Auto
In der Ausstattungslinie Elegance fährt der Rapid auf 16-Zoll-Leichtmetallfelgen.
In der Ausstattungslinie Elegance fährt der Rapid auf 16-Zoll-Leichtmetallfelgen.(Foto: Holger Preiss)

Ein Freund, ein guter Freund: Skoda Rapid: Mit Köpfchen sparen

Von Holger Preiss

"Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste was es gibt auf der Welt." Sangen einst "Die Drei von der Tankstelle". Und so muss man auch an den neuen Skoda Rapid herangehen. Der Wagen ist als hochwertiges "Schnäppchen" angetreten. Das ist er tatsächlich, aber …

Skoda hat mit dem Rapid die Lücke zwischen Fabia und Octavia geschlossen. Angepriesen wird der Neuzugang als preiswerte Alternative zu Modellen aus Rumänien und Korea. Um den Preis zu drücken, hat Skoda gespart. Im Innenraum dominiert schön strukturierte, aber harte Plastik. Die hat zwar den Vorteil, dass sie sich leicht mit einem feuchten Tuch von Staub befreien lässt, aber sie wirkt nicht wirklich wohnlich. Erinnert mehr an die Schlichtheit eines Autos der 1990er Jahre. Um etwas Atmosphäre in den Wagen zu bringen, empfiehlt sich die höchste Ausstattungsvariante Elegance.

Wohnlich wird es im Innenraum erst in höheren Ausstattungsvarianten.
Wohnlich wird es im Innenraum erst in höheren Ausstattungsvarianten.(Foto: Holger Preiss)

Da erwartet einen ein höhen- und längenverstellbares Lederlenkrad, eine Rücksitzlehne, die sich im Verhältnis 60:40 umlegen lässt, in der Höhe einstellbare und beheizbare Vordersitze, eine einfache Klimaanlage, ein Brillenfach im Dachhimmel, Chromzierleisten an Lenkrad, Schaltknauf und Luftauslässen. Achtung Frauen: Was es auch in der Premium-Ausstattung nicht gibt, ist ein Schminkspiegel hinter der Sonnenblende auf der Fahrerseite. Dafür ist das Gestühl mit Vintage-Stoff bespannt, der insgesamt einen robusten Eindruck macht. Die Sitzflächen selbst sind ein wenig eng. Das stört normalgewichtige Fahrer aber wenig und dank der guten Oberschenkelauflage und der straff abgestimmten Polster haben Reisende hier auch auf langen Strecken keine Probleme.

Angenehme Unannehmlichkeiten

Allerdings treibt die Elegance-Ausstattung den Preis des Rapid so nach oben - der Testwagen kostet 21.360 Euro -, dass der weit von einem preiswerten Auto in dieser Klasse entfernt ist. Hinzu kommt, dass nicht alle Bequemlichkeit schaffenden Elemente sinnvoll eingesetzt sind. Wenn zum Beispiel die Mittelarmlehne heruntergeklappt ist, um für den rechten Arm eine angenehme Auflage zu schaffen, überdeckt sie die manuelle Handbremse. Wer die kraftvoll nach oben ziehen will, muss erst die Armlehne einklappen. Die elektrischen Fensterheber verrichten ihre Arbeit nur auf Dauerdruck beziehungsweise dauerhaften Zug. Einzig das Seitenfenster des Fahrers geht beim Öffnen seinen Weg ohne anhaltenden Fingerdruck. Die Scheiben der Fondtüren lassen sich nur von den Passagieren auf der Rückbank bedienen, denn Bedienelemente zur Steuerung hat der Fahrer nicht.

Zeitlos elegant soll der Rapid sein.
Zeitlos elegant soll der Rapid sein.(Foto: Holger Preiss)

Wirklich hilfreich ist das für 990 Euro zu erwerbende Radio-Navigationssystem mit Namen Amundsen. Neben Bluetooth bietet es DAB-Empfang, CD-Spieler, einen SD-Karten-Slot, einen Line-In-Audioanschluss und ein Touchscreen. Die sechs Lautsprecher sorgen für einen guten, wenn auch nicht herausragenden Sound, die Koppelung mit dem Smartphone ist absolut komplikationslos und die Freisprecheinrichtung lässt ungehemmtes Telefonieren zu, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Schmerzlich vermisst man einen USB-Anschluss, der kann aber optional dazugebucht werden.

Die Bedieneinheit am Lenkrad hat so ihre Tücken. Zum einen befindet sie sich nur auf der linken Seite des Vier-Speichen-Steuerrades, zum anderen ist der Lautstärkeregler auch gleichzeitig der Knopf für die Aktivierung der Sprachsteuerung. Das hat zur Folge, dass, wer vehement an der Lautstärke kurbelt, unfreiwillig die Sprachsteuerung aktiviert und von einer netten Frauenstimme nach seinem Begehr gefragt wird. In den meisten Fällen hat der Fahrer keins, denn er wollte ja lediglich der Musik eine andere tonale Qualität verleihen. Diese Funktionen hätte man durchaus trennen können. Ansonsten befindet sich in der klar strukturierten Rapid-Armatur alles im Blick und an seinem Platz. Größere Rätsel gibt der Hersteller nicht auf und letztlich sind die Bedienelemente selbsterklärend.

Freude an Raum und Ordnung

550 Liter Kofferraum sind in dieser Klasse einzigartig.
550 Liter Kofferraum sind in dieser Klasse einzigartig.(Foto: Holger Preiss)

Wirklich Freude bereitet im Rapid das für seine Klasse einzigartige Platzangebot. Bei Außenmaßen von nur 4,48 m Länge, 1,71 m Breite und 1,46 m Höhe zählt der Rapid zu den geräumigsten Kompaktlimousinen des Marktes. Mit 550 Litern Fassungsvermögen verfügt das Fahrzeug zudem über das größte Kofferraumvolumen im A-Segment. Bei umgelegten Rücksitzen wächst das Volumen sogar auf 1490 Liter. In der Ausstattungsvariante Eleganca erfreuen den Fahrer Taschenhaken, die Ablageflächen hinter den Radhäusern und drei Sicherungsnetze zum Fixieren kleiner Gepäckstücke. Ein nettes Feature ist auch die Wendematte im Kofferraum. Auf der einen Seite sorgt ein Teppich für heimelige Optik, gewendet schützt eine gummibeschichtetet Fläche vor Schmutz.

Überhaupt sind es die kleinen Beigaben im Rapid, die beglücken und für Ordnung sorgen: So ist die Warnweste unsichtbar für die Insassen unter dem Fahrersitz verstaut. In beiden Vordertüren befinden sich Flaschenhalter, die auch 1,5-Liter-Behälter aufnehmen und in den Fondtüren können immerhin noch 0,5-Liter-Flaschen verstaut werden. Im Tankdeckel des Rapid haben die Tschechen einen Eiskratzer verstaut. Wie clever diese Idee ist, wird spätestens dann klar, wenn man vor dem vereisten Auto steht und sich mal wieder fragt, wo denn das Werkzeug versteckt ist, mit dem die Scheiben zu befreien sind.

Sicherer Sparmeister

Ein Freund bleibt immer Freund, und wenn die ganze Welt zusammenfällt.
Ein Freund bleibt immer Freund, und wenn die ganze Welt zusammenfällt.(Foto: Holger Preiss)

 Der Radstand (2,58 m) wurde relativ groß ausgelegt und ist gegenüber dem Skoda Octavia Tour um fast 90 mm gewachsen. Das sorgt im Zusammenspiel mit dem präzisen Fahrwerk für eine in dieser Klasse ausgezeichnete Fahrdynamik. Auf Kopfsteinpflaster filtert es alle Unebenheiten sauber weg. Nur bei einzelnen Querfugen wirkt es etwas stößig. Lobend muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass schon in der Grundausstattung des Rapid für 13.990 Euro ein Antiblockiersystem (ABS) und die Elektronische Stabilitätskontrolle (ESC) mit elektronischer Differenzialsperre (EDS) an Bord sind. Das lässt bedenkenlos auch schnelle Kurvenfahrten zu ohne dass der Wagen außer Kontrolle gerät. Zumal zwar eine spürbare Seitenneigung festzustellen ist, ein Unter- oder Übersteuern aber aus bleibt.

Befeuert wird der Testwagen von einem extrem leise arbeitenden 1,2-Liter TSI Motor, der mit seinen 105 PS den knapp eine Tonne schweren Rapid flott vorantreibt. In 10,3 Sekunden beschleunigt der Tscheche auf Tempo 100 und bringt es auf eine beachtliche Endgeschwindigkeit von 195 km/h. Damit ist der Kompakte in seinem Segment ein echter Flitzer. Erfreulich ist der geringe Durst des Triebwerkes. Im Stadtverkehr begnügt es sich mit 6,4 Liter Normalbenzin. Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass es sich beim Testwagen um die besonders sparsame Green tec-Variante handelt, die über eine Start-Stopp-Automatik und ein Bremsenergierückgewinnungssystem verfügt. Wer den Rapid allerdings mit dem Bleifuß über die Autobahn jagt, der muss im Schnitt mit 8,3 Liter auf 100 Kilometer rechnen. Geschwindigkeit fordert eben ihren Preis. Wer allerdings mit sanften Gasstößen unterwegs ist und die präzise arbeitende Schaltung häufig bewegt, wird mit einem Drittelmix von 6,8 Litern belohnt.

Der Rapid Spaceback dürfte sich sehr an der Studie Vision D orientieren.
Der Rapid Spaceback dürfte sich sehr an der Studie Vision D orientieren.(Foto: Holger Preiss)

Was den Absatz des Rapid hier zu Lande etwas schmälern könnte, ist die etwas unpopuläre Form der Limousine. Allerdings haben die Tschechen bereits vorgebaut. Im September wird es den Rapid Spaceback geben, der Dynamikern und Heck-Raum-Fetischisten in Deutschland sehr gefallen dürfte. Zumal die Linienführung des Rapid in seiner Geradlinigkeit im ersten Moment langweilig anmutet, bei genauerem Hinsehen aber eine Zeitlosigkeit und damit Langlebigkeit, wie sie der Octavia vorgelebt hat, erahnen lässt.

Fazit: Der Rapid ist optisch ein eher unauffälliger Zeitgenosse. Dank seiner guten Gene, eines üppigen Raumangebotes und der vielen kleinen Features aber mehr als ein Transportesel. Vielmehr ist er ein guter Freund. Einer, der nicht murrt und klagt, aber die ihm übertragenen Aufgaben klaglos erfüllt. Zu prüfen bleibt aber für diejenigen, die sich für eine höher ausgestattete Variante des Rapid entscheiden, ob nicht ein Octavia die bessere Wahl ist. Das neue Modell, das im Februar als Limousine zu den Händlern rollt, wird besser ausgestattet sein als der Vorgänger und in Mladá Boleslav verspricht man, dass sich die Preise kaum vom Vorgängermodell unterscheiden werden.

DATENBLATTSkoda Rapid 1,2 TSI Green tec
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,48/ 1,70/ 1,46 m
Radstand2,58 m
Leergewicht (DIN)1155 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen550 Liter/ 1490 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/Hubraum1,2-Liter Vierzylinder-Turbobenziner mit Direkteinspritzung
Getriebe6-Gang-Handschaltgetriebe
Leistung105 PS (77 kW) bei 5000 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit195 km/h
max. Drehmoment175 Nm bei 1550 bis 4100 U/min
Tankinhalt55 l
Beschleunigung 0-100 km/h10,3 s
Normverbrauch (innerorts/außerorts/kombiniert)6,9/ 4,6/ 5,4
Testverbrauch6,9 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
125 g/km
Grundpreis15.510 Euro
Preis des Testwagens21.360 Euro

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen