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Trotzdem der Mokka auf der Plattform des Corsa ruht, wirkt er keineswegs klein.
Trotzdem der Mokka auf der Plattform des Corsa ruht, wirkt er keineswegs klein.

Opels SUV-Zwerg auf Abwegen: Mokka weckt Lust aufs Grobe

Von Holger Preiss

Die Welt verlangt nach SUV. So will es scheinen, denn quer über die Segmente erscheinen immer mehr der Kraxler im Straßenbild. Opel hat jetzt den Mokka ins Rennen geschickt. Von dem Soft-Kraxler behaupten die Rüsselsheimer, er könne auch ins Gelände. Doch taugt der schmucke Lifestyler wirklich fürs Grobe?

Der Unterfahrschutz bringt den Mokka auch optisch in die Nähe der großen  SUV-Brüder.
Der Unterfahrschutz bringt den Mokka auch optisch in die Nähe der großen SUV-Brüder.(Foto: Holger Preiss)

SUV sind nicht nur bei den Deutschen beliebt. Weltweit schätzen die Kunden den hohen Sitz, den bulligen Auftritt, der auch ein Gefühl von Erhabenheit und Sicherheit im Straßenverkehr vermittelt und einen Hauch von Freiheit hat. Doch bis dato war das Gros der Sport Utility Vehicle wegen ihrer Größe eher als Straßenmonster verschrien. Wuchtig wälzten sie sich durch den Verkehr und selbst wer wollte, konnte ob der finanziellen Aufwendungen häufig seinem Traum von der Wuchtbrumme nicht habhaft werden. Kein Wunder, dass die Hersteller reagierten und mit den Kompakt-SUV einen Gang herunterschalteten. Aber auch das reichte noch nicht, um alle Begehrlichkeiten zu befriedigen und so kommen nun die Mini-SUV.

Mit Geländewagen haben die hochgelegten City-Mobile in der Regel nur noch wenig zu tun, aber dafür punkten sie mit Platz und stehen im kraftvollen Design ihren Klassenbrüdern im Kompaktsegment in nichts nach. Auch Opel hat jetzt ein SUV im Miniformat klargemacht: den Mokka. Ja, über die Namensgebung der Rüsselsheimer ist in letzter Zeit viel gelacht worden, aber so abwegig ist der Gedanke gar nicht, dass dieser Offroad-Zwerg so etwas wie der Muntermacher für die etwas erschlaffte und müde Kundschaft der Marke mit dem Blitz ist. In Windeseile hat das Mini-SUV nämlich europaweit die Bestellmarke von 80.000 Fahrzeugen überschritten.

Raum-Qualität

Mit 356 Litern Kofferraumvolumen toppt der Mokka so manchen Kompakten.
Mit 356 Litern Kofferraumvolumen toppt der Mokka so manchen Kompakten.(Foto: Holger Preiss)

Aus gutem Grund, wie ein Praxistest des Wagens belegt. Die Optik ist gefällig, aber nicht langweilig. Der Mokka wirkt muskulös und dynamisch, ohne dabei aggressiv zu sein. Vielmehr hat er etwas Knuffiges, fast Liebes, wenn man ihm so gegenübersteht. Ein Frauenversteher? Nicht nur. Die hohe Sitzposition und das für seine 4,28 Meter Länge angenehme Platzangebot machen es auch hochgewachsenen Männern mit breiter Statur leicht, sich in dem Mini-SUV wohlzufühlen. Da drängelt nichts von oben, der kühne Schwung in den Türverkleidungen sorgt dafür, dass die Ellbogen ausreichend Platz finden, ohne bei kleineren oder größeren Bewegungen pausenlos gegen Türgriff oder Verkleidung zu stoßen. Auch auf den hinteren Plätzen steht ausreichend Platz zur Verfügung. Selbst hochgewachsene Fahrgeäste müssen im Mokka nicht befürchten, sich den Kopf zu stoßen. Auch das Gepäckabteil ist mit 356 Litern größer als bei manchem Kompakten. Wer die 60:40 geteilte Rücklehne umklappt, kann auf einen planen Stauraum von 1372 Litern zugreifen.

Erstaunlich ist die Verarbeitungsqualität im Innenraum für ein Fahrzeug, das im Grundpreis knapp 26.000 Euro kostet. Weich geschäumte und sehr schön strukturierte Plastik, die weder knackt noch knarzt, säumt die Armatur. Chromspangen um Luftauslässe, Lenkradspeichen und Bedientafel in der Mittelkonsole beleben die Optik und die dezent rote Interieur-Beleuchtung sorgt bei Nacht für eine heimelige Stimmung. Schön auch der eben schon erwähnte breite Schwung in den Türen, der in der Ausstattungslinie Innovation durch gebürstetes Aluminium optisch verstärkt wird. 

Der Arbeitsplatz des Fahrers ist aufgeräumt und sieht zudem noch schick aus.
Der Arbeitsplatz des Fahrers ist aufgeräumt und sieht zudem noch schick aus.(Foto: Holger Preiss)

Der Arbeitsplatz des Fahrers ist aufgeräumt, die Lenkradsteuerung intuitiv und die Belegung der Tasten und Drehdrucksteller nach einer gewissen Zeit der Gewöhnung durchschaut. Auch die Investition von 700 Euro in das CD 600 Navi lohnt sich. Denn neben dem Streckenführer ist hier auch ein 7-Zoll-Infodisplay verbaut, das optisch hübsch auf der Mitte der Armatur ruht, ein CD-Radio mit MP3-Funktion, das seine Lieder über sechs Lautsprecher in den Innenraum schmettert und eine Bluetooth-Schnittstelle, die das Telefonieren ermöglicht, ohne den Kontakt zum Lenkrad zu verlieren, sind ebenfalls im Preis enthalten. Schade nur, dass sich über die drahtlose Verbindung nicht auch die Songs vom Smartphone abspielen lassen. Hierfür müssen AUX-Ausgang oder USB genutzt werden.

Bequem sitzen und leger cruisen

Die Sitze in der Ausstattungslinie Innovation geben sich ausgesprochen bequem.
Die Sitze in der Ausstattungslinie Innovation geben sich ausgesprochen bequem.(Foto: Holger Preiss)

Positiv überrascht hat im Mokka der Sitzkomfort. Zugegeben, im Testwagen waren die "Ergonomiesitze mit Gütesiegel AGR (Aktion Gesunder Rücken e.V.)" verbaut, die im Premium-Paket-Leder enthalten sind und mit 1620 Euro zusätzlich zu Buche schlagen. Dafür verfügen die über eine elektrisch einstellbare 4-Wege-Lendenwirbelstütze sowie eine ausziehbare Oberschenkelauflage, die auch in ihrem Neigungswinkel verändert werden kann. Außerdem bekommt man für das Geld auch ein Winter-Paket mit Sitz- und einer sehr zu empfehlenden Lenkradheizung. Zwei-Zonen-Klimaautomatik, eine Parkhilfe vorn und hinten sowie elektrisch einklappbare und beheizbare Außenspiegel.

Die ebenfalls im Premium-Paket enthaltene Mittelarmlehne für den Fahrer brachte allerdings nicht so viel Freude. Sie ist einen Tick zu hoch angebracht, so dass es dem Autor - es mag an seinen kurzen Armen liegen – kaum möglich war, das präzise schaltende Sechsganggetriebe des Mokka zu bewegen. Nur mit leicht verkrampfter Hand ließ sich der Hebel für die Gangwahl greifen. Ähnlich verzwickt war die Bedienung des Blinkgebers. Der ist so weit zurückgesetzt, dass es nicht möglich war, ihn aus der normalen Lenkradhaltung zu bewegen. Die Hand musste immer ein wenig gelöst werden, damit die Finger an ihn heranreichten. Letztlich ist das keine wirkliche Kritik, sondern einfach gewöhnungsbedürftig.

Der 1,4-Liter Turbo-Benziner ist nach hinten raus etwas durchzugsschwach.
Der 1,4-Liter Turbo-Benziner ist nach hinten raus etwas durchzugsschwach.(Foto: Holger Preiss)

Befeuert wurde der Mokka von einem 1,4-Liter Turbo-Benziner, der 140 PS leistet, die ab 4900 Umdrehungen anliegen. Das hat den Vorteil, dass das Kraftwerk, wählt man die Schaltvorgänge nach Empfehlung der Elektronik, unter 2000 Umdrehungen extrem leise arbeitet. Das ist auch insofern kein Problem, da das maximale Drehmoment von 200 Newtonmetern bereits ab 1850 Umdrehungen anliegt. Will man aber spritzig von dannen ziehen, muss man den Pferdchen ordentlich die Sporen geben, was dann auch zu einer deutlichen Geräuschkulisse im Innenraum des Fahrzeuges führt.  Opel gibt den Sprint von 0 auf 100 km/h mit 9,8 Sekunden an, was glaubwürdig ist. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 195 km/h ausgeschrieben. Auch das mag möglich sein, braucht aber seine Zeit.

Denn auf dem Weg zum V/max gab sich der Mokka dann doch etwas betulich und ob der Einschränkungen auf der befahrenen Autobahn musste der Versuch bei knapp 180 km/h abgebrochen werden. Insgesamt vermittelte das Triebwerk eher Freude beim Cruisen als bei dem Versuch, Rennen zu fahren. Dementsprechend genügsam zeigt sich der Mokka aber im Verbrauch. Das Datenblatt spricht im Stadtverkehr von 8 Litern Super. Ermittelt wurden über den Testzeitraum 8,3 Liter. Kombiniert ist werkseitig von 6,4 Litern die Rede, hier waren es allerdings 7,2 Liter. Aber auch das ist für das Mini-SUV mit einem Gesamtgewicht von knapp 1,5 Tonnen ordentlich.

Mokka geht auch auf Abwegen

Der Mokka ist nicht nur ein Auto für Frauen.
Der Mokka ist nicht nur ein Auto für Frauen.(Foto: Holger Preiss)

Überzeugen konnte auch das Fahrwerk des Test-Mokka. Opel verspricht, dass es insbesondere für den Einsatz abseits der befestigten Straße entwickelt wurde. Und tatsächlich - ist der Mini-Offroader mit einem Allradantrieb ausgerüstet, fräst er sich locker über verschneite Pisten und matschige Waldwege. Wann der Fronttriebler die Hinterräder zuschaltet, entscheiden Sensoren, die die Beschaffenheit der Fahrbahn permanent überwachen. Je nach Situation kann die Kraftverteilung zu 100 Prozent auf den Vorderrädern ruhen oder bis zu einer maximalen Kraftverteilung von jeweils 50 Prozent auf Vorder- und Hinterachse verteilt werden. Dank der eigens von Opel entwickelten Vorderradaufhängung, bei der eine zusätzliche Feder auftretende Querkräfte kompensiert, liegt der Mokka erstaunlich gut in der Kurve und filtert Bodenunebenheiten wie Kopfsteinpflaster einfach weg.

Fazit: Der Opel Mokka ist ein gelungenes Stadt-SUV, dem man nicht ansieht, dass er auf der Basis eines Kleinwagens entstanden ist. Neben seiner Optik versteht er es, als 4x4 glaubhaft zu versichern, dass er seinen Weg auch abseits der Straße finden wird. Und auch der Preis geht für das Highend-Modell Innovation mit knapp 29.000 Euro in Ordnung, denn Opel hat in seinen Paketen eine ganze Fülle an zusätzlichen Features versteckt, für die man anderswo wesentlich mehr Geld ausgeben muss.

DATENBLATTOpel Mokka 1,4 Turbo
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,28/ 1,78/ 1,66 m
Radstand2,55 m
Leergewicht (DIN)1335 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen356 Liter/ 1372 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/Hubraum1,4-Liter Vierzylinder mit Turboaufladung und Start-Stopp-System
Getriebe6-Gang-Schaltgetriebe                                                                                                                                                         
Leistung140PS (103 kW) bei 4900 - 6000 U/min
KraftstoffartBenzin
Antrieb4x4 Allradantrieb                              
Höchstgeschwindigkeit195 km/h
max. Drehmoment200 Nm bei 1850 - 4900 U/min
Tankinhalt53 l
Beschleunigung 0-100 km/h9,8 s
Normverbrauch (innerorts/außerorts/kombiniert)8.0/ 5,5/ 6,4
Testverbrauch7,2 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
149 g/km
Grundpreis25.930 Euro
Preis des Testwagens29.960 Euro

Quelle: n-tv.de

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