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Zart geliftet präsentiert der Galaxy seine bekannte Erscheinung, der neue Topmotor ist ein Vierzylinder.
Zart geliftet präsentiert der Galaxy seine bekannte Erscheinung, der neue Topmotor ist ein Vierzylinder.(Foto: Textfabrik/Busse)

Ford Galaxy mit neuem Topmotor: Mehr Boost als Eco

Axel F. Busse

Der aufgeladene Ford Galaxy "EcoBoost" bricht zwar keine Sparsamkeitsrekorde, doch er überzeugt als top-ausgestattete, unkomplizierte und vielseitige Großraum-Limousine.

Weniger Hubraum und mehr Leistung ist unter ökonomischen Gesichtspunkten ein zu verlockendes Prinzip, als dass man als Autohersteller darauf verzichten wollte. Ford macht seine neu entwickelte Motorengeneration mit dem Zusatz "EcoBoost" kenntlich. Welchen Eindruck die leistungsstärkste Variante des Familienvans Galaxy im Praxistest hinterließ, lesen Sie hier:

Die Begriffsverwirrung nimmt man bei Ford bewusst in Kauf. Die Silbe "Eco" ist als Signal besonderer Wirtschaftlichkeit in den Sprachgebrauch eingegangen, das englische Wort "boost" steht für hochtreiben oder verstärken. Beides scheint einander auszuschließen. Doch da der neue Zweiliter-Vierzylinder den bisher als Top-Aggregat fungierenden Reihen-Fünfzylinder ablöst, schien es wichtig, dem Motor auch verbal eine gewisse Potenz zu bescheinigen.

Die große Heckklappe gibt eine niedrige Ladekante und Stauraum bis 2325 Liter frei.
Die große Heckklappe gibt eine niedrige Ladekante und Stauraum bis 2325 Liter frei.(Foto: Textfabrik/Busse)

Der Ford Galaxy hat sich im ersten Halbjahr 2010 noch recht gut verkauft und konnte in Deutschland mit mehr als 2700 neu zugelassenen Exemplaren sogar den Volkswagen Sharan auf Distanz halten. Jedoch war bei beiden Konkurrenten der bevorstehende Modellwechsel zu spüren, denn gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres büßten beide rund ein Viertel des Absatzes ein. Auffällig ist, dass der Galaxy zu mehr als drei Vierteln von gewerblichen Haltern genutzt wird, während dem Sharan zu zwei Dritteln private Halter den Vorzug geben.

Umfangreiche Basisausstattung

Bei dem Testwagen handelte es sich um ein Modell der Ausstattungslinie Titanium, die als sportlich-luxuriöse Top-Variante vor allem Komfort-orientierte Kunden ansprechen soll. Das Paket ist prall geschnürt, bringt der Van ab Werk doch Extras wie Multifunktionslenkrad, beheizbare Frontscheibe, Tempomat, Licht- und Regensensor, 3-Zonen-Klimaautomatik und 17-Zoll-Aluräder mit. Auch die Mittelkonsole in der Ausführung "Piano-Lack" gehört zum Lieferumfang. Das sieht edel aus, solange man den Innenraum hermetisch verriegelt hält. Bei einem im Sommer gefahrenen Familienauto, wo die Klimaanlage permanent die Luft umschaufelt und ständig die Türen in Bewegung sind, ist der von Staubpartikeln übersäte Glanzlack leider keine Augenweide mehr. Wer steigt schon mit dem Staubtuch ins Auto?

In der Titanium-Ausstattung erfüllt der Galaxy fast alle Komfortwünsche zu einem moderaten Preis.
In der Titanium-Ausstattung erfüllt der Galaxy fast alle Komfortwünsche zu einem moderaten Preis.(Foto: Textfabrik/Busse)

Schon in der Basisversion verfügt der Galaxy zum Beispiel über ein CD-Audiosystem, Knieairbag für den Fahrer, Zentralverriegelung, elektrisch höhenverstellbaren Fahrersitz, Nebelscheinwerfer und Bordcomputer, so dass für glatt 30.000 Euro schon ein attraktiv ausgestattetes Vielzweck-Mobil zu haben ist. Mit 203 PS und Titanium-Paket kostet das Fahrzeug 36.600 Euro.

Der EcoBoost-Motor wird ausschließlich zusammen mit dem Ford-Powershift-Getriebe angeboten. Dieses Direktschaltgetriebe ist Fords Antwort auf die DSG-Schaltboxen von VW. Im Galaxy fällt der Zweiliter-Vierzylinder vor allem durch Laufruhe und Leistungswillen auf. Im Stadt- oder Landstraßenverkehr schnurrt er gemütlich dahin, das Getriebe sucht schnell eine lange Übersetzung, so dass die Drehzahlkurve flach gehalten wird. Dank der guten Übersichtlichkeit der Karosse und der direkten, präzisen Lenkung ist das Fahren ein stressfreies Ereignis.

Tempomat nicht immer ratsam

Ist die Geschwindigkeitsregelanlage – wie beim Testwagen – mit der automatischen Abstandsüberwachung (ACC) kombiniert (945 Euro Aufpreis), dann offenbart sich bei Überlandfahrt schnell eine kleine Systemschwäche: Verschwinden plötzlich die Hindernisse, die zum automatischen Abbremsen führten – etwa wenn ein voraus fahrendes Fahrzeug die Spur verlässt – beschleunigt die Automatik vehement wieder auf das zuvor eingestellte Marschtempo. Das bedeutet im Regelfall, es wird sogar eine Fahrstufe zurück geschaltet und so kräftig beschleunigt wird, wie es fahrerseitig nur in höchster Eile getan würde. Folge: Unnötig hohe Drehzahlen und damit erhöhter Verbrauch. Wer also Tempomat und ACC an Bord hat, sollte es nur dann nutzen, wenn das Verkehrsaufkommen keine allzu häufigen Tempowechsel erwarten lässt.

Nicht nur unangemessen starkes Beschleunigen, sondern auch reichlich Kurzstreckenverkehr und der fast pausenlose Betrieb der Klimaanlage haben wohl dazu geführt, dass der Testwagen sein Verbrauchsziel deutlich verfehlte. Schließlich ist in einem Van auch deutlich mehr Luftvolumen umzuwälzen, als zum Beispiel in einem Coupé. Mit 10,4 Litern je 100 Kilometer lag das Ergebnis 2,3 Liter über dem nach EU-Norm ermittelten kombinierten Verbrauch. Viel "Eco" kam also bei diesem 14-Tage-Test nicht heraus.

Temperament auf hohem Niveau

Dafür aber allerhand "Boost". Die Sprintfähigkeit liegt mit unter neun Sekunden im Bereich gut motorisierter Limousinen und auch der subjektive Eindruck von Temperament und Kraftentfaltung lies keine Wünsche offen. Die recht frühzeitig spürbaren 300 Newtonmeter Drehmoment schieben kräftig, aber mit Kultur an und vermitteln einen dynamisches Fahrerlebnis. Zwar ist die hohe Karosserie nicht gerade ideal für flotte Serpentinenfahrten, weil sie sich mitunter stark zur Seite neigt, aber es war zu spüren, dass auch sportlich orientierte Insassen auf ihre Kosten kommen können. Dass der Testwagen sich schwer tat, die werksseitig vorgesehene Höchstgeschwindigkeit von 217 km/h zu erreichen, fällt nicht weiter negativ auf. Bei Tacho 220 lag exakt Tempo 209 an und das Gaspedal auf dem Teppichboden. Ein Siebensitzer ist kein Rennwagen und muss es auch nicht sein wollen.

Ob es im Cockpit wirklich Pianolack sein muss, sollte man sich gut überlegen.
Ob es im Cockpit wirklich Pianolack sein muss, sollte man sich gut überlegen.(Foto: Textfabrik/Busse)

Was er aber sein sollte, ist ein vielseitiges Allzweckauto, das Reise- und Transportbedürfnisse von Familien erfüllt. In dieser Disziplin ist der Galaxy bestens aufgestellt, er bietet auch in der zweiten Reihe viel Beinfreiheit. Die flach versenkbaren Plätze sechs und sieben sind leicht zu bedienen, die Ladekante unter der bis auf fast zwei Meter lichte Höhe aufschwingenden Heckklappe ist angenehm niedrig. Die Hauptinstrumente im Cockpit sind asymmetrisch gestaltet, wobei der links sitzende Drehzahlmesser als Halbkreis dargestellt und der Tacho ein volles Rund bildet. Allerdings wirkt dies etwas überladen, da auch noch die Skalen und Zeiger für Temperatur und Tankinhalt darin Platz finden müssen. Die Kontrollleuchten für die Blinker sitzen ungünstig, denn bei 110 und 140 km/h werden sie von der Tachonadel verdeckt. Wer das erste Mal Galaxy fährt, sollte sich etwas Zeit für die Orientierung nehmen, denn die rund 50 Tasten und Schalter, sowie die an der Bedienung von Mobiltelefonen ausgerichtete Menüführung des Informationssystems verlangen eine gewisse Übung.

Fazit: Der Ford Galaxy gehört wegen seiner Vielseitigkeit zu Recht zu den in Deutschland gefragtesten Großraum-Limousinen. Dass der schluckfreudige Fünfzylinder abgelöst wird, tat Not, auch wenn der aufgeladene "EcoBoost"-Direkteinspritzer nicht vom Start weg alle Sparsamkeitsrekorde bricht. Aber vielleicht ist auch eine andere, im Englischen gebräuchliche Bedeutung des Wortes "boost" gemeint: "Reklame machen". Und das kann der Galaxy im besten Sinne, denn ein so top-ausgestattetes, unkompliziertes und ladefreudiges Auto für unter 50.000 Euro muss man lange suchen.

 

Datenblatt

Ford Galaxy 2.0 EcoBoost

Abmessungen LxBxH
4,82  x 2,15 x 1,81
Leergewicht
1727 kg
Sitzplätze
7
Ladevolumen
435 -  2325   l
Maximale Zuladung
723 kg
Motor
2-Liter- 4-Zyl-Reihenmotor mit Turboaufladung  u. Direkteinspritzung
Antrieb und Getriebe
Frontantrieb / 6-Gang -Direktschalt-Automatikgetriebe
max. Leistung
149 kW/203 PS bei 6000 U/Min
Kraftstoffart
Super (95)
Tankinhalt
70 l
Höchstgeschwindigkeit
217 km/h
max. Drehmoment
300 Nm bei 1750-4500 U/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h
8,8 sek
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Schnitt)
Testverbrauch
11,0/ 6,4 / 8,1 l

10,4 l
CO2-Emissionen
189 g/km
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette
Euro 5 / Grün
Grundpreis
Testwagenpreis
36.600 Euro
49.520 Euro

 

Quelle: n-tv.de

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