Praxistest Peugeot 5008: Sport für die Familie
Die Vans dieser Tage müssen wahre Allzweckwaffen sein. Viel Raum, reichlich Nutzwert und auch noch Fahrspaß sollen sie verbinden. Peugeots Neuer in diesem Segment, der 5008, zeigt sich eine Spur sportlicher, will sich aber dennoch familienfreundlich präsentieren. Gelingt der Spagat?
Alles hat seinen Preis im Leben - den Wahrheitsgehalt dieser Weisheit lernen gerade frisch gebackene Familienväter kennen. Ist der Nachwuchs erst mal da, dann wird es eng für Papis Sportwagen. Spätestens beim zweiten Kind steht er als Annonce in der Zeitung, weil eine Familienschaukel her muss. Doch die dynamischen Ambitionen beim Autofahren lassen sich ja nicht ablegen wie ein alter Mantel. Manchmal will auch Papi noch mal eine flotte Runde drehen, wenn die lieben Kleinen in Kita oder Schule untergebracht sind. In diese Lücke möchte Peugeot mit seinem Van 5008 stoßen. Ein Familienauto mit sportlichen Ambitionen, das auch noch wirtschaftliche Anreize bieten soll. Ganz schön viele Vorgaben, bei denen sich die Frage stellt, ob der 5008 die auch erfüllen kann.
Lange hat man bei Peugeot das Marktsegment der Vans sträflich vernachlässigt. Das soll sich mit den Neuen ändern. Gut, den 807 gibt es schon länger, aber Sport sieht anders aus. Da haben die Franzosen eher die Großfamilie im Visier. Seit Oktober letzten Jahres ist der kleine Bruder, der 5008 auf dem Markt. Er soll die Lücke zwischen dem ebenfalls recht neuen 3008 mit noch höheren Sportambitionen und dem Dickschiff im Programm, dem 807 schließen. Allerdings ist Peugeot wahrlich nicht der erste Hersteller, der die Verbindung zwischen viel Nutzraum und einer gewissen Dynamik zu füllen sucht. In dieser Ecke tummeln sich auch der Touran von VW, der Altea von Seat, der Opel Zafira oder Toyota Verso. Die Konkurrenz schläft also nicht und daher hat man dem 5008 den gewissen Tick mehr Sportlichkeit mitgegeben.
Coupé-Charakter
Vom Grundaufbau her ist das allerdings erst mal nicht zu erkennen. So sind eben Vans dieser Größenordnung strukturiert. Eine diagonale Front und ein leicht nach hinten absinkender Dachverlauf. Dennoch hat der Franzose etwas mehr Coupé-Charakter als die meisten seiner Konkurrenten. Vor der Haube thront das neue Markengesicht, das den Löwen großflächig herausstellt. Darunter ist ein großer Lufteinlass zu finden, der sich aber etwas harmonischer mit dem Gesamtdesign verbindet als beim kleinen Bruder, dem 3008. Insgesamt ist der 5008 aber eine flotte Erscheinung, die sich doch abhebt vom automobilen Einheitsbrei. Einzig das Heck wirkt im Vergleich zur Front vielleicht etwas einfallslos gestaltet.
Gutes kann man auch über den Motor in unserem Testwagen sagen. Die reiche Erfahrung Peugeots im Bau von Dieseln merkt man dem Zwei-Liter-Selbstzünder vom Fleck weg an. Die reichlichen 340 Newtonmeter Drehmoment lassen die 1638 Kilogramm des Fahrzeugs relativ leichtfüßig von dannen ziehen. Und auch wenn sich 150 PS für ein Auto dieser Größe nicht gerade üppig anhören, widerlegt die Praxis das Vorurteil. Im oberen Drehzahlband wird es dann allerdings naturgemäß etwas schwächer mit dem Vortrieb. Der Motor harmoniert dabei sehr gut mit dem leichtgängigen Sechsganggetriebe.
Moderater Verbrauch
Der Verbrauch des 5008 ist hält sich hingegen in erfreulichen Grenzen. Zwar ist der vom Hersteller angegebene Normverbrauch von 5,9 Litern für uns nicht realisierbar gewesen. Aber in unserem ersten Testzyklus mit einem hohen Autobahnanteil kamen wir auf 7,6 Liter im Schnitt. Beim zweiten Zyklus mit mehr Landstraße bei flotterer Fahrt und etwas Stadtverkehr kamen wir auf 8,2 Liter. Beides sehr ordentliche Werte für ein Auto dieser Größe und dieses Gewichts. Der Diesel-Antrieb erfüllt, im Gegensatz zu den kleineren Antriebs-Gesellen der Modellreihe, auch die Abgasnorm Euro5 und hat einen serienmäßigen Partikelfilter an Bord. Die CO2-Emissionen liegen bei 151 Gramm pro Kilometer.
Beim Fahrwerk hat Peugeot einen ordentlichen Kompromiss zwischen straffer Sportlichkeit und Komfort gefunden. Trotz der recht hoch gebauten Karosse zeigt er sich bei flotterer Kurvenfahrt leicht brav untersteuernd und spurtreu. In Richtung Grenzbereich entwickelt der 5008 dann doch im Heck eine Neigung zum Aufstellen, die aber beherrschbar bleibt. Die sportlichen Ambitionen lassen sich insgesamt mit dem 5008 doch recht gut umsetzen. Freilich ist der Franzose nicht zum extraschnellen Kurvenräubern konstruiert, aber er ist dennoch in der Lage, einige Fahrfreude zu bereiten. Zumal er durch sein leicht zu schaltendes Getriebe, den keineswegs trägen Dieselantrieb und die solide Aufhängung wirklich mit einer erfreulichen Leichtigkeit fahren lässt.
Raumangebot im Mittelfeld
Wichtig für einen Kompaktvan ist freilich zuvorderst der Nutzwert. Der Einstieg fällt durch die hoch gebaute Konstruktion leicht und die leichte erhöhte Sitzposition bringt ein gewisses Mehr an Umsicht auf der Straße. Auch die Ladekante mit einer Höhe von rund 60 Zentimeter sollte das Füllen des üppigen Kofferraums nicht erschweren. Dort stehen im Normalfall 679 Liter zur Verfügung, wo er im Vergleich mit dem Touran (695 Liter) und dem Opel Zafira (645 Liter) im Mittelfeld liegt. Im umgeklappten Zustand muss er mit seinen 1754 Litern etwas gegen über der Konkurrenz (Touran: 1989 Liter; Zafira: 1820 Liter) etwas zurückstecken. Ein Raumgewinn lässt sich mit dem Verzicht auf die beiden zusätzlichen Sitze im Heck erzielen. Allerdings versteckt sich der geschaffene Platz dann unter der Abdeckung des Kofferraums.
Zum Nutzwert gehören auch mannigfaltige Ablagen, die der Peugeot 5008 durchaus zu bieten hat. Hinter den beiden Vordersitzen sind im Boden zwei Stauräume zu finden, für die Sitze im Fond stehen zwei ausklappbare Tischchen zur Verfügung und die Seitentaschen, vorne und hinten, bieten reichlich Platz. Schade allerdings, dass man rund um den Fahrersitz mit kleineren Ablagen recht sparsam umgegangen ist. Einen Platz für die Sonnenbrille beispielsweise sucht man vergebens. Auch das große, nach vorne abgerundete Armaturenbrett bietet keine Möglichkeit, Dinge mal kurz platzieren. Für den Beifahrer ist die Situation durch das große Handschuhfach nur geringfügig besser. An der Stelle wären etwas mehr Optionen wünschenswert. Ansonsten zeigen sich das Armaturenbrett und der Fahrer-Arbeitsplatz insgesamt solide, übersichtlich und praxisgerecht. Die Sitze vorne sind bequem, bieten aber nicht sonderlich viel Seitenführung.
Gelungenes Gesamtpaket
Der Einstieg beim 5008 gelingt ab einem Preis 21.750 Euro für den 1,6-Liter-Benziner. Unser Testwagen mit der sehr üppigen Platinum-Ausstattung und dem Zwei-Liter-Diesel hat einen Grundpreis von 29.900 Euro. Die beiden Zusatzsitze im Kofferraum schlagen mit 700 Euro extra zu Buche, das Lederpaket kommt auf 1540 Euro und wer das Videopaket für die hinteren Sitze haben möchte, wollte weitere 600 Euro bereit halten. Auch das Soundsystem von JBL für 460 Euro bereitet Freude. Das kleine Navigationssystem ist für 950 Euro zu haben, die große Version mit Telematik und hochauflösendem Bildschirm kommt auf 1990 Euro. Insgesamt bleiben für etwas mehr als 32.000 Euro eigentlich nur wenige Wünsche offen. Bei einem Rundumschlag auf der Optionsliste können dann aber doch fast 40.000 Euro daraus werden.
Unser Fazit zeigt einen "Daumen hoch" für den Peugeot 5008. Das Auto ist ein gelungenes Gesamtpaket, welches durchaus den Spagat zwischen Sportlichkeit und Nutzwert schaffen kann. Der Nutzen unterliegt in einigen Punkten zwar dann doch den dynamischen und optischen Ambitionen, aber die kleinen Nachteile sind zu verkraften, wenn es nicht ständig zu fünft unterwegs zu sein gilt. Ein paar Ideen für den Komfort des vorderen Gestühl wären noch wünschenswert. Preislich zeigt er sich mit dem Zafira auf Augenhöhe und doch deutlich unter dem Niveau des Touran. Eine echte Alternative also für Familienväter, und natürlich auch Mütter, die ab und an doch etwas flotter unterwegs sein, ohne gleich den Nutzwert zu Hause lassen zu wollen. Die Fahrt zum Sport oder in die Bastelstunde wird mit dem 5008 auch für die lieben Eltern eine nette Angelegenheit.
Datenblatt | Peugeot 5008 2.0 HDi FAP Platinum |
Abmessungen LxBxH | 4.52 / 1,83 / 1,64 Meter |
Leergewicht | 1638 kg |
Sitzplätze | 5 - 7 |
Ladevolumen | 679 / 1754 Liter |
Maximale Zuladung | 673 kg |
Motor | Diesel-Motor mit vier Zylindern in Reihe |
Antrieb und Getriebe | Frontantrieb, |
max. Leistung | 150 PS (110 kW) bei 3750 U/Min |
Kraftstoffart | Diesel |
Tankinhalt | 60 Liter |
Höchstgeschwindigkeit | 195 km/h |
max. Drehmoment | 340 Newtonmeter bei 2000 U/Min |
Beschleunigung 0 - 100 km/h | 9,9 Sekunden |
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Schnitt) | 7,6/4,9/5,9 Liter |
CO2-Emissionen | 154 Gramm pro Kilometer |
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette | EURO 5 / Grün |
Typklassen | 16/20/20 |
Grundpreis | 29.990 Euro |
Quelle: n-tv.de

