Citroën DS3 vs. Mini Cooper: Jugendlicher Zweikampf
Sie sind fesch, dynamisch und sollen eine neue Käuferschaft zur Marke führen: Lifestyle-Automobile liegen schwer im Trend. Der neueste Beitrag heißt DS3 und kommt von Citroën. Wir haben ihn gegen die gestandene Konkurrenz in diesem Sektor, den Mini Cooper, antreten lassen. Wer hat die Nase vorne? Das Establishment oder der französische Herausforderer?
Es gibt schon viele Fans der Marke Citroën, die es den Franzosen noch nicht wirklich verziehen haben, dass sie den klangvollen und traditionsreichen Namen DS überhaupt wiederbelebt haben. Und dann kommt da noch als erstes Modell so ein hipper Kleinwagen daher, der so gar nichts mit der Göttin gemein hat. Und es stimmt auch: Der DS3 hat weder die Eleganz der Ur-DS noch ist das Auto technisch auch nur ansatzweise so innovativ wie es in den 50er-Jahren das legendärste Automobil der Marke Citroën war.
Den Nostalgikern wird Citroën denn auch nicht erklären können, dass man gar nicht an die große Tradition des Namens anknüpfen wollte. Ganz bewusst haben sich die Franzosen von der Vorgabe gelöst, ein revolutionäres Auto zu schaffen. Vielmehr sollen mit der Reihe – ein DS4 und DS5 wird folgen – unter dem traditionsreichen Namen stilistisch oder technisch ausgefallene Modelle gebündelt werden, die höher als die entsprechenden Großserien-Modelle eingestuft werden. Getreu dieser Linie hat man den DS3 als hippes Lifestyle-Mobil entworfen. Er soll eine junge Käuferschaft ansprechen und zur Marke führen.
Furioses Comeback
Da war Mini allerdings schon erheblich früher dran. Unter der Federführung von BMW wurde die Marke wiederbelebt und brachte 2001 einen neuen Mini One auf den Markt. Technisch auf dem neuesten Stand, hat man allerdings die Grundform des Autos in die Neuzeit übertragen. Der Erfolg des Autos hat selbst die Bayern überrascht. Kurz vor der Trennung von Rover, die ursprünglich den Mini entworfen hatten, wurde die technische Entwicklung nach München verlagert. In Oxford wird er im alten Rover-Werk gebaut.
So viel zur Historie. Seit seinem Comeback hat der kleine Deutsch-Brite Maßstäbe in Sachen Lifestyle-Automobil gesetzt. Seit 2006 ist die zweite Generation des Autos mit dem Kart-Gefühl auf dem Markt. Für den Fußgängerschutz hat man die Motorhaube etwas länger und leicht gestaltet. Die größten Neuerungen fanden allerdings unter der Haube statt. Seitdem wird im Modell Cooper ein 1,6-Liter-Motor verbaut, der auf einer Grundkonstruktion aus einer Kooperation mit Peugeot beruht. Vor wenigen Wochen kam eine Neuauflage des Aggregats mit 122 PS heraus. Wir haben noch die vorherige Version mit 120 PS in unserem Testwagen gefahren.
Wer wird also Trendsetter bei der jungendlichen Käuferschaft? Der aufmüpfige, neue Franzose oder der immer wieder junge Brite? Gehen wir die Kategorien durch:
Design: Der Mini ist eben Mini. Schwierig, etwas an der Grundform zu ändern, wie schon der Modellwechsel vor vier Jahren zeigte. Zwar ist die Gestaltung keineswegs in die Jahre gekommen, doch so ganz taufrisch ist sie auch nicht mehr. Der Mini gehört zum gewohnten Bild auf unseren Straßen und hat dadurch naturgemäß etwas von seiner Extravaganz verloren. Dennoch bleibt das Design des Mini zeitlos.
Der DS3 ist hingegen ein Neuling auf unseren Straßen. Den französischen Designern ist es gelungen, ihn von seinem Ahnen, dem C3, optisch abzusetzen. Das liegt vor allem an der verwegenen Haifischflosse an den Seiten. Aber auch kleine Details, wie die verchromten Spiegelhalter, die Dachlinie oder die verchromten Halter der Außenspiegel, geben ihm ein gewisses Extra. Die Heckleuchten wirken moderner als beim Konkurrenten. Auch wenn der Citroën wiederum nichts Spektakuläres bietet, hat er in der Kategorie Design die Nase leicht vorne. Ihm hilft die Gnade der späten Geburt.
Individualisierung: Der Citroën DS3 zeichnet sich dadurch aus, dass er sich durch farbliche Optionen innen und außen dem individuellen Geschmack anpassen lässt. Das Dach bekommt einen anderen Anstrich als die Karosserie, auf Wunsch mit Tattoo -Aufklebern, der Innenraum lässt sich mit passenden Fußmatten bestücken und das Armaturenbrett ebenfalls den Farbwünschen anpassen. Sogar der Tigerenten-Look lässt sich herstellen, wenn es denn sein muss. Bei Citroën behauptet man, dass sich unter 100.000 produzierten DS3 womöglich keine zwei gleichen befinden. Das ist insgesamt nett und dürfte durchaus den Geschmack der Kundschaft treffen.
Freilich kann der Mini das grundsätzlich auch. Die Dachfarbe ist frei wählbar, allerdings ist das Farbspektrum etwas eingeschränkter Statt Tattoos gibt es Rallyestreifen für die Motorhaube, allerdings nur in Schwarz. Im Innern lassen sich ebenfalls die Dekorleisten und die Bespannung des Armaturenbretts in verschiedenen Farben bestellen. Allerdings ist auch hier die Auswahl etwas eingeschränkter. Insgesamt bietet auch der Mini vielfältige Möglichkeiten, sich farblich auszutoben, aber eben nicht ganz so viele wie beim DS3.
Innenraum: Der Mini ist innen sehr verspielt. Ein riesiger, kreisrunder Tacho über der Mittelkonsole, ein kleinerer, ebenso kreisrunder Drehzahlmesser hinter dem Lenkrad - das muss man mögen. Schön sind die Kippschalter in Flugzeugoptik, mit denen sich unter anderem die Fensterheber bedienen lassen. Da müssen Mini-Neulinge erst mal drauf kommen. Auch die Luftdüsen und die Hebel zum Öffnen der Türen haben etwas Besonderes. In sich ist das Ganze schon stimmig. Das Raumgefühl auf den vorderen Plätzen ist ordentlich, auch für Großgewachsene. Hinten geht es enger zu, aber für die Größe des Autos ist auch hier der verfügbare Platz in Ordnung.
Auch bei Citroën hat man sich was einfallen lassen. Ein besonderer Clou ist das vertikal eingebaute Handschuhfach, das auf dem Beifahrersitz eine ausgesprochen große Beinfreiheit ermöglicht. Dabei bietet die Ablage vor dem Sozius immer noch viel Platz, denn man hat sie einfach unter die Motorhaube verlegt. Darüber findet sich eine Abdeckung mit Klavierlackimitat, die ebenfalls zu gefallen weiß. Die Mittelkonsole mit dem Multimedia- und Navigationssystem und den drei Anzeigen und Bedienelementen für die Klimaanlage sowie dem Radio wirkt ruhig und aufgeräumt. Neben dem Parfumspender hat der DS3 auch ein paar mehr und größere Ablagen zu bieten. Das Lenkrad wirkt durch die Aluapplikationen wertig, die Instrumente dahinter sind eher Standard, ebenso wie die Gestaltung der Seitentüren.
Das Platzangebot auf den vorderen Sitzen ist noch etwas üppiger als beim Mini. Auch auf der Rückbank zeigt sich der Franzose großzügiger. Deutlich wird es, wenn man die beiden Kofferräume vergleicht. Der Citroën bietet ein Volumen von 285 Liter, der Mini hingegen nur 160 Liter. Das ist deutlich. Bei beiden lassen sich die Rücksitze umlegen.
In Sachen Innenraum hat der DS3 leicht die Nase vorne. Das Design ist Geschmackssache, aber da ist der Mini sicher etwas einfallsreicher gestaltet. Die Käuferklientel will ja schließlich was Besonderes. Das bietet der Citroën zunächst etwas konservativer an. Allerdings lässt er sich mit den verschiedenen Optionen durchaus auch aufpeppen. Das Raumangebot und der Nutzwert spricht hingegen letzten Endes für den Franzosen.
Verarbeitung: Dass Citroën mit dem DS3 einen höheren Qualitätsanspruch verfolgt, zeigt sich durchaus auch an den verwendeten Materialien des Autos. Das Lenkrad mit Aluapplikationen ist schön, die Klavierlackoptik ebenfalls, wenn auch Plastik dahinter steckt. Der Schaltknauf ist besonders gefällig geworden. Doch es findet sich auch einiges aus dem Regal von Citroën, das genauso im C3 Verwendung findet. Und nicht alle Materialien sind top, wie zum Beispiel der Kunststoff in den Seitentüren oder seitlichen Abdeckungen der Mittelkonsole.
Da hat Mini den Vorteil, dass sich eigentlich kein Stück BMW im Auto findet. Nicht mal ein Schalter, ein Hebel oder ein Knauf deutet auf die bayerische Verwandtschaft hin. Nicht, dass das verwerflich wäre, aber Mini-Käufer wollen eben auch Mini fahren. Die Verarbeitung des Mini ist tadellos und die Materialien zwar nicht spitze, aber doch hochwertig. Des Gesamteindruck ist einen Tick besser als beim französischen Konkurrenten.
Motor und Fahrwerk: Beide haben in ihren Antrieben dieselben Gene. Der VTI mit 120 PS von Citroën basiert grundsätzlich auf der gleichen Architektur wie der Motor im Mini. Beide haben ein Drehmoment von 160 Newtonmeter. Auch das Grundgewicht unterscheidet sich nur um wenige Kilogramm. Somit sollten sich eigentlich keine großen Unterschiede ergeben.
Weit gefehlt, denn der Mini ist das weitaus agilere Auto. Der DS3 enttäuscht etwas beim Vorwärtsdrang, zeigt sich im Vergleich träger als der britische Kollege. Das zeigen auch die Beschleunigungswerte. In 9,1 Sekunden schafft es der Mini auf die 100 Stundenkilometer, der DS3 braucht dafür 9,9 Sekunden. Das unterstreicht auch der subjektive Eindruck. Beide Autos werden mit Sechsgang-Schaltgetriebe vorangetrieben.
Die Höchstgeschwindigkeit liegt beim Mini bei 203 Stundenkilometer. Der Citroën muss schon bei 190 passen. Allerdings fühlen sich hohe Geschwindigkeiten etwas besser an als im Mini. Das liegt am Fahrwerk, das den Mini so charakteristisch macht. Er vermittelt wirklich ein bisschen das Gefühl von Kartfahren. Da ist der DS3 im Vergleich das weitaus biederere Auto. Aber auch er hat ein straffes und durchaus angenehm stabiles Fahrwerk zu bieten. An die Fahrfreude des Mini kommt er jedoch nicht heran, weshalb der Mini hier klar vorne liegt.
Auch der Verbrauch spricht für den Briten. Mit 5,4 Liter genehmigt er sich einen halben Liter weniger nach EU-Norm als der Franzose mit 5,9 Liter. auch bei unseren Testfahrten lag der Mini im Spritkonsum unter dem des DS3. Allerdings etwas knapper, weil die Fortbewegung mit dem Cooper doch mehr Spaß macht und zu einer flotten Gangart verführt. Die CO2-Emissionen liegen bei 136 Gramm (DS3) und 127 Gramm (Mini).
Kosten: Mit einem Basispreis von 17.500 Euro ist der Citroën DS3 zwar kein billiges Auto, aber er kann sich durchaus sehen lassen. MP3-Radio, getönte Scheiben und die zahlreichen Aluminium-Applikationen gibt es in Serie. Das Navigationssystem mit Einparkhilfe kostet 1300 Euro extra, die Dachaufkleber mit den entsprechenden Fußmatten gibt es für 400 Euro. Der Mini Cooper liegt preislich mit 19.300 Euro doch ein gutes Stück darüber. In Serie gibt es weniger dazu, allerdings immerhin die schicken 16-Zoll-Felgen. Das Navi kostet stolze 2450 Euro, mit dem empfehlenswerten Chili-Paket kommen Klimaautomatik, Teillederbespannung und das Sportafhrwerk. Kostenpunkt: 2550 Euro. Damit reißt der Mini Cooper recht schnell die Grenze von 20.000 Euro, während es beim DS3 dafür fast schon ein Auto mit Vollausstattung gibt.
In der Gesamtwertung haben wir den Citroën DS3 dennoch einen Hauch vor dem Mini gesehen. Der Franzose bringt mehr Praxisnutzen mit und hat das frischere Design. Das sind zwei wichtige Punkte, in denen der Newcomer punkten kann. Die Kategorie Fahrspaß geht allerdings klar an das Briten, dessen Fahrwerk mehr Freude bringt und der einen agileren Motor hat. Auch in der Verarbeitung liegt er vorne, wenn auch nicht so klar. Was die Individualisierungsmöglichkeiten angeht, so kann der DS3 wieder punkten. In der Summe reicht es dann aber nicht ganz für den Mini, und er muss sich hauchdünn dem Newcomer geschlagen geben. Die Kaufentscheidung wird bei solchen Autos am Ende allerdings ohnehin über den Geschmack getroffen. Und darüber lässt sich ja bekanntlich nicht streiten.
Datenblatt | Citroën DS3 VTi 120 | Mini Cooper |
Abmessungen LxBxH | 3,96 / 1,72 / 1,46 Meter | 3,70 / 1,68 / 1,41 Meter |
Leergewicht | 1150 kg | 1065 kg |
Sitzplätze | 5 | 5 |
Ladevolumen | 222 bis 1258 Liter | 260 bis 410 Liter |
Maximale Zuladung | 435 kg | 470 kg |
Motor | Otto-Motor mit vier Zylindern in Reihe | Otto-Motor mit vier Zylindern in Reihe |
Antrieb und Getriebe | Frontantrieb, | Frontantrieb, |
max. Leistung | 126 PS (93 kW) bei 6300 U/Min | 110 PS (81 kW) bei 6000 U/Min |
Kraftstoffart | Benzin | Benzin |
Tankinhalt | 45 Liter | 40 Liter |
Höchstgeschwindigkeit | 190 km/h | 203 km/h |
max. Drehmoment | 160 Newtonmeter bei 4250 U/Min | 160 Newtonmeter bei 4250 U/Min |
Beschleunigung 0 - 100 km/h | 9,9 Sekunden | 9,1 Sekunden |
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Schnitt) | 7,9/4,8/5,9 Liter | 6,9/4,6/5,4 Liter |
CO2-Emissionen | 136 Gramm pro Kilometer | 127 Gramm pro Kilometer |
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette | EURO 5 / Grün | EURO 5 / Grün |
Grundpreis | 17.500 Euro | 19.300 Euro |
Quelle: n-tv.de

