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Praxistest
Dezenter Auftritt: Der Golf GTD macht auf Normalo, kann aber auch sportlich.

Dezenter Auftritt: Der Golf GTD macht auf Normalo, kann aber auch sportlich.
(Foto: Markus Mechnich)

Freitag, 20. November 2009

VW Golf GTD: Sportlich, aber sparsam

Markus Mechnich

Er will ein Sprinter, ein vernünftiger Dynamiker sein. Der Golf GTD kombiniert Diesel-Antrieb mit sportlichem Auftritt. Ob zusammen geht, was ursprünglich nicht zusammen gehört?

Bei Volkswagen hat man einfach zwei Generationen ausgelassen: Den Golf als GTD gab es zuletzt in der dritten Baureihe des Bestsellers aus Wolfsburg. Eigentlich ist es unklar warum, denn so ein GTD ist schnell zusammengestellt. Der dickste Diesel in die Karosserie des Golf GTI, ein bisschen Feintuning an Fahrwerk und Getriebe und schon ist der GTD fertig. Okay, vielleicht ist es nicht ganz so einfach, aber das Grundprinzip des GTD lässt sich so auf den Punkt bringen. Vielleicht hat der Trend zu sparsamen Fahrzeugen das Umdenken bei VW bewirkt.

Wenn es sein muss, dann kann er die Muskeln spielen lassen: In 8,1 Sekunden erreicht er 100 km/h. In unserem Test schien er das sogar noch schneller zu können.

Wenn es sein muss, dann kann er die Muskeln spielen lassen: In 8,1 Sekunden erreicht er 100 km/h. In unserem Test schien er das sogar noch schneller zu können.
(Foto: Markus Mechnich)

Bei Volkswagen will man mit dem GTD eine bestimmte Zielgruppe ansprechen, nämlich diejenigen, die sportlich aber dennoch sparsam durch die Gegend fahren wollen. Das dürften zunächst mal ziemlich viele sein. Weitaus weniger werden sich die knapp 27.500 Euro Basispreis leisten wollen, die das Fahrzeug kostet. Das sind mehr als 3000 Euro Aufschlag zum stärksten Zweiliter-Diesel, der mit 140 PS auch nicht schwach auf der Brust ist.

Schöne Karos

Dass der GTD doch etwas Besonderes ist, zeigt er dezent, aber durchaus selbstbewusst. In der Kühlerfront prangt ein GTD-Schild über der veränderten Schürze mit silbernem Streifen im Grill. Am Heck findet sich der Schriftzug wieder, ebenso wie im Lenkradkranz im Innenraum. Ansonsten verrät noch ein dezenter Dachspoiler am Heck die sportiven Ambitionen des Volkswagens. Schön sind auch die Retro-Sitzbezüge mit schwarz-weißen Karo-Mustern als Reminiszenz an den ersten GTD. Der Rest ist Golf, wie man ihn kennt und schätzt. Nicht gerade aufregend, aber grundsolide. Schön sind die Leichtmetallfelgen mit 225er-Reifen drauf mit den sieben Doppelspeichen (590 Euro).

Hoch das Bein: Mit dem adaptiven Fahrwerk und dem gut abgestimmten ESP ist der Golf GTD kaum aus der Ruhe zu bringen.

Hoch das Bein: Mit dem adaptiven Fahrwerk und dem gut abgestimmten ESP ist der Golf GTD kaum aus der Ruhe zu bringen.
(Foto: Markus Mechnich)

Stellt sich also die Frage, was er kann, der GTI unter den Dieseln. Dazu fahren wir viel Landstraße, denn das ist sein Revier. Auf den ersten Metern fällt auf, dass sich der GTD kein großartiges Turboloch leistet, aber beim Anfahren unter 2000 Umdrehungen pro Minute dennoch einen etwas lahmen Antritt hat. Allerdings ist kaum spür- oder hörbar, dass hier ein Selbstzünder zu Werke geht. Nur wenn der Motor über die 4000 Umdrehungen gedreht wird, dann fängt er an zu nageln und zu vibrieren. Aber solch hohe Drehzahlen sind eh nicht das Metier des GTD.

Paddeln ist anstrengend

Der neu konzipierte Diesel-Antrieb mag es am liebsten zwischen 2000 und 4000 Umdrehungen. Der Kraftstoff wird mittlerweile per Common-Rail-Technik in die Zylinder befördert. Da arbeiteten früher noch Pumpe und Düse. Turboaufladung ist bei modernen Dieseln fast selbstverständlich, beim TDI sowieso. Der Golf GTD überwindet so allzu große Unterbrechungen in der Zugkraft und dehnt sein Drehmoment von ansehnlichen 350 Newtonmeter zwischen 1750 und 2500 Umdrehungen aus. Das ist schön im unteren Bereich, aber nach oben raus geht der Dampf etwas früh weg.

Das macht sich auf der Autobahn bemerkbar. Da geht dem GTD doch manchmal etwas die Luft aus. Auf der Landstraße schaltet das Doppelkupplungsgetriebe DSG (1875 Euro) ordentlich durch und hält den Motor meist im richtigen Drehzahlbereich. Wird mit dem Paddeln am Lenkrad (Multifunktions-Lederlenkrad mit Alu-Dekor kostet 253 Euro) gearbeitet, dann erfordert das doch einiges an Arbeit. Bei gekonnter Bedienung macht das aber dennoch richtig Freude. Allerdings nicht ganz so viel wie beim GTI, der sein Drehmoment von 280 Newtonmeter bis zu 5200 Umdrehungen halten kann.

Genügsamer Sportsmann

Das der Zweiliter-Diesel doch recht spritzig und dabei sparsam ist, verdankt er der Einspritzung mittels Piezo-Injektoren. Die pumpen mit 1800 bar den Kraftstoff in die Brennräume und produzieren so 170 PS bei 4200 Umdrehungen. So genehmigt sich der GTD nominell nur 5,3 Liter auf 100 Kilometern. In der Praxis liegt man bei moderater Gangart nur geringfügig darüber. Das ist erfreulich. In unserem Testlauf nahm er 5,7 Liter. Im zweiten Teil, der etwas flotter gefahren wurde, genügten uns 6,5 Liter. Nicht unrealistisch mit dem 55-Liter-Tank 1000 Kilometer weit zu fahren. Das freut den Sparfuchs und entschädigt für den nicht unerheblichen Aufpreis. 139 Gramm CO2 werden vom GTD in die Umwelt entlassen.

Die Bedienung im Cockpit funktioniert tadellos. Golftypisch eben.

Die Bedienung im Cockpit funktioniert tadellos. Golftypisch eben.
(Foto: Markus Mechnich)

Kann er denn auch Sport? Schließlich kauft man einen GTD, weil man flott unterwegs sein möchte. Dazu sind wir auf der Landstraße ins Driving Center Groß-Dölln gefahren. Auf dem Weg dorthin war gemütliches Cruisen angesagt. Das ist eine sehr entspannte Geschichte mit dem GTD. Sanft und präzise schaltet das DSG-Getriebe, aber beim Kickdown zum Überholen ist es auch schnell da, schaltet zurück und gibt ordentlich Stoff. Schöne Sache.

Dynamisch, aber doch ein bisschen brav

Auf dem Testgelände angekommen wollen wir sehen, was er kann. Die Beschleunigung ist mit 8,1 Sekunden von 0 auf 100 angegeben. Diesen Wert kann der GTD locker halten. Handgemessene 8,3 Sekunden stehen bei uns auf dem Zettel. Dann geht es in die Kurven. Da muss man wirklich sagen, dass sich das adaptive Fahrwerk (DCC, 925 Euro Aufpreis) ausgesprochen positiv bemerkbar macht. So sehr wir den Wolfsburger auch rabiat ums Eck drängen, er verliert nie wirklich die Contenance. Hinten greift das ESP regulierend ein und dank der schnellen Abstimmung durch das DCC entwickelt er auch keine Neigung zum Kippen. Bei schnellen Kurven untersteuert er kreuzbrav und bleibt eigentlich in jeder Situation beherrschbar. So muss ein Golf eben fahren.

Unauffällig: Wer dem GTD begegnet, wird nicht unbedingt in Ehrfurcht erstarren.

Unauffällig: Wer dem GTD begegnet, wird nicht unbedingt in Ehrfurcht erstarren.
(Foto: Markus Mechnich)

Genau da haben wir aber den Knackpunkt: Seine Beherrschbarkeit ist gut, dass er eben auch ein bisschen langweilig ist. Er kann nicht wirklich den großen Sportsgeist entwickeln, weil er für unseren Geschmack einen Tick zu perfekt ist. An einem sportlichen Auto muss man sich auch reiben können, da muss man Abstriche machen und es manchmal hassen, um es dann ob seiner Fahrleistungen und dem Nervenkitzel wieder lieben zu können. Solche Gefühlswallungen vermittelt der GTD nicht. Er ist ein kühler Kalkulator, was ihn natürlich auf der anderen Seite zu einem wirklich guten Auto macht. Einzig auf der Autobahn macht er sich bei hohen Geschwindigkeiten durch ein Brummen bemerkbar. Das macht aus ihm aber noch keinen rauen Burschen.

Park Assist ohne großen Nutzen

Was Abmessungen und Innenraum angeht, gilt das oben gesagte: Er ist eben ein Golf – im positiven Sinne. Daher wollen wir jetzt nicht allzu sehr auf Ladevolumen und Innenraumabemssungen eingehen, denn die sind reichlich bekannt. Zwischen 350 und 1305 Liter gehen rein, maximal 548 Kilogramm darf die Zuladung schwer sein. Leider ergibt die umgeklappte Rückbank keine ganz ebene Fläche, was an der sportlichen Sitzbank liegen dürfte. Die Audioanlage mit Navigation ist ausgesprochen gediegen. Einzig die Kopplung mit dem Mobiltelefon gestaltete sich etwas kompliziert und klappte nicht auf Anhieb.

Kommen wir zum Preis: Unser Testfahrzeug kostet mit dem DSG-Getriebe und Metallic-Lackierung 29.830 Euro. Navigation und Audio mit der RNS-510-Anlage von VW schlägt mit saftigen 2650 Euro zu Buche. Das adaptive Fahrwerk ist sehr zu empfehlen, der Park Assist ist Geschmackssache. Mit 358 Euro ist er zwar nicht überteuer, aber im Test haben wir ihn nur probeweise mal eingesetzt. Für die Parklücken im dichten Berliner Großstadtverkehr erwies er sich als nicht sonderlich praktikabel. Die Lücken, in die er selbsttätig eingeparkt hätte, hätten fast zwei Autos reingepasst. Zusammen mit Xenon-Licht und ein paar kleineren Ausstattungsdetails kamen wir auf einen Gesamtpreis von 37.992 Euro. Das ist schon eine Ansage, auch wenn man dafür ein gutes Stück Automobil bekommt.

Krempelt auch die Ärmel hoch

Als Fazit lässt sich feststellen, dass es nur wenige Punkte gibt, die gegen den GTD sprechen. Mit dem Auto lässt es sich flott, aber dennoch sparsam unterwegs sein. Er kann die sportliche Nummer ebenso wie das gemütliche Cruisen. Dabei zeigt er sich zwar zivilisiert, kann aber auch die Ärmel hochkrempeln und ein bisschen garstig werden. Ein echter Allrounder, dieser GTD. Für echte Sportfans wird er aber zu brav sein. Wer echten Sport sucht, der ist mit dem GTI wahrscheinlich besser bedient. Der muss aber auch mit einem kräftigen Aufschlag beim Verbrauch leben.

Schmerzhaft ist der doch ganz schön ansehnliche Preis, bei dem man schon fast auf Mittelklasse-Niveau kommt. Dafür bekommt man dort allerdings weniger Ausstattung für das Geld. Er ist eben ein Allrounder, dieser GTD. Ein bisschen Sport, ein bisschen Business. Ein bisschen Anzug und ein bisschen Flanellhemd. Und wenn es sein muss, krempelt er auch die Ärmel hoch.

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