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Kultivierter Athlet S Roadster: Overstatement à la Mini Cooper

Von Nadin Härtwig

Was hat der Mini Cooper S Roadster, was andere nicht haben? Von manchem zu viel, von einigem zu wenig. Minis bisher sportlichstes Offenmodell ist ein athletischer Spaßmacher, der vor allem eines mit sich bringt: Fahrspaß. Da sieht man über das eine oder andere überdrehte Detail hinweg.

Ein kleiner Terrier mit Silberblick: Für viele Männer ist der Mini ein Frauenauto.
Ein kleiner Terrier mit Silberblick: Für viele Männer ist der Mini ein Frauenauto.

Was hat einer verpasst, der noch nie Mini gefahren ist? Ein Stück Lebensgefühl, werden eingefleischte Mini-Fans wohl antworten. Denn Mini ist originell, Mini hat Stil, Mini ist Kult und Mini, zumindest in der Ur-Ausgabe, ist Understatement.

Ein kleiner Kraftprotz, etwas untersetzt, aber gut proportioniert. Understatement? Keine Spur. Mini hat seiner Flotte den 184-PS-strammen Cooper S Roadster hinzugefügt - das bisher sportlichste Oben-ohne-Modell der Marke. Zwei Sitze weniger und ein S mehr plus Bling-Bling und etwas Rööööhr und der leidenschaftliche Offenfahrer hat gegenüber dem 1000 Euro teureren Mini-Cabrio seine Daseinsberechtigung.

In Grenzen überdreht

Aus dem Roadster heraus sieht die Welt plötzlich ein klein wenig runder aus, auch irgendwie ein bisschen bunter. Mieser Laune davonzufahren, dafür ist der Cooper S nicht das schlechteste Vehikel. Und das (Weg-)Fahren macht wirklich Spaß. Man merkt dem BMW-Briten gleich an, dass er - wie ein Terrier hechelnd voller Vorfreude auf den ersten Auslauf des Tages - von der Leine gelassen werden will. Die 7,2 Sekunden von null auf 100 km/h glaubt man sofort, auch wenn man sich mit der kleinen, aber feinen Freude begnügen muss, an der Ampel als Erster loszukommen. Um sich anschließend über derartige Gefühlsregungen zu wundern.

Offen macht der Mini besonders viel Spaß, im geschlossenen Zustand fühlt man sich etwas beengt.
Offen macht der Mini besonders viel Spaß, im geschlossenen Zustand fühlt man sich etwas beengt.

Stadtschluchten oder gewundene Alleen, Kopfsteinpflaster und aalglatte Autobahnen - der Mini macht sich überall gut. Kräftig und robust zieht er davon - angenehm steif und straff gefedert ohne unkomfortabel zu werden. Dank tiefer Sitzposition ist der Boden nah, man spürt die Beschaffenheit der Straße, wenn man flink darüber braust. Sein Kurvenverhalten ist ausgezeichnet, zu flottes Abbiegen ignoriert der Wagen und neigt sich nur wenig zur Seite - ein bisschen Autorennen-an-der-Spielekonsole-Gefühl inklusive. Die Lenkung spricht sofort an, die sechs Gänge lassen sich leicht und präzise einlegen und verzeihen die angeborene Schaltfaulheit. Nach den ersten Runden wird dann doch der vorher belächelte Sportknopf für noch ein kleines bisschen mehr Athletik, meint direktere Lenkung und unmittelbarere Gasannahme, gedrückt. Knapp über 220 km/h soll der Vierzylinder-Turbo-Motor schaffen. Bestimmt, auch wenn das Tempolimit brav und mit einem weinenden Auge eingehalten wird. Dass bei 80 km/h der kleine elektrische Heckspoiler ausfährt, um den Auftrieb zu reduzieren, kann der genießende Fahrer leider nicht sehen.

Lounge-Barock im Innenraum

Seine Fitness sieht man dem Roadster an - und damit sind nicht die zwei Rallye-Streifen gemeint, die das Auto einmal komplett überziehen. Gut gebaut und durchtrainiert, mit einem miniuntypischen kecken Hinterteil und zahlreichen Rundungen, die an einen gelutschten Drops erinnern, dürfte er vor allem Fahrerinnen ansprechen. Die Front wirkt, das hören Männer nicht gerne, irgendwie süß. Das Arrangement aus Hutze, Kühlergrill und Lufteinlässen in der Schürze, sowie einem leichten Silberblick der weit auseinanderstehen Scheinwerfer hat was von Kindchenschema und veranlasst den männlich Beifahrer zu dem lapidaren Kommentar: "Frauenauto". Keine Liebe auf den ersten Blick.

Im Innenraum hätte es etwas weniger verspielt ausfallen können.
Im Innenraum hätte es etwas weniger verspielt ausfallen können.

Im Innenraum wird die Verspieltheit dann aber doch ein wenig zu aufdringlich. Der Blick auf den minitypischen Tacho, der stolz in der Mitte des Armaturenbretts prangt, ist gewöhnungsbedürftig. Die übergroße runde Geschwindigkeitsanzeige ist nicht nur unpraktisch, weil schlecht abzulesen, sie ist auch wirklich nicht besonders schön. Da bleibt man lieber bei der kühlen digitalen Tempo-Anzeige über dem Lenkrad. Auch Optik und Handhabe anderer Bedienelemente sind verbesserungswürdig, wenn nicht sogar unpraktisch. Der loungeartige Materialmix aus hellem Leder, Chrom, Aluminiumleisten und Kunststoff soll edel anmuten, kombiniert mit vielen runden Elementen raubt er einem aber anfangs Luft und Übersicht, vor allem, wenn das Dach geschlossen ist. Die gedrungene Frontscheibe schränkt zusätzlich den Straßenblick ein. Schilder, Ampeln oder Radfahrer sind nur mittels körperlicher Ertüchtigung zu erkennen, bei der Rücken und Nacken über Gebühr beansprucht werden.

Ein Dach zum Anpacken

Rund und wohlgenährt: Die Proportionen des Roadster sind üppig, aber stimmen.
Rund und wohlgenährt: Die Proportionen des Roadster sind üppig, aber stimmen.

Für Beine und Arme hält der Roadster hingegen genug Platz bereit. Auch größer gewachsene Fahrer können sich in den Sportsitzen wohlfühlen - wenn das Dach geöffnet ist sowieso. Die schwarze Faltstoffhaube fällt zum Glück aus der überbordenden Innenraumdekoration heraus, kompensiert sie. Mit ihren sichtbaren Metallgliedern und dem schlichten schwarzen Stoff verströmt sie sogar einen Hauch kühler Klassik, erinnert an britischen Purismus, und die grobe Haptik des manuellen Entriegelns und Versenkens fühlt sich gut an. Das Dach muss nämlich händisch mittels Drehverschluss geöffnet, nach hinten geschoben und eingerastet werden - umgekehrt ebenso. Dass es das Verdeck auch halbautomisch gibt, mag Kraftmuffel freuen, dem Mini steht die manuelle Oldschool-Haube jedoch ausgezeichnet. Schick, und an dieser Stelle ist die Chromoptik auch passend, sind die kräftigen Edelstahlüberrollbügel hinter den Sitzen.

Seine Rennfahrvergangenheit merkt man dem Cooper S an. Das Offenfahren macht Spaß und beeinträchtigt das Fahrverhalten des Kleinen nicht spürbar. Die Beengtheit ist plötzlich verschwunden, und der Wind streichelt die Locken, ohne das sie unangenehm verwirbelt werden. Ein Windschott kann zusätzlich zwischen die Überrollbügel montiert werden, und die kräftige Sitzheizung trägt bei zugigem Wetter zum Wohlbefinden bei.

Was angenehm auffällt, ist die Kofferraumgröße, die auch Urlaubsgepäck für zwei zulässt. 240 Liter gehen rein - ganz ordentlich für ein solch kleines Auto. Im Innenraum kann Handgepäck hinter die Sitze geschoben werden, und der Kofferraum ist über einen kleinen Durchlass auch aus der Kabine erreichbar. Ein gut durchdachtes Detail.

Auch an Ausstattungsmöglichkeiten mangelt es dem Sport-Mini nicht. Das eingebaute Navigationssystem, die hochwertige Harman/Kardon-Audioanlage, der bereits erwähnte Sportmodus und viele andere Features sind allerdings Sonderwünsche, die mit saftigem Aufpreis auf den ohnehin satten Grundpreis von 26.750 Euro zu Buche schlagen. Immerhin bringt die Grundausstattung wenigstens die Start-Stopp-Funktion mit. Der Gesamtpreis für das gefahrene Modell liegt dann aber schon bei über 37.000 Euro. Immerhin bleibt der Schock an der Zapfsäule aus, denn der Cooper S ist trotz seines sportlichen Ehrgeizes auch dank eines effizienten Motors und diverser Spritspartechnologien ein recht genügsamer Zeitgenosse. Durchschnittlich knapp über 7 Liter verbraucht er pro 100 Kilometer.

Sport, aber kein Extremsport

Der Mini Cooper S Roadster macht das, was er am besten kann: Fahrspaß bringen. Und das ausgezeichnet. Sein großes Plus ist die gelungene Kombination aus Spritzigkeit und Komfort, aus Dynamik ohne die Grenzen des Kultivierten zu verlassen. Sport ist gut - aber keinen kräftezehrenden Extremsport bitte.

Wenn man aber mal neben einem Ur-Mini zum Stehen kommt, fühlt man sich in seinem Premium-Roadster doch ein wenig overdressed. Etwas mehr Zurückhaltung in Sachen Design stünde dem Roadster sicher gut zu Gesicht. Ein Hauch von Understatement würde ihn auch für diejenigen attraktiv machen, für die weniger mehr ist. Was sagt man selbst jetzt einem, der noch nie Mini gefahren ist? Mini macht Spaß. Das auf jeden Fall.

DATENBLATTMini Cooper S Roadster
Abmessungen3,73/ 1,68/ 1,39 m
Radstand2,47 m
Leergewicht (DIN)1185 kg
Sitzplätze2
Ladevolumen240 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/HubraumTwin-Scroll-Turbolader, Reihenvierzylinder/ 1598 cm³
Getriebe6-Gang-Schaltung
Leistung184 PS (135 kW)
KraftstoffartBenzin
Höchstgeschwindigkeit222 km/h
max. Drehmoment260 Nm bei 1730 - 4500 U/min
Tankinhalt50 l
Beschleunigung 0-100 km/h7,2 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)5,1/ 7,5/ 6,0
Testverbrauch7,2 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
139 g/km
Grundpreis26.750 Euro
Preis des Testwagensca. 37.000 Euro

Quelle: n-tv.de

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