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Das Kodo-Design steht auch dem Mazda2 und setzt dynamische Akzente in der sonst eher harmlosen Klasse der Kleinwagen.
Das Kodo-Design steht auch dem Mazda2 und setzt dynamische Akzente in der sonst eher harmlosen Klasse der Kleinwagen.(Foto: Holger Preiss)

Sparmeister im Praxistest: Mazda2 - Dynamiker unter den Harmlosen?

Von Holger Preiss

Mit aufregendem Design punkten Kleinwagen in der Regel nicht. Vielmehr setzen sie auf Unauffälligkeit. Anders bei Mazda. Mit dem Kodo-Design haben die Japaner auch der Nummer 2 eine dynamische Optik gegeben. Aber taugt auch der Rest in der Praxis?

Auch beim Heck fällt der Mazda2 sehr dynamisch aus.
Auch beim Heck fällt der Mazda2 sehr dynamisch aus.(Foto: Holger Preiss)

Als Chefdesigner Ikuo Maeda das Kodo-Design für Mazda entwickelte, hat er nicht nur der japanischen Marke ein unverwechselbares Gesicht gegeben, sondern auch die potenzielle Kundschaft wieder für die Autos aus Nippon begeistert. Selbst wenn man den Kleinsten im Bunde der Kodo-Reihe, den Mazda2 betrachtet, ist man gewillt, Maeda zu glauben, wenn er sagt: "Ein Auto braucht Charakter. Es sollte aber immer das Gefühl vermitteln, eine 'Maschine' zu sein."

Und Charakter hat der kleine Mazda in jedem Fall. Da sind der unverkennbare Kühlergrill mit dem chromgerahmten spitzen Zug in Richtung Asphalt und die immer ein wenig aggressiv blickenden Augen. Auch mit der sich im Doppelschwung brechenden Tornadolinie, einem Dachspoiler und den 16 Zoll großen Alufelgen in Zweifarboptik setzt der Japaner dynamische Akzente in der sonst eher betont harmlosen Klasse der Kleinwagen. Und ganz ehrlich: Egal, wo man mit dem Mazda2 vorfährt, für seine Optik erntet er Beifall.

Im Innenraum erinnert der Mazda2 ein wenig an den Audi A1.
Im Innenraum erinnert der Mazda2 ein wenig an den Audi A1.(Foto: Holger Preiss)

Was außen gilt, gilt gleichermaßen für den Innenraum. Erst recht dann, wenn man sich nicht für die Basisausstattung Center-Line, sondern die 2000 Euro teurere Sport-Line entscheidet, in der der Testwagen vorgefahren ist. Für dieses Geld gibt es nicht nur elektrische Fensterheber an allen Türen (wobei leider nur der Fahrerplatz eine Eintippautomatik hat), elektrisch einklappbare Außenspiegel, Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer, Drei-Speichen-Sportlenkrad, Lederschaltknauf, Nebelscheinwerfer und einen Spurhaltewarner. Wobei der an Baustellen, wenn die Streckenführung nicht ganz eindeutig ist, schnell nerven kann. Mit einem penetranten Brummton, der durch den ganzen Wagen schallt, erschrickt er die Insassen. Wenig erschreckend, aber sehr nützlich sind Totwinkel- und Querverkehrwarner. Eine Option, die in dieser Klasse nicht bei jedem Hersteller zu bekommen ist.

Bitte keine Fingerspiele

Um das Auge im Innenraum zu befrieden, gibt es Zierelemente in Karbon-Optik, Chromleisten und schwarz bezogenen Sportsitze mit roten Designstreifen, die wirklich richtig schick aussehen. Die Luftauslässe haben die Form von Jetdüsen und das Dashboard ist in Teilen beledert und dort mit roten Ziernähten abgesteppt. In der Mitte steht das hochauflösende sieben Zoll große Farbdisplay aufrecht über der Mittelkonsole und erinnert an Fahrzeuge von Mercedes und Audi.

Die Sitze im Mazda2 machen optisch einiges her. Leider sind die Seitenwangen sehr hoch und sehr weich.
Die Sitze im Mazda2 machen optisch einiges her. Leider sind die Seitenwangen sehr hoch und sehr weich.(Foto: Holger Preiss)

Der Unterschied wird aber in dem Moment deutlich, wenn man das Fingerspiel auf all diesen optischen Köstlichkeiten vollführt. Das Leder ist sehr dünn und künstlich, wobei sich schnell die Frage stellt, wie lange es wohl halten wird. Die Armatur besteht aus knochenhartem Plastik, das aber wirklich so gut gemacht ist, dass erst der haptische Test den Beweis erbringt. Die Sitze bieten auch auf der Langstrecke ausreichenden Komfort. Um der Sportlichkeit Vorschub zu leisten, wurden die Seitenwangen sehr hoch gebaut. Der Vorteil: Auch in schnell gefahrenen Kurven bleibt der Fahrer im Gestühl. Der Nachteil: Dadurch, dass es sich um puren Schaumstoff handelt, ploppen und knicken sie beim Ein- und Aussteigen immer unter Po und Oberschenkel weg. Auch hier stört nicht der Umstand an sich, sondern es ist wieder die Frage nach der Lebensdauer. 

Kleiner Diesel mit forschem Antritt

Diese Frage stellt sich nicht beim Triebwerk. Der Testwagen wurde nämlich von einem Vierzylinder-Diesel mit Turboaufladung befeuert. Aus einem Hubraum von 1499 Kubikzentimetern schöpft er 105 PS und drückt 220 Newtonmeter an die Vorderachse. Verteilt wird die Kraft über eine knackige manuelle Sechsgangschaltung. Schade nur, dass das Einrasten nicht besser abgefedert ist und der Schalthebel  - unterstützt durch einen schwungvollen Federzug – immer mit einem hörbaren Klacken einrastet. Richtig forsch geht es zwischen 3200 und 4000 Umdrehungen zur Sache. Dann wird der Ton des Selbstzünders etwas rauer, der Vortrieb aber auch spürbarer. In 10 Sekunden ist die 100-km/h-Marke überlaufen und den sechsten Gang kann man beim Sprint geflissentlich bis 160 km/h ignorieren. Um die Spitze von 178 zu erreichen, tut er hingegen gut, denn jetzt wird die Beschleunigung etwas verlangsamt, wobei die Reserven dann aber auch voll ausgeschöpft sind.

Der 1,5 Liter Diesel des Mazda2 erfreut vor allem durch seinen geringen Durst.
Der 1,5 Liter Diesel des Mazda2 erfreut vor allem durch seinen geringen Durst.(Foto: Holger Preiss)

Reserven gibt es auch noch beim Fahrwerk. Dank einer dynamischen Stabilitätskontrolle (DSC) und der Traktionskontrolle (TCS) kann der Pilot den Japaner auch mal forsch um die Kehre schicken. Unangenehm wird das straff abgestimmte Fahrwerk, das sonst keine Schwächen zeigt, bei Querfugen und großflächigem Kopfsteinpflaster. Vor allem beim Überfahren des Erstgenannten schlägt es einem ordentlich ins Kreuz. Das mag den Sportfreunden ebenso gefallen wie die recht straffe Lenkung, die ausgezeichnete Rückmeldung gibt. Im Stadtverkehr wirkt das alles an der einen oder anderen Stelle aber ein wenig zu fest. Gerade dann, wenn man bedenkt, dass der Mazda2 ein Kleinwagen ist und aus ihm trotz seiner sportlichen Optik keine Rennmaschine wird.

Sein größter Vorzug ist der Verbrauch

Deshalb liegt sein größter Vorzug, wenn er denn mit dem Diesel vorfährt, im Verbrauch. Über 900 Kilometer, in denen der Testwagen vorrangig im Stadtverkehr bewegt wurde, glänzt der Japaner mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,0 Litern auf 100 Kilometer. Wer ohne große Bleifußarien auf langen Strecken dahingleitet, der sollte diese Marke noch unterbieten können. Angesichts dieser Tatsache ist auch der Tankinhalt von 44 Litern völlig ausreichend, die damit verbundene Reichweite liegt bei etwa 800 Kilometern.

Mit 280 Litern gibt es ausreichend Kofferraumvolumen. Legt man die Rückenlehne um, entsteht eine etwa sieben Zentimeter hohe Kante.
Mit 280 Litern gibt es ausreichend Kofferraumvolumen. Legt man die Rückenlehne um, entsteht eine etwa sieben Zentimeter hohe Kante.(Foto: Holger Preiss)

Ausreichend ist auch das Kofferraumvolumen mit 280 Litern. Das gleicht dem des VW Polo, ist weniger als im Hyundai i20 und es sind zehn Liter mehr als in einem Audi A1. Besser als bei den drei Mitbewerbern gestaltet sich aber das Platzangebot in der zweiten Reihe. Hier können Erwachsene, auch wenn sie etwas größer sind, recht entspannt sitzen und vor allem Kinder finden nur schwerlich einen Grund zum Klagen. Klagen könnte es hingegen über die mangelnden Ablageflächen geben. Eine Flasche mit maximal 0,75 Litern Fassungsvermögen passt gerade so in die Seitentaschen der Türen, eine Mittelarmlehne fehlt ebenso wie zum Beispiel ein Brillenfach im Dachhimmel.

Dennoch bietet Mazda für 19.590 Euro viel. Wer jetzt noch eine 3D-Navigation, LED-Scheinwerfer mit automatischer Leuchtweitenregulierung und das Technikpaket mit Spurwechselwarner, Head-up-Display und schlüssellosem Zugang haben will, der legt noch einmal 2240 Euro drauf, hat dann aber ein Fahrzeug, das es so ausgestattet in diesem Segment noch selten gibt.

Fazit: Mit einem Preis von 23.000 Euro fällt der Mazda2 nicht unter die Kategorie Schnäppchen. Was es bei dem Japaner letztlich rausreißt, ist die Fülle an Ausstattungs-Features, die es in diesem Segment bei der Konkurrenz nicht in allen Details gibt. Ein weiteres großes Plus ist das in einem Kleinwagen unübliche Dieseltriebwerk. Das überzeugt vor allem durch seinen Verbrauch und die Durchzugskraft in den unteren Gängen. Diese beiden Umstände lassen auch das eine oder andere Detail vergessen, dass man sich durchaus wertiger wünschen würde.

DATENBLATTMazda2 Skyaktice-D 105
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,06/ 1,69/ 1,49 m
Radstand2,57 m
Leergewicht (DIN)1115 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen280 Liter
MotorVierzylinder mit 1499 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang Handschaltung
Leistung77 kW/105 PS
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit178 km/h
Tankvolumen44 Liter
max. Drehmoment220 Nm bei 1400 - 3200 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h10,1 Sekunden
Normverbrauch (kombiniert)3,4 l
Testverbrauch5,0 l
EffizienzklasseA+ / EU6
Grundpreis19.590 Euro
Preis des Testwagens23.230 Euro

Quelle: n-tv.de

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