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Schön und leicht kommt er daher, der SL 500. Dabei ist es egal, ob er als Roadster oder Coupé dasteht.
Schön und leicht kommt er daher, der SL 500. Dabei ist es egal, ob er als Roadster oder Coupé dasteht.(Foto: Holger Preiss)

Flieger, grüß mir die Sonne: SL 500 - Tachonadel am Anschlag

Von Holger Preiss

Mit dem SL hat Mercedes nach Jahren der Hausbackenheit zurück zu seinen Wurzeln gefunden. Herausgekommen ist die gelungene Symbiose zwischen Roadster, Coupé und Rennwagen. Mit einem Drehmoment von 700 Nm und 435 PS dürfte der Luxus-Sportler nicht nur die Gipfel stürmen, sondern auch die Herzen der gut betuchten Käuferschaft.

125 Kilogramm hat der SL 500 gegenüber seinem Vorgänger verloren.
125 Kilogramm hat der SL 500 gegenüber seinem Vorgänger verloren.(Foto: Holger Preiss)

Noch bis vor Kurzem schwebte über der Marke mit dem Stern der Nimbus des hausbackenen Rentnerautos. Wer an Mercedes dachte, dachte an schwere S-Tonnen mit dunklen Holzintarsien. Riesen Schiffe, die mit Methusalem am Steuer über den Asphalt kreuzen. Doch indessen hat in Stuttgart ein Wandel stattgefunden. Nicht nur, dass sich die Schwaben auf ihre Geschichte besinnen - sie sind zudem in der Lage, diese gekonnt zu zitieren und damit eine Brücke in die Moderne zu schlagen.

Jüngstes Beispiel dieser neuen Symbiose ist der SL 500. Die Zitate im Design sind unverkennbar der langen Renngeschichte von Mercedes entnommen und finden sich fein ziseliert im SL wieder. Die Stuttgarter haben die Linie des 1954 auf der internationalen Motor Show in New York erstmals präsentierten Seriensportwagens - des SL 300 - für den neuen SL aufgegriffen. Wie damals folgt der langen Motorhaube ein zurückgesetztes, kompaktes Passagierabteil. Ein breites Heck bildet einen kraftvollen Abschluss, während die Lufteinlässe mit verchromten Finnen versehen wurden - auch das eine Reminiszenz an den Mythos SL.

Leicht, leichter, SL

Das kraftvolle Heck unterstützt den sportlichen Auftritt.
Das kraftvolle Heck unterstützt den sportlichen Auftritt.(Foto: Holger Preiss)

Apropos SL: Das Kürzel wurde hier wieder für bare Münze genommen. Steht es doch seit der Einführung eines Mercedes-Sportwagens vor 60 Jahren für "super leicht". Der fast vollständig aus Aluminium gefertigte Luxusroadster wiegt 125 Kilogramm weniger als sein Vorgänger und bringt es so insgesamt auf lediglich 1785 Kilo. Diese neue Leichtigkeit bestimmt auch das Fahrverhalten des SL 500. Die Dynamik ist vor allem bei schnell gefahrenen Kurven spürbar und gibt dem Wagen ein extrem gutes Handling, das von der elektromechanischen Lenkung soweit unterstützt wird, dass man gern die Zügel schleifen lässt.

Wer nun aber glaubt, dass Sportwagen immer extrem hart abgestimmt sein müssen, dem beweisen die Stuttgarter mit dem SL 500 das Gegenteil. Die serienmäßig adaptive Dämpfung lässt keine Bodenwelle bis zu den Bandscheiben der Insassen durchdringen. Auch dann nicht, wenn die Variante "Sport" gewählt wurde und sich der Bolide spürbar dichter an den Asphalt schmiegt.

Die Tachonadel bis zum Anschlag

Befeuert wird der SL 500 von einem V8-Triebwerk mit 435 PS.
Befeuert wird der SL 500 von einem V8-Triebwerk mit 435 PS.

Befeuert wird der SL 500 von einem 4,6-Liter-V8-Triebwerk mit 435 PS und einem maximalen Drehmoment von 700 Nm, das den Boliden mit Sonnenblick in 4,6 Sekunden auf 100 km/h sprinten lässt. Dabei arbeitet der BlueDIRECT-Motor, wie ihn Mercedes nennt, erstaunlich genügsam, wobei der SL 500 seine enorme Potenz bei einem ordentlichen Tritt auf das Gaspedal akustisch nicht versteckt. Die von den Stuttgartern angegebenen Verbrauchswerte mit knapp 10 Litern Super sind sogar hart an der Realität. Im munteren Wechsel von Stadtverkehr – natürlich mit serienmäßiger Start-Stopp-Funktion -, Autobahn und Landstraße lag der Verbrauch des Testwagens bei 11,3 Litern.

Wer den SL 500 aber bis an die Grenze kitzelt, ist auf längeren Strecken mit 12,9 Litern Kraftstoff gut bedient. Angesichts der Leistung und des Preises, den Mercedes für das Fahrzeug aufruft, dürfte der Verbrauch die Käuferschicht auch nicht schrecken. Zumal der Zweisitzer jede Menge Fahrspaß bietet. Wer will, kann den Retro-Sportler mit Leichtigkeit an die 250 km/h-Grenze jagen. Dann wird automatisch abgeregelt.

Im Innenraum trifft Retro gekonnt auf Moderne.
Im Innenraum trifft Retro gekonnt auf Moderne.(Foto: Holger Preiss)

Die Höchstgeschwindigkeit ist insofern eine neue Erfahrung, als dass die Tachonadel sich im fein gebürsteten Gehäuse der Anzeige tatsächlich bis zum Anschlag (260 km/h) bewegen lässt. Damit erfüllt sich ein Kindheitstraum: Stand der Autor früher an den Seitenscheiben der Autos und bestaunte die letzten Ziffern auf dem Geschwindigkeitsanzeiger, musste er später begreifen, dass kaum ein Wagen in der Lage war, diese zu erreichen. Aber jetzt, im SL 500, ist es endlich gelungen.

Offener Luxus-Ritt

Bei aller zitierfähigen Historie hat Mercedes im SL die Zeit nicht verschlafen. Ein 7-Gang-Automatikgetriebe sorgt für ruckelfreie und stets präzise Schaltvorgänge, die natürlich auch vom Piloten über die Schaltwippe eingelegt werden können. Die Kombination von einer ganzen Reihe von Assistenzsysthemen bügelt die kleinen Unaufmerksamkeiten des Fahrers gekonnt weg. Auf Wunsch kann für den SL 500 auch ein Abstandsregel-Tempomat bestellt werden. Ist der auf der tempobeschränkten Autobahn aktiviert, kann der Fahrer sich getrost in das bequeme Gestühl fläzen und im Verkehr treiben lassen. Die Radarsensoren sorgen für eine exakte Geschwindigkeit und bremsen den Wagen bei langsamerem Verkehr vor einem automatisch ab. Gleiches gilt für eine dann folgende Beschleunigung. Ein extrem entspanntes Fahren.

In weniger als 20 Sekunden ist das Dach im Kofferaum verschwunden.
In weniger als 20 Sekunden ist das Dach im Kofferaum verschwunden.

Hinzu kommt, dass der Pilot und eine eventuelle Begleitung in einem extrem angenehmen Ambiente untergebracht sind. Im Vergleich zu seinem Vorgänger wuchs der SL nämlich um 5 Zentimeter in die Länge und 5,7 Zentimeter in die Breite. Das bedeutet für die Insassen mehr Schulter- und Ellbogenfreiheit. Aber nicht nur das für einen Roadster üppige Platzangebot erfreut, sondern auch das ebenfalls gelungene Interieur. Auch hier bilden das Jetzt und die Vergangenheit eine perfekte Einheit: Luftauslässe in Turbinenoptik und Sportlenkrad zitieren erneut die Rennwagenhistorie der Schwaben. Gleiches gilt für die Rundinstrumente mit dem dreidimensionalen Skalenring.

Selbst die Darstellung auf dem Navi ist eine gelungene Rückbesinnung auf die 1950er Jahre. Da wirken Wälder und Seen wie von Hand gezeichnet. Die Skala für die Senderwahl präsentiert sich im Röhrenradiodesign und in der Seitenverkleidung der Türen befinden sich Knöpfe zur Einstellung der Sitzposition, die genau wie das Gestühl geformt sind. Damit entfällt das lästige Geknubbel an versteckten Knöpfen und auch die Überraschung bleibt aus, wenn sich statt der Rückenlehne plötzlich das ganze Polster nach vorne schiebt, weil man unbedacht am falschen Knopf geruckelt hat.

Mit Windschott wie im "Bobbycar"

Wenn das Dach geschlossen ist, bietet der Kofferraum ein Volumen von 381 Litern.
Wenn das Dach geschlossen ist, bietet der Kofferraum ein Volumen von 381 Litern.

Doch was wäre ein Roadster, wenn man sich nicht bei offenem Dach den Wind um die Nase wehen lassen könnte? Die Optionen reichen hier vom lauen Lüftchen bis zur kräftigen Brise. Erstes erreicht man, wenn die Seitenscheiben geschlossen sind und das Windschott elektrisch nach oben gefahren ist. Wobei der ausgefahrene hintere Windschutz den SL 500 in der kindlichen Wahrnehmung zu einem "Bobbycar" werden lässt. Für den erwachsenen Fahrer gleicht das eher der Nachahmung eines großen Schiebedachs. Wirklich windzugewandt zeigt sich aber der Fahrer, der den SL komplett offen fährt. Wirkliche Sturmstärken erreicht erst der, der auf Autobahnen jenseits der zulässigen Höchstgeschwindigkeit unterwegs ist.

Um sich dieser Freiheit auszusetzen, genügt ein Knopfdruck, der das Variodach in weniger als 20 Sekunden elektrohydraulisch im Kofferraum versenkt und so den Roadster zum Coupé werden lässt. Wer den Luxus auf die Spitze treiben will, entscheidet sich für ein Panorama-Variodach. Jetzt kann über den Häuptern auf Knopfdruck jederzeit die Transparenz von hell in dunkel und umgekehrt verändert werden. Und noch etwas sei erwähnt, weil es wirklich luxuriös ist: Wer im SL die Frontscheibe vom Schmutz befreien will, kann auf die in den Scheibenwischern integrierten Düsen setzen, welche ihr Wasser bei jeder Geschwindigkeit gleichmäßig auf die Wischerblätter träufeln.

Ein Fußtritt für die Heckklappe

Ach so. Noch etwas ist neu. Die selbst öffnende Heckklappe. Na gut, ganz von selbst macht sie es nicht, aber wer mit dem Fuß unter der Heckstoßstange langfegt, dem wird sich auch die Klappe auftun. Das gibt es schon beim VW Passat und heißt Hands-free Access? Ja, aber nochmal gefegt und die Klappe schließt sich wieder. Das hat der Passat noch nicht. Unter der Klappe befindet sich im Übrigen ein Abteil, das bei geöffnetem Dach 381 Liter Volumen bietet. Hat sich das allerdings in den Kofferraum gesenkt, bleiben noch 241 Liter.

Fazit: Wer sich einen SL 500 kauft, muss vor allem eines haben: Geld. Mit einem Grundpreis von 117.000 Euro ist dieses Auto Lichtjahre von einem Schnäppchen entfernt. Wer aber über eine solche Barschaft verfügt und nicht primär den Blick auf den Alltagsnutzen seines Wagens legen muss, hat mit einem SL 500 eine Luxuskarosse mit immensem Spaßfaktor in außergewöhnlichem Design erworben, die zudem angesichts der Leistungsparameter noch extrem sparsam ist.

DATENBLATTMercedes SL 500
Abmessungen (Länge, Breite, Höhe)4,61/ 1,87/ 1,31 m
Radstand2,58 m
Leergewicht (DIN)1785 kg
Sitzplätze2
Ladevolumen241 - 381 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/HubraumReihen-Achtzylinder mit 4663 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang-Tronic Plus (Automatik)
Leistung435 PS (320 kW) bei 5250 U/min
KraftstoffartSuper
AntriebHeckantrieb
Höchstgeschwindigkeit250 km/h (elektr. abgeregelt)
max. Drehmoment700 Nm bei 800 - 3500 U/min
Tankinhalt65 l
Beschleunigung 0-100 km/h4,6 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)7,1/ 12,9/ 9,2
Testverbrauch11,9 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
214 g/km
Grundpreis117.096,00 Euro
Preis des Testwagens135.451,75 Euro
Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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