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Kraftvolles Design, bullige Front: Der Kia Sorento übt keine falsche Bescheidenheit.
Kraftvolles Design, bullige Front: Der Kia Sorento übt keine falsche Bescheidenheit.(Foto: Busse/Textfabrik)

Preiswert und komfortabel: Kia hat mit dem Sorento Premium im Blick

Von Axel F. Busse

Die neue Generation des Kia Sorento ist seit März im deutschen Handel. Das SUV funktioniert nach einem einfachen Prinzip: weniger Offroad, mehr Komfort. Wie sich das in der Praxis anfühlt, zeigt der n-tv.de-Praxistest.

Es war nicht nur ein großes Auto, sondern auch ein großer Wurf. Den 2002 vorgestellten Kia Sorento fanden die deutschen Autofahrer so verlockend, dass Spätbesteller teilweise Lieferzeiten von einem Jahr hinnehmen mussten. Inzwischen hat sich die Lage entspannt. Die Zuteilung aus Korea wurde aufgestockt, denn Deutschland ist mit zuletzt mehr als 53.000 verkauften Kia-Fahrzeugen ein wichtiger europäischer Platz für die Marke geworden. Obwohl erheblich teurer, konnte Kia 2014 vom Sorento hierzulande mehr Einheiten absetzen als vom Modell Soul.

Mit der dritten Generation ist Kia's Spitzen-SUV gehörig gewachsen.
Mit der dritten Generation ist Kia's Spitzen-SUV gehörig gewachsen.(Foto: Busse/Textfabrik)

Die deutschen Kunden bevorzugen bei SUV dieses Kalibers zu drei Vierteln oder mehr einen Dieselmotor. Konsequenterweise hat Kia beim neuen Sorento gleich ganz auf Alternativangebote verzichtet und liefert den Wagen nur mit Selbstzünder aus. Der 2,2 Liter große Vierzylinder leistet 200 PS, eine variable Turbinengeometrie des Laders soll einen Druckaufbau auch bei geringem Abgasstrom garantieren. So kommen sehr ordentliche 441 Newtonmeter Drehmoment schon bei 1750 Umdrehungen zustande. Das Automatikgetriebe des Testwagens verfügte - ebenso wie es bei den Handschaltern Serie ist - über eine Start-Stopp-Einrichtung.

Hochwertiges Ambiente

Fast zehn Zentimeter Außenlänge hat das Fahrzeug gegenüber dem Vorgänger hinzugewonnen und die um 15 Millimeter abgesenkte Dachlinie lässt es gestreckter erscheinen. Allerdings hätte man sich auch etwas mehr Radstand gewünscht, denn der kommt bekanntlich den Fondpassagieren zugute. Mehr als 2,78 Meter hat der Sorento in dieser Disziplin nicht zu bieten, selbst ein um 15 Zentimeter kürzerer Audi Q5 bietet fast drei Zentimeter mehr Platz zwischen den Achsen. Dennoch sind die Platzverhältnisse auf der Rückbank überraschend großzügig und als weiteres Komfortdetail gibt es dort eine zusätzliche USB-Buchse, um auch die Mobilität der Smartphones am Laufen zu halten. Markant und elegant ist die Front geraten. Den fast senkrecht stehenden Kühlergrill im charakteristischen "Tigernasen"-Design flankieren weit in die Seiten hineingezogene Scheinwerfergläser.

Wertig und wohnlich: Die Inneneinrichtung des SUV ist komfortabel und funktionell.
Wertig und wohnlich: Die Inneneinrichtung des SUV ist komfortabel und funktionell.(Foto: Busse/Textfabrik)

Der Innenraum präsentiert sich deutlich aufgewertet und wohnlich möbliert. Die verwendeten Materialien sorgen für eine komfortable Atmosphäre, unterschäumte Verkleidungen und bündig eingepasste Funktionstasten fügen sich zu einem hochwertig anmutenden Ambiente. Alle elektrischen Fensterheber, die vom Fahrersitz aus bedient werden, haben eine Automatik-Funktion. Obwohl die D-Säule recht breit ist, bleibt die Übersichtlichkeit gut, so dass Manövrieren und Rangieren – übrigens mit einer ebenso leichtgängigen wie präzisen Lenkung - keine Probleme aufwerfen.

Für 900 Euro extra gibt es auch eine dritte Sitzreihe, die flach im Boden versenkt werden kann. Sie verkleinern das Ladevolumen nur unwesentlich. Nutzt man den kompletten Gepäckraum durch Umlegen der zweiten Sitzreihe, entsteht eine ebene Fläche, die selbst dann noch zwei Meter lang ist, wenn die Vordersitze für 1,80 Meter große Insassen eingestellt sind. Die Bewegungsmechanik ist kinderleicht zu bedienen, nur ein Griff und die Sitzpolster rücken vor, während die Lehnen umklappen. Unter dem beweglichen Ladeboden ist noch Platz für allerlei Kleinteile und auch sonst fehlt es nicht an Ablagen und Staufächern. Die Heckklappe hat in den höheren Ausstattungslinien eine elektrische Betätigung. Bei kompletter Öffnung sind unter dem Schloss 1,88 Meter Platz.

Umfangreiche Serien-Ausstattung

Nach Umlegen der Rückbank kann eine zwei Meter lange Ladefläche genutzt werden.
Nach Umlegen der Rückbank kann eine zwei Meter lange Ladefläche genutzt werden.(Foto: Busse/Textfabrik)

Bei der gefahrenen "Vision"-Ausstattung gehören unter anderem zum Standardlieferumfang: Berganfahrhilfe, Isofix-Kindersitzbefestigungen, 17-Zoll-Alufelgen, Reifendruckkontrolle, Gurtstraffer und –anlegeerinnerung für alle Sitzplätze, Dachreling, Privacy-Verglasung ab B-Säule, 12-Volt-Steckdosen in Zentralkonsole und Tunnelkonsole hinten, Radio-CD-Kombination und Navigation mit 7-Zoll-Touchscreen, Sitzheizung vorn, Abbiegelicht, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer, selbstabblendender Innenspiegel, Rückfahrkamera, Licht- und Regensensor sowie Tempomat.

Der 2,2-Liter-Diesel ist ein wackerer Geselle mit rauem Tonfall, allerdings bekommen die Insassen davon dank guter Geräuschdämmerung nicht allzu viel mit. Die Gasannahme ist nur gering verzögert, die Kraftentfaltung druckvoll und für ein fast zwei Tonnen schweres Gefährt hinreichend temperamentvoll, so dass bis zum Erreichen der 100-km/h-Marke knapp zehn Sekunden vergehen. Das Doppelte dessen gibt der Hersteller als Höchstgeschwindigkeit an, die GPS-Messung indessen bestätigte den Wahrheitsgehalt. Etwas eingeschränkt wird der Fahrkomfort bei höheren Geschwindigkeiten durch heftige Windgeräusche, die ab etwa 160 km/h einsetzen.

Benzinduft ausgeschlossen: Den Sorento gibt es in Deutschland nur mit Dieselmotor.
Benzinduft ausgeschlossen: Den Sorento gibt es in Deutschland nur mit Dieselmotor.

Hardcore-Geländeausstattung wie Verteilergetriebe und Hinterachs-Differenzial gehören in der dritten Sorento-Generation zum alten Eisen. Dass der Wagen nicht für kernige Offroad-Abenteuer ausgelegt ist, kann man außerdem an der Bodenfreiheit von 185 Millimetern erkennen. Aber das neu entwickelte Allradsystem unterstützt das so genannte Torque-Vectoring, also die Verlagerung von Antriebskraft auf die kurvenäußeren Räder, was zur Fahrtstabilität und zur Sicherheit beiträgt. Im Bedarfsfall kann die ansonsten variable Verteilung der Antriebskraft zwischen Vorder- und Hinterachse auf ein Verhältnis von 50:50 arretiert werden. Fährt man schneller als 30 km/h löst sich die Sperre wieder.

Drei wählbare Fahrmodi

Wer sich für ein manuelles Sechsgang-Getriebe entscheidet, kann gebremste Lasten bis 2,5 Tonnen auf den Haken nehmen, bei der Automatikversion ist es eine halbe Tonne weniger. Dafür können die Automatikfahrer die Schaltcharakteristik durch eine Drive-Mode-Select-Taste ändern. Außer einem Normal- und einem Eco-Modus gibt es auch die Stufe "Sport", die den Motor leichter ansprechen lässt und die Lenkunterstützung reduziert. Dass der Testwagen trotz überwiegend zurückhaltender Fahrweise den Soll-Verbrauchswert verfehlte, ist keine Überraschung. Die ermittelten 9,3 Liter je 100 Kilometer sind jedoch der Größe, dem Gewicht und der Qualität des Fahrkomforts angemessen.

Fazit: Den Kia-Markenclaim "The Power to surprise" kann man angesichts eines Einstiegspreises von unter 35.000 Euro kaum anzweifeln. Zwar gibt es dafür keinen Allradantrieb, aber es ist tatsächlich überraschend, dass ein SUV dieses Kalibers, dieser Komfort- und Ausstattungsqualität so günstig angeboten werden kann. Keine 50.000 zahlt man für die Vollausstattung, die über diverse Assistenzsysteme bis hin zu belüfteten Sitzen reicht. Fahrzeuge dieser Art sind geeignet, den Alleinvertretungsanspruch deutscher Hersteller in Sachen Premium in Frage zu stellen.

DATENBLATTKia Sorento 2.2 CRDi AWD
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,78/ 1,89/ 1,69 m
Radstand2,78 m
Leergewicht (DIN)1917 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen660 / 1732 Liter
Motor4-Zylinder Turbodieselmotor, quer eingebaut, mit 2199 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang Automatik
Leistung147 kW/200 PS bei 3800 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Tankvolumen71 Liter
max. Drehmoment441 Nm bei 1750 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h9,6 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)6,0 / 7,6 / 6,6 l
Testverbrauch9,3 l
EffizienzklasseB/ EU6
Grundpreis40.990 Euro
Preis des Testwagens41.570 Euros

 

Quelle: n-tv.de

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