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Kerniger Sportsmann: Der 370 Z lockt mit günstigem Preis-/Leistungsverhältnis.
Kerniger Sportsmann: Der 370 Z lockt mit günstigem Preis-/Leistungsverhältnis.(Foto: Axel F. Busse)

Nismo bietet viele Pferdchen fürs Geld: Nissan 370Z aus der Sportschmiede

Von Axel F. Busse

Auch nach fast 50 Jahren sind die Motorsportaktivitäten der Marke Nissan in Europa weitgehend unbekannt. Damit sich dies ändert, wurde "Nismo" aus der Taufe gehoben. Was der 370Z mit diesem Beinamen Besonderes bietet, klärte der n-tv.de-Praxistest.

Vor Waschanlagen wird gewarnt: Der fette Heckspoiler könnte Schaden nehmen.
Vor Waschanlagen wird gewarnt: Der fette Heckspoiler könnte Schaden nehmen.(Foto: Axel F. Busse)

Viele sportlich ambitionierte Autofahrer wollen gern Porsche fahren. Was sie letztlich daran hindert, ist der Preis. Das ist auch der Grund, warum es Autos wie den Nissan 370Z gibt. Ein schnittiges Coupé mit viel Power und jetzt auch noch mit dem Beinamen Nismo. Was das ist? Die Abkürzung von Nissan Motorsport, der Rennabteilung des Konzerns.

Damit der Zusatz authentisch wirkt, wurde bei der Motorleistung eine Schippe draufgelegt. 344 Pferdestärken sind es jetzt, 16 mehr als beim Modell ohne "Nismo". Änderungen an Bug und Heck machen das Auto insgesamt 160 mm länger, die ausgestellten Kotflügel an der Hinterachse um 25 mm breiter als bisher. Neu ist auch der mächtige Heckspoiler, dessen Fläche jedem Gartentisch zur Ehre gereichen würde. Zwar kann man seinetwegen sicher sein, dass immer genügend Anpressdruck auf der Hinterachse liegt, jedoch ist die Beobachtung des nachfolgenden Verkehrs durch die Heckscheibe so gut wie unmöglich. Der ohnehin schon schmale Sehschlitz des flach stehenden Heckscheibe wird durch den Spoiler nochmals geteilt. Löblich: Eine Rückfahrkamera gehört zum Lieferumfang. So wird wenigstens das Einparken nicht zum Glücksspiel.

Wie der Tacho unsichtbar wird

Was für manche überflüssiges Imponiergehabe ist, halten andere für einen unverzichtbaren Ausweis der Sportlichkeit: Die beiden Endrohre zieren das der Mehrleistung angepasste Abgassystem und haben einen Durchmesser von jeweils fast 120 Millimetern. Sie versprechen eine Schallentwicklung, die kaum zulassungsfähig wäre, in Wahrheit gibt sich der Nismo akustisch aber recht dezent. Rote Zierstreifen, ein entsprechender Schriftzug und spezielle 19-Zoll-Alufelgen vervollständigen das "Nismo"-Outfit. Dass das Sondermodell noch satter auf der Straße zu stehen scheint, liegt nicht nur an den breiteren Rädern, die zum Beispiel hinten zehn Millimeter mehr Aufstandfläche haben, sondern vor allem an der verbreiterten Spur, die an der Hinterachse um ganze 55 mm ausgedehnt wurde.

Leichte Kurve, Tacho unsichtbar: Er befindet sich im Schatten der rechten Lenkradspeiche.
Leichte Kurve, Tacho unsichtbar: Er befindet sich im Schatten der rechten Lenkradspeiche.(Foto: Axel F. Busse)

Beim Interieur ist die Sonderstellung dieses 370Z, den es übrigens nur als Coupé und nur mit Handschaltung gibt, an verschiedenen Details festzumachen. Die 12-Uhr-Markierung auf dem Lenkradbezug gehört dazu, die roten Nähte auf den Sportsitzen ebenfalls. Einen Drehzahlmesser, dessen Skala bis 9000 Touren reicht, findet man selten, allerdings ist auch nicht vorgesehen, dass dieser Wert im Alltagsbetrieb erreicht wird. Bei 7200 Umdrehungen gibt der Motor seine maximale Leistung ab. Rechts vom zentralen Drehzahlmesser ist der Tacho platziert, was keine gute Wahl ist, wie sich schnell bei Einschlag des Lenkrades zeigt. Häufig verdecken die Speichen des Steuers den freien Blick auf die Skala. Der bunte Technik-Spielplatz mit drei Zusatzinstrumenten bietet ein Meer aus analogen und digitalen Informationsquellen.

Der 3,7 Liter große V6-Aluminium-Motor kurz hinter der Vorderachse verlangt eine besonders wirksame Servo-Unterstützung für die Lenkung. Die ist zwar vorhanden, gleichzeitig geht aber das Feingefühl für die Fahr- und Straßensituation verloren. Der Alcantara/Leder-Bezug ist überdies nicht so griffig, wie man ihn sich wünscht. Dem Kontakt zur Fahrbahn fehlt die Unmittelbarkeit, die Einleitung einer Richtungsänderung fühlt sich zäh und wie durch einen Gummipfropfen an. An der Zielgenauigkeit gibt es nichts zu mäkeln, auch in schneller Kurvenfolge braucht man nur selten zu korrigieren. Leider ist es für langbeinige Fahrer schwierig eine optimale Sitzposition zu finden. Haben sie den richtigen Abstand zu den Pedalen, ist das Lenkrad weit weg. Der Pilot kann es auch nicht zu sich hin bewegen, weil es hat keine Längsverstellung hat. Eigentlich inakzeptabel für ein Sportcoupé dieser Preisklasse.

Drehzahl wird automatisch angepasst

Die 19-Zoll-Alufelgen gehören zur Nismo-typischen Sonderausstattung.
Die 19-Zoll-Alufelgen gehören zur Nismo-typischen Sonderausstattung.(Foto: Axel F. Busse)

Das Sechsgang-Handgetriebe schaltet kurz und knackig, bedarf aber auch eines gewissen Kraftaufwandes. Das Gleiche gilt für die Kupplung. Sie hat einen sehr kurzen Weg und kommt so plötzlich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Viel mehr Weg als das Kupplungspedal hat auch die Bremse nicht, weshalb für die behutsame Dosierung eine gewisse Übung nicht schaden kann. Obwohl die Schaltkulisse präzises Einrasten garantiert, gibt es im Rund des Drehzahlmessers eine Digitalanzeige, die den jeweils eingelegten Gang beziffert. Sinnvoller wäre es, dort eine Schaltempfehlung unterzubringen, die es im 370Z ebenso wenig gibt wie eine Start-Stopp-Automatik. Wenn sportliche Autos den Sinn fürs Wirtschaftliche nicht vermissen lassen, steht das jedem Hersteller gut zu Gesicht. Immerhin wurde für den Leichtbau etwas getan. Mit Türen und Haube aus Aluminium sowie der Kardanwelle aus Kohlefaser-Verbundmaterial kommt der Nismo-Renner auf ein Wettkampf-Gewicht von 1610 Kilogramm. Freilich liegt die erlaubte Zuladung unter 200 Kilogramm, was bedeutet, dass die Insassen ebenso sportlich-drahtig sein sollten wie das Auto selbst.

Rechts oben neben dem Schaltknüppel wird eine Besonderheit des Getriebes aktiviert. Im "S-Modus" wird beim Runterschalten automatisch Zwischengas gegeben. Durch die so ausgeglichenen Drehzahlunterschiede kann die Kupplung augenblicklich einrasten und der Antriebsstrang unter Last gehalten werden - wenn es um Rundenzeiten und Positionskämpfe geht, sicherlich ein Vorteil. Ein agiles Lossprinten garantiert der erste Gang, der noch kürzer übersetzt ist als der Rückwärtsgang.

Dort, wo andere Coupés zwei Notsitze haben, zeigt der 370Z eine armdicke, alu-matte Querstrebe. Sie bringt einen erheblichen Zugewinn an Steifigkeit, ist aber nicht gerade kleidsam. Die Nutzbarkeit des ohnehin nicht üppig bemessenen Kofferraums fördert sie auch nicht. 235 Liter Volumen wurden für den Platz unter der Heckscheibe ausgerechnet. Die Reisetaschen hievt man über eine 91 cm hohe Ladekante. Das Gepäckraumrollo ist an der Unterkante der Klappe verankert und verwehrt die Sicht in das Gepäckabteil. Durch den schweren Spoiler muss einiges an Kraft aufgebracht werden, um den Kofferraumdeckel zu bewegen. Er ist auch die Ursache für einen kleinen aufgeklebten Warnhinweis auf der Heckscheibe: Maschinenwäsche soll vermieden werden, die Bürsten könnten sich in dem Aufbau verheddern.

Bravo: Es geht auch ohne Aufpreisliste

Was unbedingt für den 370Z Nismo spricht, ist die All-Inclusive-Ausstattung. Es gibt keine kostenpflichtigen Extras, nicht einmal der Sonderlack wird berechnet. Im Komplettpreis von 44.900 Euro sind Bi-Xenon-Scheinwerfer ebenso enthalten wie LED-Rückleuchten und ein Navigations- und Entertainment-System mit allein 9,6 Gigabyte für die private Musiksammlung. Bluetooth-Schnittstelle, Spracherkennung und die bereits erwähnte Rückfahrkamera gehören zum Angebot, auf eine Klimaautomatik kann man sich verlassen sowie auf Sitzheizung und eine Berganfahrhilfe. Die elektrische Sitzverstellung ist leider an der Innenseite der Polster angebracht, so dass die Verstellung vor dem Einsteigen etwas umständlich sein kann.

Unterwegs fällt das spontane Ansprechverhalten des Saugmotors auf, die kernige Kraftentfaltung und die trocken einrastenden Gänge. Die Kupplung kommt hart, aber gerecht, die Bremse ist bissig und zupackend. Will man den Sprint bis 100 km/h in rund fünf Sekunden erledigen, braucht man nur einmal zu schalten, selbst jenseits von 200 km/h wird der Nismo nicht zur Lärmbelästigung. Die sportlich-harte Abstimmung des Fahrwerks reicht Erschütterungen durch Querrillen geradewegs in die Kabine durch, so dass niemand vergisst, dass er in einem verhinderten Rennwagen unterwegs ist. Als rennsport-tauglich erwies sich in dieser Testfahrt auch der Verbrauch. Statt der nach Norm ermittelten 10,6 Liter verblies die sequentielle Saugrohreinspritzung fast 14 Liter je 100 Kilometer, wobei allerdings ein erhöhter Anteil Stadtverkehr zu berücksichtigen ist.

Fazit: Solide Großserientechnik, üppige Ausstattung, eine gute Portion Rundstrecken-Romantik, ein attraktiver Preis und ein Hauch Exotik – das sind die Zutaten für den 370Z Nismo. Als Allrounder für die Familie taugt er natürlich nicht, aber als Freudenquell für sportliche ambitionierte Fahrer, die nicht mit den finanziellen Möglichkeiten ausgestattet sind, sich im Schwabenland ihre Sehnsüchte zu erfüllen. Immerhin können sie auch beim Nismo das tun, was sie dort finden würden: Den Schlüssel links vom Lenkrad einstecken und Spaß haben.

DATENBLATTNiussan 370Z Nismo
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,41/ 1,87/ 1,31 m
Radstand2,55 m
Leergewicht (DIN)1610 kg
Sitzplätze2
Kofferraumvolumen235 Liter
MotorV6-Zylinder Ottomotor mit 3696 ccm³ Hubraum
Getriebe6-Gang Handschaltung
Leistung344 PS (253 kW) bei 7400 U/min
KraftstoffartSuper bleifrei
AntriebHeckantrieb
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
max. Drehmoment371 Nm bei 5200 U/min
Tankinhalt58 l
 Beschleunigung 0-100 km/h5,2 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)7,8 l / 15,4l / 10,6 l
Testverbrauch13,1 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
248 g/km
Grundpreis44.900 Euro
Preis des Testwagens44.900 Euro

 

Quelle: n-tv.de

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