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Praxistest
20 Jahre und kein bisschen alt: Der Mazda MX-5 hat den bezahlbaren Roadster in Europa hoffähig gemacht.

20 Jahre und kein bisschen alt: Der Mazda MX-5 hat den bezahlbaren Roadster in Europa hoffähig gemacht.

Mittwoch, 14. April 2010

Mazdas neuer MX-5: Lass die Sonne rein

Markus Mechnich

Ein Klassiker, der sich immer wieder neu erfindet: Der Mazda MX-5 hat gezeigt, dass Roadsterfahren nicht teuer sein muss. Diesen Beweis tritt er heute wie vor 20 Jahren an.

Die Sonnenanbeter sind wieder unterwegs. Erste verwegene Einzelkämpfer in offenen Automobilen wurden bereits gesichtet. Und es werden täglich mehr. Kein Wunder nach diesem harten Entzug durch einen sibirischen Winter mit einer Länge von gefühlten sechs Monaten. Wir haben unsere erste Cabrio-Ausfahrt mit einem Klassiker unter den Roadstern gemacht, dem MX-5 von Mazda.

20 Jahre ist der MX-5 mittlerweile auf dem Markt. Und er wirkt kein bisschen alt. Im vergangenen Jahr hat Mazda seinen Bestseller modellgepflegt. Vor allem an der Front haben die Designer Hand angelegt und auch die Heckleuchten neu gezeichnet. Das hat dem Auto gutgetan, denn der neue MX-5 ist sportlicher geworden. Die Frontscheinwerfer wurden schmaler, der Lufteinlass unter der Schürze größer und die Nebelscheinwerfer ebenfalls. Das Auto hat im Zuge der Überarbeitung durchaus an Attraktivität gewonnen. Also, Dach aufgemacht und reingehüpft.

Tief sitzen, mehr spüren

Die Platzverhältnisse im Innern des MX-5 waren noch nie ein Kriterium für den Kauf des Roadsters. Aber auf den beiden vorderen Sitzen ist der Raum absolut ausreichend, wobei es für Menschen jenseits der zwei Meter schon knapp werden dürfte. Da macht sich der vorne längs eingebaute Motor bemerkbar, der eben seinen Platz beansprucht. Dafür hat er eine bessere Straßenlage im Gepäck. Roadster-Neulinge wundern sich über die ausgesprochen tiefe Sitzposition, Kenner erfreut die Bodennähe spätestens beim Losfahren. Nur wenige Autos bieten ein derart direktes Feedback auf das Gesäß wie der MX-5.

Man bleibt sich treu: Kein Blech ziert das Dach, sondern eine Stoffhaube.

Man bleibt sich treu: Kein Blech ziert das Dach, sondern eine Stoffhaube.

Was uns zum Fahrwerk des Autos bringt. Das vermittelt Fahrfreude pur. Schön straff, wie es sich für einen Roadster gehört, aber auch nicht rückenschädigend. Wer es in die sportlichen Sitze geschafft hat, der wird so schnell nicht wieder aussteigen wollen. Passend zum strammen Auftritt arbeitet Mazda konsequent mit Heckantrieb. Auch das ein Klassiker für Roadster, aber beileibe keine Selbstverständlichkeit. Aufgrund dieser flotten Kombination macht mit dem MX-5 sogar die Fahrt im Regen Spaß. Quer in der Kurve - kein Problem. Ein kurzes Antippen der Bremse und schon kommt das Heck wunderbar. Aber nicht übertreiben, sonst ist schnell ein Dreher hingelegt. Wem es zu viel wird, der lässt das ESP die überzähligen Kraftreserven am Hinterrad wegregulieren. Einfach eine Freude, dieser MX-5.

Herr der Landstraße

Für Vortrieb sorgt in unserem Testwagen ein Zwei-Liter-Benziner mit 160 PS. Sicher gibt es stärkere Roadster, aber die Motorisierung ist absolut ausreichend für alle Lebenslagen, selbst wenn das maximale Drehmoment von 188 Newtonmetern erst bei 5000 Umdrehungen pro Minute anliegt. Dem Vorwärtsdrang des Autos tut das wenig Abbruch. In 7,6 Sekunden schafft es der Japan-Roadster auf die 100 Stundenkilometer. Das ist ganz ordentlich und lässt sich auch auf der Straße nachvollziehen, auch wegen des relativ geringen Eigengewichts von 1155 Kilogramm. Die Schaltwege sind kurz und knackig, die Gänge lassen sich mit dem kurzen Hebel präzise bis zum sechsten durchschalten. Bis zu 212 Stundenkilometer soll er auf der Autobahn schaffen.

Durch das Facelift hat der MX-5 zarte Retuschen bekommen, die das Auto attraktiver machen.

Durch das Facelift hat der MX-5 zarte Retuschen bekommen, die das Auto attraktiver machen.

Das haben wir so nicht nachvollzogen, denn das eigentliche Terrain des MX-5 ist die Landstraße. Da spielt die Kombination von flottem Motor und sportlichen Fahrwerk all ihre Vorzüge aus. Das flinke Kurvenräubern macht genauso Spaß wie das entspannte Cruisen auf der Allee. Wer braucht da schon Hochgeschwindigkeitsorgien auf der Autobahn? Das sollen doch andere mit weniger Coolnessfaktor machen. Bei offenem Dach ist ab 160 Stundenkilometern ohnehin jeglicher Halt der Frisur dahin. Bei geschlossenem Dach hält der Haarschopf auch ohne Drei-Wetter-Taft, aber dann beginnt sich die Geräuschkulisse doch zu heben. Durch eine spezielle Schalldämmung des Verdecks ist aber bis dahin kein Unterschied zu einer Limousine zu hören.

Handarbeit beim Dach

Laut Hersteller benötigt der MX-5 im Mittel 7,4 Liter auf 100 Kilometer. In der Stadt sollen es 10,1 sein, außerorts 5,8 Liter. Unser Testverbrauch lag da um rund 1,5 Liter drüber. Im Schnitt lagen wir bei etwas über neun Litern. Das ist dem Auto aber nur insofern anzulasten, dass es einfach zu viel Fahrspaß mitbringt, als das man die ganze Zeit vernünftig fahren wollte. Bei größerer Zurückhaltung sind wohl durchschnittliche Verbräuche von rund 8,5 Litern die Realität. Das geht durchaus in Ordnung für diesen Motor.

Mit den 160 PS des Zwei-Liter-Motors lässt sich der MX-5 flott bewegen.

Mit den 160 PS des Zwei-Liter-Motors lässt sich der MX-5 flott bewegen.

Mit einer Länge von knapp über vier Metern ist der MX-5 immer noch ein sehr handliches Auto. Gegenüber der ersten Generation ist das Auto nur um fünf Zentimeter gewachsen. Um genau diese Länge hat auch der Radstand zugelegt. Diese Bescheidenheit macht sich allerdings beim Kofferraum bemerkbar. 150 Liter sind nicht viel, wobei das Dach selbst allerdings keinen Raum wegnimmt. Es verschwindet unter der Hutablage. Wer sich also zu zweit auf Reisen begeben will, der sollte sich in Bescheidenheit üben. Das ist ja schließlich eine Roadstertugend. Das Dach klappt sich per Hand unkompliziert und vor allem schnell weg. Drei Handgriffe und die Sonne bestrahlt die Mütze. Das geht in gefühlten drei Sekunden. Wer braucht da schon zehn Elektromotoren?

Fairer Preis

Erfreulich ist auch der Preis für den MX-5. Mit dem Zwei-Liter-Benziner ist er ab 24.090 Euro zu haben. Vielleicht nicht wenig für ein Auto mit wenig Nutzwert, aber dennoch ein angemessener Preis. Zumal Qualität der Materialien und Verarbeitung stimmen. Für die höherwertige "Sports-Line"-Ausstattung fallen Mehrkosten in Höhe von 1000 Euro an. Die lohnen sich aber, denn dann hat der MX-5 das oben so gelobte Bilstein-Fahrwerk an Bord. Weitere 2100 Euro kostet das Sportpaket, das dann Sitzheizung, Sportsitze im Leder-Alcantara-Mix und ein Bose-Soundsystem mit CD-Wechsler mitbringt.

Das Fazit zu diesem Auto fällt nicht schwer. Vielleicht waren es die aufkommenden Frühlingsgefühle, aber das MX-5 hat Spaß gemacht wie nur wenige Autos sonst. Auch nach 20 Jahren hat Mazda mit diesem Auto einen nahezu perfekten Roadster im Angebot. Er ist sportlich, bietet jede Menge Fahrspaß und zeigt sich auch alltagstauglich. Natürlich muss man bemängeln, dass der Kofferraum immer noch klein ist. Aber wer Ladevolumen sucht, der soll doch Kombi fahren. Wir konnten uns nur schwer von unserem Mazda MX-5 trennen. Mit diesem Auto könnte der Sommer ewig dauern.

Datenblatt

 
Abmessungen LxBxH
4.02 / 1,72 / 1,24 Meter
Leergewicht
1.155 kg
Sitzplätze
2
Ladevolumen
max. 150 Liter
Maximale Zuladung
295 kg
Motor
Otto-Motor mit vier Zylindern in Reihe
2 Liter Hubraum
Antrieb und Getriebe
Heckantrieb,
6-Gang Schaltung
max. Leistung
160 PS (118 kW) bei 6700 U/Min
Kraftstoffart
Super-Benzin
Tankinhalt
50 Liter
Höchstgeschwindigkeit
212 km/h
max. Drehmoment
188 Newtonmeter bei 5000  U/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h
7,6 Sekunden
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Schnitt)
 
10,1/5,8/7,4 Liter
CO2-Emissionen
188 Gramm pro Kilometer
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette
EURO 4 / Grün
Typklassen
Haftpflicht/Teilkasko/Vollkasko
12/19/23
Grundpreis
24.090 Euro
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