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Der Audi A7 ist einer der Elegantesten im Premium-Segment.
Der Audi A7 ist einer der Elegantesten im Premium-Segment.

Wenn die Götter zornig grollen : AS7 - Understatement war gestern

Von Holger Preiss

Sie sind rar geworden, die Boliden mit V8-Motoren. Im Programm von Audi donnert eine solche Maschine im S7. Bereits von Haus aus sind die technischen Parameter beachtlich. Wirklich "waffenscheinpflichtig" wird es aber, wenn die Edeltuner von Abt Hand an den S7 Sportback legen und ihn zum AS7 adeln.

An der Optik des AS7 musste Abt kaum noch feilen.
An der Optik des AS7 musste Abt kaum noch feilen.(Foto: Holger Preiss)

Als Audi den S7 in seiner neuesten Form auf die Straßen schickte, dachten die Ingolstädter an ein Auto, das sich vor allem durch starke Leistung, souveräne Dynamik, hohe Alltagstauglichkeit und ein dezentes Understatement auszeichnet. Wenn Abt eine solche Vorlage in die Hände bekommt, modifiziert der S7 zu: saustark, extrem dynamisch, alltagstauglich, aber er zeigt ganz bestimmt kein Understatement mehr.

Die freundliche Drohung

Dabei müssen die Fahrzeugveredler aus dem Allgäu an der Optik fast nichts ändern. Der Testwagen glänzt in Phantomschwarz. Die verchromten Leisten an den Seitenscheiben unterstreichen die sportliche Coupé-Linie. Die tief getönte Heckscheibe und die ebenso dunklen hinteren Seitenscheiben geben dem S7 etwas verrucht Elegantes. An den Flanken setzen Schweller-Aufsatzleisten in Wagenfarbe und Außenspiegel in Aluminiumoptik Akzente. Der V8-Schriftzug an den Kotflügeln ist ein Hoheitszeichen, das allerdings vor der Abt-Kur nur mehr eine freundliche Drohung ist.

Am Heck prangen die zwei leicht eliptisch geformten Endrohre.
Am Heck prangen die zwei leicht eliptisch geformten Endrohre.(Foto: Holger Preiss)

Da andere Autofahrer den AS7  ohnehin mehr von hinten als vorn sehen werden, hat Audi sich auch hier etwas einfallen lassen. Neben den zwei leicht elliptisch geformten und verchromten Doppelendrohren prangen die in LED-Technik aufgebauten Heckleuchten. Dank der 90 Einzelleuchtdioden wirkt deren Lichtbild fast dreidimensional.

Wer den AS7 von Abt besteigt, wird von den S-typischen Sportsitzen empfangen, der Himmel ist schwarz und die Pedalerie glänzt in Aluminium. Von den Türen ziehen sich die in Karbon-Optik gehaltenen Intarsien bis in die Mittelkonsole. Der Schriftzug quattro an der Armatur lässt den Piloten ebenfalls sportlichen Fahrspaß ahnen. Verweist er doch auf den permanenten Allradantrieb und das selbst sperrende Sportdifferenzial. Beim Griff zum Lenkrad schmeichelt feines Nappa den Handflächen und der Blick auf die Instrumente verspricht, dass bei einer Tachoanzeige, die erst bei 320 endet, dem Geschwindigkeitsrausch nur die Straßenverkehrsordnung ein Ende setzen kann.

Millimeterarbeit am Gaspedal

Der Innenraum wirkt sportlich-elegant.
Der Innenraum wirkt sportlich-elegant.

Und so soll es dann auch sein: Während Audi den S7 mit dem 4,0-Liter TFSI ausstaffiert hat, dessen 420 PS ab 5500 Umdrehungen anliegen und von 1500 bis 5200 Umdrehungen ein sattes Drehmoment von konstant 550 Newtonmeter auf die Achsen pressen, legt Abt hier noch einen drauf. Nach der Verfeinerung leistet der V8-Biturbo gigantische 540 PS. Das sind 120 PS mehr als in Serienversion. Das Drehmoment steigert sich auf wuchtige 650 Newtonmeter. Angesichts dieser Kraftentfaltung verwundert es nicht, dass der Druck auf das Gaspedal nur Millimeterarbeit ist. Bei einem Kickdown feuert der Bolide in 4,1 Sekunden aus dem Stand an die 100 km/h-Marke. Diese Art Beschleunigung drückt die Passagiere des 2+2-Sitzers mit solcher Gewalt in die Polster, dass der eine oder andere schon mal um Atem ringt und einen "Waffenschein" für dieses Fahrzeug fordert. Andere Stimmen aus dem Off betonen, dass ihnen mit der Fahrt der Tag einfach nur "versüßt" wurde.

Ein Statement, das für den sportlichen Fahrer durchaus nachvollziehbar ist: Während Audi seine Serienversion bei 250 km/h abregelt, kann man den AS7 von Abt auf freier Strecke locker bis an die 290 km/h-Grenze jagen. Es soll aber an dieser Stelle angemerkt werden, dass eine derartige "Spaßfahrt" die Tankanzeige in beachtlicher Geschwindigkeit dem Nullpunkt zutreibt. Satte 23 Liter Benzin, vermeldete die Bordelektronik, würden so auf einer Strecke von 100 Kilometern verbraucht. Zugegeben: ein schmerzlicher Wert. Da aber größere Streckenabschnitte selbst in Deutschland nicht in diesem Tempo zurückgelegt werden, sollte ein solcher Verbrauch nur höchst selten vorkommen. 

Göttlich dröhnender Donner

Viel ist vom 4,0-Liter-V8 nicht zu sehen. Hier spricht eher die Leistung für sich.
Viel ist vom 4,0-Liter-V8 nicht zu sehen. Hier spricht eher die Leistung für sich.

Die andere Seite ist nämlich, dass sich der Durst des schwarzen Renners selbst im Stadtverkehr auf gut 11 Liter reduzieren lässt. Ein Wert, der bei einer Maschine mit der oben angeführten Leistungsentwicklung durchaus akzeptabel ist. Noch vor Jahren wurden ganz andere Mengen Sprit in solchen Boliden verbrannt. Möglich wird diese Ersparnis durch die aktive Zylinderabschaltung. Bei Drehzahlen zwischen 960 und 3500 Umdrehungen schließt das Motormanagement vier der acht Zylinder. Ein beherzter Tritt auf das Gaspedal weckt die schlafenden Vier dann wieder. Das geschieht fast unmerklich, wäre da nicht der göttlich dröhnende Donner aus den zwei Endrohren und der entsprechende Druck auf die Räder.

Die hat Abt beim Testwagen mit den hauseigenen 21-Zoll-DR-Felgen in sogenannter Gun-Metal-Optik versehen. Im Verbund mit 265er Schluffen schlägt diese martialische Optik mit gut 5000 Euro zu Buche. Das ist nicht wenig Geld, aber die hier ebenfalls aufgezogenen Hochgeschwindigkeitsreifen sorgen mit dafür, dass das Potenzial des Boliden wirklich ausgereizt werden kann. Für entsprechende Fahrstabilität sorgt auch die von Audi serienmäßig verbaute Luftfederung mit geregelter Dämpfung. Abt bietet hier optional eine elektronische Tieferlegung an. Die senkt den Wagen an der Vorderachse um bis zu 20 Millimeter ab, an der Hinterachse sind es etwa 15 Millimeter.

Fazit: Wer - immer vorausgesetzt, das nötige Kleingeld ist vorhanden - auf der Suche nach einem echten Sportler ist, der auch im Fond und im Gepäckabteil genug Platz für Fahrgäste und alltägliche Zuladung bietet, findet im S7 Sportback das richtige Auto. Wenn man dem Ganzen aber die Krone aufsetzen möchte, sollte man weitere 5000 Euro für das Abt Power-Tuning aufwenden. Der damit verbundene Leistungszuwachs von 120 PS ist ein ernst zu nehmender Spaßfaktor. Derzeit arbeitet Abt auch an einer ähnlichen Leistungssteigerung für den S6, den schnellen Bruder des A6.

DATENBLATTABT AS7 4.0 TFSI quattro
Abmessungen4,91/ 1,87/ 1,45 m
Radstand2,91 m
Leergewicht (DIN)1985 kg
Sitzplätze4
Ladevolumen535 l
EmissionsklasseEU 5
Motor/HubraumV8-Biturbo mit 3993 ccm Hubraum
Getriebe7-stufige S tronic mit dynamischer Gangwahl
Leistung540 PS (397 kW) bei 4000 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebPermanenter Allradantrieb quattro
Höchstgeschwindigkeit290 km/h
max. Drehmoment650 Nm
Tankinhalt65 l
Beschleunigung 0-100 km/h4,1 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)8,0/13,4/10,6
Testverbrauch14,4 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
225 g/km
Grundpreis67.142,86 Euro
Preis des Testwagens125.744,98 Euro
Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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