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Optisch vermittelt das Mercedes GLC Coupé den Eindruck, als gäbe es keine Sportart, die es nicht beherrscht.
Optisch vermittelt das Mercedes GLC Coupé den Eindruck, als gäbe es keine Sportart, die es nicht beherrscht.(Foto: Daimler AG)
Mittwoch, 21. Dezember 2016

Meister aller Klassen?: Mercedes GLC Coupé - das schräge SUV

Von Holger Preiss

Wie man es auch betrachtet, die schrägen SUV in Coupé-Form setzen sich immer mehr durch. Mercedes hat mit dem GLC Coupé nach dem GLE Coupé einen zweiten Vertreter entsandt. Aber taugt der in der Praxis?

Das GLC Coupé baut erstaunlich hoch. Erst wenn man hinter dem Stuttgarter fährt, wird einem das bewusst.
Das GLC Coupé baut erstaunlich hoch. Erst wenn man hinter dem Stuttgarter fährt, wird einem das bewusst.(Foto: Daimler AG)

Die Form der SUV-Coupés ist inzwischen salonfähig geworden. Hatte man BMW vor acht Jahren für den X6 belächelt, reichen inzwischen immer mehr Hersteller diese Fahrzeugform nach. Mazda hat einen CX-4 in der Pipeline und Škoda plant, noch bevor der viel gelobte Kodiaq auf dem Markt ist, eine Coupé-Variante des Modells. Aber das ist Zukunftsmusik. Mercedes hingegen hat mit dem GLE Coupé und dem GLC Coupé bereits zwei probate Sport-SUV auf dem Markt. Während der GLE mit 4,90 Metern als echte Wuchtbrumme bereits zum Test bei n-tv.de angetreten war, ist nun auch das fast 30 Zentimeter kürzere GLC Coupé vorgefahren.

Keine Sardinenbüchse

Wer glaubt, dass der auf der C-Klasse aufbauende Stuttgarter in seiner Form als SUV Coupé zur Sardinenbüchse mutiert, kann beruhigt werden. Die Platzverhältnisse sind gewohnt großzügig, in den Türen sind große Einlässe für Flaschen aller Art und auch das Staufach in der Mittelarmlehne ist recht üppig. Selbst im Fond finden Reisende durch den höheren Sitz mehr Kniefreiheit als beispielsweise in der Limousine. Ja, wenn sehr große Menschen in der zweiten Reihe Platz nehmen, könnten sie auf Grund der abfallenden Dachlinie mit dem Haupthaar den Himmel streifen. Aber bitte, wie viele Personen über 1,90 Meter müssen Sie im Schnitt im Fond transportieren? Auch der Kofferraum muss gegenüber dem GLC ein wenig abspecken. Statt der dort verfügbaren 550 Liter stehen hier lediglich 500 zur Verfügung. Allerdings ist das eine Einbuße, die sich mit Fassung tragen lässt.

Der Kofferraum fasst 500 Liter. Interessant ist aber auch der doppelte Ladeboden.
Der Kofferraum fasst 500 Liter. Interessant ist aber auch der doppelte Ladeboden.(Foto: Daimler AG)

Etwas Unbill könnte unter Umständen die mit 82 Zentimetern recht hohe Ladekante bereiten und der Umstand, dass auf Grund der dynamischen Heckpartie im Kofferraum nicht wirklich hoch gestapelt werden kann. Zu Gunsten eines glatten Übergangs hat Mercedes den Ladeboden weit nach oben hängen müssen. Für Staufetischisten wird deshalb auch der Raum darunter interessant. Gefühlt lässt sich dort mehr abladen als in der zweiten Etage. Am Ende sollte für Freizeit, Urlaub und Alltag allemal genug Platz sein, denn bei umgelegter Rücklehne schluckt der Kofferraum gar 1400 Liter. Da lässt sich sogar ein 28er Herrenfahrrad verstauen. Liegend, versteht sich.

Ausdauerläufer kann auch sportlich

Nun ist der Stauraum das eine, der Antrieb das andere. Insgesamt stehen für das GLC Coupé sieben Motorvarianten, einschließlich eines gerade erst freigegebenen AMG GLC 43 Coupés, bereit. Zum Test bei n-tv.de wurde der 250 d geladen. Der neue Vierzylinder generiert aus 2143 Kubikzentimetern Hubraum 204 PS und bietet sich für die Kurzstrecke ebenso an wie für den Langlauf. Natürlich ist der Selbstzünder eher ein Ausdauerläufer und daran ändert sich auch beim 250 d nichts. Auf der Autobahn überzeugt der Diesel bei schneller Fahrt durch seine exzellente Laufruhe. In der Spitze rennt das SUV Coupé immerhin problemlos 222 km/h schnell. Wer häufiger derart beflügelt und mit permanenten Allradantrieb unterwegs ist, darf sich nicht wundern, wenn der Verbrauch auf 8,9 Liter im Durchschnitt steigt. Wenn man das 1,8 Tonnen schwere Fahrzeug allerdings mit verhaltenem Gasfuß bewegt, steht vor dem Komma eine 7 und das ist mit Blick auf die Leistungsdaten durchaus akzeptabel.

Der 204 PS starke Diesel erfreut durch Laufruhe und Durchzugskraft.
Der 204 PS starke Diesel erfreut durch Laufruhe und Durchzugskraft.(Foto: Daimler AG)

Entsprechend höher fällt der Verbrauch im Stadtverkehr aus. Auch hier genehmigt sich der Schwabe im Schnitt 9,0 Liter, erfreut aber umso mehr mit seiner Neungang-Automatik. Kurz übersetzt schiebt sie in den unteren Gängen ohne spürbare Schaltstufen an, verteilt die Kraft von 500 Newtonmeter nach Bedarf an alle vier Räder und legt erst auf der Autobahn die neunte Stufe als weit gespreizten Spargang nach. Fahrkomfort auf allen Strecken bietet auch die optional für 2261 Euro zu erwerbende Luftfederung, die Mercedes Air Body Control nennt. Über den Fahrmodischalter angesteuert bietet sie vier Stufen: Eco, Comfort, Sport und Sport +. Die Namen stehen für sich und müssen nicht weiter erklärt werden.

Komfort bis in den Grenzbereich

Dennoch soll auf den Comfort-Modus etwas näher eingegangen werden, weil sich der Autor beim Fahren in dieser Stufe etwas schwertat. Mercedes hat das Abrollverhalten hier nämlich tatsächlich so luftig gemacht, dass man über Unebenheiten geradezu hinwegschwebt. Leider macht es das hochbauende Coupé im Zusammenspiel mit den schicken 19-Zoll-Rädern und der direkten Lenkung auch etwas wankelmütig und verleitet dazu, den Knopf lieber in Richtung Sport zu bewegen. Das hat zur Folge, das neben der Straffung des Fahrwerks und der Lenkung nun auch die Drehzahlen für ein spontaneres Ansprechverhalten angehoben werden, was naturgemäß den Verbrauch belastet. Am besten fuhr der Autor letztlich, wenn er sich seine individuelle Einstellung konfiguriert hat: Fahrwerk und Lenkung auf Sport, Motor und Getriebe auf Comfort.

Die Sitze halten den Fahrer auf der Langstrecke den Rücken frei und bei Kurvenfahrten fest.
Die Sitze halten den Fahrer auf der Langstrecke den Rücken frei und bei Kurvenfahrten fest.(Foto: Daimler AG)

Natürlich kann das Coupé auch in Gänze sportlich. Wer alle Parameter auf Dynamik stellt, wird in lockeren 7,6 Sekunden auf Landstraßentempo sein und kann, unterstützt durch ein gestrafftes Fahrwerk und eine wunderbar enge Lenkung, behände ums Eck fliegen. Dafür muss man sich auch nicht extra ein AMG-Paket ordern. Das hebt nur den Preis, bringt vielleicht außen noch etwas mehr Pfiff ins Spiel, tut aber in der Summe keine Not. Warum nicht? Weil das Coupé ohnehin auf Sport getrimmt ist. Ob man jetzt ein unten abgeflachtes oder rundes Volant in der Hand hält, ist für das Fahrvergnügen ebenso nebensächlich wie zweifarbige Sitzbezüge.

Must have

So oder so bietet das GLC Coupé beides. Die einzige logische Konsequenz für passionierte Rennfahrer wäre also das oben schon angesprochenen AMG GLC 43 Coupé mit Sechszylinder-Motor, 367 PS und einem Antritt von 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Dem Sparfuchs dürften sich aber spätestens beim Preis die Haare kräuseln, denn der kleine Bulle aus Affalterbach steigt mit 65.391 Euro ein. Im Vergleich dazu bringt es unser GLC 250 d auf geradezu charmante 51.298 Euro. Damit ist das Ende der Fahnenstange natürlich an beiden Enden noch lange nicht erreicht. Denn wer einen Mercedes modernster Couleur fährt, der möchte auf das reichhaltige Angebot an Assistenzsystemen nicht verzichten.

Die Form des SUV-Coupé ist inzwischen salonfähig geworden.
Die Form des SUV-Coupé ist inzwischen salonfähig geworden.(Foto: Daimler AG)

Zu den absoluten Empfehlungen gehören hier aus Sicht des Testers unter anderen das Park-Paket mit 360-Grad-Rundumsicht und entsprechenden Sensoren an Front und Heck. Kostenpunkt 1250 Euro, die aber mit Blick auf die hohe und sehr schmale Heckscheibe gut angelegt sind. Auch der schlüssellose Zugang und der damit einhergehende Start-Stopp-Knopf sind trotz recht üppiger 774 Euro ein sehr angenehme Beigabe. Weitere Feature, über die es zu streiten eigentlich nicht lohnt, sind die Distronic Plus, mit der man Autobahn- und Staufahrten entspannt aussitzen kann, weil die Elektronik die Geschwindigkeit, den Abstand zum Vordermann und die Spur hält, zudem auch bis zum Stillstand abbremst und bei leichtem Antippen des Gaspedals wieder anfährt. Schön übrigens, dass Spurhalte- und Lenkassistent einzeln und auf Knopfdruck de- und natürlich auch aktiviert werden können. Kostenpunkt 1148 Euro.

Hier kann gespart werden

Auch das intelligente LED-Lichtsystem steht außer Frage. Hier werden 1725 Euro fällig, aber dafür regelt auch hier die Elektronik alles selbstständig. Keine Fingerübungen, um auf- und abzublenden. Kurven werden ebenso ausgeleuchtet wie Verkehrszeichen und Fahrzeuge aus dem Lichtkegel des Fernlichts ausgeblendet. In der Summe macht das Nachtfahrten fast zu Entspannungsreisen. Wer mit spitzem Stift plant, der darf mit zwei anderen Dingen hadern. Zum Beispiel mit der teuersten Beigabe schlechthin, dem Command-Online-System. Satte 3510 Euro verlangt Mercedes dafür, dass neben dem schicken 21,3 Zentimeter großen Mediadisplay auch eine Echtzeitnavigation, Telefon, Audio, Video und Internet im Paket enthalten sind. Die Bedienung erfolgt über das auch als "Handschmeichler" bekannte Touchpad. Alles sehr opulent und schick, aber wer sich mit einem Navi von Garmin bescheidet, spart an dieser Stelle knapp 2900 Euro.

Dafür kann dann das Head-up-Display für 1178 Euro, das seine Infos in die Frontscheibe projiziert, und die Sitzklimatisierung für Beifahrer und Fahrer gekauft werden. Wie gut die bei Lederpolstern tut, weiß jeder, der sich bei Minusgraden oder sengender Hitze schon mal auf die Nappabezüge geschwungen hat. Wer jetzt noch zusätzlich 400 Euro investiert, hat sogar ein Burmester Surround-Soundsystem an Bord und kann sich die Reise mit glasklaren Klängen versüßen lassen.

Fazit: Das Mercedes GLC Coupé 250 d ist eine gelungene Mischung aus SUV und Sportwagen. Erstaunlich ist die hohe Sitzposition, die man nicht vermutet, wenn man den Wagen von außen betrachtet. Die Fahreigenschaften sind ausgezeichnet, genau wie Verarbeitung und Komfort. Der Preis ist – wie in diesem Segment nicht anders zu erwarten – üppig. Vor allem dann, wenn man die Angebote der Optionsliste mit vielen Kreuzen versieht. Beim Testwagen waren es 13, was umgerechnet zusätzlich 12.744 Euro bedeutete und am Ende unter dem Strich einen Preis von 72.334 Euro stehen ließ. Viel Geld für ein sportliches Kompakt SUV.

DATENBLATTMercedes GLC Coupé 250 d 4Matic
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,73/1,89/ 1,60 m
Radstand2,87 m
Leergewicht (DIN)1845 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen500 / 1400 Liter
MotorVierzylinder-Diesel mit 2143 ccm Hubraum
Getriebe9-Gang-Automatik
Systemleistung150 kW / 204 PS
KraftstoffartDiesel
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit222 km/h
Tankvolumen57 Liter
max. Drehmoment500 Nm / bei 1600 - 1800 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h7,6 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)5,0 / 6,2 / 5,4 l
Testverbrauch8,2 l
EffizienzklasseA / EU6
Grundpreis51.289 Euro
Preis des Testwagens73.334 Euro

Quelle: n-tv.de

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