Kompakte Korea-SUV im Vergleich: Plastik-Allergiker sollte man nicht sein
Das Segment der kompakten SUV produziert seit Jahren konstante Zuwächse. In Deutschland wird der Markt vom VW Tiguan dominiert. Viele preisgünstigere Produkte kommen aus Korea – und sie holen auf. Ein vergleichender Blick auf zwei Vertreter mit unterschiedlichen Startchancen.
Wenn es ein Pkw-Segment gibt, in dem es unübersichtlich zugeht, dann ist es das der Geländewagen und Sports Utility Vehicle (SUV). Die Statistik des Kraftfahrtbundesamt erfasst allein im Bereich der hier zu betrachtenden Fahrzeuge mehr als zwei Dutzend Nennungen - und da sind die Dickschiffe vom Kaliber eines Audi Q7 oder eines Porsche Cayenne schon herausgerechnet. Der SssangYong Korando und der Hyundai ix35 kommen zwar beide aus Südkorea, sind beide exakt 4,41 Meter lang und die Testwagen haben beide einen Dieselmotor, aber dann erschöpfen sich schnell die Gemeinsamkeiten. Sie kämpfen nämlich von sehr unterschiedlichen Positionen aus um Kundeninteresse.
Hyundai war der erste koreanische Hersteller, der sich 1991 auf den deutschen Markt traute. Seither hat die Marke ihre Akzeptanz stetig steigern können, gemeinsam mit der Schwestermarke Kia gehört sie mittlerweile zu den wichtigsten Import-Herstellern. SsangYong ging ebenfalls 1991 eine technische Kooperation mit Mercedes Benz ein, kann aber hierzulande keine so geradlinige Historie vorweisen. Vier Jahre nach der Einstellung des Verkaufs in Deutschland und der zwischenzeitlichen Insolvenz des Importeurs, wirbt die nunmehr zum indischen Mahindra-Konzern gehörende Marke mit einem überraschenden Modell wieder um Kunden: Der Korando sieht aus wie ein ganz normales Auto.
Flott gestylter Neustarter
Das ist deshalb bemerkenswert, weil SsangYong in der Vergangenheit eher durch Schöpfungen aufgefallen ist, die in den internationalen Listen der "hässlichsten Autos der Welt" stets vordere Plätze belegten. Design-Verirrungen wie die Großraumlimousine Rodius oder das SUV-Coupé Actyon brachten es zu zweifelhaftem Ruhm. Der Korando gibt sich als Familienmitglied dieser schrägen Vorfahren nicht zu erkennen, und das aus gutem Grund: Der Entwurf stammt von dem bekannten Designstudio Giugiaro und setzt stilsicher auf die Optik eines modernen, hochbeinigen Vielzweck-Autos.
Ein markanter Grill wird von den pfeilförmig darauf zugeschnittenen Haupt- und Nebelscheinwerfer-Gläsern flankiert, muskulöse Radhäuser bestimmen die Seitenpartie und das Heck streckt sich durch senkrechte Leuchtengläser nach oben. Bug und Heck sind mit dunklen Kontrastblenden markiert. Technisch nicht notwendig, aber optisch gefällig sind die zwei Endrohre des Auspuffs mit verchromten Hülsen.
Nicht nur das originelle und ansprechende Design des SsangYong ist bemerkenswert, sondern auch die Tatsache, dass der Hersteller mit diesem Modell erstmals auf den traditionellen Leiterrahmen verzichtet. Die selbsttragende Karosserie verspricht Fortschritte bei Gewicht und Komfort.
Das Motorenangebot beschränkt sich auf einen Zweiliter-Diesel mit 175 PS, im Falle des Testwagens kombiniert mit einem sechsstufigen Automatik-Getriebe. Sie wird für 1500 Euro Aufpreis angeboten.
Intelligente Raumausnutzung
Segment-konform, aber mit Abstrichen in der Harmonie der Linienführung präsentiert sich der ix35, lange eines der gefragtesten Import-SUV auf dem deutschen Markt. Die Front ist mehrfach segmentiert und das Scheinwerferglas weit in die Kotflügel hinein gezogen. Die spitz nach hinten zulaufende Fenstergrafik mündet in einer winzigen dritten Seitenscheibe. Hyundai hat sich im Unterschied zum Korando für zweiteilige Heckleuchten entschieden, welche die rückwärtige Ansicht breiter erscheinen lassen. Die statt wirkende Präsenz auf der Straße verdankt der ix35 allerdings auch einer breiteren Spur, die zum Beispiel hinten 1592 mm beträgt und somit 34 mm mehr als beim Korando. In der neuesten Ausführung leistet der Zweiliter-Diesel 136 PS und wird werksseitig mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe ausgestattet. Für eine Automatik berechnet Hyundai 1450 Euro Aufpreis.
Obwohl die Außenmaße der beiden Kontrahenten fast identisch sind, wirkt der Korando etwas höher. Zehn Millimeter mehr Bodenfreiheit vermitteln einen luftigeren Auftritt, der ganze Karosserieschnitt weist mehr in die Vertikale. Auch beim Leergewicht unterscheiden sich die Fahrzeuge nur minimal. Wegen des Automatik-Getriebes darf der Korando 20 Kilo weniger Zuladung mitnehmen als sein handgeschaltetes Pendant, jedoch sind 493 Kilogramm in der Fahrzeugklasse ausreichend und gut 30 Kilo mehr als es Hyundai erlaubt. Für den ix35 werden ausstattungsabhängig 353 bis 464 Kilo Zuladung angegeben.
Eine intelligente und zweckmäßige Raumausnutzung, die im SsannYong beispielsweise zu angenehmer Bewegungsfreiheit auch auf der Rückbank führt, schlägt sich in einem verhältnismäßig großen Kofferraum nieder. Mit 486 Litern übertrifft er den Hynundai um 21 Liter. Bei umgeklappten Rücksitzen verschiebt sich das Verhältnis zugunsten des ix35, der 1436 Liter aufnehmen kann (SsangYong 1312 Liter). Die Maße der beiden Wettbewerber sind sich so nahe, dass sie bis zur Kopffreiheit unter der geöffneten Heckklappe reichen. 184 und 185 Zentimeter lauten die gemessenen Werte, wobei der Hyundai den winzigen Vorsprung für sich verbuchen kann. Mit 75 cm Ladehöhe ist der auch drei Zentimeter besser als der SsangYong.
Mercedes grüßt aus der Vergangenheit
Einige Spätfolgen der Zusammenarbeit mit Mercedes sind jetzt noch im Innenraum des Korando zu bewundern. Die Architektur der Mittelkonsole und insbesondere der Aufbau der Gangkulisse nebst Schaltknauf haben eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem, was Fahrer von C- oder E-Klassen jahrelang genießen durften. Leider ist die Plastik-Landschaft des Cockpits weitgehend reizarm gestaltet, so dass die gelungene äußere Optik drinnen kein Äquivalent findet.
Das Cockpit des Hyundai ist von tadelloser Aufgeräumtheit. In beiden Autos wurde erkennbar der Kompromiss zwischen dem Verbau kostensparender Plastikteile und der Schaffung einer einigermaßen wohnlichen Atmosphäre gesucht. Besser gelungen ist das beim ix35, wo metallisch schimmernde Applikationen für optische Aufheller im Kunststoff-Universum sorgen und die Oberflächen nicht ganz so kalt und ungemütlich wirken. Beide verfügen über eine Längs- und Höhenverstellung der Lenksäule, wobei allerdings der Spielraum beim Korando so gering ist, dass nicht alle Fahrer/innen ihre optimale Einstellung finden werden. Gut gemeint, aber auf die Dauer nervtötend ist die Tatsache, die der Anschnall-Warnton bereits beim Einführen des Schlüssels ins Zündschloss ertönt. Es reichte, die akustische Erinnerung beim Losrollen des Fahrzeugs auszulösen, wie es bei vielen anderen Herstellern Gang und Gäbe ist. Wichtiger als die permanente Erinnerung wäre im Korando eine Sitzbelegungs-Erkennung für den Beifahrer.
Die Bequemlichkeit der Sitze und deren Stabilität lässt bei beiden Fahrzeugen nicht zu wünschen übrig. Auffällig ist die tiefe Anbringung der rückwärtigen Polster, so dass im Korando ein spitzer Kniewinkel entsteht. Der minimale Platz zwischen vorderer Rückenlehne und Sitzfläche ist jedoch mit 29 Zentimetern üppig und geradezu vorbildlich bemessen.
PS-Unterschied in der Praxis kaum spürbar
Den Anspruch, limousinenartigen Reisekomfort mit den Traktions- und Sicherheitsreserven des Allradantriebs zu verbinden, erfüllten beide Testwagen souverän. Wenn der hohe Aufbau nicht zu viel Seitenneigung zulässt, das Geräuschniveau des Diesels im Wohlfühlbereich bleibt und das Fahrwerk klaglos über holperige Schotterpisten hinweggeht, ist das Klassenziel erreicht. Die Existenzberechtigung dieser Fahrzeuggattung liegt im Kompromiss, es wird weder eine sänftenartige Bequemlichkeit, noch die Fähigkeit verlangt, gröbste Offroad-Passagen als Klettermaxe zu absolvieren.
Die aus dem Datenblatt ablesbaren 39 PS Leistungsunterschied ließen die erlebbare Performance nicht zugunsten des Korando ausschlagen. Statt der offiziellen 10,8 Sekunden sprintete der Testwagen in 11,3 Sekunden von Null auf Hundert, was exakt dem Herstellerwert des schwächeren Hyundai entspricht. Die Messung ergab bei ihm 11,5 Sekunden. Zwar sind dem Hyundai nur 320 Newtonmeter Drehmoment zu entlocken, jedoch erreicht er sie bereits bei 1800 Umdrehungen, während der SsangYong für sein Maximum von 360 Nm schon 2000 Touren braucht.
Die Reichweite wird bekanntlich nicht nur vom Verbrauch, sondern auch von der Tankgröße bestimmt, und dort sind die Wettbewerber ebenfalls nah beieinander: 57 Liter für den SsangYong, 58 für den Hyundai. In der Praxis wirkt sich der Unterschied jedoch größer aus, denn der höher verdichtete SsangYong-Motor leistete sich in diesem Vergleich einen um 2,1 Liter größeren Verbrauch, als nach NEFZ auf dem Prüfstand ermittelt wurde (7,5 Liter). Die serienmäßige Eco-Funktion des Tempomaten am Korando konnte den überdurchschnittlichen Durst auch nicht mindern. Nur 5,7 Liter waren laut Datenblatt für den Hyundai vorgesehen, doch mit einem Testergebnis von 7,2 Litern bewegte sich das Ergebnis im erwarteten Rahmen. Wem es um Wirtschaftlichkeit und nicht so sehr um die Sicherheitsreserve des Allradantriebs geht, wird wohl zu einem Fronttriebler greifen, der von beiden Modellen verfügbar ist.
Viel dran, viel drin
Wo Markenprestige fehlt, wird gern durch Ausstattung gepunktet. Zwar lockt der Hersteller mit einem Einstiegspreis von 22.990 Euro, jedoch ist dies nur der Fronttriebler. Die Allradversion wird ab 26.490 Euro angeboten, verfügt dann aber auch über eine höherwertige Ausstattung als das Einstiegsmodell. Beispiele der mitgelieferten Extras: Sitzheizung vorn, Lenkrad- und Schaltknauf mit Lederbezug, Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer, Berganfahrhilfe, 17-Zoll-Alufelgen, Dachreling, Einparkhilfe hinten, USB-und Bluetooth-Schnittstelle, Radio-CD-Wechsler sowie elektrische Fensterheber vorn und hinten. Ein eingebautes Navigationssystem ist jedoch nicht zu bekommen.
Den Hyundai ix35 2.0 CDRi mit Allradantrieb gibt es ab 27.090 Euro. Zusätzlich liefert er für diesen Preis eine Bergabfahrkontrolle mit, Nebelscheinwerfer oder Lichtsensor müssen aber extra bezahlt werden, 17-Zoll-Alu bekommt man nur in der Premium-Variante dazu, die 3700 Euro Aufpreis kostet. Mitgeliefert werden dort auch noch ein Tempomat mit Lenkradbedienung und Klimaautomatik (sonst nur manuell). Das werksseitig eingebaute Navigationsgerät schlägt noch einmal mit 1720 Euro zu Buche.
Fazit: SsangYong will den Neustart auf dem deutschen Markt zum Erfolg bringen, weshalb das Preis-Leistungs-Verhältnis eine lobende Erwähnung verdient. Die reichhaltige Ausstattung erlaubt es, über die öde Plastiklandschaft im Innern hinweg zu sehen. Die Verpackung stimmt und der Korando macht eine gute Figur im Vergleich zu den Mitbewerbern. Der Hyundai hat, wie die Lieferfristen zeigen, plumpe Anbiederung an die Kunden nicht mehr nötig. Sein Status auf dem deutschen Markt ist gefestigt, das Angebot solide und dank der modernen Antriebstechnik kann er seinen PS-Nachteil durch Wirtschaftlichkeit im Verbrauch wett machen.
| DATENBLATT | Hyundai ix35 | SsangYong Korando |
| Abmessungen L/B/H | 4,41/1,82/1,6 m | 4,41/1,83/1,71 m |
| Radstand | 2,64 m | 2,65 m |
| Leergewicht (nach EU-Norm) | 1600 kg | 1767 kg |
| Sitzplätze | 5 | 5 |
| Gepäckvolumen | 465 - 1436 l | 486 - 1312 l |
| max. Zuladung | 386 - 540 kg | 493 kg |
| Motor | 4-Zylinder-Dieselmotor mit 1995 ccm Hubraum | 4-Zylinder-Dieselmotor mit 1998 ccm Hubraum |
| Antrieb und Getriebe | Allradantrieb, 6-Gang-Handschaltung | Allradantrieb, 6-Gang-Automatikgetriebe |
| max. Leistung | 136 PS (100 kW) bei 4000 U/Min | 175 PS (129 kW) bei 4000 U/Min |
| Kraftstoffart | Diesel | Diesel |
| Tankinhalt | 58 l | 57 l |
| Höchstgeschwindigkeit | 181 km/h | 186 km/h |
| max. Drehmoment | 320 Nm ab 1800 U/Min | 360 Nm bei 2000 U/Min |
| Beschleunigung 0-100 km/h | 11,3 s | 10,8 s |
| Verbrauch pro 100 Kilometer (Innerorts / Außerorts / Kombiniert) | 6,7/5,1/5,7 l | 9,6/6,3/7,5 l |
| Testverbrauch | 7,2 l | 9,6 l |
| CO2-Emissionen | 149 g pro km | 199 g pro km |
| Schadstoffklasse/ Feinstaubplakette | EURO 5/Grün | EURO 5/Grün |
| Grundpreis | 25.490 Euro | 26.490 Euro |
| Testwagenpreis | 29.300 Euro | 27.990 Euro |
Quelle: n-tv.de

