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Der kann Gelände: Im Gegensatz zu vielen anderen SUVs ist der Freelander wirklich offroadtauglich.
Der kann Gelände: Im Gegensatz zu vielen anderen SUVs ist der Freelander wirklich offroadtauglich.(Foto: Textfabrik/Busse)

Land Rover Freelander XE: Mal ins Gelände wagen

Axel F. Busse

Nicht alles, was sich Geländewagen nennt, kann sich auch ins Gelände wagen. Bei der britischen Traditionsmarke Land Rover sind solche Sorgen allerdings unbegründet. Weil eine vorausschauende Firmenleitung sich aber immer Sorgen macht um den Absatz ihrer Produkte, gibt es jetzt ein Sonderangebot des Modells Freelander, erkennbar am Buchstabencode "XE". Eindrücke aus der Praxis.

Eine vorzügliche Reputation im Hinblick auf Off-Road-Qulität konnte viele Interessierte in der Vergangenheit nicht darüber hinweg täuschen, dass dass eine wichtige Grenze den Einstiegs-Land-Rover von anderen, gleich großen Kompakt-SUV trennte. Die 30.000-Euro-Grenze. Die Wettbewerber mochten vielleicht nicht so souverän über Stock und Stein kraxeln, dafür rissen sie auch nicht so ein großes Loch in die Haushaltskasse.

Schlichte Funktionalität bestimmt das Cockpit, die Oberflächen sind strapazierfähig und abwaschbar.
Schlichte Funktionalität bestimmt das Cockpit, die Oberflächen sind strapazierfähig und abwaschbar.(Foto: Textfabrik/Busse)

Das für die Hersteller von Geländewagen überwiegend triste Jahr 2009 mag die Entscheidung der Land Rover Verantwortlichen befördert haben, den Freelander als Sondermodell "XE" zu einem Preis anzubieten, bei dem man eigentlich nicht "Nein" sagen kann – vorausgesetzt, man hat die grundsätzliche Wahl für ein 4x4-Fahrzeug getroffen. Denn noch bedeutet Land Rover fahren den uneingeschränkten Einsatz von Allrad-Technik, was sich jedoch spätestens mit der Einführung des kleinen Range Rovers im nächsten Jahr ändern wird.

Sonderedition in limitierter Stückzahl

Der Freelander XE wird für 25.900 Euro angeboten. Mal abgesehen vom knorrigen Defender mit kurzem Radstand, dessen Technik weitgehend noch aus den Jugendjahren des Automobilbaus stammt, ist das Sondermodell die günstigste Art, einen Land Rover zu fahren. In den ersten vier Monaten dieses Jahres wurden in Deutschland knapp 2000 Land- und Range-Rover neu zugelassen, davon waren 545 Freelander. Gut möglich also, dass der Importeur in Kürze feststellt, dass eine Auflage von 400 "XE"-Modellen gar nicht ausreicht.

Die automatische Bergabfahrkontrolle ist beim XE serienmäßig vorhanden
Die automatische Bergabfahrkontrolle ist beim XE serienmäßig vorhanden(Foto: Textfabrik/Busse)

Eine Reihe von beliebten und häufig georderten Ausstattungsmerkmalen wurde ins Komplettpaket mit aufgenommen. Dazu gehören beispielsweise 16-Zoll-Alufelgen, eine Klimaanlage, CD-Spieler mit MP3-Player- und iPod-Anschluss, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel und eine teilbare Rücksitzbank. Darüber hinaus ist auch eine Menge moderne und sinnvolle Technik an Bord: etwa sieben Airbags, ein Sechsgang-Schaltgetriebe und die Bergabfahrhilfe HDC sowie Traktions-, Stabilitäts-, Wankneigungs- und Kurvenbremskontrolle. Ein nach Liste gleich ausgestatteter Freelander wurde knapp 32.000 Euro kosten. Das bei Kennern zu Recht so geschätzte Terrain-Repsonse-System, das einen Land Rover zum Bezwinger fast aller Offroad-Herausforderungen macht, ist freilich für diesen Preis nicht zu haben. Wünschenswert und auch gar nicht so teuer wäre eine Lichtautomatik gewesen. Da es sie nicht gibt, erinnert ein Warnton an das Abschalten der Fahrbeleuchtung.

Das Testfahrzeug war zusätzlich mit einer abnehmbaren Anhängerkupplung versehen. Sie wird seitlich am hinteren linken Radkasten verstaut und erinnert den Fahrer stets daran, dass der Freelander gern noch Freizeitgeräte mit einem Anhängergewicht bis zu 2000 Kilogramm mitziehen kann. Zum Lieferumfang gehörte auch das stabile Trenngritter, das hinter den Rücksitzen eingezogen wird. Es ist mit einer etwa 70 x 30 Zentimeter großen Durchladeöffnung versehen. Da zur Installation des Trenngitters auch das Laderaumrollo bewegt werden muss, sind Ein- oder Ausbau auch mit etwas Übung kaum unter zehn Minuten zu schaffen. Die Ladekapazität beträgt zwischen 405 und 1670 Litern.

Denkpause nach Neustart

Um den Land-Rover-Neukunden gegen mögliche Anfeindungen aus der Nachbarschaft wegen vermeintlicher Anschaffung eines Umweltschädlings zu wappnen, wurde als Antrieb ein Vierzylinder-Turbodiesel eingebaut, dessen Konsum laut Norm 6,7 Liter je 100 Kilometer nicht überschreiten soll. Vorzeigbare Spritspartechnik in Gestalt einer Schaltpunktanzeige und eines Stopp/Start-Systems ist ebenfalls an Bord. Die Praxis in einem überwiegend urban geprägten Einsatzgebiet ließ den Verbrauchsmesser am Schluss bei 8,2 Litern inne halten. Die Start-Stopp-Funktion agierte zuverlässig, allerdings nicht ohne sich eine kleine Denkpause zu gönnen, bevor es ab 2000 Kurbelwellenumdrehungen mit 400 Newtonmetern Schub wieder zielstrebig weiter gehen konnte.

Mit dem Sondermodell XE unterschreitet Land Rover die kritische Preisgrenze von 30.000 Euro und will so der zahlreichen Konkurrenz die Stirn bieten.
Mit dem Sondermodell XE unterschreitet Land Rover die kritische Preisgrenze von 30.000 Euro und will so der zahlreichen Konkurrenz die Stirn bieten.(Foto: Textfabrik/Busse)

Der 2,2-Liter große Motor leistet 152 PS. Das ist für ein immerhin 1900 Kilogramm schweres Fahrzeug sicher nicht zuviel. Dass die Klangfarbe des Selbstzünders eher an die Fahrzeuge zur Bestellung von Äckern als der zum Durchqueren des Großstadt-Dschungels erinnert, hat wohl historische Gründe. Das Wort "Land" im Markennamen kommt ja nicht von Ungefähr.

Bei den Überlandpassagen dieses Praxistest fiel positiv auf, dass die Fahrgeräusche nicht proportional zum Tempozuwachs anstiegen, sondern sich ab ca. 120 km/h auf einem hinnehmbaren Niveau einpendeln. Natürlich sind in Sachen Reisekomfort nicht Mittelklasse-Limousinen der Maßstab, sondern SUV, die genauso steil und selbstbewusst im Wind stehen, wie der Freelander. Dank der soliden Durchzugskraft des Motors ist der Freelander schaltfaul zu fahren, die kantige Karosse ist übersichtlich und für alle Fälle ist ja auch der hintere Parkpilot noch mit an Bord. Was im Gelände von Vorteil ist, nämlich ein spürbarer Richtungswechsel auch kleinem Lenkeinschlag, ist bei höherem Tempo eher hinderlich. Die Servounterstützung der Zahnstangenlenkung sollte daher geschwindigkeitsabhängig geregelt sein, denn hektische Lenkbewegungen bei Landstraßentempo können schnell die ganze Karosse in Unruhe versetzen. Bei den Testfahrten war dieser Effekt jedoch nie so stark, dass die Stabilitätskontrolle eingreifen musste.

Fazit: Wer 60.000 oder mehr Euro ausgeben kann und will, wird keine Schwierigkeiten haben, ein Auto zu finden, das vernünftigen Reisekomfort mit vorzeigbarer Geländetauglichkeit verbindet. Für weniger als die Hälfte ist das schon wesentlich komplizierter. Nun hat Land Rover, deren Ruf oft besser war als die Preise, dem Überangebot an asiatischen Importen etwas Handfestes entgegen zu setzen. Unverwüstliche 4x4-Technik mit einem ordentlichen Komfortniveau ist ein kundenfreundliches Paket.

 

Datenblatt

Land Rover Freenlander XE

Abmessungen LxBxH
4.50 / 1,91 / 1,74 Meter
Leergewicht
1850kg
Sitzplätze
5
Ladevolumen
normal/maximal
405 / 1670 Liter
Maximale Zuladung
672 kg
Motor
Diesel-Motor mit vier Zylindern in Reihe
2,2 Liter Hubraum
Antrieb und Getriebe
Allradantrieb,
6-Gang Schaltung
max. Leistung
152 PS (112 kW) bei 4000 U/Min
Kraftstoffart
Diesel
Tankinhalt
68 Liter
Höchstgeschwindigkeit
181 km/h
max. Drehmoment
400 Newtonmeter bei 2000  U/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h
11,7 Sekunden
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Schnitt)
 
8,9/5,9/6,7 Liter
CO2-Emissionen
154 Gramm pro Kilometer
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette
EURO 5 / Grün
Grundpreis
25.990 Euro

 

Quelle: n-tv.de

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