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Asymmetrisch, kultig, individuell: Der Clubman John Cooper Works.
Asymmetrisch, kultig, individuell: Der Clubman John Cooper Works.(Foto: Textfabrik)

Clubman John Cooper Works: Re-Mini-szenz im Trainingsanzug

Axel F. Busse

Es gibt einen Automarkt jenseits der Vernunft. Wer Fragen wie Unterhalt, Ausstattungsniveau oder Familientauglichkeit zu Kriterien der Kaufentscheidung macht, kann sich das manchmal kaum vorstellen. Aber die Existenz dieses Marktes begründet den Erfolg von Marken wie Mini.

Kleine Autos für saftige Preise zu verkaufen, hat BMW seit der Übernahme 2001 zur Kunstform erhoben. Und wem der 170 PS starke Mini Copper S immer noch zu gewöhnlich oder zu lahm ist, hat seit vergangenem Jahr eine Alternative. Die wird mit dem Namenszusatz "John Cooper Works" garniert, hat genau eine Pferdestärke mehr als der neue Golf GTI und stellt sich auch optisch als ultimativer Rennzwerg dar.

Für diesen Praxistest stand die ungewöhnlichste Karosserieform zur Verfügung, die Mini derzeit anbietet: Der Clubman. Als Reminiszenz an ein Nutzfahrzeug-Konzept der sechziger Jahre, als British Leyland vom Ur-Mini auch eine Kombivariante verkauften, wurde die Mini-Limousine um 24 Zentimeter auf 3,96 Meter verlängert und erhielt eine zusätzliche Tür auf der rechten Fahrzeugseite. Das ist aus zweierlei Gründen bemerkenswert: Erstens fehlt ein Pendant auf der linken Seite, was den Clubman zu einem asymmetrischen Gefährt macht und zweitens befindet sich diese hinten angeschlagene Tür auch bei rechts gelenkten Autos an der derselben Stelle, was englische Passagiere dazu zwingt, im laufenden Verkehr ein- und auszusteigen.

Rallyegestreift und aufgeladen

Als Antrieb dient wie bei anderen Minis auch ein 1,6 Liter großer Vierzylinder-Motor. Dessen Turbolader pustet jedoch mit 1,3 bar Druck Verbrennungsluft in die Zylinder, was zu der stattlichen Leistungssteigerung von 36 PS gegenüber dem Cooper S führt. Für einen herzhaften Klang sorgt eine zweiflutige Auspuffanlage, die in groß dimensionierten Endrohren mündet und dem nachfolgenden Verkehr "Überholversuch zwecklos" signalisieren soll.

Auf der Piste ist der Clubman handlich und griffig.
Auf der Piste ist der Clubman handlich und griffig.(Foto: Textfabrik)

Während außen die rot-schwarze Lackierung nebst Rallyestreifen diese Botschaft unterstützt, fehlt es innen an Ablenkung fürs Auge, sieht man mal von der Mini-typischen Pop-Art-Inszenierung der Info- und Bedienelemente ab. Es dominiert die Farbe Schwarz und da der Dachhimmel sich wegen der steil stehenden Frontscheibe weit über die Insassen hinweg nach vorne spannt, kann sich leicht ein Gefühl der Enge einstellen.

Objektiv gibt es dafür keinen Grund, denn Platz ist, zumindest für die vorn Sitzenden ausreichend vorhanden. Doch die unvermeidliche Distanz zwischen Fahrerkopf und Scheibenrahmen hat einen schädlichen Effekt: Der freie Blick auf das Ampelsignal kann durch den Dachvorsprung eingeschränkt sein, wenn man nicht mit deutlichem Abstand vor der Haltelinie zum Stehen kommt.

Hinten sind die Sitze zwar ähnlich bequem wie vorn, nur bringen die acht Zentimeter zusätzlichen Radstandes gegenüber der Limousine nur einen geringen Bequemlichkeitsvorteil. Der Mini bleibt auch als Clubman ein Kleinwagen, der seinen Reiz mehr aus Kult und Fahrspaß bezieht, als aus dem Nutzen des Transportmittels. Folglich ist der 260 Liter große Kofferraum (etwa der Wert eines Cabrios bei geöffnetem Dach) kein wirklicher Hinderungsgrund für die Fans des Minis.

Kräftiger Durchzug von "unten" heraus

Immerhin geht das Umklappen der Rück-Lehnen erfreulich einfach, dann sind rund mehr als 900 Liter Stauraum heraus zu holen. Und Isofix-Kindersitzbefestigungen sind auch vorhanden. Dass die Verarbeitungsqualität mitteleuropäischen Erwartungen entspricht, darauf wird bei BMW geachtet. Nicht schön, aber wegen der rahmenlosen Fenster wahrscheinlich unvermeidlich ist das scheppernde Geräusch bei Zuschlagen der Türen. Deren Öffnungsmechanik ist ebenfalls zu hinterfragen. Der metallene Keil, die tastenartig innen in den Griffbügel gedrückt werden muss, ist nicht frei von Einklemmgefahr. Besser wäre es, auch die Türen mit dem elektromagnetischen System auszustatten, das an der zweiteiligen Heckklappe verbaut ist.

Auf der Piste ist das alles schnell vergessen. Trotz des längeren Radstandes hat der Clubman von der Handlichkeit und Griffigkeit der anderen Modelle nichts eingebüßt. Mit den 211 PS kommt das sportlich abgestimmte Fahrwerk gut zurecht, Antriebseinflüsse in der Lenkung oder Traktionsprobleme des Fronttrieblers sind zu vernachlässigen. Das fein abgestufte Sechsgang-Getriebe passt gut zu dem temperamentvollen Motor, die Lenkung ist direkt und unterstützt das sprichwörtliche Gokart-Gefühl auf einem engen Kurs. Da schon bei 1850 U/min das maximale Drehmoment von 260 Newtonmetern anliegt, ist es jedoch nicht nötig, das Triebwerk durch eifriges Schalten bei Laune zu halten.

Die Sprintfreudigkeit lässt keine ernsten Zweifel daran aufkommen, dass dieser gedopte Mini die werksseitig angegebenen 238 km/h Toptempo tatsächlich erreicht. Der Beweis ließ sich mit dem Testwagen jedoch wegen der montierten Winterreifen nicht antreten. Die Freude an flotter Gangart kam dennoch nicht zu kurz, zeigte doch der Testwagen-Tacho oberhalb von GPS-geprüften 150 km/h regelmäßig rund zehn Stundenkilometer mehr. Die straffe Federung trägt ihren teil dazu bei, das subjektive Geschwindigkeitserlebnis noch zu verschärfen.

Fazit: Ein kultiges Auto für Individualisten, denen ein einfacher Mini zu gewöhnlich ist. Über den sportlichen Einstiegspreis von 30.500 Euro zu lamentieren ist müßig. Fahrspaß und Exklusivität stimmen, man muss sich nur entscheiden, was es einem wert ist. Wie man Geld verdient, kann man vom Hersteller lernen: Die Rallyestreifen auf der Motorhaube kosten 110 Euro extra.

Quelle: n-tv.de

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