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Der i40 wurde schon vor seiner Markteinführung in vielen Fachblättern hochgelobt.
Der i40 wurde schon vor seiner Markteinführung in vielen Fachblättern hochgelobt.

Hyundai gelingt mit i40 der Spagat: Lifestyler gegen Passat und Co.

von Holger Preiss

Es gibt kaum ein Auto, das so viele Vorschusslorbeeren eingeheimst hat wie der Hyundai i40. Und tatsächlich wehrt sich die Marke mit dem großen Kompakten erneut sehr erfolgreich gegen das Image der Billigmarke. Mit dem i40 gelingt den Südkoreanern der Spagat zwischen Funktionalität und Lifestyle.

Statt mit mausgrauer Unauffälligkeit wie sein Vorgänger Sonata fährt der i40 schick vor.
Statt mit mausgrauer Unauffälligkeit wie sein Vorgänger Sonata fährt der i40 schick vor.

Es ist schon ein wenig abgelatscht, im Zusammenhang mit Hyundai VW-Chef Winterkorn zu zitieren, der ja bekanntermaßen auf der IAA in Frankfurt bei der Begutachtung des i30 bemerkte: "Da scheppert nix! Warum kann's der?! BMW kann's nicht, wir können's nicht!" Hyundai kann es. Allerdings nicht nur beim kompakten i30, sondern auch beim großen Bruder i40.

Der Kompakte aus dem sogenannten D-Segment trägt nicht nur die gelungene Zeichnung der Familie, sondern auch die qualitativ hochwertigen Merkmale des kleinen Bruders, bietet aber noch einiges mehr. Bei 4,77 Metern Länge, 1,81 Metern Breite und einer Höhe von 1,47 Metern gibt es vor allem Platz satt. Im Fond kann hier keiner mehr meckern, dass doch bitte mal die Reisenden auf den vorderen Plätzen das Gestühl rücken mögen. Auch die leidigen Tritte der Kinder gegen die Rückenlehne bleiben aus - selbst dann, wenn der Beifahrer sich in seinem Sessel ordentlich streckt.

Das Gestühl gibt sich bequem und die Linien im Innenraum sind dynamisch.
Das Gestühl gibt sich bequem und die Linien im Innenraum sind dynamisch.

Apropos Sessel: Die sind, hat man erst einmal die richtige Position gefunden, durchaus bequem, bieten ausreichenden Seitenhalt und können bereits in der Ausstattungsvariante "Style" Gesäß und Rücken wärmen. Ab der Variante "Premium" kann, in Kombination mit dem Relax-Paket für 1140 Euro, auch noch eine Kühlfunktion hinzugefügt werden. In Anbetracht der Lederbezüge eine durchaus nützliche Einrichtung an heißen Sommertagen.

Das Gepäckteil bietet mit 553 Litern auch dann noch genug Platz für die Reiseutensilien, wenn alle Plätze im i40 besetzt sind. Wird die hintere Bank nicht belegt, kann sie durch wenige Handgriffe umgelegt werden und erweitert den Laderaum in eine plane Fläche, die dann 1719 Liter fasst. Insofern hat der Kombi auch das Potenzial für einen Dienstwagen, ein Lademeister ist er allemal.

Symbiose aus Funktionalität und Lifestyle

Eine Bluetooth-Verbindung gehört zum Serienumfang. Schön für den Fahrer: Sein Arbeitsplatz ist aufgeräumt.
Eine Bluetooth-Verbindung gehört zum Serienumfang. Schön für den Fahrer: Sein Arbeitsplatz ist aufgeräumt.

Das großzügige Raumangebot ist nicht zuletzt auch den sehr gelungenen Linien von Thomas Bürkle geschuldet. Dem Chefdesigner ist es gelungen, einen dynamisch und sportlich wirkenden Kombi auf die Räder zu stellen, ohne die Funktionalität der Form unterzuordnen. Allerdings muss angemerkt werden, dass die A-Säule im Schwung der Linie zur Motorhaube hin sehr breit und lang geworden ist. Wer als Erster an die Kreuzung gerollt ist, wird die eingeschränkte Sicht bemängeln. Ampelanlagen zur Rechten und zur Linken verschwinden da gerne mal im "toten Winkel" und man muss sich etwas strecken, um nicht Opfer des Hupkonzertes der ungeduldig folgenden Verkehrsteilnehmer zu werden.

Im Innenraum ist dann wieder alles im Lot. Die Formensprache, die von den Hyundai-Designern "Fluidic Sculpture" genannt wird, setzt sich an dieser Stelle gekonnt fort. Von den Türen zieht sich ein kühner Schwung in gebürstetem Aluminium bis zur gegenüberliegenden Seite und bescheinigt dem i40 auch im Innern die Dynamik, die er nach außen präsentiert. Die Bedienelemente sind klar und selbst erklärend in die Mittelkonsole integriert und dort auch ohne Verrenkungen gut zu erreichen. Der schwarz lackierte Bereich der Mittelkonsole ist schön anzusehen, aber leider sehr kratzempfindlich. Wer einen Ring trägt, wird auch bei größter Vorsicht deutliche Spuren hinterlassen.

Das Platzangebot im Fond ist ebenfalls gut.
Das Platzangebot im Fond ist ebenfalls gut.

Der i40 ist also neben aller Funktionalität auch ein Lifestyler. Optisch gibt es daran wie gesagt nichts zu deuteln. Leider kann das Fahrwerk hier nicht in allen Belangen mithalten. Mangelnde Asphaltierung reicht es merklich an die Passagiere weiter und wirkt auf unebener Fahrbahn etwas ungelenk. Hier sollten die Ingenieure noch etwas an der Feinabstimmung werkeln. Dieser Kritikpunkt scheint aber der einzig Nennbare gegenüber deutschen Mitbewerbern zu sein.

Sparmeister ist nichts für Schaltfaule

Denn auch der 1,7-Liter-Diesel ist ein durchaus flotter Zeitgenosse. Zwar verlangt der Selbstzünder ein reges Schaltverhalten und etwas Kraft beim Einlegen der Gänge, ist dann aber auch in der Lage, den Wagen in 10,6 Sekunden aus dem Stand an die 100 km/h-Marke zu treiben. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Hyundai mit 200 km/h an, der Testwagen brachte es ohne Rückenwind und auf gerader Strecke auf 210 km/h. Eine ansehnliche Leistung für das 136 PS starke Aggregat, das zwischen 2000 und 2500 Umdrehungen 320 Newtonmeter wuchtet. Was der Diesel nicht mag, ist der Drehzahlkeller. Wer aus den hohen Gängen in den abtaucht, muss, wenn er nicht schaltet, lange warten, bis er wieder in Fahrt kommt.

Für die Diesel entscheiden sich rund 70 Prozent der Kunden.
Für die Diesel entscheiden sich rund 70 Prozent der Kunden.

Während der Diesel in der Anfangsphase seine Dienste lautstark artikuliert, wird er mit zunehmender Fahrt flüsterleise. Das Knurren und Murren aus den unteren Gängen gibt sich auf der Autobahn ganz und selbst bis Tempo 200 wird es nicht gelingen, die Windgeräusche mit dem Grollen des Motors zu übertönen. Schon gar nicht, wenn das bereits in der Basis integrierte Soundsystem mit sechs Lautsprechern tönt. Das kann wahlweise über das RDS-Radio, den CD-Player inklusive MP3-Wiedergabefunktion oder über das eigene Smartphone angesteuert werden. Zur Kopplung können hier ein AUX- oder USB-Anschluss genutzt werden, oder man verbindet sich ganz einfach über Bluetooth.

Während man dem Lieblingslied lauscht, darf man sich auch über den Verbrauch des 4-Zylinder-Reihen-Dieselmotors freuen, der wie das Design im Forschungs- und Entwicklungszentrum Rüsselsheim ersonnen wurde. Der Testwagen zog auf 100 Kilometer lediglich 6,6 Liter Diesel aus dem 70 Liter fassenden Tank. Das bedeutet, dass mit einer Tankfüllung 1000 Kilometer kein Problem sein sollten, denn der Testwagen erreichte den Wert bei reichlich Stadtverkehr, schnell gefahrenen Autobahnkilometern und Überlandfahrten.

Mit Preis und Ausstattung vorgelegt

Den größten positiven Abstand legt Hyundai zwischen sich und die Konkurrenz aber bei Ausstattung und Preis. Wer sich für den 1,7 CRDi entscheidet, bekommt in der niedrigsten Ausstattungsstufe "Style" für 28.990 Euro bereits ein stattliches Paket: Einparkhilfe vorne und hinten, einen automatisch abblendenden Innenspiegel, Regensensor, Klimaautomatik mit zwei Zonen Temperaturregelung, Sitzheizung vorn, Alarmanlage, Tempomat und 16-Zoll-Alus. Wer etwa 3600 Euro drauflegt, erhält in der Premium-Version 17-Zöller, die den i40 um Längen besser dastehen lassen, Xenon-Licht und den Schlüssellosen Fahrzeugzugang dazu. Für einen gleichwertigen VW Passat müssen mindestens 6000 Euro mehr bezahlt werden.

Und noch etwas unterscheidet den Südkoreaner mit deutschen Wurzeln von den Mitbewerbern: Die großzügige Vollgarantie über fünf Jahre, der andere Hersteller in der Regel nur mickrige zwei Jahre entgegenzusetzen haben.

Bilderserie

Fazit: Der Huyndai i40 1.7 CRDi ist ein Allrounder, der gleichermaßen Lastesel und Lifestyle-Kombi ist. Ein Auto, das neben dynamischen Linien sämtliche technischen Raffinessen vereint, ohne zu vergessen, dass er ein Auto ist. Er begleitet den Fahrer, ohne ihn entmündigt in den Sitz zu zwängen. Hinzu kommt, dass der i40 – wird er heute gekauft und in vier Jahren abgestoßen - zu den Autos mit dem geringsten Wertverlust gehört.

DATENBLATTHyundai i40 1,7 CRDi
Abmessungen4,77/ 1,82/ 1,47 m
Radstand2,77 m
Leergewicht (DIN)1570 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen553 l / 1719 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/HubraumReihen-Vierzylinder mit 1685 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschaltgetriebe
Leistung136 PS (100 kW) bei 4000 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
max. Drehmoment330 Nm bei 2000  - 2500 U/min
Tankinhalt70 l
Beschleunigung 0-100 km/h10,6 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)5,5/ 4,3/ 4,7
Testverbrauch6,6 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
124 g/km
Grundpreis32.580,00 Euro
Preis des Testwagens37.680,00 Euro

Quelle: n-tv.de

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