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Der stärkste Pkw im BMW-Programm hat 555 PS und will den Porsche Cayenne Turbo S oder Mercedes ML 63 AMG in die Schranken weisen.
Der stärkste Pkw im BMW-Programm hat 555 PS und will den Porsche Cayenne Turbo S oder Mercedes ML 63 AMG in die Schranken weisen.(Foto: Textfabrik/Busse)

Erste Ausfahrt im stärksten Serien-BMW: Neuer Bulle in der Arena

Axel F. Busse

BMW hatte sich nicht weniger vorgenommen, als einem 2,3 Tonen schweren Allradfahrzeug die Eigenschaften eines Supersportwagens zu geben. Das Ergebnis ist der BMW X6 M - viel Leistung, viel Technik, viel Vergnügen.

Es mag gerade nicht die rechte Zeit sein, auf großem Fuß zu leben, doch das ficht die Entwickler von der M-Gmbh nicht an. Die ehemalige Motorsportabteilung der Bayerischen Motoren Werke hat ihr jüngstes Geschöpf auf besonders große Füße gestellt. Der BMW X6 M rollt auf 20 Zoll großen Felgen, die hinteren Reifen sind 315 Millimeter breit. Das kommt bei Serienautomobilen eher selten vor.

Doch der stärkste Pkw im BMW-Programm kann die fetten Schlappen gut tragen. Wer mit 555 PS zum Markte fährt und Porsche Cayenne Turbo S oder Mercedes ML 63 AMG in die Schranken weisen will, wird nicht ernst genommen, wenn er allzu zurückhaltend auftritt. Die Vergleiche mit Wettbewerbern sind für Dr. Kay Segler, Geschäftsführer der M-GmbH, jedoch nicht Maß aller Dinge: "Wenn ich in die Arena gehe, will ich nicht die anderen Bullen verjagen", sagt Segler, "ich will den Zuschauern Spaß machen". Ab 24. Oktober sind der X6 und der technisch weitgehend identische X5 M in Deutschland zu haben. Für 108.500 Euro der Sechser, für 2600 weniger der X5 M.

Eher selten bei Serienautomobilen: Der BMW X6 M rollt auf 20 Zoll großen Felgen, die hinteren Reifen sind 315 Millimeter breit.
Eher selten bei Serienautomobilen: Der BMW X6 M rollt auf 20 Zoll großen Felgen, die hinteren Reifen sind 315 Millimeter breit.(Foto: Textfabrik/Busse)

Die M-Gmbh hatte sich nicht weniger vorgenommen, als einem 2,3 Tonen schweren Allradfahrzeug – BMW nennt sie "Sports Activity Vehicle"- die Eigenschaften eines Supersportwagens zu geben. Das ist per Definition einer, der den Sprint von null auf hundert in weniger als fünf Sekunden schafft. Der X6 M braucht 4,7. Bis 250 km/h reicht der Zug, nur minimal unterbrochen von den winzigen Schaltpausen des automatischen Sechsganggetriebes. Dann tritt die Elektronik auf die Bremse. Oder der Kunde hat noch einmal 2450 Euro investiert, um die abgeregelte Höchstgeschwindigkeit auf 275 km/h hinausschieben zu lassen. Wer sich selbst etwas Gutes tun will, nimmt auch gleich noch an einem Fahrertraining teil, es ist in diesem Preis inbegriffen.

Lader zwischen den Zylindern

Gewaltige, mit Wabengittern verschlossene Lufteinlässe prägen das Gesicht des X6 M. Sie sind nötig, um den 4,4 Liter großen, von zwei Turboladern befeuerten Achtzylinder-Motor mit ausreichend Kühl- und Verbrennungsluft zu versorgen. Obendrein geben sie der Front eine sportlich aggressive Note. Im Unterschied zu dem im bisherigen Spitzenmodell der X6-Reihe verbauten Aggregat hat der Motor einen zylinderübergreifenden Abgaskrümmer, der zwischen den Zylinderbänken sitzt. Das bedeutet, dass die Leitungen, die den Ladern das Abgas zum Antrieb der Turbinen zuführen, teilweise über Kreuz angeordnet sind. Die beiden Turbosysteme sind ebenfalls zwischen den Zylinderreihen angeordnet. Diese Neuentwicklung verspricht eine gleichmäßig hohe Leistungsausbeute. BMW hat sie sich vorsichtshalber gleich patentieren lassen

Prägend für die Heckpartie sind die verchromten Endrohre des Auspuffs, von denen analog zu den M-Varianten der übrigen BMW-Modellreihen ein Paar auf jeder Seite angeordnet ist. Zwischen den Rohren ist der untere Teil des Stoßfängers wie ein Heckdiffusor gestaltet.

Der Allradantrieb ist des X6 M ist heckbetont ausgelegt.
Der Allradantrieb ist des X6 M ist heckbetont ausgelegt.(Foto: Textfabrik/Busse)

Trotz seines hohen Gewichts legte der X6 M bei den ersten Testfahrten eine erstaunliche Agilität an den Tag. Da das maximale Drehmoment von 680 Newtonmetern dank der Turbolader schon ab 1500 Kurbelwellenumdrehungen verfügbar ist, beschleunigt der X6 M in jeder Situation spontan und souverän. Verschiedene Schaltmodi veranlassen das automatische Getriebe, die Gänge länger auszudrehen oder für erhöhte Effizienz zeitig die lang übersetzten Gänge fünf und sechs zu erreichen. Mit 13,9 Litern Verbrauch nach EU-Norm ist der X6M angegeben. In der entspannten Verkehrslage amerikanischer Highways sind aber auch 12,5 oder weniger möglich, wie einzelne Testfahrten bewiesen.

Allradantrieb heckbetont ausgelegt

Obwohl es ein Kundenkreis dafür gäbe, wird seitens BMW nicht beabsichtigt, M-Versionen der X5/X6-Baureihe mit einem manuellen Getriebe auszustatten. Dennoch wird den sportlichsten unter den geländetauglichen Fahrzeugen zugetraut, einen größeren Anteil an der Baureihe zu erreichen, als das PS-starke Topversionen in anderen Segmenten tun. Dort sind ein bis zwei Prozent des Gesamtvolumens einer Baureihe üblich, Kay Segler sieht für den X6 M durchaus fünf oder sechs Prozent als realistisch an.

Zu den elektronischen Appetithäppchen, mit denen der Kunde seinen Fahrgenuss steigern kann, gehört auch die so genannte Launch Control. Sie steuert mit Hilfe von Schlupfsensoren die Kraft beim Gasgeben so, dass die Beschleunigung mit optimaler Traktion abläuft. Begleitet wird der vehemente Vortrieb von einem kraftvollen Verbrennungs- und Abgassound, der den sportlichen Anspruch des Autos akustisch unterstreicht. Der Allradantrieb ist laut Claus-Otto Griebel, dem Projektleiter für den X5 und X6 M, heckbetont ausgelegt. Sollte die Fahrsituation es erfordern, können bis zu 50 Prozent der Antriebskraft auf die Vorderachse geleitet werden, auf der anderen Seite ist auch ein reiner Heckantrieb möglich. Serienmäßig an Bord ist auch das von BMW entwickelte Dynamic Performance System, das an jeweils einer Achse die Kraft unterschiedlich auf die Räder dosieren kann.

Diese Technik, bisher exklusiv dem X6 vorbehalten, ist im X5 M ebenfalls serienmäßig vorhanden. Bei Fahrern von M-Automobilen ist eine Taste besonders beliebt: "MDM" steht darauf, was für "M Dynamic Mode" steht. Ihre Betätigung sorgt für eine Anhebung der Regelschwellen für Bremseingriffe und Motorleistungsreduzierung, was bedeutet, dass lustvolle Drifts möglich werden, ohne dass auf den Rettungsanker eines ESP beim versehentlichen Überschreiten des Grenzbereichs verzichtet werden muss.

Trotz hohen Gewichts erstaunlich agil: Der X6 M beschleunigt spontan und souverän.
Trotz hohen Gewichts erstaunlich agil: Der X6 M beschleunigt spontan und souverän.(Foto: Textfabrik/Busse)

Viele Leistung, viel Technik, viel Vergnügen – viel Geld ist nötig, um dessen teilhaftig zu werden. Weitaus günstiger ist es, bei anderen Herstellern ein Modell X6M zu erwerben. Bei einem Uhren- und Instrumente-Hersteller ist ein Chronometer gleichen Namens schon für 500 Euro zu haben.

Quelle: n-tv.de

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