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Der kultivierte und laufruhige Sechzylinder macht das Lexus-Cabrio zu einem sanften Gleiter.
Der kultivierte und laufruhige Sechzylinder macht das Lexus-Cabrio zu einem sanften Gleiter.(Foto: Textfabrik/Busse)

Der Lexus IS 250 C: Leisetreter mit offenem Wesen

Axel F. Busse

Das Coupé-Cabrio ist modern, komfortabel und lässt kaum Wünsche offen. Und trotzdem zeigt der Praxistext: Der Lexus IS 250 C ist ein Blech gewordener Zwiespalt.

Wer wahre Individualität in der Komfort-Klasse sucht, für den gibt es in Deutschland eigentlich nur eine Adresse: Lexus. Mit etwa 1200 Neuzulassungen im vergangenen Jahr ist die Nobel-Tochter von Toyota seltener Gast auf den Straßen hierzulande und setzte ungefähr so viele Autos ab wie Toyota vom Avensis - pro Monat. An technischem Niveau oder der Qualität liegt es sicher nicht, dass der Luxus von Lexus nicht so gefragt ist. Das bestätigte der Praxistest mit dem viersitzigen Cabrio IS 250 C.

Würde sich das IS Cabrio mit Wettbewerbern wie dem Volvo C70 oder dem VW Eos messen wollen, gäbe es keine Probleme dem japanischen Herausforderer den mittleren Podiumsplatz zuzuweisen. Bedauerlicherweise haben sich die Lexus-Marketingprofis das E-Klasse-Cabrio von Mercedes, das Audi A5-Cabriolet und die offene Variante des 3er BMWs als Konkurrenz ausgesucht, was es vor allem auf dem deutschen Markt nicht leichter macht, Anteile zu gewinnen. Seit gut einem Jahr ist das viersitzige Lexus-Cabrio in Deutschland erhältlich, die verkaufte Stückzahl liegt im homöopathischen Bereich, aber es sind im ersten Halbjahr 2010 schon mehr als doppelt so viele wie im ganzen Jahr zuvor.

Das Dach: schwer, aber schnell

Die Linienführung ist harmonisch, doch der große Platzbedarf des Daches macht den hinteren Überhang sehr lang.
Die Linienführung ist harmonisch, doch der große Platzbedarf des Daches macht den hinteren Überhang sehr lang.(Foto: Textfabrik/Busse)

Ähnlich wie der BMW setzt der Lexus auf das Coupé-Cabriolet-Prinzip ("CC"), wobei ein festes Dach mittels diverser Elektromotoren so lange zerlegt wird, bis es hinter die Rücksitze passt. 15 Antriebe sind es beim Lexus, 37 Sensoren überprüfen den Fortschritt und melden ans Cockpit. Freilich gibt es Fahrzeuge, bei denen das Zerlegen effizienter und mit weniger Platzbedarf klappt, als bei Lexus. Dazu später mehr. Mercedes und Audi haben sich zur traditionellem Stoffmütze bekannt, was vor allem den Vorteil bietet, dass man zum Öffnen und Schließen des Daches nicht anhalten muss.

Gleichwohl gehört die Lexus-Mechanik zu den schnellsten, die es auf dem Markt gibt. 20 Sekunden dauert es, bis die Haube unter dem schweren Kofferraum-Deckel verschwunden oder – in Gegenrichtung – wieder im Frontscheibenrahmen verriegelt ist. Die geschlossene Fahrt bleibt den Insassen wegen zweier Qualitäten in Erinnerung: Auch mit aufgesetztem Alu-Helm macht der IS 250 C eine gute Figur, wirkt harmonisch und vernünftig proportioniert. Doch, dass mehr als ein Meter hinterer Überhang vorhanden ist, merkt man spätestens, wenn man die Kofferraumklappe von Hand schließen will. Zweite Stärke: Der akustische Komfort in Sachen Fahrtwind, Motoren- und Abrollgeräusch ist vorbildlich.

Die noble Innenausstattung reicht bis zu belüfteten Sitzen - ab 30 Grad eine Wohltat.
Die noble Innenausstattung reicht bis zu belüfteten Sitzen - ab 30 Grad eine Wohltat.(Foto: Textfabrik/Busse)

Überhaupt ist der IS 250 C ein ausgesprochener Leisetreter. Der 2,5 Liter große Sechszylinder-Motor enthält sich allen Imponiergehabes und es kann beim Rangieren auf dem Parkplatz schon mal vorkommen, dass man sich mit einem Blick auf den Drehzahlmesser vergewissern muss, ob der Motor überhaupt noch läuft. Elegant und frei von jeglichen Allüren schnurrt das Triebwerk seine Arbeit herunter, die angesichts von rund 1,8 Tonnen Leergewicht gar nicht so leicht zu sein scheint. Ein gewisser Hang zum Phlegma ist dem schicken Zweitürer nicht abzusprechen.

Großzügige Open-Air-Lounge

Das Verhältnis von Gewicht zu Motorleistung bestimmt bei diesem Lexus ganz nachhaltig den Charakter. Nicht nur, dass Temperamentsausbrüche mit kernigem Vortrieb so gar nicht seine Sache sind, man hat auch keine Lust, es auszuprobieren. Haben die Insassen erst einmal in der mit Leder und anderen edlen Materialien großzügig ausgekleideten Open-Air-Lounge Platz genommen, will man sich vielleicht noch ein wenig sonnen, aber keinesfalls einen Spurt gegen die Stoppuhr hinlegen. Entsprechend der Unlust auf heftiges Gasgeben fiel der Testverbrauch aus: Mit 9,4 Litern gehört diese Cabrio zu den wenigen Autos, die im Praxisbetrieb in die Nähe des EU-Normverbrauchs kamen.

Viel Platz bietet der Kofferraum nicht - besonders nicht bei geöffnetem Verdeck.
Viel Platz bietet der Kofferraum nicht - besonders nicht bei geöffnetem Verdeck.(Foto: Textfabrik/Busse)

Eine entspannte Gelassenheit kennzeichnet das Fahrerlebnis, das in nüchternen Zahlen so aussieht: 208 PS, 252 Newtonmeter Drehmoment, von Null auf 100 Stundenkilometer neun Sekunden (immerhin weniger als zehn, sonst wäre es Polo-Diesel-Niveau), Spitze 210 km/h. Auch der zornige Tritt aufs Gaspedal entfesselt keine Trotzreaktion bei den zwei Hundertschaften an Pferden, sondern eher ein dezentes Wiehern als Hinweis, dass mit der Peitsche allein kein Wohlverhalten zu erzeugen ist. Egal, ob bei 80 oder 180 km/h, diese vornehme Zurückhaltung würde auch zu einem englischen Landadeligen gut passen.

Der Gentleman hätte es allerdings vermieden, die Stummelantenne auf den rechten hinteren Kotflügel zu setzen, denn Gentlemen haben Sinn für Ästhetik und mögen es auch nicht, wenn der Blick in den Rückspiegel von einem Fremdkörper beeinträchtigt wird. Noch weniger schätzen sie es, wenn sie mit geradem Rücken und angezogenen Knien eine längere Autofahrt erdulden müssen – was als Fondpassagier im IS 250 C leider nicht zu vermeiden ist. Die Rückenlehnen sind sehr steil gestellt, der Wunsch des Vordermanns nach Beinfreiheit groß, da kann man sich nur noch damit trösten, dass die Zugluftbeeinträchtigung hinten ohne zusätzliche Leitbleche oder andere Gimmicks erstaunlich gering ist.

Urlaubsgepäck besser vorausschicken

In nur 20 Sekunden verschwindet das Verdeck im Kofferraum.
In nur 20 Sekunden verschwindet das Verdeck im Kofferraum.(Foto: Textfabrik/Busse)

Abgesehen vom eher unterschwelligen Temperament ist das Dahingleiten mit dem IS 250 C eine Wonne, die seidenweich schaltende Sechsgang-Automatik stört den Genuss nicht im Mindesten. Wofür der Cruiser wohl seine Schaltpaddel an der Lenksäule bekommen hat, erschließt sich nicht so ganz, sie sind schlicht überflüssig. Vielleicht sind die Amerikaner schuld, nach deren Geschmack erkennbar auch die Fahrwerk-Abstimmung orchestriert wurde. Die mögen's halt kommod.

Bleibt die Frage der Praxistauglichkeit. Dass die Reduzierung des Kofferraumvolumens von 420 Litern (Dach geschlossen) auf 165 Liter (offen) erbärmlich und eine Zumutung für Kunden ist, die ihr Fahrzeug hin und wieder zum Transport von Gepäck nutzen wollen, ist hinreichend beschrieben worden. Nun unterstellen wir, ein Quartett von Urlaubern verabredet sich, den Weg zur Küste eben der Not gehorchend ohne offenes Verdeck und dafür mit ausreichendem Gepäck zurück zu legen. Dort angekommen, könne man ja immer noch die Koffer im Hotel lassen und die Tagesausflüge unter freiem Himmel genießen.

Bei zurückhaltender Fahrweise gibt sich der IS 250 C mit rund 9,5 Litern Super je 100 km zufrieden.
Bei zurückhaltender Fahrweise gibt sich der IS 250 C mit rund 9,5 Litern Super je 100 km zufrieden.(Foto: Textfabrik/Busse)

Soweit die Theorie, die Praxis kann dennoch ernüchtern. Mit einer maximalen Zuladung von 345 Kilogramm schrammt der voll besetzte IS 250 C so eben an der Grenze zum Verlust der Betriebserlaubnis entlang. Vier Erwachsene bringen nämlich schon bequem 300 Kilo auf die Waage, der restliche knappe Zentner ist auf dem Weg in die Ferien schnell beieinander. Und überladen in den Urlaub zu starten, ist keinesfalls zu empfehlen. Ein gleich starker VW Eos zum Beispiel darf 503 Kilo zuladen.

Fazit: Der Lexus IS 250 C erscheint nach längerer Testfahrt als Blech gewordener Zwiespalt. Einerseits ist er ein modernes Coupé-Cabrio mit hohem Qualitäts- und Komfortniveau, das in der Ausstattung kaum Wünsche offen lässt und obendrein noch einen kultivierten, nicht zu durstigen Motor hat. Andererseits ist die Freude über ein angenehmes Fahrerlebnis nur dann uneingeschränkt, wenn man allein oder zu zweit auf Kaffeefahrt unterwegs ist und nicht einkaufen, die Kinder abholen oder in den Urlaub fahren will.

Datenblatt

Lexus IS 250 C
Abmessungen LxBxH
4,64   x 1,80   x 1,42   Meter
Leergewicht
1730 kg
Sitzplätze
4
Ladevolumen maximal
420 L  -  (165 bei geöffnetem Verdeck)
Maximale Zuladung
345  kg
Motor
2,5-Liter- V6-Zylindermotor 
Antrieb und Getriebe
6-Gang-Automatik
max. Leistung
153  kW/  208    PS bei  6400 U/min
Kraftstoffart
Superbenzin 95 Oktan
Tankinhalt
6 5   L
Höchstgeschwindigkeit
210   km/h  
max. Drehmoment
252   Nm  bei    4800 U/min
Beschleunigung 0 - 100 km/h
9,0    sek
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Schnitt)
Testverbrauch
13,1 / 7,1 / 9,3   L/100km 

9,4   L

CO2-Emissionen

219   g/km

 
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette
Euro  5  
Grundpreis
Testwagenpreis
53.530  Euro

58.320  Euro

 

Quelle: n-tv.de

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