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Gegen Aufpreis können Leichtmetall-Felgen bis zu 20 Zoll Größe bestellt werden.
Gegen Aufpreis können Leichtmetall-Felgen bis zu 20 Zoll Größe bestellt werden.(Foto: Textfabrik/Busse)

Jaguar XF Edition: Leise Pfoten und mäßiger Durst

Axel F. Busse

Very british zeigt sich auch Jaguars Kleinster, der XF, von außen. Im Innern werkelt aber seit geraumer Zeit ein Dieselantrieb. Der wurde jetzt gar etwas abgespeckt in seiner Leistungsfähigkeit. Kann er den Anspruch des englischen Lebenstils dennoch halten?

Nicht nur in Deutschland lebt die Marke Jaguar vom Mythos des E-Type, von Siegen beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans und vom Charme der distinguierten britischen Lebensart, den das Logo mit der springenden Katze verströmt. Kaum zu glauben, dass ausgerechnet ein Diesel-Auto gerade das meistverkaufte Fahrzeug der Marke in Deutschland ist.

Damit das so bleibt, wurde das Angebot gerade um einen Selbstzünder erweitert. Die coupéhafte Limousine XF gibt es jetzt  als Einstiegsvariante auch mit einem 211 PS starken Dieselmotor. Damit ist der drei Liter große V6-Motor in drei verschiedenen Leistungsstufen verfügbar. Außer dem 211-PS-Motor gibt es noch eine 240-PS-Variante und eine 275 PS starke Version.

Jede ist für sich genommen ein Vorbild für Laufruhe und Wirtschaftlichkeit. Auf der Grundlage des gemeinsam mit Peugeot entwickelten 2,7-Liter-Diesels schuf Jaguar den doppelt aufgeladenen 3-Liter-Motor, der selbst von den diesel-erfahrenen deutschen Herstellern mit Respekt betrachtet wird. Bis Ende Mai waren von den in Deutschland dieses Jahr neu zugelassenen 770 XF-Modellen 721 mit diesem Motor ausgestattet

Die Stoppuhr bringt es an den Tag

Gegenüber der 240-PS-Variante hat die Editions-Ausgabe nicht nur 29 PS weniger, sondern auch ein um 50 Newtonmeter reduziertes Drehmoment. Diese Unterschiede bewegen sich bei dem dank Alukarosserie gerade 1800 Kilogramm schweren Viertürer entlang der Wahrnehmbarkeitsschwelle. Mit der Stoppuhr lässt sich immerhin in der Sprintfähigkeit ein Unterschied von einer Sekunde zu Lasten des schwächeren XF feststellen (8,1 Sekunden zu 7,1 für den Sprint von Null auf Hundert). Als Höchstgeschwindigkeit gibt der Hersteller für beide Modelle 240 Stundenkilometer an, und damit geringfügig mehr, als für den gleich großen V6-Benziner im Datenblatt stehen. Der ist jedoch um 130 Kilogramm leichter. Der Zeiger auf dem Tacho des Testfahrzeugs passierte diesen Wert zwar kurzzeitig, wobei allerdings die GPS-Messung eine effektive Geschwindigkeit von 226 km/h protokollierte.

Die coupéhafte Dachlinie macht den XF zu einer Ausnahmeerscheinung unter den Business-Limousinen.
Die coupéhafte Dachlinie macht den XF zu einer Ausnahmeerscheinung unter den Business-Limousinen.(Foto: Textfabrik/Busse)

Zwar nimmt Jaguar für sich in Anspruch "schnelle und schöne Autos" zu bauen, ob es am Ende 220 oder 240 Stundenkilometer sind, ist aber für die tägliche Praxis sekundär. Da zählt das subjektive Fahrerlebnis, das bei XF V6- Diesel Edition dem in einer hochklassigen Nobel-Limousine nicht nachsteht. Dafür ist vor allem das Ausstattungspaket verantwortlich, mit dem Jaguar Dienstwagenkunden von der E-Klasse, dem 5er-BMW und dem Audi A6 weglocken möchte.

In der deutschen Jaguar-Zentrale in Schwalbach setzt man darauf, dass bei den Bewilligern von Dienstwagen hochwertige Serienausstattung im Zweifelsfalle mehr gilt als Markenprestige. Bekanntermaßen lassen sich einheimische Hersteller sogar als selbstverständliche geltende Ausstattungsmerkmale extra vergüten, während die neue XF-Editionsausgabe reichlich davon in Serie mitbringt. Dazu gehören Lederpolster mit Sitzheizung, 18-Zoll Leichtmetallfelgen, ein elektrisch verstellbares Multifunktions-Lederlenkrad mit Schaltwippen und eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik. Für Wohnlichkeit sorgen Paneele in mattiertem Walnussholz. Das "Jaguar Smart Key System" ist intelligent genug, einen im Kofferraum verborgenen Schlüssel zu erkennen und verweigert die Verriegelung. Allerdings ist der schlüssellose Zugang mit 590 Euro extra auch nicht eben billig. Dankenswerter Weise hat man bei Jaguar auch an ein Schlüssel-Einschubfach gedacht. Es liegt zwar auf Kniehöhe und damit außerhalb des unmittelbaren Sichtfeldes, ist aber immerhin vorhanden, was man beileibe nicht von allen Limousinen behaupten kann, die sich zur Oberklasse zählen.

Souverän und gelassen

Das Multimediasystem mit Farb-Touchscreen ist je nach Ausstattungsniveau mit unterschiedlicher Verstärkerleistung ausgestattet. Allen Systemen gemein sind kleine Bedienungsschwächen, die sich aus der Mischform von Tasten- und Bildschirm-Steuerung ergeben. Die Zieleingabe ist kompliziert, die Fortsetzung der Zielführung nach dem Wiederstart des Motors nicht automatisch gewährleistet. Viel Lob hat Jaguar bei der Einführung des XF für die Innenraumgestaltung geerntet. Die berührungsfreie Beleuchtungsaktivierung und der Sensor des Handschuhfachs waren sicher innovativ, doch offenbar hat letzterer die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. Der Testwagen verfügte schon wieder über eine gewöhnliche Öffnungstaste.

Im Innern geht es edel zu. Die Zieleingabe beim Navi ist nicht unkompliziert.
Im Innern geht es edel zu. Die Zieleingabe beim Navi ist nicht unkompliziert.(Foto: Textfabrik/Busse)

Geblieben ist die Begrüßungszeremonie für den Fahrer, der durch summend öffnende Lüftungsklappen und das Herausfahren des so genannten Drive Selectors auf das kommende Erlebnis eingestimmt wird. Geblieben ist leider auch die Gefahr der starken Aufheizung dieses Metallknopfs, der im Falle dieses Testfahrzeugs nach nur einer Stunde Parkens in der Sonne mehr als 55 Grad Celsius aufwies. Ein mit Leder bezogener konventioneller Schaltknauf erhitzt sich nicht so stark.

Auf das souveräne, gelassene und beruhigende Fahrgefühl im XF hat dies zum Glück keinen Einfluss. Nur wenig dringt von den Geräuschen, die Motorlauf und Fahrtwind erzeugen, nach innen durch. Wenn das Klischee von der schleichenden Katze eine Entsprechung im realen Betrieb von Jaguar-Fahrzeugen hat, dann hier. Das Getriebe ist in einem Normal- und einem Sportmodus nutzbar, wobei die "S"-Stellung naturgemäß ein etwas spontaneres Ansprechverhalten und ein höheres Ausdrehen der Gänge mit sich bringt. Bei 100 km/h beispielsweise lag die Motordrehzahl etwa 800 Touren höher als im "D"-Modus. Die komfortorientierte Auslegung des Fahrwerks wissen vor allem die Fondpassagiere zu schätzen. Wer allein unterwegs ist, wünscht sich mitunter eine etwas direktere Lenkung, die dem Temperament des Motors Paroli bieten kann.

Genügsam im Verbrauch

Die Abwesenheit von knapp 30 PS gegenüber der mittleren Diesel-Ausbaustufe machte sich im Praxistest zu keiner Zeit störend bemerkbar. Für kurze Zwischenspurts und Überholmanöver standen dank 450 Newtonmetern Drehmoment stets ausreichend Kraftreserven zur Verfügung. Obwohl der Testwagen mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,5 Litern je 100 Kilometer mehr als zehn Prozent über dem nach NEFZ ermittelten Spritkonsum lag, gehört dieser XF dennoch zu den sparsamsten Business-Limousinen im Land.

Fazit: Jaguar hat mit der Öffnung der Leistungsskala nach unten einen geschickten Schachzug im Wettbewerb mit den arrivierten Dienstwagen-Marken unternommen. Mit dem XF Edition steht ein eleganter Viertürer mit hohem Ausstattungsniveau und ansprechender Leistung zur Wahl, der obendrein noch mit mäßigem Verbrauch punkten kann. Die Möglichkeit, gehobenes Ambiente und die feine englische Art des Reisens zu genießen, lassen über kleine Schwächen gelassen hinweg sehen.

 

Datenblatt

Jaguar XF Edition

Abmessungen LxBxH
4,96 x 1,88 x 1,46 Meter
Leergewicht
1820 kg
Sitzplätze
4
Ladevolumen maximal
540 Liter
Maximale Zuladung
560 kg
Motor
Otto-Motor mit sechs Zylindern in V-Form
3,0 Liter Hubraum
Antrieb und Getriebe
sequentielle 6-Gang Automatik
max. Leistung
211 PS (155 kW) bei 4000 U/Min
Kraftstoffart
Diesel
Tankinhalt
65 Liter
Höchstgeschwindigkeit
240 km/h
max. Drehmoment
450 Newtonmeter bei 2000 U/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h
8,1 Sekunden
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Schnitt)
Testverbrauch

9,5/5,5/6,8 Liter
7,3 Liter
CO2-Emissionen
179 Gramm pro Kilometer
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette
EURO 5 / Grün
Grundpreis
Testwagenpreis
46.900 Euro
58.950 Euro

 

Bilderserie
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Quelle: n-tv.de

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