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Mit der Überarbeitung im Jahr 2006 ist aus dem Schweden-Dampfer ein formschönes Auto geworden.
Mit der Überarbeitung im Jahr 2006 ist aus dem Schweden-Dampfer ein formschönes Auto geworden.

Volvo S80 2.0T in der Praxis: Schwedische Noblesse

von Markus Mechnich

Der S80 von Volvo tritt gegen die etablierte Konkurrenz in der oberen Mittelklasse an. Dabei setzt der Schwede weniger auf Sport als auf Sicherheit und solide Verarbeitung. Mit einem neuen Zwei-Liter-Benziner soll er jetzt auch sparsam werden.

Bilderserie

In Schweden mag man es gerne solide, eher gemütlich und sicher. Soweit das Klischee, das der Autohersteller Volvo einerseits mitbegründet, vom dem er auf der anderen Seite aber auch profitiert hat. Autos wie der 260 aus den Siebzigern, die 900er-Serie aus den neunziger Jahren oder eben der seit 1998 gebaute S80 arbeiten weiter an diesem Ruf, grundsolide, sichere und hochwertige Autos zu sein. Nicht aufregend, aber sehr schwedisch.

Doch die Zeiten haben sich geändert und so reicht es auch für Volvo schon lange nicht mehr,sichere Autos zu bauen. Heutzutage verkaufen sich Autos über Design und auch immer mehr über Technik. Zwar nicht unbedingt mit mehr PS, denn auch diese Zeiten sind vorbei. Vielmehr muss auch eine Limousine der mittleren Oberklasse sparsam und dennoch kraftvoll zu Werke gehen. Aus diesen Gründen hat Volvo dem S80 einen Vierzylinder-Motor verpasst, den wir in unserem Test mal auf den Zahn fühlen wollen.

Fast ein Coupé seit dem Facelift

Mitte 2009 hat Volvo seine größte Limousine einem klitzekleinen Facelift unterzogen, welches aber lediglich an dem größeren Markenlogo zu erkennen ist. Das umfangreiche Update gab es bereits 2006. Seitdem ist aus der Limousine fast ein Coupé geworden. Die Schweden haben sich die oben bereits erwähnte Binsenweisheit, dass sich Autos dieser Klasse auch und vor allem über die Optik verkaufen, zu Herzen genommen. Seitdem ist der S80 nicht nur ein großer Volvo, sondern auch ein wirklich schönes Auto geworden.

Im mächtigen Heck versteckt sich ein großer Kofferraum. Auch wenn er keinen Spitzenwert beim Ladevolumen bietet.
Im mächtigen Heck versteckt sich ein großer Kofferraum. Auch wenn er keinen Spitzenwert beim Ladevolumen bietet.

Weggefallen ist hingegen zu Jahresende, und da wären wir bei der zweiten Binsenweisheit, der große Achtzylinder-Motor, der mit der Überarbeitung vor vier Jahren Einzug hielt. Im Gegensatz dazu ist für das kommende Jahr hingegen ein neuer Vierzylinder im Angebot, den wir hier testen durften.

Optische Größe

Auf den ersten Blick ist der S80 ein mächtiges Auto. Mit 4,85 Metern bleibt er zwar bei der Länge sieben Zentimeter unter einem Audi A6, fünf unter einem 5er von BMW oder gar nur zwei unter einer E-Klasse von Mercedes. Aber der Schweden wirkt auf den ersten Blick stattlich. Dementsprechend sind auch die Platzverhältnisse im Innenraum großzügig. Die Verarbeitung des Autos ist tadellos. Auf den beiden vorderen Sitzen ohnehin, aber auch im Fond lässt es sich gut reisen. Ach der Kofferraum bietet mit seinen 480 Litern so einiges an Nutzwert, auch wenn das kein Klassenbestwert ist. Die Konkurrenz bietet da mit bis zu 546 Litern mehr.

Viel Komfort und solide Verarbeitung: Der Volvo S80 zeigt sich innen sehr ansprechend.
Viel Komfort und solide Verarbeitung: Der Volvo S80 zeigt sich innen sehr ansprechend.

Was aber hat uns in Sachen Fahrvergnügen der neue Vierzylinder zu bieten? 203 PS hat das turbounterstützte Aggregat und damit deutlich mehr Kraft als der Zweiliter-Benziner ohne Aufladung. Auch beim Drehmoment bietet der Neue mit 300 Newtonmetern erheblich mehr. Warum sich Volvo überhaupt die Mühe macht, einen neuen Zweiliter-Otto-Motor auf den Markt zu bringen, zeigt sich beim Verbrauch. Der liegt laut Norm bei 7,9 Litern und damit um 0,4 Liter unter dem nur 145 PS starken Bruder mit gleichem Hubraum.

Bei Geschwindigkeit entsteht Durst

Um diese Angaben zu prüfen, machen wir uns auf eine lange Autobahnstrecke. Teil eins davon führt uns zunächst von Berlin nach Hannover und wieder zurück. Unter der Woche auf der A2 gehen wir die Fahrt zwar zügig an, doch allzu flott geht es nicht voran. Dem Konjunkturpaket II sei Dank: Die einst so gut ausgebaute und flotte Strecke mit sechs Spuren ist im Jahr 2010 wieder eine Aneinanderkettung von Baustellen und Geschwindigkeitsbegrenzungen. Nur zwischendurch für einige Kilometer geht es mal ohne Tempomat zügig voran.

Der Zwei-Liter-Benziner mit Turboaufladung ist ein sparsamer und dennoch kräftiger Antrieb.
Der Zwei-Liter-Benziner mit Turboaufladung ist ein sparsamer und dennoch kräftiger Antrieb.

Beim Tanken in Hannover messen wir 10,7 Liter, was durchaus etwas zu viel ist. Aber angesichts der Tatsache, dass wir zwischendurch auch mal die Höchstgeschwindigkeit von 235 Stundenkilometer getestet haben, kann der Wert gerade noch durchgehen. Die Rückfahrt in Kombination mit einigen Stadtkilometern ergibt einen Wert von 11,2 Litern. Das ist angesichts des angegebenen innerstädtischen Verbrauchs von 11,0 Litern nicht übertrieben viel mehr. Die zweite lange Teststrecke fahren wir von Berlin nach Kaiserslautern. Bei freier Autobahn und ruhigerer Fahrt genehmigt sich der S80 dann im Schnitt 8,3 Liter auf den rund 700 Kilometern. Das ist ein ordentlicher Wert.

Gleiten, nicht rasen

Dabei zeigt sich der S80 als ein ganz feines Reisefahrzeug. Sein Terrain ist nicht die schnelle Kurvenfahrt, auch wenn Volvo-Fahrzeuge bei weitem nicht mehr die weichen Schaukeln sind, die sie früher einmal waren. Sportliches Fahren bietet der S80 allerdings auch nicht unbedingt. Dafür ist das Fahrwerk zu weich und die Sitze sind zu sesselartig. Das Dahingleiten, auch in flottem Galopp, ist eine Domäne des schicken Schweden. Ruhig und entspannt lässt es sich reisen. Der Nachwuchs auf der Rückbank freut sich über eigene Sonnenrollos, die Eltern vorne über die elektrische Türsicherung. Hinter dem Lenkrad verwöhnen Spur- und Totwinkelassistenten ebenso wie Geschwindigkeits- und Abstandsregelsysteme. Die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung und die bequemen Sitze lassen den Fahrer auch nach mehr als zwei Stunden nicht übermüden.

Für solche Reisen ist dieser Volvo gemacht und in dieser Disziplin kann er auch glänzen. Man merkt sofort, dass die schwedischen Autobahnen Pate standen und die pure Weite des Landes Anlass genug ist, ein Auto zu bauen, in dem man nicht nur gut, sondern auch gerne einige Stunden verbringen kann.

Viel Sicherheit und Ausstattung

Bei all der Euphorie, die uns nach unseren bewältigten Langstrecken überfällt, darf man nicht vergessen, dass jedes Vergnügen einen Preis hat. Der Grundpreis unseres Autos liegt mit 35.170 Euro aber auf einem recht vernünftigen Niveau. Unser Testwagen kostet in der höchsten Ausstattungsvariante "Summum" dann 41.620 Euro. Darin enthalten sind immerhin Tempomat, Navigationssystem, Klimaanlage, elektrische Sitze und, ganz typisch für Volvo, eine umfangreiche Sicherheitsausstattung. Freilich lässt sich auch dieser Preis noch in die Höhe treiben. Mit Lederausstattung für 820 Euro, einem "Premium"-Audiosystem für 1490 Euro oder einem Paket an aktiven Fahrassistenten für insgesamt 2050 Euro.

In der Summe holt sich der Volvo S80 eine gute Wertung bei unserem Test ab. Der neue Vierzylinder macht in dem Auto mit dem doch beachtlichen Leergewicht von 1679 Kilogramm eine gute Figur. Der Verbrauch des überarbeiteten Aggregats ist in Ordnung und die Fahrleistungen ebenso. Großen Sport gibt es woanders, den kann der S80 nicht bieten. Wer aber ein schönes und komfortables Reiseauto sucht, der ist mit dem schicken Schweden gut bedient.

 

Datenblatt

Volvo S80 2.0T

Abmessungen LxBxH
4,85 / 1,86 / 1,49 m
Leergewicht
1679 kg
Sitzplätze
5
Ladevolumen
480 l
Maximale Zuladung
431 kg
Motor
4-Zylinder Otto-Motor
mit 1.999 ccm Hubraum
und Turboaufladung
Getriebe
6-Gang manuell
Leistung
203 PS (149 kW)
Kraftstoffart
Benzin
Antrieb
Vorderachse
Höchstgeschwindigkeit
235 km/h
max. Drehmoment
300 Nm
Beschleunigung 0 - 100 km/h
 sek
Normverbrauch (Mittel)
Testverbrauch
7,9 l
10,2l / 8,3l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
184 g/km
Grundpreis
Preis des Testwagens
32.280 Euro
52.049 Euro

 

Quelle: n-tv.de