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Je genauer man hinschaut, desto größer werden die Unterschiede des angeblich so ähnlichen Porsche Panamera und Aston Martin Rapide.
Je genauer man hinschaut, desto größer werden die Unterschiede des angeblich so ähnlichen Porsche Panamera und Aston Martin Rapide.(Foto: Axel F. Busse)

977 PS für 378.000 Euro: Aston Martin vs. Porsche

Von Axel F. Busse

Sie sind stark, schnell, luxuriös - und sehr teuer: Aston Martin Rapide und Porsche Panamera gehören zu den sportlichsten Viertürern, die es zu kaufen gibt. n-tv.de hat sie vor dem kommenden Facelift in einem Exklusiv-Test genauer unter die Lupe genommen.

Während der Panamera fast ein Megaseller ist, fristet der Aston Martin hierzulande eher ein Nischendasein.
Während der Panamera fast ein Megaseller ist, fristet der Aston Martin hierzulande eher ein Nischendasein.(Foto: Axel F. Busse)

Ehe der Einwand kommt, Äpfel mit Birnen vergleichen zu wollen, wäre zu klären, wer ist Apfel und wer Birne? Einheimisches Obst als Synonym für den Aston Martin heranziehen zu wollen, muss danebengehen, denn nicht nur auf deutschen Straßen stellt er eine exotische Frucht ganz seltener Art dar. Dafür sprechen schon die nicht ganz 50 Neuzulassungen, die das Kraftfahrtbundesamt im vergangenen Jahr registrierte.

Mit fast 3500 Anmeldungen ließ der Panamera dagegen sogar die S-Klasse von Mercedes hinter sich. Im Unterschied zum Aston Martin gibt es den Porsche auch mit Dieselmotor, die Selbstzünder machten 43 Prozent der deutschen Zulassungen aus. Und doch sind sich der englische Edelmann und der deutsche Schwerathlet irgendwie ähnlich. Sie geben jeweils spezielle Interpretationen der Idee eines viertürigen Coupés wieder. Beide setzen auf High-End-Komfort und schubsen im Bedarfsfall so manchen sportlichen Zweisitzer souverän von der linken Spur.

Dem Porsche Panamera fehlt vor allem am Hinterteil das Filigrane eines Aston Martin.
Dem Porsche Panamera fehlt vor allem am Hinterteil das Filigrane eines Aston Martin.(Foto: Axel F. Busse)

Karosserie/Design: Dass Porsche auch elegant kann, hat die Designabteilung unter Michael Maurer gerade mit dem Konzept-Fahrzeug Sport Turismo bewiesen. Der dort gezeigte Hauch von Leichtigkeit ist am Panamera noch spurlos vorüber gegangen. Von den zwei Tonnen Gewicht, die das fahrfertige Auto auf die Waage bringt, ist sozusagen jedes einzelne Kilo sicht- und greifbar. Vor allem das wuchtige, runde Heck bestimmt diesen Eindruck. Allerdings ist es kein Fett, was der Panamera turbo dort zum Markte trägt, sondern austrainierte Muskelmasse. Die vier Türen sind konventionell mit einem Scheibenrahmen versehen, auf die der Rapide verzichtet.

Ebenfalls fast fünf Meter lang und sogar noch ein paar Kilo schwerer als der Porsche ist der Aston Martin. Jedoch würde niemand, der ihn zum ersten Mal sieht, auf die Idee kommen, dass so viel Masse unter der filigranen Struktur steckt. Katzengleich duckt sich der tiefe Kühlergrill gegen den Boden, ein melodischer Schwung wächst aus der flachen Frontscheibe über die Kabine und wirft einen gespannten Harmonie-Bogen bis zum steil abfallenden Heck, auf das als Schlussakkord noch eine schmale Spoilerlippe gesetzt ist. Kein Zweifel, das Designteam um Marek Reichman hat mit der Rapide-Karosserie eine der gelungensten Verpackungen für eine Luxus-Limousine abgeliefert. Doch bedeuten zwei Endrohre angesichts von zwölf Brennräumen ein bisschen zu viel Understatement.

Das leuchtend rote Leder kommt etwas schwül daher.
Das leuchtend rote Leder kommt etwas schwül daher.(Foto: Axel F. Busse)

Ambiente/Komfort: Wer bereit und in der Lage ist, um die 200.000 Euro für ein Auto auszugeben, will beim Ambiente keine Kompromisse machen. Das leuchtend rote Leder-Interieur des Rapide-Testwagens trägt dem Wunsch nach Exklusivität Rechnung, natürlich gibt es auch weniger schwüle Farbtöne, so dass man die Klimaanlage nicht im Dauerbetrieb halten muss. Extravaganz und Selbstbewusstsein sind die Eigenschaften, die den Innenarchitekten offenkundig die Hand führten. Vor Antritt jeder Fahrt steht ein "Schlüsselerlebnis" besonderer Art: Die mit einem schweren Kristalleinsatz bewehrte Starthilfe wird in einen Schlitz versenkt, ihr Ersatz nach Verlust oder Beschädigung kostet angeblich ein Prozent des gesamten Fahrzeugs.

Die Mittelkonsole des Panamera ist so reich mit Knöpfen bestückt, dass die Orientierung schwierig werden kann.
Die Mittelkonsole des Panamera ist so reich mit Knöpfen bestückt, dass die Orientierung schwierig werden kann.(Foto: Axel F. Busse)

Nicht nur auf den Rücksitzen fühlt man sich wie im Neopren-Anzug, weshalb der Rapide als Chauffeurs-Wagen definitiv nicht in Frage kommt. Sportlich eng geschnitten ist auch das Cockpit, in die Sitzmulden schlüpft man zügig wie in einen Handschuh. Mit 36 cm Durchmesser ist das Lenkrad extrem klein, das des Porsche misst einen Zentimeter mehr. Die mittlere Konsole ist so reichlich mit Bedienelementen bestückt, dass die Orientierung einige Zeit in Anspruch nimmt. Die Anzeige der Menü-Information ist winzig, die aus Leuchtpunkten animierte Schrift wirkt wie eine romantische Reminiszenz an die Frühzeit der Digitaltechnik. Gegenläufige Skalen untermauern den Hang zum Individualismus. Da durch die schmalen Fensterschlitze die Sicht nach hinten gegen Null tendiert, freut man sich über das gestochen scharfe Bild der Rückfahrkamera auf dem versenkbaren Monitor, das an Brillanz und Präzision das des Porsches deutlich übertrifft.

Ins Cockpit des Aston Martin schlüpft man wie in einen Neoprenanzug.
Ins Cockpit des Aston Martin schlüpft man wie in einen Neoprenanzug.(Foto: Axel F. Busse)

Der ist ob seiner üppiger geschnittenen Kabine klar besser für den Chef geeignet, der im Fond auch mal Vorlagen studieren möchte. Zwar teilt auch hier eine durchgehende Konsole die beiden Rücksitze, doch sie ist flacher gestaltet und lässt so mehr Bewegungs- und Kommunikationsfreiheit, wenn beide Plätze belegt sind. Sie sind so tief montiert, dass selbst 1,90-Meter-Hühnen elegant unter die Dachkuppel gleiten können. Zwar hat der Aston Martin den längeren Radstand, kann ihn aber wegen des weit hinten eingebauten Motors nicht für Raumgewinn in der Fahrgastzelle nutzen. Von der vorderen Konsole bis zur hinteren Rückenlehne sind im Porsche zehn Zentimeter mehr Platz messbar.

Ebenfalls vornehm, nur ein bisschen bodenständiger geht es im Panamera zu. Die rampenartig ansteigende Konsole ist klar gegliedert, auch wenn sie ebenfalls nicht mit Tasten und Reglern geizt. Wer sich für eine helle Lederausstattung entscheidet, sollte damit rechnen, bei bestimmtem Lichteinfall störende Reflektionen in der Windschutzscheibe zu haben. Lüftungsgitter und die metallischen Einfassungen der oberen Lautsprecher sind beliebte Motive zur ungewollten Abbildung im Frontglas.

V8-Zylinder-Motor mit 4806 ccm Hubraum werkelt im Porsche Panamera.
V8-Zylinder-Motor mit 4806 ccm Hubraum werkelt im Porsche Panamera.(Foto: Axel F. Busse)

Antrieb/Fahrwerk: Hier offenbaren sich die konzeptionellen Unterschiede der beiden Luxusliner. Zwölfzylinder gegen V8, Sauger gegen Turbo, Hinterradantrieb gegen Allrad. In der Akustikwertung schlägt der Aston den Porsche um Längen, obwohl der Zuffenhausener Bolide auch kein Leisetreter ist. Der seidige Sechsliter-V12 aber, handgefertigt in Deutschland, brummelt, schnaubt und röhrt so majestätisch, dass man geneigt ist, alle Downsizing-Ideen rundweg anzulehnen.

Die sechsgängige Wandlerautomatik kann nicht immer mit der gleichen Souveränität aufwarten. Bei geringer Last schwankte sie zuweilen unschlüssig zwischen den Fahrstufen hin und her. Der Sportmodus des Getriebes trägt seinen Beinamen zu Recht, Gasbefehle spontan umzusetzen war keine besondere Herausforderung. Das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe des Porsche spielt seine Vorzüge aus, wenn es schnell gehen muss. Ohne Zugkraftverlust vehement beschleunigen, bei Verzögern eine oder zwei Stufen überspringen – alles kein Problem. Da der Turbo überdies nur halb so viel Drehzahl braucht wie der V12-Sauger, um vollen Schub zu generieren, ist Durchzugskraft für den Panamera kein Thema, das Fragen aufwirft.

Ein Sechsliter-V12 brummelt, schnaubt und röhrt im Aston Martin Rapide.
Ein Sechsliter-V12 brummelt, schnaubt und röhrt im Aston Martin Rapide.(Foto: Axel F. Busse)

Serienmäßige Luftfederung und eine optionale aktive Chassis-Kontrolle lassen den Panamera so ausgewogen und nüchtern über den Asphalt gleiten, so dass man sich durch Blick aufs Markenlogo zuweilen der Emotionalität des Unterfangens erinnern muss. Sinnliches Vergnügen auf jedem Kilometer ist vom Aston Martin zu erwarten, der die Qualität von Handling und Bequemlichkeit durch Doppeldreiecks-Querlenker mit Stahlfedern und Adaptivdämpfern sicher stellt. Die durch Transaxle-Bauweise (Getriebe an der Hinterachse) ermöglichte ideale Gewichtsverteilung hilft, Spurtreue und Lenkpräzision zu gewährleisten. Nur selten wird der vornehme Brite sich auf Kopfsteinpflaster verirren, weshalb das bei solch einem Ausflug am Testwagen festgestellte Klappern in der Lenksäule wohl ein Ausnahmefall war.

Im Panamera erweitert sich das Kofferraumvolumen bei umgelegter Rückbank auf 1250 Liter.
Im Panamera erweitert sich das Kofferraumvolumen bei umgelegter Rückbank auf 1250 Liter.(Foto: Axel F. Busse)

Nutzen/Funktion: Auch wenn es sich bei Luxus-Schlitten dieser Preisregion eher um Schmuckstücke als um Fortbewegungsmittel handelt, sollten Fragen nach Nutzwert und Funktionalität nicht gänzlich unterbleiben. Das dachten sich gewiss auch die Konstrukteure des Rapide, als sie die Rückenlehnen im Fond beweglich gestalteten und so die Chance auf fast 900 Liter Gepäckvolumen schufen. Die geringe Zuladung ist jedoch ein Hindernis für die Auslastung von Plätzen und Kofferraum, denn vier Erwachsene bringen den Aston Martin schon an den Rand des Erlaubten. Beim Porsche ist es eher die unkomfortable Ladehöhe von 80 Zentimetern, die an der Nutzung des bis zu 1250 Liter großen Gepäckabteils hindert.

Auf unkonventionelle Weise ist im Rapide die Bedienung des Getriebes gelöst. Mittels Drucktasten in Höhe der Lüftungsdüsen wird der gewünschte Modus vorgewählt. Feststehende Paddel an der Lenksäule sind für den Fall vorgesehen, dass der Fahrer manuell die Gänge wechseln will. Das gibt es auch im Panamera, dort jedoch vollziehen die Paddel die Drehbewegung des Lenkrades mit, was die Erreichbarkeit mit den Fingerspitzen erleichtert

Wenn Fahrkomfort und Ausstattung erstklassig sind, darf das Entertainment nicht dahinter zurück fallen. Im Aston Martin sorgt eine B&O-Anlage für standesgemäße Beschallung, der Panamera Turbo war mit einem System der HiFi-Manufaktur Burmester ausgestattet. Dass dies zu "nur" rund 3500 Euro Mehrkosten führt, ist insofern bemerkenswert, da Burmester sonst Heim-Audioanlagen baut, die dem Preis eines neuwertigen 911ers nicht nachstehen.

Fazit: Je genauer man hinschaut, desto größer werden die Unterschiede der angeblich so ähnlichen Viertürer. Und damit sind nicht die Preisdifferenz im Gegenwert eines Mittelklassewagens oder drei Liter im Durchschnittsverbrauch gemeint. Die Protagonisten basieren nicht nur technisch auf verschiedenen Antriebskonzepten, sie taugen auch zur sozialen Standortbestimmung der Nutzer.

Der Fahrer eines Panamera turbo ist dem Vertrauten zugetan, hat nichts dagegen, gelegentlich in der Masse der Modellgeschwister mit Sechszylinder- oder Dieselmotor abzutauchen. Dem Aston-Martin-Fahrer ist jede Verwechslungsgefahr zuwider. Sein Wagen ist ebenso Ausweis seines Wohlstands wie seines Wunsches nach exklusiver Beförderung. Außergewöhnliche Performance und höchsten Komfort bieten beide – weshalb auch diese Entscheidung zur Bauchsache werden dürfte.

 

DATENBLATTAston Martin RapidePorsche Panamera
Abmessungen4,91 / 1,93 / 1,35 m4,97 / 1,93 / 1,41  m
Radstand2,99 m2,92 m
Leergewicht (DIN)2065 kg2045kg
Sitzplätze44
Gepäckraumvolumen317 - 886 Liter432 - 1250 Liter
Maximale Zuladung275 kg455 kg
EmissionsklasseEU 5EU 5
Motor/HubraumV12-Zylinder-Motor mit 5935 ccm HubraumV8-Zylinder-Motor mit 4806 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Wandlerautomatik7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
AntriebHinterradantriebAllradantrieb
Leistung477 PS (350 kW) bei 6000 U/min500 PS (368 kW) bei 6000 U/min
KraftstoffartSuperbenzinSuperbenzin
Tankinhalt91 Liter100 Liter
Höchstgeschwindigkeit296 km/h303 km/h
max. Drehmoment600 Nm bei 5000 U/min700 Nm von 2250 - 4500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h5,2 s4,2 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)10,4 / 22,6 / 14,9 Liter8,4 / 17,0 / 11,5 Liter
Testverbrauch15,5 Liter12,8 Liter
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
365 g/km270 g/km
Grundpreis190.516 Euro141.022 Euro
Preis des Testwagens206.545 Euro171.872 Euro
Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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