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Skoda Superb: Understatement, aber eins, das sich sehen lassen kann.
Skoda Superb: Understatement, aber eins, das sich sehen lassen kann.(Foto: Holger Preiss)

Superb Combi hat mehr drin: Skodas unspektakulärer Premium-Killer

Von Holger Preiss

Die Zeit der Kombis ist noch lange nicht vorbei. Kaum ein Hersteller, der keinen im Programm hat. Der König unter ihnen ist aber auch der unspektakulärste: der Skoda Superb Combi. Der bremst im n-tv.de Praxistest sogar die Premium-Konkurrenz aus.

Dank der kantigen Heckleuchten wirkt der Superb Combi jetzt auch in der Rückansicht sehr dynamisch.
Dank der kantigen Heckleuchten wirkt der Superb Combi jetzt auch in der Rückansicht sehr dynamisch.(Foto: Holger Preiss)

Wer mit einem Business-Kombi liebäugelt, wird Fahrzeuge wie das neue Mercedes E-Klasse T-Modell oder den Audi A6 Avant im Hinterkopf haben. Auch der 5er Touring - den es erst ab Sommer 2017 gibt - rückt in die engere Wahl. Hier reden wir aber von Fahrzeugen, die locker an der 60.000-Euro-Marke kratzen. Kühle Rechner sehen hier nicht zu Unrecht eine preisliche Eskapade, können sich aber unterdessen auch bei anderen Herstellern umschauen und werden Erstaunliches finden. Da wäre zum Beispiel ein Hyundai i40. Gut, bei genauer Betrachtung scheidet der für den Moment aus, denn seine letzte Runderneuerung liegt bereits einige Jahre zurück und auch die Auswahl an Assistenzsystemen ist momentan nicht auf dem neuesten Stand.

Interessanter könnte hier schon ein Kia Optima werden, aber hier sind Schwächen beim Zusammenspiel von Motor und Getriebe nicht auszuschließen und auch das Leistungsband ist nicht so breit gefächert wie zum Beispiel bei einem VW Passat. Aber auch der Wolfsburger kann in der Vollausstattung recht teuer werden. Hinzu kommt, dass er eben der Vertreter-Kombi schlechthin ist und nicht jeder mit diesem Image über die Autobahn eilen möchte. Andererseits ist die Technik solide und die Verarbeitung wirft in der Regel keine Fragen auf.

Übertrifft der Tscheche sie alle?

Platz ist das, was der Skoda Superb Combi in Hülle und Fülle bieten kann.
Platz ist das, was der Skoda Superb Combi in Hülle und Fülle bieten kann.(Foto: Holger Preiss)

Worauf will der Autor jetzt hinaus? Natürlich auf den Skoda Superb Combi. In seiner neuesten Ausführung ist die komplette VW-Technik verbaut, die Plattform kommt aus dem Modularen Querbaukasten und macht den Tschechen größer als das Schwestermodell. Allein der Radstand des Superb misst mit 2,86 Metern ganze 14 Zentimeter mehr. Platz, der sich vor allem für die Fond-Passagiere auszahlt. Wer in der zweiten Reihe über Platzmangel klagt, der schwindelt. Hier ziehen auch T-Modell, Tourer und Avant den Kürzeren. Das Gleiche gilt für das Gepäckabteil. Für 170 Euro schwingt die Heckklappe elektrisch auf und gibt einen Kofferraum frei, in dem 660 Liter Ladegut verstaut werden können. Das sind 20 Liter mehr als im T-Modell der E-Klasse.

Auch bei umgelegter Rücklehne gewinnt der Superb mit 1950 Liter klar gegen die 1820 Liter der aktuellen E-Klasse (S 213) und übernimmt das Volumen des Stuttgarter Vorgängers S 212. Wer allerdings beim Superb das Gepäcknetz mit bestellt, das im Dachhimmel verankert wird und fest mit der Ladeabdeckung verbunden ist, kann hier nicht spontan für mehr Stauraum sorgen. Erst wenn die komplette Einheit entfernt ist, kann die Rücklehne umgelegt werden und der Fahrer zu Transportfahrten aufbrechen.

150 PS können reichen

Während der Mercedes zu diesem Zwecken standardmäßig eine Niveauregulierung an der Hinterachse hat, muss die beim Skoda in der Optionsliste angekreuzt werden und kostet 640 Euro. Für echte Transportfreunde empfiehlt es sich aber unbedingt, die Motorisierung zu hinterfragen. Die im Superb am häufigsten georderte Maschine ist der 2.0 TDI mit 190 PS. Der kann 640 Kilogramm laden, während der zum Test bei n-tv.de angetretene kleinere Diesel mit 150 PS nur 620 Kilogramm aufnehmen darf. Hier verliert der Tscheche klar gegen den Benz; der kann sich nämlich bis zu 670 Kilogramm in den Kofferraum legen.

Der Vierzylinder Diesel mit 150 PS treibt auch den Superb ausreichend flott voran.
Der Vierzylinder Diesel mit 150 PS treibt auch den Superb ausreichend flott voran.(Foto: Holger Preiss)

Wer allerdings bei der Anschaffung im Sparmodus ist, kann beim Superb mit dem mittleren Diesel, gekoppelt an ein 6-Stufen-DSG, nicht viel verkehrt machen. Natürlich ist das Ansprechverhalten, die Spontanität und die Geschmeidigkeit der Gangwechsel nicht mit einer 9-Gang-Automatik im Benz oder mit acht Gängen im BMW zu vergleichen. Aber das Zusammenspiel der Komponenten ist sauber abgestimmt. Hier wird wenig geruckelt und bei gleichmäßigem Gasfuß zieht der Diesel die 1,7 Tonnen Lebendgewicht mit 340 Newtonmetern Drehmoment in 9,0 Sekunden auf Tempo 100. Erstaunlich geräuschlos beschleunigt der Vierzylinder den Skoda dann auch bis auf 216 km/h. Befürchtungen, auf der rechten Spur verhungern zu müssen, sind hier absolut unbegründet. Hinzu kommt ein auch bei flotter Fahrt sehr verhaltener Verbrauch von 7,2 Litern auf 100 Kilometer. Wer längere Distanzen auf der Landstraße zurücklegt, kann sich sogar über 5,8 Liter freuen. Die Wahrheit dürfte letztlich im Normalbetrieb zwischen diesen beiden Werten liegen, was für ein 4,86 Meter langes Schiff wie den Superb sehr ansprechend ist. Im Test reichte die 66 Liter Tankinhalt locker, um eine Strecke von knapp 1000 Kilometern zurückzulegen.

Gutmütiger Langläufer

Auch das Fahrverhalten des Superb Combi wirft beim Test keine Fragen auf. Dank des schon erwähnten Radstandes und der recht breiten Spur reagiert er auf Lenkbefehle gutmütig und ohne Verwerfungen. Das Fahrwerk ist so abgestimmt, dass auch bei schneller Kurvenfahrt nicht tief abgetaucht wird und das leichte Untersteuern immer unter Kontrolle bleibt. Aber ganz ehrlich: Eh man den Superb Combi dahin gebracht hat, bedarf es schon einiger Anstrengung.

Für den Fahrer werfen sich keine Fragen auf. VW-typisch ist auch im Superb alles an seinem Platz.
Für den Fahrer werfen sich keine Fragen auf. VW-typisch ist auch im Superb alles an seinem Platz.(Foto: Holger Preiss)

Am Ende gilt aber auch für den ladefreudigen Tschechen, dass er in der Testvariante kein Rennwagen ist. Wer wirklich einen knackigen Sportler in dieser Größenordnung und vor allem in dieser Preisklasse haben will, der wirft einen Blick auf den ebenfalls schon auf diesen Seiten vorgestellten Skoda Superb SportLine. Natürlich kann sich der ambitionierte Fahrer für sein 150 PS Sparwunder auch noch einen Fahrmodischalter aus der Optionsliste ordern. Für zusätzlich 140 Euro hat der Pilot dann die Wahl zwischen Eco, Comfort, Normal, Sport und Individuell. Allerdings beschränken sich die Veränderungen der Einstellungen auf die Gaskennlinie und die Lenkkraft. Nötig ist das letztlich nicht, denn der Autor stellte während des Testes fest, dass die am häufigsten gewählte Einstellung Normal war. Eben jene, die auch Standard ist, wenn der Konfigurator nicht geordert wird.

Würze aus der Optionsliste

Was aber mit Blick auf die Zusatzausstattungen wirklich interessant ist und was den Superb dann doch wieder deutlich an die Premium-Konkurrenz rücken lässt, sind zum Beispiel zwei Pakete, in denen sich für insgesamt 1810 Euro alles verbirgt, was anderswo wesentlich teurer eingekauft werden muss. Namentlich sind das der dynamische Lichtassistent, Spurhalte-, Spurwechsel- und Ausparkassistent sowie ein adaptiver Abstandsassistent mit einem Regelbereich bis zu 210 km/h. Übersetzt heißt das nichts anderes, als dass der Superb Combi ebenso teilautonom gefahren werden kann wie ein Mercedes mit entsprechenden Helferlein.

Mit 660 Liter Kofferraumvolumen ist der Superb Combi Meister seiner Klasse.
Mit 660 Liter Kofferraumvolumen ist der Superb Combi Meister seiner Klasse.(Foto: Holger Preiss)

Bei voreingestellter Geschwindigkeit passt er den Abstand und die Geschwindigkeit des vorausfahrenden Fahrzeuges an, bremst den Wagen bis zum Stillstand ab und fährt nach einem kurzen Tritt auf das Gaspedal auch wieder automatisch an. Ergo: Staufahrten, Autobahnpassagen mit dichtem Verkehr - alles kein Problem, der Superb macht es fast allein. Hinzu kommt der Lane Assist, der den Tschechen in der Spur hält. Selbst in Baustellen, wo die Fahrbahnmarkierungen sich streckenweise überlappen und gelb statt weiß sind, ließ sich der Skoda nicht aus der Ruhe bringen. Chapeau dafür.

Auch der Parklenkassistent für zusätzliche 610 Euro und die Rückfahrkamera mit Waschdüse für 360 Euro sind ihr Geld wert. Wobei einschränkend gesagt werden muss, dass das automatische Einparken nicht in allen Belangen zur vollen Zufriedenheit des Testers vonstatten ging. Bei versetzt stehenden Autos in Längsrichtung erkennen die Sensoren diesen Zustand nicht und lenkt den Wagen gnadenlos auf den Bürgersteig. Auch bei schief stehenden Fahrzeugen kommen unter Umständen eigentümliche Endstellungen zustande. Letztlich gab es aber weder Kratzer noch Schrammen, die Software bricht bei "Unberechenbarkeit" vorsorglich ab und übergibt an den Fahrer.

Preis-Leistungs-Verhältnis ist unschlagbar

Letztlich zeichnet den Superb aber sein Gesamtpaket aus, zu dem auch - wenn man den Tschechen an dieser Stelle schon mit der Premium-Konkurrenz misst - der schlüssellose Zugang für 390 Euro gehört oder das Multimediasystem Columbus mit WLAN, Navi und Soundsystem, Verkehrszeichenerkennung et cetera. Das Ding kostet allerdings 2390 Euro, unterscheidet sich hier aber immer noch um knapp 1000 Euro von ähnlichen Einheiten, wie sie von Mercedes oder BMW angeboten werden. Der zweite wirklich teure Posten für Optik und Gemütlichkeit sind im Testwagen die Leder-Alcantara-Sitze für 1480 Euro. Für den selben Preis bekommt man auf Wunsch aber auch ein Gestühl, das mit Napa bezogen ist. Egal worauf letztlich der Po gedrückt wird, die Polster sind absolut langstreckentauglich und lassen vom Sitzkomfort her keine Wünsche offen.

Am Ende steht für den vollausgestatteten Superb Combi unter dem Strich ein Preis von 46.435 Euro. Der mag noch etwas differieren, wenn man statt der 17-Zoll-Räder der Serie die großen 19-Zöller wählt, die dem Tschechen viel besser stehen. Letztlich ist die Summe aber unschlagbar und liegt bis zu 20.000 Euro unter den Preisen, die für die oben erwähnten Premium-Fahrzeuge aufgerufen werden. Und keiner von denen hat einen Eiskratzer im Tankdeckel oder Schirme in den vorderen Seitentüren. Diese kleinen Goodies sind eben die Dinge, die Skoda zusätzlich auszeichnet und irgendwie auch sympathisch macht.

Fazit: Der Skoda Superb Combi ist, was das Preis-Leistungs-Verhältnis betrifft, in jedem Fall eine Alternative zur Premium-Konkurrenz und fährt auch vor den asiatischen Anbietern, die mit ähnlichen Fahrzeugen auf dem Markt sind. Das ist in vielen Belangen sicher dem Umstand geschuldet, dass die Tschechen sich mit vollen Händen bei VW bedienen dürfen, hat aber auch damit zu tun, dass die Verantwortlichen in Mlada Boleslav immer wieder pfiffige Ideen haben, die die Autos attraktiv machen, obgleich mit spitzem Stift gerechnet wird.

DATENBLATTSkoda Superb Combi 2.0 TDI 6-DSG Style
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,86/1,86/ 1,47 m
Radstand2,84 m
Leergewicht (DIN)1520 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen660 / 1950 Liter
MotorVierzylinder-Diesel mit 1968 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Systemleistung110 kW / 150 PS
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit216 km/h
Tankvolumen66 Liter
max. Drehmoment340 Nm / bei 1750 - 3000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h9,0 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)4,2 / 5,2 / 4,6 l
Testverbrauch7,2 l
EffizienzklasseA / EU6
Grundpreis37.850 Euro
Preis des Testwagens46.435 Euro

Quelle: n-tv.de

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