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Ganz billig ist so ein Octavia Combi nicht. Auch nicht mit dem kleinen Dreizylinder.
Ganz billig ist so ein Octavia Combi nicht. Auch nicht mit dem kleinen Dreizylinder.(Foto: Holger Preiss)

Škodas Dreizylinder im Test: Octavia 1.0 TSI - der Große mit dem Kleinen

Von Holger Preiss

In seiner potentesten Form leistet das Triebwerk des Škoda Octavia 230 PS. Aber es gibt den Lademeister auch mit 115 Pferden unter der Haube, die von einem 1.0-Liter-Dreizylindermotor bereitgestellt werden. Aber ist das für den Kombi ausreichend?

Die LED-Leuchten können optional geordert werden.
Die LED-Leuchten können optional geordert werden.(Foto: Holger Preiss)

Dass Škoda immer ein bisschen mehr liefert als die Konkurrenz, ist bekannt. Das hat sich inzwischen auch im Vergleich mit den Modellen der VW-Mutter durchgesetzt. Škoda hat nämlich mit Blick auf den Golf Variant seinen aufgefrischten Octavia nicht nur mit vier Augen, sondern in der höchsten Ausstattungslinie Style auch mit einem Dreizylinder im Angebot. Das 115 PS starke Aggregat hat sich inzwischen auch im Audi A3 oder im neuen Seat Ateca seinen Platz erobert. Beim Skoda Octavia hat der 1.0 TSI den 1.2 TSI mit 105 PS ersetzt, der seinerzeit das Einstiegstriebwerk bildete. Und weil das Ganze nach einem Schnäppchen riecht, hat n-tv.de das "Kleinkind" der Tschechen in vollem Ornat zum Praxistest gebeten.

Einen Kombi mit 610 Liter Kofferraumvolumen bei aufrechter und 1740 Liter bei umgelegter Rückenlehne mit einem Dreiender, der lediglich 115 PS leistet, auszustatten, ist schon mutig. Nun mag der Kenner sagen: Ist ja nicht so schlimm, leer wiegt der Octavia mit dieser Motorisierung ja auch nur 1,2 Tonnen. Ist der Tscheche aber bis unters Dach bepackt, kommt er locker auf 1,8 Tonnen und hier sind die erstrebenswerten Zusatzausstattungen noch gar nicht mitgerechnet.

Reicht der Dreizylinder?

Der Dreizylinder knurrt zwar, wird aber nie wirklich laut.
Der Dreizylinder knurrt zwar, wird aber nie wirklich laut.(Foto: Holger Preiss)

Also Klartext: Dreizylinder sind schon lange keine Schwächlinge mehr. Wer aber glaubt, er könne mit ihnen den Asphalt zum Glühen bringen oder unbegrenzt viel wegziehen, der wird enttäuscht werden. Die ursächliche Idee der Hersteller ist bei diesen Motoren, ein effizientes Triebwerk unter die Haube eines jeden Wagens zu zaubern. Das ist auch Škoda mit dem 1,0 TSI gelungen. Im Testverlauf begnügte sich der Combi mit 6,9 Liter Super über 100 Kilometer, was ein wirklich guter Wert ist und um zwei Liter vom Idealwert aus dem Datenblatt abweicht.

So weit ist alles im Lot. Auch die 10,1 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 gehen in Ordnung. Bis Tempo 140 geht es auch flott voran, dann braucht es bis zum Spitzenwert von 201 km/h schon etwas Anlauf und Rückenwind. Nein, das ist nicht sportlich und auch nichts für Dauerläufer unter Zeitdruck. Aber es ist ausreichend, um im Alltagsverkehr zügig unterwegs zu sein. Gleiches gilt für die 200 Newtonmeter maximales Drehmoment, die zwischen 2000 und 3500 Kurbelwellenumdrehungen anliegen und beim Testwagen über eine manuelle Sechsgangschaltung an die Vorderräder weitergereicht wurden. Wobei es genau an dieser Stelle einen Kritikpunkt gibt. Wie bei allen Dreizylindern muss man auch beim Skoda flott und viel schalten, damit er auf Touren bleibt und die 115 Pferdchen bei Bedarf schnell zur Verfügung stehen.

Etwas knorpelig

Die Sitzpolster im Skoda Octavia machen einen wertigen Eindruck. Ob man sie in Beige bestellen muss, bleibt Geschmackssache.
Die Sitzpolster im Skoda Octavia machen einen wertigen Eindruck. Ob man sie in Beige bestellen muss, bleibt Geschmackssache.(Foto: Holger Preiss)

Aber genau an dieser Stelle gab es etwas, was man so von einem Getriebe aus dem VW-Regal nicht kennt: die Schaltung im Testwagen war etwas knorpelig. Gerade beim Übergang von zwei auf drei hakte es häufiger. Ein Umstand, der die Empfehlung für das optional angebotene Automatikgetriebe laut werden lässt. Dafür müssen allerdings zusätzlich 1800 Euro bereitgestellt werden. Das mag für den Moment nicht viel klingen, macht sich aber am Ende beim Gesamtpreis deutlich bemerkbar. Denn wer den Octavia Combi mit dem 1,0 TSI in der höchsten Ausstattung Style bestellt, steigt bereits mit 24.590 Euro ein. Wer sich jetzt noch den einen oder anderen Luxus gönnt, hat am Ende 31.920 Euro auf der Rechnung stehen.

Da schluckt der Škoda-Fan, denn damit ist ein großer Pluspunkt der Simply-clever-Marke geschrumpft. Aber welche Beigaben treiben den Preis in die Höhe und wie sinnvoll sind sie in der Praxis? Die kleinen Posten besetzen die schicken schwarzen 17-Zoll-Alus mit 390 Euro, der schlüssellose Zugang zum selben Preis. Die Lehnenfernentriegelung im Kofferraum bringt es zusätzlich auf 80 Euro. Das Ablagenpaket kostet 70 Euro und das beheizbare Lederlenkrad steht für 120 Euro in der Optionsliste. Das sind aber wirklich nur die kleinteiligen Maßnahmen.

Wer richtig Geld investiert, bekommt einen riesigen Touchscreen mit einem brillanten Bild.
Wer richtig Geld investiert, bekommt einen riesigen Touchscreen mit einem brillanten Bild.(Foto: Holger Preiss)

Richtig ins Geld gehen die LED-Scheinwerfer mit 950 Euro und in Summe die Assistenten. Die sollen an dieser Stelle auch etwas ausführlicher beleuchtet werden, denn nicht alle sind im Verbund mit der manuellen Schaltung sinnvoll. Auf den adaptiven Abstandstempomaten kann man zum Beispiel getrost verzichten. Zwar hat der den Vorteil, dass er die Geschwindigkeit auch dann hält, wenn der Gang gewechselt werden muss, aber spätestens im Stau muss der Fahrer wieder selber arbeiten. Sobald der Wagen sich nämlich einem Fahrzeug nähert, das langsamer als 30 km/h fährt oder steht, schaltet das ACC ab und fordert den Piloten per Licht- und Tonsignal auf, zu bremsen. Ob der Notbremsassistent am Ende eingreift, konnte nicht festgestellt werden. Hier die Probe aufs Exempel zu machen, erschien dem Autor zu heikel.

Hier steckt der Preis-Hammer

Nun sind die 320 Euro für das ACC aber noch nicht der größte Posten bei den Assistenzsystem-Zutaten. Fast doppelt so teuer ist der Parklenkassistent mit 610 Euro, den es beim Handschalter irgendwie auch nicht braucht. Jedenfalls dann nicht, wenn bereits die Rückfahrkamera für 350 Euro geordert wurde, die wirklich brillante Bilder auf den 9,2 Zoll großen kapazitiven Bildschirm in der Mittelkonsole überträgt. Den wiederum bekommt aber nur der (Achtung, denn hier steckt der Preishammer), der das "Ausstattungspaket Business Columbus" für 2350 Euro kauft. Darin enthalten ist das dynamische Navi mit Echtzeit-Verkehrsanzeige ebenso wie der Radioempfang über DAB+, WLAN-Hotspot, Smartphone-Einbindung über Android Auto oder Apple CarPlay und eine Premium-Telefon-Freisprecheinrichtung. Zudem gibt es eine elektrisch aufschwingende Heckklappe und ein Gepäcknetz. Was die beiden Dinge mit dem Navi zu tun haben, hat sich schon im Kodiaq nicht erschlossen.

Über die Vorzüge von 610 Liter Kofferraumvolumen muss kaum geredet werden.
Über die Vorzüge von 610 Liter Kofferraumvolumen muss kaum geredet werden.(Foto: Holger Preiss)

Fakt ist, dass hier sehr viel Geld für ein nützliches Feature ausgegeben werden muss. Denn die Bedienung des Bildschirms ist intuitiv, obgleich ein manueller Lautstärkeregler vermisst wurde. Denn tatsächlich ging, obgleich ein Stellrädchen am Lenkrad ist, die Hand gewohnheitsmäßig immer wieder in Richtung Mittelkonsole, auf der Suche nach einem Knopf. Zu den nützlichen Beigaben gehören zweifellos der Spurhalteassistent und der Totwinkelwarner. Die kosten eigentlich auch nur 360 Euro, dann aber doch 950 Euro. Warum? Weil die Voraussetzungen für die beiden Assistenten der Erwerb des Ausstattungspaketes Traveller Columbus für 590 Euro ist. Darin enthalten sind nämlich noch Fernlichtassistent und Verkehrszeichenerkennung. Nimmt man alle zusätzlich gebuchten Beigaben für den Test-Octavia zusammen, kommt man auf die stolze Summe von 6810 Euro. Sollte jetzt jemand die im Text aufgeführten Zahlen zusammenrechnen, kommt er auf eine geringere Summe. Das liegt daran, dass die automatisch abblendenden Außenspiegel für 100 Euro und die LED-Heckleuchten für 130 Euro noch nicht erwähnt wurden.

Fahrtechnisch brillant

Fahrtechnisch spielen all die Zugaben aber keine Rolle. Der Octavia brilliert auch mit dem kleinsten Triebwerk bei Fahrwerk und Lenkung. Erstgenanntes ist straff, bietet aber genug Abrollkomfort, um auch Kopfsteinpflaster und arge Querfugen unbeschadet zu überstehen; die Lenkung erfreut durch Direktheit und angenehme Rückmeldung in den Kurven, die im Übrigen ausreichend schnell durcheilt werden können. Auch über die Sitzmöbel gibt es nichts Schlechtes zu vermelden. Die machen in der einfachen Leder-Stoff-Kombination einen soliden Eindruck, der auch über die Jahre halten sollte. Jedenfalls dann, wenn sie nicht in Beige bestellt werden. Was Bedienung und Optik betrifft, erfreut der Tscheche erwartungsgemäß mit eleganter Schlichtheit und guter Ergonomie. Über Platz muss man bei einem Octavia nicht reden, es gibt ihn einfach in Hülle und Fülle.

Fazit: Der Škoda Octavia Combi gehört auch mit dem 1,0 TSI Motor zu den soliden und wohl immer noch am besten durchdachten Autos seiner Klasse. Für Sportfahrer ist das Triebwerk nichts, für schaltfaule Zeitgenossen ebensowenig. Erstere sollten sich auf den RS mit 230 PS stürzen, die anderen zumindest die Automatik wählen. Sparfüchse sollten hingegen einen Blick auf den 1,2 Liter TSI, das oben bereits erwähnte Auslauftriebwerk, werfen. Der Vierzylinder leistet 85 PS und wird über fünf Stufen geschaltet. Ob das Fahrspaß verspricht, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden, aber der Einstiegspreis liegt mit 20.490 Euro exakt 4100 Euro unter dem des Testwagens.

DATENBLATTSkoda Octavia Style 1.0 TSI
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,66 / 1,81 / 1,46 m
Radstand2,69 m
Leergewicht (DIN)1247 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen610 / 1740 Liter
MotorDreizylinder-Benziner mit 999 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschaltung
Systemleistung85 kW / 115 PS
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit201 km/h
Tankvolumen50 Liter
max. Drehmoment200 Nm / bei 2000 - 3500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h10,1 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)4,2 / 6,0 / 4,9 l
Testverbrauch6,9 l
EffizienzklasseB / EU6
Grundpreis24.590 Euro
Preis des Testwagens31.920 Euro

Quelle: n-tv.de

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