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Souverän ist der V6-Diesel, doch auch der aufgeladene Vierzylinder leistet mehr als 200 PS.
Souverän ist der V6-Diesel, doch auch der aufgeladene Vierzylinder leistet mehr als 200 PS.(Foto: n-tv.de/Busse)

Mercedes E 350 CDI 4Matic T-Modell: Mit Last und Luxus

von Axel F. Busse

Das T-Modell von Mercedes ist bei vielen Kunden beliebt. Warum? Vielleicht liegt es daran, dass der Kombi edel und praktisch ist und ein Sicherheitsplus vorzuweisen hat. Der Praxistest mit dem E 350 CDI erforscht die Ursachen.

Wenn es nur um die Lösung von Transportproblemen ginge, könnte man 75.000 Euro gewiss effizienter investieren. Zum Beispiel in die Anschaffung von zwei veritablen Kombis ausländischer Herkunft. Warum entscheiden sich jedes Jahr so viele Kunden für ein T-Modell von Mercedes? Ursachenforschung im Praxistest mit dem E 350 CDI 4Matic.

Anders als bei Volkswagen oder Ford, wo die Variant- und Turnier-Modelle teilweise mehr als zwei Drittel des Absatzes ausmachen, werden in Deutschland von der E-Klasse jährlich etwa 40 Prozent der Neuzulassungen als T-Modell registriert. Das waren im vergangenen Jahr etwa 21.600 Autos. Insgesamt kommt von dieser Baureihe etwa jedes zehnte Fahrzeug mit dem 4Matic-Antrieb in den Verkehr. In Österreich, der Schweiz und in den USA ist Allradantrieb wesentlich stärker verbreitet.

Luxusdampfer: Das T-Modell dieser E-Klasse bringt knapp zwei Tonnen auf die Waage.
Luxusdampfer: Das T-Modell dieser E-Klasse bringt knapp zwei Tonnen auf die Waage.(Foto: n-tv.de/Busse)

In 14 Varianten ist der E-Klasse-Kombi derzeit zu haben, drei davon mit Allradantrieb, der bei Mercedes 4Matic genannt wird. Die Motorleistung der sechs Benziner- und acht Dieselmodelle reicht von 136 bis 525 PS. Für diesen Test griffen wir mittenrein und schauten uns den E 350 CDI mit 265 PS und Vierrad-Antrieb genauer an.

Viel Platz – auch für zusätzliche Sitze

Die 4Matic-Technik verbindet die Vorteile des rein mechanischen und des intelligenten Allradantriebs. Die Momentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse beträgt grundsätzlich 45 zu 55 Prozent. Eine Lamellensperre im Zentraldifferenzial mit einer Grundsperrwirkung von 50 Newtonmetern erlaubt eine Verschiebung des Antriebsmoments zwischen den Achsen. Das auf die Daten der ESP-Anlage zurückgreifende Regelsystem 4ETS bremst dort einzelne Räder gezielt ab, wo die Sensoren Schlupf registrieren. Also gleichgültig, ob gerade die Vorderräder oder die Hinterräder, die rechten oder linken Reifen durchzudrehen beginnen – 4Matic merkt es und verteilt die Kraft neu. Der Fahrer bekommt davon nichts mit.

Ein Mercedes ist immer ein Statement, doch ein T-Modell ist es in besonderer Weise. Außer um Komfort und Qualität geht es dem Kunden auch um Nutzwert, der in der E-Klasse auf exakt 1950 Liter bemessen wird. So groß ist das Ladevolumen, wenn die zweite Sitzreihe umgelegt ist und bis unters Dach gestapelt wird. Damit übertrifft der Benz die Konkurrenz aus Ingolstadt oder München um fast 300 Liter, also das gesamte Kofferraumvolumen einer Kompaktlimousine.

Kapitaler Laster: Im T-Modell stehen rund 300 Liter mehr Ladevolumen zur Verfügung als bei der Konkurrenz.
Kapitaler Laster: Im T-Modell stehen rund 300 Liter mehr Ladevolumen zur Verfügung als bei der Konkurrenz.(Foto: n-tv.de/Busse)

Vorbildlich niedrig ist die Ladekante: Nur 55 Zentimeter über dem Boden öffnet sich nach Betätigung der Taste in der Fahrertürverkleidung die serienmäßig automatische Luke und gibt eine rund 1,90 Meter lange Ebene frei. Es könnte ein Klassiker der Heile-Welt-Werbung sein: Aus der Entfernung drückt Herrchen aufs Zündschlüssel-Knöpfchen, die Heckklappe schnellt hoch und mit einem Satz ist der stammbaumgeadelte Vierbeiner auf seiner Kuscheldecke. Den halben Meter schafft sogar ein Dackel spielend.

Statt des Hundes können auch Zweibeiner die Ladefläche nutzen, am bequemsten dann, wenn sie noch in der Spielklasse der F- bis D-Jugend unterwegs sind. Als Wunschausstattung sind zwei zusätzliche Plätze erhältlich (plus 1082 Euro), die gegen die Fahrtrichtung montiert sind, das Auto zum temporären Siebensitzer machen und in Ruhestellung unter dem Ladeboden verschwinden.

Musterbeispiel an Laufkultur

An die reichhaltige Versorgung mit Assistenzsystemen werden die vorderen Insassen immer dann erinnert, wenn sie den Gurt anlegen. Der wird nämlich per Automatik gestrafft. Mit diesem fühlbaren Signal "Hier bist Du gut aufgehoben" beginnt jede Fahrt. Nach nur kurzer Anwärmphase präsentiert sich der drei Liter große Sechszylinder als Musterbeispiel von Ruhe und Laufkultur. Fast verschleiert er, dass es sich um einen Selbstzünder handelt, so unauffällig und leise geht das Aggregat zu Werke. Das ist Fahrkomfort vom allerfeinsten.

Mit dem einstellbaren Fahrwerk lässt sich auf Knopfdruck zwischen Business-Lounge und Express-Laster wählen. Im C-Modus schluckt die E-Klasse nahezu alle Unebenheiten, schwebt sänftengleich über Bodenwellen hinweg und fühlt sich insgesamt angenehm lässig an. Im S-Modus wird die Seitenneigung spürbar reduziert, die Gänge werden höher ausgedreht, um Reserven an Durchzugskraft zu mobilisieren. Nach EU-Norm soll das Fahrzeug 7,2 Liter Diesel je 100 Kilometer verkonsumieren, im Test waren es 8,5 Liter, wer das Leistungspotenzial ausschöpft, kann auch über zehn kommen.

Individuelle, variable Polster

So zurückhaltend wie der V6-Motor arbeitet, so vergleichsweise wirtschaftlich erscheint, es bleibt doch eine Statusfrage, ob es dieser Motor sein muss oder es nicht vielleicht auch der Vierzylinder tut. Dank 150 Kilo weniger Leergewicht kommt der mit 204 PS ebenfalls ganz gut vom Fleck (max. 232 km/h) und erreichte im Normtest einen Schnitt von 5,5 Litern je 100 Kilometer. Und die 500 Newtonmeter Drehmoment sind sicher nicht zu verachten.

Im Comfort-Modus lässt das Fahrwerk spürbare Seitenneigung zu, im S-Modus ist es straffer.
Im Comfort-Modus lässt das Fahrwerk spürbare Seitenneigung zu, im S-Modus ist es straffer.(Foto: n-tv.de/Busse)

Der Innenraum ist gewohnt geschmackvoll gestaltet und glänzt mit edler Materialauswahl. Die aufpreispflichtigen Kontursitze lassen sich mit variablen Polstern individuell an den Körper schmiegen. Das Assistenzpaket PLUS (für stolze 3186 Euro) beinhaltet unter anderem den Müdigkeitswarner, den Fernlichtassistenten und die Distronic, die dank des einstellbaren Abstandsradars gerade für lange Strecken eine wohltuende Entlastung darstellt. Lediglich in einem Punkt ist noch eine Verbesserungsmöglichkeit zu erkennen: Nachdem das Radar wieder "freie Fahrt" erkannt hat und automatisch auf die vorher eingestellte Geschwindigkeit beschleunigt werden soll, erfolgt der Tempozuwachs viel energischer als nötig. Gemächlicheres Gasgeben wäre der Sparsamkeit zuträglich.

Kamera erkennt Zusatzschilder

Für weitere 417 Euro kann der Kunde sich noch die Fähigkeit in seine E-Klasse holen, Tempolimits zu erkennen und entsprechende Hinweise zu geben. Das Mercedes-System ist den Assistenten der Konkurrenz insofern überlegen, als es auch Zusatzinformationen wie zum Beispiel zeitliche oder wetterabhängige Beschränkungen ("80 km/h bei Nässe") verarbeiten kann. Das Kameraauge lag nur selten daneben, aber auch eine hohe Trefferquote bei Tag- und Nachtfahrt sollte nicht vergessen lassen, dass letztlich der Fahrzeuglenker für die Umsetzung der Verkehrsvorschriften verantwortlich ist.

Mit einem cw-Wert von 0,31 ist der Kombi leider nicht so windschnittig wie die Limousine, was sich bei hohem Tempo in auffälligen Windgeräuschen bemerkbar macht. Immerhin schafft der Luxus-Laster fast 250 km/h, aber seine wahre Stärke liegt im komfortablen Gleiten, was auch mit 180 km/h noch nicht anstrengend ist. An der Hinterachse ist der E 350 CDI mit Luftfederung ausgestattet, was wesentlich zum kommoden Fahrerlebnis beiträgt. Die 7G-tronic schaltet gewohnt lässig und geschmeidig, wobei die leichte Antrittsverzögerung hinnehmbar ist. Die Paddel am Lenkrad sind eigentlich überflüssig.

Auf dem Monitor kann das Command-System auch die Tempolimits einblenden.
Auf dem Monitor kann das Command-System auch die Tempolimits einblenden.(Foto: n-tv.de/Busse)

Bei Bordentertainment gibt Mercedes ein Exempel für die kreative Umsetzung von Kundenbedürfnissen in maximalen Ertrag: Wer die auf seinem Smartphone oder MP3-Player gespeicherte Musik über die Command-Anlage genießen will, braucht dafür eine Anschlussbuchse nebst Kabel. Beides hat seinen Platz im Handschuhfach. In seiner Rechnung findet der Kunde dieses Zubehör als "Media Interface inkl. Consumer-Kabel Kit" für 311,54 Euro. Mancher könnte das für unverschämt halten, doch es ist ein schöner Beleg für die Erkenntnis, dass im Premiumbereich nicht mit Autos, sondern mit Ausstattung Geld verdient wird. In Zeiten, da selbst Kleinwagen einen AUX/USB-Anschluss in der Basisversion bereitstellen, zeigt sich aber auch Mercedes lernfähig: die neuen SLK und C-Klasse-Modelle haben einen serienmäßigen USB-Anschluss bekommen.

Fazit: Edel, praktisch und ein Sicherheitsplus dank Allradantrieb – das zeichnet dieses T-Modell aus. Souveräne Kraftentfaltung und üppige Transportqualitäten sprechen Kunden an, die ihre Familie oder sperriges Sportgerät eine Klasse besser chauffieren wollen. Kühle Rechner werden vielleicht auf den E 250 CDI schielen, der ist fast genauso stark und komfortabel unterwegs, doch die etwa 4500 Euro Preisunterschied kann man doch in ein paar hilfreiche Assistenzsysteme stecken, oder?

 

DatenblattMercedes E 350 CDI 4Matic T-Modell
Abmessungen LxBxH4,90 / 1,85 / 1,51 m
Leergewicht2010 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen normal / maximal695 / 1950 l
Anhängelast gebremst / ungebremst2100 / 750 kg
Maximale Zuladung575 kg
MotorV6-Zylinder Diesel-Motor mit 2987 ccm Hubraum
Getriebe7G-Tronic Automatikgetriebe
Leistung195 kW / 265 PS
KraftstoffartDiesel
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit247 km/h
max. Drehmoment620 Nm von 1600 - 2400 U/min
Beschleunigung 0 - 100 km/h7,3 sek
Normverbrauch (Mittel/Innerorts/Außerorts)
Testverbrauch
8,8 l/ 6,4 l/ 7,2 l
8,5 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
188 g/km
AbgasnormEU 5
Grundpreis
Preis des Testwagens
58.400 Euro
75.767,30 Euro

Quelle: n-tv.de

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