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Die Robuste Beplankung sorgt auch beim Fronttriebs-Modell des Kia Sportage für eine authentische SUV-Optik.
Die Robuste Beplankung sorgt auch beim Fronttriebs-Modell des Kia Sportage für eine authentische SUV-Optik.(Foto: Axel F. Busse)

Kia Sportage: Athlet mit Kostenvorteil

Von Axel F. Busse

Der Kia Sportage ist das zweiterfolgreichste Modell der Marke in Deutschland. Überwiegend werden Diesel- und Allradmodelle geordert. Doch warum? Im frontgetriebenen Zweiliter-Benziner ist n-tv.de der Frage nachgegangen.

Das flache Heckfenster schränkt die Sicht nach hinten etwas ein.
Das flache Heckfenster schränkt die Sicht nach hinten etwas ein.(Foto: Axel F. Busse)

Das Segment der Sports Utility Vehicle (SUV) wächst – und das seit Jahren. Das Kraftfahrtbundesamt führt in seiner Statistik 67 verschiedene Modelle. Doch nur ein Bruchteil dessen, was wie ein Geländewagen aussieht, wird auch jenseits asphaltierter Straßen bewegt. Viele schleppen die aufwändige Allradtechnik wie nutzlosen Ballast mit sich herum. Beim Kia Sportage ist das nicht anders. Das Kompakt-SUV, mit mehr als 12.500 Neuzulassungen im Jahr 2012, ist in Deutschland fast so gefragt wie das Modell C’eed und wird zu mehr als der Hälfte mit Allradantrieb verkauft. Dabei haben 63 Prozent der koreanischen Kraxler dann natürlich auch einen Dieselantrieb.

Gleichzeitig stellen private Halter das Gros der Kunden, die im Unterschied zu den gewerblichen im Schnitt auf geringere Jahres-Kilometerleistungen kommen und so Schwierigkeiten haben, die höheren Anschaffungs- und Unterhaltskosten durch den Verbrauchsvorteil wett zu machen. Grund genug also, sich einen Benziner im Sportage-Programm näher anzuschauen, in diesem Falle das Zweiliter-Modell mit 163 PS.

Athletischer Gesamteindruck

Seit der ehemalige Audi-Zeichner Peter Schreyer das Kia-Design verantwortet, hat die Marke deutlich an Profil gewonnen. Mit dem letzten Modellwechsel hat auch der Sportage einen großen Schritt nach vorn gemacht, sieht athletisch und modern aus, ist innen wie außen sehr europäisch gestylt und veranlasst – wie in diesem Fall bewiesen - an der Ampel sogar BMW X6-Fahrer, neugierig auf den bullig daher kommenden Fünftürer zu schielen. Ob er wohl nachgerechnet hat, wie viele Sportage er sich für den Preis seines Wagens hätte kaufen können? Egal, in seinem Segment ist der kesse Koreaner unter die "Top Five" bei den Importmodellen aufgerückt.

Der Kia Sportage gehörte 2012 zu den Top Five der Import-SUV.
Der Kia Sportage gehörte 2012 zu den Top Five der Import-SUV.(Foto: Axel F. Busse)

Mit einer Länge von 4,44 Metern ist der Kia zwar eine Idee länger als der Klassenprimus VW Tiguan, aber dafür breiter und fünf Zentimeter flacher. Das lässt ihn dank der Bodenfreiheit von etwas mehr als 170 Millimetern und 17- bis 18-Zoll-Rädern kraftvoll erscheinen. Die Alus gibt es übrigens ab Werk, ebenso wie die Klimaanlage und ein Audio-System. Der Aufbau wirkt durch die hohe Gürtellinie flach und gedrungen. Die senkrechte Chromspange an den hinteren Seitenscheiben setzt einen optischen Akzent gegen das steil abfallende Heck.

Während der direkt einspritzende 1,6-Liter-Benziner 136 PS mobilisiert, kommt das Zweiliter-Aggregat auf 163 PS. Für den je nach Ausstattung um 1500 Kilogramm schweren Wagen erscheint der größere Motor nicht zwingend als bessere Wahl, denn man sollte nicht zuviel Temperament erwarten, wenn man gleichzeitig den Verbrauch im Rahmen halten will. Der Saugmotor erreicht erst bei 6200 Umdrehungen sein Leistungsmaximum und wer die Kurbelwelle regelmäßig in solche Regionen treibt, zahlt bekanntlich gehörig drauf.

Nur fünf Gänge im Handschalter

Erschwerend kommt hinzu, dass es sechs Gänge für die Handschaltung nur in Verbindung dem 1,6er-Motor gibt. Im  Zweiliter-Benziner bekommt man fünf Gänge oder darf 1250 Euro extra für die sechsstufige Automatik ausgeben. Folge: Mit nur einem lang übersetzten Gang dreht der Motor häufig höher als er müsste und saugt so Treibstoff aus dem Tank, der sinnvoller verbrannt werden könnte. Das Ergebnis in diesem Test: Trotz zurückhaltender Fahrweise und ohne allzu häufige Versuche, den Sportler im Sportage zu wecken, wies der Bordcomputer am Ende 8,8 Liter Durchschnittsverbrauch aus. Auf dem Norm-Prüfstand erreichte der Wagen 7,5 Liter. Kleiner Trost: Der VW Tiguan mit Zweiliter-Ottomotor schluckt auch nicht weniger, hat aber dank Aufladung auch 17 PS mehr.

Das aufgeräumte Cockpit ist klar gegliedert und intuitiv zu bedienen.
Das aufgeräumte Cockpit ist klar gegliedert und intuitiv zu bedienen.(Foto: Axel F. Busse)

Natürlich wird im Hyundai-Konzern, zu dem die Marke Kia gehört, auch die Start-Stopp-Technik als Mittel zur Verbrauchsreduzierung beherrscht. Nur leider reicht die Großzügigkeit nicht so weit, sie den Kunden kostenfrei zu überlassen. 300 Euro werden dafür in Rechnung gestellt, überdies können nur die Kunden des 1,6er-Benziners und des 1,7-Liter-Dieselmotors davon profitieren. Für den gefahrenen Zweiliter-Benziner ist sie gar nicht zu haben.  Ob sich die Investition lohnt, sollten die Kunden ohnehin genau nachrechnen, denn laut Datenblatt beträgt der Verbrauchsunterschied mit und ohne Start/Stopp beim Ottomotor nur 0,4 Liter je 100 Kilometer. Rechnerisch könnten (nach aktuellen Spritpreisen) also nur etwa 65 Euro je 10.000 Kilometer eingespart werden.

Sieht man von dem fehlenden 6. Gang ab, hat der Kia auch ohne Allradantrieb eine Menge Positives zu bieten. Als Transporter von Einlauf und Reisegepäck macht er eine gute Figur, da die Ladekante mit 77 Zentimetern recht niedrig ist. Die Heckklappe ist so gut gelagert, dass sie mit geringem Kraftaufwand auf- und zuschwingt. Das Umlegen der teilbaren Rückbank gelingt dank der Zugschlaufen bequem und schnell, allerdings wünschte man sich eine ebene Ladefläche – die des Sportage weist einen kleinen Winkel in Richtung der Vordersitze auf. Sind die Rücksitze mit Passagieren belegt, können die sich über recht gute Bewegungsfreiheit freuen. Auch die Dachhöhe gibt keinen Anlass zu Kritik, obwohl das Dach wegen der sportlich-dynamischen Linienführung nach hinten etwas abgeflacht ist.

Satte 1500 Euro Kostenvorteil

In der Vision-Ausstattungslinie bringt der Sportage außer größeren Felgen noch LED-Tagfahrlicht, Parksensoren und Dachreling mit. Dass allerdings ein Tempomat zu den aufpreispflichtigen Extras gehört, ist weniger erfreulich. Er ist Bestandteil des 425 Euro teuren Funktionspakets, worin außerdem die Sitzheizung vorn, das Multifunktionslenkrad und die Bluetooth-Freisprechanlage enthalten sind.

Das sportlich-straff angestimmte Fahrwerk erfüllt durchschnittliche Komfort-Erwartungen, Lenkung und Schaltung sind angenehm präzise, so dass ein entspanntes und aufregungsfreies Fahrerlebnis garantiert ist. Das Bremspedal hat einen etwas zu kurzen Weg, weshalb die Dosierung des Bremsdrucks gewöhnungsbedürftig ist. Mit dem sensiblen Gaspedal ist der sonst sehr leise Vierzylinder beim Anfahren leicht zum Jaulen zu bringen. Das aufgeräumte Cockpit ist weitgehend frei von billigen Plastikoberflächen, so dass der Gesamteindruck solide und werthaltig ist. Die Sitze könnten ein bisschen mehr Seitenhalt bieten, denn laut Eigenwerbung ist der Sportage doch "der Sportler unter den Kompakt-SUV".

Fazit: Die These "es muss nicht immer Allrad sein" hat diese Winter-Testfahrt belegt. Auch als Fronttriebler macht der Kia Sportage Freude, bringt Passagiere und Gepäck sicher von A nach B. Die Mehrausgabe von 1500 Euro, so viel kostet die 4x4-Technik nämlich, kann man getrost in Lederpolster oder ein Navi-System stecken. Wer auf den Selbstzünder verzichten kann, sollte aber einen Blick auf den kleineren Benziner werfen: Der wiegt rund 80 Kilo weniger, läuft fast genau so schnell und hat obendrein noch einen sechsten Gang. Oder man wartet einfach noch etwas - bis auch Kia aufgeladene Ottomotoren anbietet.

DATENBLATTKia Sportage 2.0 CVVT 2WD
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,44 m/ 1,86 m/ 1,65 m
Radstand2,64 m
Leergewicht (DIN)1567 kg
Sitzplätze5
Gepäckraum465 l / 1353 l
Ladehöhe77 cm
Motor/Hubraum4-Zylinder Reihenmotor, quer eingebaut, mit 1998 ccm Hubraum
Getriebe5-Gang manuell
Leistung163 PS (120 kW) bei 6200/min
KraftstoffartBenzin
AntriebVorderachsantrieb
Höchstgeschwindigkeit184 km/h
max. Drehmoment194 Nm bei 4600/min
Tankinhalt58 l
Beschleunigung 0-100 km/h10,4 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)6,1/ 9,8/ 7,5 Liter
Testverbrauch8,8 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
177 g/km
Grundpreis23.560,00 Euro
Preis des Testwagens25.825,00 Euro

Quelle: n-tv.de

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