Nutzer mit Untermenü-Funktionen, die er eigentlich mit einem einfachen Tastendruck geregelt haben möchte. Der Kartengrafik fehlt es an Detailtiefe, die Optik der Benutzeroberfläche ist alles andere als Premium. Eine analoge Cockpit-Uhr ist etwas Feines – wenn man sie gut ablesen kann. Das ist im XJ leider nicht der Fall, vor allem, wenn nächtens die blaue Hintergrundbeleuchtung aktiv ist. Fond-Insassen mit Diskretionsbedürfniss schätzen ein elektrisches Heckscheibenrollo, aber richtig pfiffig ist so etwas erst, wenn es beim Einlegen des Rückwärtsganges herunterfährt.

Klar, da ließe sich argumentieren: "Eine Rückfahrkamera kostet nur 360 Euro Aufpreis". Das ist nicht nur richtig, sondern die Kamera ist auch ohne Heckscheibenrollo äußerst sinnvoll, denn die Karosserieform und die deshalb flachen hinteren Scheiben geben nur eine sehr eingeschränkte Sicht auf alles, was hinter den Kopfstützen vor sich geht. Wer sich entspannt im Fond räkeln kann, den interessieren solche Fragen kaum. Und es räkelt sich gut im langen XJ. Der großzügig bemessene Radstand von 3,16 Meter schafft eine nur mit einem Liegestuhl vergleichbare Beinfreiheit. Richtig gemütlich wird's für den, der noch mal rund 5000 Euro draufpackt. Er bekommt dann ein Fond-Komfortpaket mit einzeln beweglichen Lehnen und Massagefunktion sowie Monitore zum DVD-Gucken.

Ein TFT-Bildschirm hat die klassischen Rundinstrumente ersetzt.
Ein TFT-Bildschirm hat die klassischen Rundinstrumente ersetzt.(Foto: Guy Spangenberg)

Edel und geschmackvoll möbliert ist der XJ-Innenraum, Leder- und Holzoberflächen wetteifern als Handschmeichler, Metallapplikationen sind so dezent verteilt, dass sie nicht aufdringlich wirken. Vielleicht nicht jedermanns Geschmack, aber für eine gute Dosierung des Luftstroms geeignet, sind die vier großen Luftausströmer der Klimaanlage am Armaturenbrett. Eine Besonderheit ist das TFT-Display, das klassische Rundinstrumente simuliert. Je nach Programmierung und Informations-Abruf werden dort Tempo und Drehzahl, Motortemperatur und Kraftstoffstand angezeigt. Aber auch Navigationsdetails und Richtungskommando sind darstellbar. Die vornehme Wohlfühl-Atmosphäre passt zum Fahrgefühl, für das der V6-Diesel und das ausgewogene Fahrwerk verantwortlich sind.

Genügsamer Dreiliter-Diesel

Sobald der Selbstzünder seine Betriebstemperatur erreicht hat, schnurrt er wie ein Kätzchen. Wird das Kätzchen mit einem Fußtritt malträtiert, jault es keineswegs auf, sondern faucht kurz, um sofort loszupreschen. Auch wenn das offizielle Datenblatt darüber keine Auskunft gibt: Das maximale Drehmoment dürfte schon unterhalb von 2000 Touren anliegen, denn der Druck im Kreuz wird genau dann spürbar, wenn die Drehzahlnadel diese Ziffer passiert. Die erstklassige Achtgangautomatik schaltet ebenso schnell wie seidig, und dass es auf einmal zügig vorangeht, verändert das Geräuschniveau nur unwesentlich. Für die Fahrzeug-Dimension ist das Gewicht von 1,8 Tonnen gering und entsprechend spielerisch ist der Wagen mittels der leichtgängigen Lenkung zu dirigieren. Von ihr würde man sich nur noch etwas mehr Rückmeldung wünschen.

Obwohl leistungswillig und durchzugskräftig, gehört der Motor zur eher genügsamen Sorte. Die Prüfstandmessung von 6,3 Litern hat natürlich ebenso wie bei anderen Autos dieses Kalibers nur statistischen Wert, doch der Praxisverbrauch von 7,9 Litern ist mehr als vorzeigbar. Serienmäßig ist das Fahrzeug mit einer Stopp-/Startautomatik ausgestattet, die aber bei Testfahrten unter 10 Grad Celsius Außentemperatur etwas von ihrer Zuverlässigkeit einbüßt. Zuverlässig und außerdem schnell wirkt dagegen die beheizbare Frontscheibe, ein sehr nützliches Extra für 430 Euro. Dass die Heckscheibenheizung nicht so schnell mit der Erledigung ihrer Aufgaben war, soll nicht daran liegen, dass sie gratis mitgeliefert wird.

Fazit: Wer die konservativ gestalteten Oberklasse-Limousinen Stern, Rauten oder Ringen meiden will und Klasse gepaart mit Individualität sucht, hat nicht viel Auswahl. Jaguar gehört mit seinem XJ aber zweifellos zu den spannenden Alternativen, wo es gute Technik, hohe Qualität und ein Ausstattungsniveau gibt, das Appetit weckt. Gehobener Komfort ab Werk ist noch immer von Kunden honoriert worden und der XJ bietet viel davon. Gleichzeitig offenbart er in kleinen Details, dass mancher Preisunterschied zu Recht besteht.

DATENBLATTVolvo V60 D4 AWD
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)5,25/ 1,90/ 1,46 m
Radstand3,16 m
Leergewicht (DIN)1825 kg
Sitzplätze5
Kofferraumvolumen520  Liter
Maximale Zuladung530 kg
MotorV6-Zylinder-Dieselmotor mit 2993 ccm Hubraum
Getriebe8-Gang automatisch
Leistung275 PS (202 kW) bei 4000 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebHeckantrieb
Höchstgeschwindigkeit250 km/h (abgeregelt)
max. Drehmoment600 Nm bei 2500 – 5500 U/min

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h

6,4 Sek
Tankinhalt70,1 l
Normverbrauch (außerorts / innerorts / Durchschnitt)7,7  l / 5,6 l / 6,3 l
Testverbrauch7,9 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
167 g/km
Grundpreis88.820 Euro
Testwagenpreis104.760 Euro

Quelle: n-tv.de

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