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Hyundai baut aus und schickt die Hochdachlimousine ix20 ins Rennen.
Hyundai baut aus und schickt die Hochdachlimousine ix20 ins Rennen.(Foto: n-tv.de/Busse)

Hyundai ix20 blue: Mehr Van gewagt

von Axel F. Busse

Praktisch, vielseitig, verlässlich: Hyundai schickt mit dem City-Van ix20 keinen Aufreger ins Rennen, sondern einen, der sich gut handhaben lässt und wenige Schwächen offenbart.

In seinem Bemühen, unter die Top 3 der globalen Autohersteller zu kommen, weitet der koreanische Hyundai-Konzern seine Modellpalette immer mehr aus. Bei den City-Vans konkurriert der ix20 nicht nur mit deutschen und französischen Fabrikaten, sondern auch mit der Schwestermarke Kia. Was kann die handliche Hochdachlimousine?

Viel Auto auf 4,10 Metern Fahrzeuglänge unterzubringen, ist für Konstrukteure und Designer eine große Herausforderung. Bei den City-Vans geht es außer um Vielseitigkeit und Wirtschaftlichkeit auch um freundliche Optik. Noch hinkt der Hyundai ix20 dem Erfolg seines Schwestermodells Kia Venga hinterher, dort wollten die Kunden bisher noch mehr Van wagen. Im ersten Quartal 2011 konnte Hyundai knapp 1700 Neuzulassungen in Deutschland verbuchen, der Venga kam auf fast 2000.

Das Kofferraumvolumen von minimal 440 Litern ist größer als bei den meisten Kompakten.
Das Kofferraumvolumen von minimal 440 Litern ist größer als bei den meisten Kompakten.(Foto: n-tv.de/Busse)

Auf die Wirkung der Farbe Blau vertrauen auch die koreanischen Autobauer, denn sie nutzen den Namenszusatz "blue", um potenzielle Kunden zur Investition in eine ISG-Start-Stopp-Automatik zu bewegen. Die spart im Normverbrauch einen halben Liter je 100 Kilometer. Außerdem produziert ein stehender Motor natürlich keine Schadstoffe und beruhigt so das Gewissen umweltsensibler Autofahrer. Doch bis die 400 Euro teurere "blue"-Variante auch den Geldbeutel des Autobesitzers schont, muss der etliche Kilometer zurücklegen. Bei einem Spritpreis von 1,60 Euro macht sich das ISG-Investment erst ab einer Laufleistung von 50.000 Kilometern bezahlt.

Bequemer Ein- und Ausstieg

Im Testwagen arbeitete das ISG-System tadellos, weitgehend ruckfrei setzte sich der Vierzylinder-Motor nach jedem Kurzstopp wieder in Bewegung. Eine Anzeige im Display informiert über die Aktivität der Automatik, deren Wirkung schon nach kurzer Warmlaufphase des Motors zur Verfügung steht. Einen nachhaltigen Einfluss auf den Testverbrauch kann man dem Start-Stopp-System nach diesen Testfahrten allerdings nicht bescheinigen. Trotz eines ausgeglichenen Streckenprofils von City- und Überlandfahrten sowie kaum Vollgasbetrieb zeigte der Bordcomputer am Ende 7,1 Liter je 100 Kilometer an. Laut EU-Normtest kommt das Auto mit 5,9 Litern aus.

Orientierung und Bedienung sind einfach und logisch.
Orientierung und Bedienung sind einfach und logisch.(Foto: n-tv.de/Busse)

Wer einen City-Van konzipiert, landet oft bei einer Kastenform, die zwar praktisch, aber selten sehr ansehnlich ist. Das Design des ix20 ist dagegen sehr gelungen, die ansteigende Seitenlinie bekräftigt die dynamische Keilform, das hohe Dach (1,60 Meter) lernt jeder auf Anhieb zu schätzen, weil er sich beim Ein- oder Aussteigen nicht mehr vor einer drohenden Kopfnuss weckducken muss. Die Übersichtlichkeit verdient zwar keine Bestnoten, aber die vorderen Dreieckfenster an der lobenswert schmalen A-Säule helfen ebenso wie das dritte Seitenfenster, dessen Nutzen sich beim "Schulterblick" im Nu erschließt. Zusätzlich gibt es die Einparksensoren, die in der Ausstattungslinie "Style" serienmäßig sind.

Die metalldominierte Mittelkonsole und die übersichtlichen Hauptinstrumente lassen keine Fragen offen. Die Orientierung gelingt schnell, die Bedienung ist logisch und einleuchtend. Der zentrale Doppelring der Klimaregelung macht zwar einen etwas verspielten Eindruck, man braucht ihn aber wenigstens nicht zu suchen. Der Testwagen war mit einem Navigationssystem ausgestattet, zu dem außer Touchscreen und Sprachführung auch eine Rückfahrkamera gehört. Für 1330 Euro extra bietet es unkomplizierte Routenwahl und -führung. Die integrierte Erkennung von Tempobeschränkungen erwies sich auf den Testfahrten jedoch als wenig zuverlässig, und man sollte in der Aufmerksamkeit auf entsprechende Schilder nicht nachlassen.

Verschiebbare Rücksitzbank

Die Platzverhältnisse im ix20 sind gemessen an der Außenlänge durchaus üppig. Auch die teilbare Rückbank ist auf Schienen gelagert und um 13 Zentimeter verschiebbar. Selbst die Lehnen der Rücksitze sind in der Neigung verstellbar. Das schafft wahlweise mehr Platz für die dortigen Passagiere oder mehr Stauraum. Das Volumen von minimal 440 Litern ist größer als bei den meisten Kompakten und kann durch Umlegen der Sitze bis auf 1486 Liter ausgedehnt werden. Einen glatten Ladeboden gibt es jedoch nicht. Die Ladekante ist mit 70 Zentimetern nur Durchschnitt, dafür öffnet die Heckklappe aber so weit nach oben (1,91 Meter), dass bei den meisten Insassen Stirnblessuren ausgeschlossen sind. Unter dem beweglichen Ladeboden ist noch einmal Stauraum für Kleinteile.

Der 1,6-Liter-Vierzylinder findet auch im Kia Soul Verwendung.
Der 1,6-Liter-Vierzylinder findet auch im Kia Soul Verwendung.(Foto: n-tv.de/Busse)

Bei dem quer eingebauten 1,6-Liter-Vierzylinder handelt es sich um einen Konzernmotor, der zum Beispiel auch im Kia Soul Verwendung findet. Im Unterschied zu dem Modell ist er aber im ix20 mit einem Sechsgang-Getriebe kombiniert. Der 125 PS starke Motor ist im Leerlauf äußerst leise und sollte mit rund 1350 Kilogramm Leergewicht recht gut zurecht kommen. Doch ein Temperamentsbolzen ist dieser Hyundai nicht. Die Drehmomentspitze von 156 Newtonmeter wird erst bei 4200 Umdrehungen erreicht, so dass man sich in der City nicht auf Ampelspurts einlassen sollte.

Vielmehr eignet sich der ix20 dazu, seinen Insassen in jeder Fahrsituation Gelassenheit und Ruhe zu vermitteln. Er lässt sich unaufgeregt handhaben und neigt auch akustisch nicht zur Hektik. Der hohe Aufbau und der damit verbundene hohe Schwerpunkt machen sich in schnellen Kurven bemerkbar, doch da serienmäßig ESP an Bord ist, breitet sich bei spürbarer Seitenneigung nicht gleich Panik aus. Dank des 6. Ganges sind die Drehzahlen auch bei Autobahntempo im gesunden Bereich und die Geräusche gut zu ertragen. Das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt und steckt auch übelstes Kopfsteinpflaster souverän weg.

Reichhaltige Ausstattung

Für ein farbiges Modell müssen die Kunden einen Aufpreis zahlen.
Für ein farbiges Modell müssen die Kunden einen Aufpreis zahlen.(Foto: n-tv.de/Busse)

Mit einem Startpreis von 21.700 Euro bietet die Ausstattungslinie "Style" nur noch wenig Möglichkeiten, zusätzliches Geld in Extras zu stecken. Außer den üblichen Sicherheitseinrichtungen wie Airbags rundum, ABS und ESP sowie Nebelschlussleuchte und Reifendruck-Kontrollsystem werden auch Abbiegelicht, automatisch abblendbarer Innenspiegel, Regensensor, Bluetooth-Freisprecheinrichtung sowie Leichtmetallfelgen mitgeliefert. Selbst auf Lederpolster, Klimaautomatik inklusive kühlbarem Handschuhfach und Sitzheizung vorn braucht man nicht zu verzichten. Allerdings bietet der Hersteller nur die Farbe Weiß aufpreisfrei an, alle acht anderen möglichen Lacke kosten 420 Euro Aufpreis.

Fazit: Ein Aufreger ist der Hyundai ix20 wahrlich nicht, weder was Design, noch was die fahrdynamischen Qualitäten angeht. Aber viele Menschen suchen auch keine Aufregung beim Fahrzeugkauf. Die meisten müssen oder wollen mit einem Auto im Haushalt auskommen, und da soll es was Praktisches sein. Der ix20 ist nicht nur praktisch, sondern auch vielseitig, hat keine auffälligen Schwächen, taugt für den Familienausflug ebenso wie für die Visite beim Baumarkt und hat deshalb die Neugier der Kunden verdient.

 

DatenblattHyundai ix20
Abmessungen L/B/H4,10/ 1,76/ 1,60 m
Leergewicht (DIN)1255 – 1355 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen440 l / 1486 l
max. Zuladung355 – 455 kg
MotorVierzylinder Otto-Motor mit 1591 ccm Hubraum

 

Getriebe6-Gang manuell
Leistung125 PS (92 kW) bei 6300 U/min
KraftstoffartSuperbenzin
AntriebVorderrad
Tankinhalt48 Liter
Höchstgeschwindigkeit184 km/h
max. Drehmoment156 Nm bei 4200 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h10,9 sek
Verbrauch pro 100 Kilometer (innerorts/außerorts/Schnitt)7,1  l / 5,2 l /5,9 l
Testverbrauch7,2 l
CO2-Emissionen139 g/km
Grundpreis21.700 Euro
Testwagenpreis23.250 Euro

Quelle: n-tv.de

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