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370Z Roadster vs. Boxster S: Sonnyboy trifft auf Athleten

von Axel F. Busse

Der 370Z Roadster von Nissan oder der Boxster S von Porsche - wer macht bei den Cabrios das Rennen? So viel sei verraten: der eine sorgt für kraftvolles Freiluft-Vergnügen, der andere für Bestzeiten.

Nissan vor Porsche: Der 370 Z war vergangenes Jahr in Deutschland der Sportwagen mit der höchsten Zuwachsrate bei den Neuzulassungen.
Nissan vor Porsche: Der 370 Z war vergangenes Jahr in Deutschland der Sportwagen mit der höchsten Zuwachsrate bei den Neuzulassungen.(Foto: Axel F. Busse)

Zugegeben, wer an Überempfindlichkeit gegen Blüten- oder Gräserpollen leidet, dem ist die bevorstehende Cabrio-Saison wahrscheinlich schnuppe. Von den anderen interessieren sich immer mehr fürs Offenfahren. Schon jetzt liegt die Zahl der dieses Jahr in Deutschland neu zugelassenen Oben-ohne-Flitzer rund 13 Prozent über der des Vorjahres.

Zwei spezielle Vertreter dieser Fahrzeuggattung werden hier vorgestellt. Beide haben nur zwei Sitze und ein Stoffdach, beide holen jeweils mehr als 300 PS aus sechs Zylindern. Doch der Nissan 370 Z Roadster und der Porsche Boxster S sind einander nicht so ähnlich wie es scheint. Schon im Grundpreis liegen zwischen beiden mehr als 15.000 Euro. Welcher macht am Ende das Rennen?

Betrachtet man die Zulassungszahlen auf dem deutschen Markt, lagen im vergangenen Jahr die Sympathien klar auf Seiten des Nissans. Die Baureihe 370 Z verzeichnete mit fast 245 Prozent den mit Abstand größten Zuwachs aller in Deutschland gehandelten Zweisitzer, während Porsche vom Vergleichsauto einen Rückgang der Zulassungen um fast ein Drittel hinnehmen musste. In absoluten Zahlen verkauft Porsche hierzulande aber immer noch gut viermal so viele Caymans und Boxster, wie Nissan vom 370 Z. Wer mehr Geld locker macht, greift stets lieber zur offenen Variante: Bei Porsche zwei Drittel, bei Nissan knapp die Hälfte.

Karosserie und Design

Ein modernes, maskulines Design prägt die Erscheinung des japanischen Zweisitzers.
Ein modernes, maskulines Design prägt die Erscheinung des japanischen Zweisitzers.(Foto: Axel F. Busse)

Der wuchtige Nissan stiehlt dem schlanken Boxster die Schau. Die weit ausgestellten Kotflügel, die kantigen Scheinwerfergläser, die breite Spur und die lichtbrechenden Falten im Blech – damit zieht der 370 Z die Blicke auf sich. Er hat die Gnade der späten Geburt, ist erst 2010 in dieser Form auf den Markt gekommen. Die 19 Zentimeter über dem Asphalt liegende Bugschürze wird nach unten hin von einer Kunststofflippe ergänzt, die bis 50 Millimeter über den Boden ragt. Schmerzhafte Kratz- und Schabegeräusche bei Parkhaus- oder Hofeinfahrten sind programmiert.

Das Ende 2008 renovierte Boxster-Design zeigt nur wenig Unterschiede zur der 1996 gestarteten ersten Version und spiegelt deshalb nicht mehr so recht den Geist der Zeit wider. Zweifellos ist der Boxster unverkennbar ein Porsche und schon deshalb auch im Stand unheimlich schnell, aber wegen des Designs wird er bestimmt nicht mehr gekauft. Was am Nissan so modern geschnitten aussieht, ist aerodynamisch allerdings nicht der Weisheit letzter Schluss: der Luftwiderstandsbeiwert beträgt 0,33, während der Boxster mit 0,31 deutlich besser im Wind steht. Daran mag der bis 17 Zentimeter herunter ragende Bugspoiler seinen Anteil haben.

Funktionell, aber ohne Charme: Das nächste Boxster-Cockpit wird spannender aussehen.
Funktionell, aber ohne Charme: Das nächste Boxster-Cockpit wird spannender aussehen.

Im Cockpit zeigt ein ähnliches Bild eine gegenteilige Wirkung: Die Innenarchitektur des Porsches ist nicht gerade gespickt mit Originalität und modernen Akzenten, dafür sorgen schon die vielen Gleichteile, die er aus dem 911er übernimmt. Aber die solide Wohnlichkeit wirkt sich beruhigend auf die Insassen aus, alles ist übersichtlich und klar strukturiert – zu Haus bei Porsches eben. Diese Atmosphäre der Gelassenheit vermisst man beim 370 Z Roadster. Und Gelassenheit ist nützlich beim Sportwagenfahren. Ein wenig unübersichtlich geht es zu im Cockpit, dafür sorgt nicht nur die Farbgebung, sondern auch die Logik der Instrumentierung, die erst einmal verstanden werden muss, um im Zweifelsfalle die wichtigsten Entscheidungsgrundlagen sekundenschnell zu erfassen.

Funktion und Qualität

Nintendo lässt grüßen: Ein wenig verspielt präsentiert sich das Interieur des Nissan.
Nintendo lässt grüßen: Ein wenig verspielt präsentiert sich das Interieur des Nissan.(Foto: Axel F. Busse)

Die sehr lebendige Gestaltung des Nissan-Innenraums hat ihre Tücken: Bedientasten liegen im Schatten des Lenkradkranzes, suchend streckt man die Finger aus oder verrenkt den Hals. Die Skalen der auf dem Armaturenbrett sitzenden Zusatzinstrumente haben wenig Kontrast und sind bei offenem Verdeck schlecht ablesbar. Die Uhrensammlung des Porsche-Cockpits ist dagegen schon ein Klassiker, sie bedarf keiner weiteren Kommentierung. Die mit Rücksicht auf die Vorlieben der US-Kundschaft von Porsche eingeführte Touchscreen-Steuerung des Navigationssystems ist funktionell und einleuchtend.

Während der Porsche nach alter Väter Sitte am links sitzenden Zündschloss gestartet wird, haben sich die japanischen Entwickler für das vermeintlich moderne Druckknopfsystem entschieden. Besser wäre, sie hätten auch noch dafür gesorgt, dass die Sitzheizung beim Ausschalten der Zündung zurückgesetzt wird. Da aber das aktivierende Drehrad in der Mittelkonsole in seiner Stellung bleibt, kann es zum Beispiel passieren, dass auch ein unbenutzter Beifahrersitz beheizt wird. Und Stromverbrauch bedeutet bekanntlich Benzinverbrauch.

Bei der Konstruktion des Boxster-Verdecks mochte man auf einen manuellen Verriegelungshebel nicht verzichten. Heute erscheint er obsolet und auch der Nissan kommt ohne aus. Die Porsche-Haube ist so schnell, das jeder Platzregen seinen Schrecken verliert. In 15 Sekunden öffnete es sich beim Testwagen, zwei Sekunden weniger vergingen für das Schließen. Beim Nissan braucht man ein wenig mehr Geduld, für beide Funktionen wurden jeweils 20 Sekunden gebraucht. In dieser Zeit nicht enthalten ist das Herunter- bzw- Hochfahren der Seitenscheiben.

Nach oben offen: Der Boxster rennt, was der Motor her gibt, der Nissan ist abgeregelt.
Nach oben offen: Der Boxster rennt, was der Motor her gibt, der Nissan ist abgeregelt.(Foto: Axel F. Busse)

Die Sitzposition im Boxster ist einige Zentimeter niedriger als die im 370 Z, allerdings spielt die um sieben Zentimeter schmalere Tür des Nissan für die Qualität beim Ein- und Ausstieg keine Rolle. Obwohl Sportwagen naturgemäß schmal geschnitten sind und einen kompakten Sitzkomfort bieten, schafft es der Nissan, seinen Insassen mit 1,41 Metern acht Zentimeter mehr Innenbreite zu lassen.

Wenn es um das Verstauen von Gepäck geht, zieht der Nissan den Kürzeren. Seine 92 Zentimeter hohe Ladekante wirkt wie ein Signal für die Reisenden: "Achtung, nicht zuviel einpacken!" 140 Liter Stauvolumen sind mager, am besten kann man sie mit flexiblen Taschen nutzen, die sich in die sonst unzugänglichen Ecken quetschen lassen. Dank des Mittelmotorkonzepts kann der Porsche sowohl die Vorderachse, als auch das Heck mit Ladung beschweren (Kantenhöhe 76 cm), zusammen kommt er auf doppelt so viel Laderaum wie der Konkurrent. Ob der bei jeder Gelegenheit effektiv genutzt werden kann, hängt nicht zuletzt von den Insassen ab. Wird der Innenraum etwa von zwei Schwergewichtlern bevölkert, kann sich die erlaubte Zuladung schnell auf 30 oder 20 Kilo reduzieren.

Fahren und Genießen

Die Datenblätter lassen die beiden Zweisitzer recht ähnlich erscheinen, Zylinderzahl, Hubraum und Leistung sind einander sehr nah, beide nutzen zur Kraftübertragung ein siebenstufiges Automatikgetriebe. Doch die Unterschiede im Charakter sind enorm. In diesem Vergleich repräsentiert der Boxster den asketischen und austrainierten Athleten, der Nissan eher den Sonnyboy, der den schönen Dingen des Lebens zugetan ist. Rund drei Zentner Mehrgewicht beim Nissan dürften durch 18 PS Mehrleistung kaum auszugleichen sein.

Geschlossene Gesellschaft: Beide Roadster vertrauen auf die traditionelle Stoffhaube.
Geschlossene Gesellschaft: Beide Roadster vertrauen auf die traditionelle Stoffhaube.(Foto: Axel F. Busse)

Der heiser-kehlige Klang des Boxermotors gegenüber dem rauh-röhrenden V-Motor des Nissan lässt ahnen, wie der Zweikampf auf dem Parcours ausgeht. Die gegenüberliegenden Zylinderreihen verschaffen dem Porsche einen niedrigeren Schwerpunkt als der höher bauende V-Motor es darstellen kann. Außerdem drückt der V-Motor beim Nissan auf die Lenkachse, während der Porsche sein schwerstes Bauteil zwischen den Achsen montiert hat.

In der Praxis bedeutet das für den deutschen Sportwagen: Reichlich Agilität und Spontaneität, wenig Seitenneigung auch in schnellen Kurven, hohe Lenkpräzision und Spurtreue, weitgehend neutrales Verhalten bei Lastwechseln. Auch ohne den per Schaltpaddel möglichen manuellen Eingriff ist das PDK-Getriebe stets auf der Höhe der Zeit. Die Fahrstufen sind eng genug abgestuft, die Zuteilung der Übersetzung erfolgt bedarfsgerecht und verzögerungsfrei. Mit dem aufpreispflichtigen Sport-Chrono-Plus-Paket lassen sich die Kennlinien des adaptiven Fahrwerks und die Drehzahlausreizung noch anschärfen. Das mit 8032 Euro teuerste Ausstattungsdetail dieses Testwagens, die Keramik-Bremse, war erwartungsgemäß nicht in Verlegenheit zu bringen. Die schnellen Runden auf der Teststrecke weckten keinen besonderen Durst beim Porsche-Sechszylinder. 12,4 Liter Durchschnittsverbrauch für überwiegend scharfe Tempowechsel sind moderat.

Nicht ganz so bissig geht es zu, wenn man mit dem Nissan die Ideallinie sucht. Zwar ist auch seine Kraftübertragung per Paddel von Hand schaltbar, doch der Wandlerautomat gönnte sich spürbare Denkpausen, wenn zum Beispiel beim Herausbeschleunigen aus der Kurve zupackender Vortrieb angemessen gewesen wäre. Die Gewichtsverteilung sorgt zuweilen dafür, dass die Lenkung das zum Kurvenaußenrand strebende Aggregat mühsam im Zaum halten muss. Korrigierende Eingriffe gegen das Untersteuern werden zur Regel. Dass die rasante Kurvenhatz für den Nissan eher notwendiges Übel als pure Lust ist, zeigt sich auch an dem eher komfortorientiert abgestimmten Fahrwerk. Anpassung der Dämpfung an eine auf schnellen Wechsel von Längs- und Querbeschleunigung angelegte Gangart ist nicht möglich und so muss die Seitenneigung eben hingenommen werden. An Vergnügen hinterm Lenkrad des Nissan fehlt es freilich nicht, aber der Atem rennsportlicher Vorfahren ist, anders als beim Porsche, nicht zu spüren. Der Testparcours förderte die Schluckfreudigkeit des Nissan erheblich: 17,5 Liter zeigte der Bordcomputer für diesen Abschnitt.

Ausstattung und Preis

Einen eindeutigen Sieger gibt es bei diesem Vergleich nicht: Fahrdynamisch hat der Nissan gegenüber dem Porsche das Nachsehen, aber er bietet reichlich Ausstattung für deutlich weniger Geld.
Einen eindeutigen Sieger gibt es bei diesem Vergleich nicht: Fahrdynamisch hat der Nissan gegenüber dem Porsche das Nachsehen, aber er bietet reichlich Ausstattung für deutlich weniger Geld.(Foto: Axel F. Busse)

Warum macht Porsche seine Autos nicht billiger? Weil auch teuer sich ordentlich verkauft – wenn nur die Leistung stimmt. Und da der Boxster dem Nissan Roadster in jeder Runde ein paar Zehntel abnehmen würde, muss der japanische Hersteller einen anderen Weg zum Ziel suchen. Der lautet: Möglichst viel Auto für einen moderaten Preis. Nun sind auch 51.480 Euro kein Kleingeld, dafür aber ist alles drin, was der Hersteller an Annehmlichkeiten liefern kann. Auszug: Bi-Xenon-Scheinwerfer, elektrisch verstell-, beheiz- und kühlbare Sitze, Licht- und Regensensor, Bluetooth-Schnittstelle, schlüsselloses Zugangssystem, CD-Wechsler, Tempomat, Automatikgetriebe und Navigationssystem.

So gut wie nichts davon kann ein Porschekunde ohne Zusatzkosten bekommen, auch das winzige Windschott (+327 Euro) und der Graukeil in der Windschutzscheibe (+101 Euro) standen beim Boxster-Testfahrzeug mit auf der Sonderausstattungsliste. Die elektronische Dämpferregelung, die dem Nissan vermutlich mehr Griffigkeit beschert hätte, ist beim Boxster mit 1547 Euro zusätzlich zu vergüten. So kommt es, dass der Preisunterschied dieser auf den ersten Blick so ähnlichen Roadster sich in der Größenordnung einer Mittelklasse-Limousine einpendelt.

Fazit: Wer heute kraftvolles Freiluft-Vergnügen genießen und dabei noch gut aussehen will, kann getrost zum Nissan greifen. Wer von der Stoppuhr getrieben seine Bestzeit nach unten schrauben und eine unverfälschte Fahrmaschine mit erstaunlichem Alltagsnutzen sein eigen nennen will, sollte noch ein paar Jahre sein Sparschwein füttern.

 

DATENBLATTNissan 370 ZBoxster S
Abmessungen L/B/H4,25/1,85/1,33 m4,34/1,80/1,29 m
Leergewicht (nach EU-Norm)1610 kg1455 kg
Sitzplätze22
Gepäckvolumen140 l280 l
max. Zuladung275 kg220 kg
Motor6-Zylinder-V-Motor mit 3,7 l Hubraum6-Zylinder-Boxer-Motor mit 3,5 l Hubraum
Antrieb und GetriebeHeckantrieb,
sequentielle 7-Gang-Automatik
Heckantrieb,
7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
max. Leistung328 PS (241 kW) bei 7000 U/Min310 PS (228 kW) bei 6400 U/Min
KraftstoffartSuperbenzinSuperbenzin
Tankinhalt72 l64 l
Höchstgeschwindigkeit250 km/h (abgeregelt)272 km/h
max. Drehmoment363 N m bei 5200 U/Min360 N m bei 4400 U/Min
Beschleunigung 0-100 km/h5,8 s 5,2 s
Verbrauch pro 100 Kilometer (Innerorts/Außerorts/Schnitt)
   
15,8/8,3/11,2 l14,1/6,6/9,4 l
Testverbrauch12,0 l10,7 l
CO2-Emissionen254 g pro km221 g pro km
Schadstoffklasse/ FeinstaubplaketteEURO 5/GrünEURO 5/Grün
Grundpreis46.590 Euro59.328,25 Euro
Testwagenpreis51.480 Euro87.988,35 Euro

Quelle: n-tv.de

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