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Wem ein Golf VII nicht sportlich genug ist, der sollte den Seat Leon ins Auge fassen. Er könnte eine Alternative sein.
Wem ein Golf VII nicht sportlich genug ist, der sollte den Seat Leon ins Auge fassen. Er könnte eine Alternative sein.(Foto: Holger Preiss)

Seat Leon geht geschärft in den Kampf: Spanischer Golf greift an

Von Holger Preiss

In den letzten Jahren sind die Verkaufszahlen von Seat in Deutschland stetig gesunken. Seit einiger Zeit trumpfen die Spanier aber wieder auf. Mit dem neuen Seat Leon dürften sie auf die positive Entwicklung noch eine Schippe drauflegen. Aber ist der spanische Golf wirklich so gut wie sein Pendant aus Wolfsburg?

Der Leon hat seine Ecken und Kanten. Aber nur in der Form.
Der Leon hat seine Ecken und Kanten. Aber nur in der Form.

Da haben die Wolfsburger ihren Golf in der siebten Generation auf den Markt geschickt und zeitgleich bringen die Töchter ihre Derivate an den Start. Der Wagen, der dem Golf wohl am ähnlichsten ist, ist der Seat Leon. Nicht nur, dass der Spanier auf der modularen Plattform des Golf ruht, auch die Motoren und die Multimediaeinheiten sind gleich. Jedenfalls vom Herzen. In Ausführung und Optik durfte Seat hier aber frei schalten und walten. Und so verwundert es nicht, dass man sich in Spanien an die alten Tugenden erinnerte, um auf der Basis des Klassenprimus ein extrem dynamisches Auto zu schaffen. Scharfkantig von außen und innen zieht der Leon auf das Schlachtfeld der hart umkämpften kompakten Mittelklasse.

Die Zukunft perfekt verpackt

Dabei stehen die Chancen nicht schlecht, ruhmreich vom Feld heimzukehren. Mit den Tugenden des Golf gesegnet und den eigenen individuellen Zügen könnte den Spaniern mit dem Leon, nach den Absatzeinbrüchen der letzten Jahre, tatsächlich ein großer Wurf gelingen. Zumal sich gerade auch ein junges Publikum von den schnittigen Linien angesprochen fühlen dürfte. Bester Beweis dafür ist der achtjährige Sohn des Autors, der sich in gewohnt cooler Manier über die schon nicht "unschicke" Form des Leon äußerte. Zugegeben, er war auch mit Blick auf die Werbung für den Wagen nicht zu bewegen, sein Lego-Star-Wars-Spielzeug aus dem Autofenster zu werfen, aber immerhin zeigte er großes Interesse an der Multimediaeinheit.

Im Cockpit ist alles an seinem Platz. Fragen zur Bedienung tauchen hier nicht auf.
Im Cockpit ist alles an seinem Platz. Fragen zur Bedienung tauchen hier nicht auf.(Foto: Holger Preiss)

Mit der verhält es sich eigentlich so wie mit vielen Dingen, die von VW kommen: Sie sind nicht wirklich neu, aber so genial angerichtet, dass es mehr als Spaß macht, mit ihnen umzugehen. So ist beispielsweise der 5 Zoll große Touchscreen mit einem Bewegungssensor versehen. Wie bei einem der großen Handy-Hersteller sind auch hier die vier Ecken des Displays mit den jeweils maßgeblichen Menüpunkten versehen. Das Schönste ist aber, dass die auftauchen, wenn sich die Hand nur in die Nähe der Bildschirmoberfläche bewegt. Natürlich könnte man auch über diverse Knöpfe, Schalter oder Druckdrehsteller das Menü bedienen, aber das wäre nicht halb so futuristisch. Irgendwie hat es so einen Hauch von "Minority Report". Sie erinnern sich an die Szene, in der Chief John Anderton (Tom Cruise) vor dieser transparenten Monitorwand steht und per Arm- und Handbewegung die Bilder der Verdächtigen über den virtuellen Bildschirm jagt? Und ein bisschen ist es so, wenn man im Cockpit des Leon mit dem Navi spielt. Aber ich schweife ab.

Dank des tiefgezogenen Stoßfängers und der Schürze gibt sich der Leon von vorn extrem sportlich.
Dank des tiefgezogenen Stoßfängers und der Schürze gibt sich der Leon von vorn extrem sportlich.(Foto: Holger Preiss)

Während also die Multimediaeinheit futuristisch aussieht und ihre Informationsangaben auch noch farblich absetzt sind (rot für den Radioempfang, gelb für die Fahrinformationen, grün für den Kontakt zwischen Smartphone und Infotainmentsystem und blau für das Navi), bleibt die Anordnung von Tasten und Drehreglern im Leon verhalten. Die wichtigsten Stellschrauben für die Zwei-Zonen-Klimaautomatik (360 Euro) befinden sich in der Mittelkonsole, in bequem zu erreichender Nähe der Finger, die auf dem Hebel zur Gangwahl ruhen. Die Piktogramme sind eindeutig und bereiten dem Piloten kein Kopfzerbrechen. Natürlich lassen sich die wichtigen Informationen auch über die Lenkradtasten ansteuern, die angenehme Druckpunkte und eine ausgezeichnete Haptik bieten. So kann auch von hier durch die Farbeinheiten der Multimediaeinheit gescrollt werden, während sich die Informationen bunt voneinander abgehoben zwischen Tacho und Drehzahlmesser ablesen lassen. Im Handschuhfach befindet sich das Herz der Multimediaeinheit mit zwei Steckplätzen für SD-Karten, USB und AUX-Anschluss. Allerdings ist diese opulente Bedienvielfalt, wie schon erwähnt, nicht in der Serienausstattung des Leon Style enthalten. Wer mit der Zukunft fahren möchte oder wenigstens der klug arrangierten Gegenwart, der sollte zum Grundpreis von 20.270 Euro weitere 900 Euro dazurechnen. Im Übrigen eine durchaus lohnenswerte Investition. Nicht nur, weil sie Spaß macht, sondern auch, weil sie schlicht und ergreifend bedienerfreundlich ist.

Der Preis ist heiß

Im Fond sollten auch groß gewachsene Menschen ausreichend Platz finden.
Im Fond sollten auch groß gewachsene Menschen ausreichend Platz finden.(Foto: Holger Preiss)

Zur Serienausstattung gehört auch nicht die Ultraschall-Einparkhilfe vorn und hinten, die muss mit 490 Euro erkauft werden und auch die Voll-LED-Scheinwerfer (1190 Euro) müssen dazugebucht werden, so dass am Ende unter dem Strich ein Gesamtpreis von 24.315 Euro steht. Nur zum Vergleich: Ein gleichwertig ausgestatteter Golf schlägt mit 27.242 Euro zu Buche.

In der Ausstattungslinie Style gibt es aber dafür in Serie ausgezeichnet geformte Sitze mit angenehm ausgeformten Wangen, die den sportlichen Charakter des Leon unterstreichen. Denn wie schon erwähnt haben sich die Spanier zwar aus den Töpfchen der Übermutter VW bedient, so auch beim Fahrwerk, allerdings haben die Iberer hier einiges verändert. Der Leon ist deutlich straffer abgestimmt als sein deutsches Pendent. Was für ein sportliches Fahren alle Grundlagen legt und dennoch nicht den nötigen Komfort vermissen lässt, wenn es mal über holprige Pisten geht. Auch die Verbundlenkerachse machte in dem 122 PS starken Leon nicht den Eindruck, als würde es bei schnellen Kurvenfahrten kritische Momente geben. Der Spanier zieht ohne unangenehme Seitenneigung sauber in die Kurven. Und so wie er in die Kehre geht, schießt er aus ihr heraus. Das birgt natürlich einen nicht zu unterschätzenden Spaßfaktor.

Spaß beim Reisen

Mit 380 Liter Kofferraumvolumen hat der Leon exakt das Maß des Golf VII.
Mit 380 Liter Kofferraumvolumen hat der Leon exakt das Maß des Golf VII.(Foto: Holger Preiss)

Spaß macht auch die gute Verarbeitung des spanischen Golf. Da wackelt, knarzt und schlackert nichts. Lediglich die Türinnenverkleidungen geben auf ruckeligen Kopfsteinpflaster das eine oder andere unmutige Schwirren von sich. Das kann sich aber gut und gerne bei wärmeren Temperaturen in Wohlgefallen auflösen.

Der mit dem 1,4-Liter Turbobenziner ausgerüstete Leon geht mit den schon erwähnten 122 PS und der präzise zu führenden Handschaltung über sechs Gänge flott zur Sache. In 9,3 Sekunden geht es an der 100 km/h-Marke vorbei und wer will,schafft es bis auf Tempo 202. Allerdings benötigt man ab 170 km/h einen kleinen Moment, um die Spitze zu erreichen. Aber wenn er die Geschwindigkeit aufgenommen hat, dann gehört die linke Spur auf Autobahnen auch mal dem Piloten des Leon. Auch an der Kreuzung muss man sich mit den 200 Newtonmetern Drehmoment, die bereits bei 1400 Umdrehungen anliegen, nicht hinten anstellen. Auch der Verbrauch geht in Ordnung. Im Stadtverkehr genehmigt sich der Turbo- bewährte Vierzylinder auch dank der serienmäßigen Start-Stopp-Automatik 7,1 Liter Super (Datenblatt 6,5 Liter); im Kombinationslauf waren es 6,7 Liter (Datenblatt 5,2 Liter).

Wer lange Reisen mit dem Leon plant, kann auf 380 Liter Kofferraum zugreifen. Das entspricht exakt dem Volumen, das auch der Golf bietet und wer die Rücklehne komplett umlegt, den erwarten 1210 Liter. So lässt sich auch relativ bequem ein 20-Zoll-Kinderfahrad versenken, wenn nur die 60 Prozent der Rückbank geklappt werden. Wenn Erwachsene ab 1,85 Meter im Fond Platz nehmen, müssen sie keine Furcht haben, dass sie sich den Kopf stoßen. Bei den Knien bedarf es unter Umständen einer Absprache mit dem Vordermann, aber wirkliche Einschränkungen beim Sitzkomfort muss niemand befürchten.

Fazit: Der Seat Leon ist die wohl im Augenblick die empfehlenswerteste Alternative zum Golf. Zum einen, weil die Technik eh aus dem Haus VW stammt, zum anderen, weil der Spanier die optisch individuellste Abweichung des Wolfsburgers ist. Wem also die Formen des Golf zu langweilig sind, wer auf  Sportlichkeit setzt und diese auch in den kleinen Details umgesetzt wissen möchte, der kann mit dem Seat Leon nichts verkehrt machen. Zumal er im direkten Vergleich sogar noch einige tausend Euro sparen dürfte.

DATENBLATTSeat Leon Style 1,4 TSI
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,26/ 1,78/ 1,46 m
Radstand2,63 m
Leergewicht (DIN)1335 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen380 Liter/ 1210 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/Hubraum1,4-Liter Vierzylinder mit Turboaufladung und Start-Stopp-System
Getriebe6-Gang-Schaltgetriebe                                                                                                                                                         
Leistung122PS (90 kW) bei 5000 - 6000 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb                            
Höchstgeschwindigkeit202 km/h
max. Drehmoment200 Nm bei 1400 - 4000 U/min
Tankinhalt50 l
Beschleunigung 0-100 km/h9,3 s
Normverbrauch (innerorts/außerorts/kombiniert)6,5/ 4,4/ 5,2
Testverbrauch7,1 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
151 g/km
Grundpreis20.270 Euro
Preis des Testwagens24.315 Euro

Quelle: n-tv.de

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