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Der Seat Ibiza Cupra gehört in seiner Klasse zu den besonders dynamisch gezeichneten Sportlern.
Der Seat Ibiza Cupra gehört in seiner Klasse zu den besonders dynamisch gezeichneten Sportlern.(Foto: Holger Preiss)

Spaniens kleiner Asphalt-Fighter: Seat Ibiza Cupra - 100 Prozent Fahrspaß?

Von Holger Preiss

Es hat schon immer Spaß gemacht, als Kleiner die Großen zu ärgern. Mit dem neuen Seat Ibiza Cupra gelingt das ganz famos. Dabei taugt der 192 PS starke Mini-Bolide nicht nur für die Autobahn. Und es gibt noch eine Überraschung, wie der n-tv.de Praxistest beweist.

Luftauslässe, mittig platziertes Endrohr, schwarze Felgen und rote Bremssattel: Der Ibiza Cupra hat auch optisch alles, was ein Sportler braucht.
Luftauslässe, mittig platziertes Endrohr, schwarze Felgen und rote Bremssattel: Der Ibiza Cupra hat auch optisch alles, was ein Sportler braucht.(Foto: Holger Preiss)

Wer sich für einen Sportwagen entscheidet, ist in der Regel nicht kopfgesteuert, sondern denkt mit dem Herzen. Vor allem Emotionen wollen PS-lastige Autos bei ihren Fahrern generieren. Und genau das macht auch der Seat Ibiza Cupra. Allein die Optik des Mini-Boliden spricht Fans des schnellen Ampelstarts an. Unter einem relativ kleinen Kühlergrill öffnet sich ein breiter Lufteinlass, der von scharfkantigen Nebelscheinwerfern flankiert wird. Die Pneus sind auf schwarz lackierte 17-Zoll-Felgen gezogen, durch deren Speichen rote Bremssättel strahlen. Dieses optische Kleinod kostet zusammen 1348 Euro extra.

Am Heck ein ähnlich martialisches Bild: An den Seiten der wuchtigen Stoßfänger, die optisch die Radhäuser noch etwas nach außen schieben, prangen breite Luftauslässe. Das Endrohr wurde trapezförmig verblendet und neben den Lufleitern des unteren Heckschürzeneinsatzes platziert. Im Zusammenspiel mit weiteren Akzenten wie dem Cupra-Schriftzug und LED-Lichtern an Bug und Heck bekommt der Ibiza etwas Bissiges.

Ideales Kampfgewicht

Die Cupra-Insignien finden sich auch am abgeflachten Lenkrad und am Schaltknauf.
Die Cupra-Insignien finden sich auch am abgeflachten Lenkrad und am Schaltknauf.(Foto: Holger Preiss)

Und tatsächlich sollten sich selbst die Großen überlegen, ob sie sich mit dem kleinwüchsigen Kraftpaket anlegen. Denn das Kampfgewicht ist gemessen an der zur Verfügung stehenden Muskulatur gewaltig. Im Ibiza Cupra haben die Spanier den 1,8 Liter TSI verbaut, der auch im VW Polo GTI seine Arbeit verrichtet. In Zahlen heißt das, dass hier 192 PS, also 12 PS mehr als beim Vorgänger,  auf ein Gewicht von 1260 Kilogramm treffen. Bereits ab 1450 Kurbelwellenumdrehungen liegen 320 Newtonmeter an den Vorderrädern an, was zur  Folge hat, dass der Spanier - geführt über eine knackige Sechsgangschaltung - in 6,7 Sekunden auf Tempo 100 sprintet.

Angenehm bei krachendem Antritt ist, dass das ESP so gekonnt einregelt, dass ein übles Durchdrehen der Räder ebenso ausbleibt wie ein hässlicher Verriss des Lenkrades. Selbst wenn der Kickstart mit eingeschlagenem Volant geprobt wird, zieht sich der Cupra erstaunlich sauber in die Spur. Bereits bei solchen Übungen merkt der Pilot, dass die Jungs, die hier Fahrwerk und Lenkung abgestimmt haben, aus dem Rennsport kommen.

Das 1,8 Liter Kraftwerk leistet 192 PS, das sind 12 PS mehr als beim Vorgänger.
Das 1,8 Liter Kraftwerk leistet 192 PS, das sind 12 PS mehr als beim Vorgänger.(Foto: Holger Preiss)

Denn der Ibiza im Kampfanzug lässt mehr zu, als gedacht. Gerne wird bei potenten Fahrzeugen dieser Klasse  der Go-Kart-Vergleich bemüht. Und natürlich wäre das auch hier nicht abwegig. Der Radstand von 1,44 Meter lässt mit den kurzen Überhängen und einer sehr straffen Abstimmung, die auf Knopfdruck noch verschärft werden kann, und einer sehr direkt arbeitenden Lenkung einiges zu, was bei den Normalos dieser Klasse schon im Ansatz scheitern würde. Auch die Endgeschwindigkeit von 235 km/h auf dem Datenblatt und gemessenen 231 km/h auf der Piste begeistert. Wobei der Direktflug eigentlich bei Tempo 220 endet. Für die restlichen 11 km/h braucht es dann doch ein Stück Anlauf.

Quirlig durch den Stadtverkehr

Aber das ist völlig egal und vor allem ausreichend. Denn die Hobbysportler in weitaus potenteren Kisten rechnen in der Regel nicht mit der Lauffreudigkeit des kleinen Spaniers. Hier ist immer der Überraschungsmoment und jede Menge Spaß garantiert. Aber auch im ganz normalen Straßenverkehr macht sich die Durchzugskraft des Cupra bezahlt. Schnelle und saubere Spurwechsel sind ebenso garantiert, wie der schon erwähnte flotte Ampelstart.

Vorne als auch hinten sind die Sitzflächen stark konturiert. Das sichert festen Halt bei Kurvenfahrten, Kindersitze lassen sich aber nur schlecht befestigen.
Vorne als auch hinten sind die Sitzflächen stark konturiert. Das sichert festen Halt bei Kurvenfahrten, Kindersitze lassen sich aber nur schlecht befestigen.(Foto: Holger Preiss)

Quirlig und vor allem wendig schnurrt der Ibiza Cupra durch den Stadtverkehr. So gesehen ist der Wagen durchaus alltagstauglich. Dafür spricht auch ein Durchschnittsverbrauch von 8,5 Litern auf 100 Kilometern. Ja, hier gibt es eine Diskrepanz zu den auf dem Rollenprüfstand ermittelten 6,2 Litern. Aber real ist der Cupra im Winter gefahren worden, bei laufender Klimaanlage, mit Licht und Temperaturen um den Gefrierpunkt und darunter. Hinzu kommen Ausritte in den sportlichen Grenzbereich und dann wieder ruckeliger Stopp-and-Go-Verkehr. Auch das Kofferraumvolumen des Ibiza spricht mit 292 Litern für seine Alltagstauglichkeit.

Wer jetzt aber denkt: Das ist genau das Auto, um flink von A nach B zu kommen und auch die Familie geschwind zu befördern - vergessen Sie's! Das erste Ausschlusskriterium ist der Umstand, dass der Cupra nur noch als Dreitürer angeboten wird. Das Gemecker der Kinder möchten Sie nicht hören, wenn die sich auf die hinteren Plätze schälen müssen. Und tatsächlich ist der Ein- und Ausstieg mühselig. Zwar klappen die Lehnen der wunderbar ausgeformten Sportsitze weit nach vorn, aber die stark abfallende Dachlinie macht das Manöver zu einer echt sportlichen Übung. Und wenn Menschen zwischen 1,30 und 1,45 Meter klagen, dürfen Sie sich ausrechnen, was Erwachsene sagen.

Aber selbst für Fahrer und Beifahrer gleicht der Einstieg dem in einen echten Sportwagen. Die Seitenwangen der Sitze sind stark konturiert und sehr straff. Das hält den Fahrer auch in der schärfsten Kurve im Gestühl, bedeutet aber, dass deren Überwindung beim Verlassen und Besteigen einige Übung verlangt. Natürlich ist, wer hier klagt, selber schuld, denn der begrenzte Platz und entsprechende Sitze sind in einem Klein-Dynamiker wie dem Cupra gar nicht anders zu erwarten.

Überraschung beim Endpreis

Wirklich überrascht hat beim Testwagen etwas anderes: der Preis. Der liegt nämlich ohne Extras bei 23.060 Euro. In diesem Preis sind nicht die Sportsitze mit Alcantara für zusätzlich 450 Euro enthalten. Auch die ausgezeichnet funktionierende Multimediaeinheit, an die problemlos jedes Smartphone angeschlossen und gespiegelt werden kann, gibt es nicht für den Einstiegspreis. Sie ist zusammen mit dem Navi, Radioempfang über DAB und einem 6,5 Zoll großen Farbdisplay für 370 Euro zusätzlich zu bekommen.

Ebenso die Mittelarmlehne kostet 210 Euro extra. Das ist für eine am Fahrersitz arretierte Stütze mit Staufach extrem viel Geld. Wenn die dann auch noch bei jeder Fahrzeugbewegung so laut knarzt, dass selbst die Musik sie nur schwer übertönen kann, ist das mehr als ärgerlich.

Ebenfalls wenig überzeugen konnte die Wisch-Wasch-Anlage. Gerade bei widrigen Witterungsbedingungen sollte die so viel Wasser auf die Scheibe bringen, dass der Fahrer den Durchblick behält. Da aber die Pumpe das Wasser in die Scheinwerferdüsen presst, bleiben für die Frontscheibe nur sechs müde Strahlen, die kaum ein Drittel der Fläche benetzen.

Fazit: Der Seat Ibiza Cupra ist ein Auto, das optisch Fahrspaß verspricht und dieses Versprechen zu 100 Prozent einlöst. Wer vorrangig allein oder zu zweit unterwegs ist, der wird auch beim Platzbedarf keine Verwerfungen erleben. Für Familien ist der Kleinwagen mit den sportlichen Genen nicht mal im Ansatz eine Empfehlung. Was den Preis betrifft, reiht sich der Seat mit einem Grundpreis von 23.060 Euro hinter dem Peugeot 208 GTi oder einem Mini Cooper S ein, steht aber vor seinem Genspender, dem VW Polo GTI, einem Opel Corsa OPC oder einem Ford Fiesta ST.

DATENBLATTSeat Ibiza Cupra
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,05/ 1,69/ 1,42 m
Radstand2,46 m
Leergewicht (DIN)1260 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen292 Liter
MotorVierzylinder mit 1798 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang Handschaltung
Leistung141 kW/192 PS
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit235 km/h
Tankvolumen45 Liter
max. Drehmoment320 Nm bei 1450 - 4200 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h6,7 Sekunden
Normverbrauch (kombiniert)6,2 l
Testverbrauch8,2 l
EffizienzklasseD / EU6
Grundpreis23.060 Euro
Preis des Testwagens26.030 Euro

Quelle: n-tv.de

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