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Zu viert, mit vier angetriebenen Rädern und nur sechs Zylindern - Der Porsche Panamera 4 vereint Gegensätze.
Zu viert, mit vier angetriebenen Rädern und nur sechs Zylindern - Der Porsche Panamera 4 vereint Gegensätze.

Porsche Panamera 4: Sportlicher mit Vieren

von Markus Mechnich

Mit dem Panamera hat Porsche eine überzeugende Reiselimousine auf den Markt gebracht. Edler lässt es sich kaum auf vier Sitzen reisen. Bei n-tv.de hat sich der flotte Schwabe für einen Test vorgestellt.

Ein Porsche mit vier Sitzen? Als aus Zuffenhausen einst die Ankündigung kam, dass es eine Limousine von Porsche geben würde, tauchten viele Fragezeichen auf? Kennt sich ein Sportwagenbauer mit reinen Luxus-Karossen aus? Wird man einfach einen 911er verlängern? Das gab es ja schon mal, ging aber nie in Serie. Wie sportlich kann ein Fünf-Meter-Auto überhaupt sein? Ist das noch ein Porsche? Als der Panamera dann präsentiert wurde erntete Porsche viel Lob für die Kreation. Zu Recht, denn man hat mit dem Modell eine fast perfekte und gleichzeitig sehr sportliche Limousine geschaffen. Eigentlich kein Wunder, denn dass man das Metier Luxus beherrscht, haben die Schwaben schließlich schon beim Cayenne gezeigt.

Unter der langen Klappe verbirgt sich Platz für mindestens 445 Liter Gepäck. Die obligatorischen Golf-Bags passen jedenfalls rein.
Unter der langen Klappe verbirgt sich Platz für mindestens 445 Liter Gepäck. Die obligatorischen Golf-Bags passen jedenfalls rein.

Nun sind die Zeiten aber vorbei, bei denen der Geschäftsführer unbedingt mit dem Zwölfzylinder vorfahren muss. Nicht zuletzt durch das Krisenjahr 2009, als Luxuskarossen wie Blei bei den Händlern standen und kaum an den Kunden zu bringen waren, ist eine gewisse Vernunft bei den Motorisierungen eingekehrt. Limousine muss sein, aber beim Motor reichen heutzutage auch acht, oder in unserem Fall sechs Zylinder. Zumal die Hersteller mittlerweile Motoren mit weniger Zylindern bauen, die in ihrem Leistungsvermögen den im Fachjargon "Zwölfendern" in kaum etwas nach stehen. Werfen wir also einen Blick auf den Panamera mit sechs Töpfen.

Perfektion im Detail

Über das Design des Autos ist seinerzeit schon viel geschrieben worden. Und im Grunde lässt sich dem auch wenig hinzufügen. Wenn man sich eine Limousine von Porsche hätte vorstellen wollen, sie hätte ziemlich genau so ausgesehen. Die muskulösen Radkästen, die verhältnismäßig schmale Taille und das breite Heck – darin findet sich so ziemlich alles, was die Zuffenhausener Sportwagenschmiede ausmacht. Vorne und in der Mitte Reminiszenzen an den 911er, hinten die Wucht eines Cayenne und dazwischen viel Raum für Fantasie. Dabei ist der Panamera ein kräftiges Automobil geworden und versprüht nur von vorne die Leichtigkeit eines Sportwagens.

Der Panamera vermittelt jederzeit ein souveränes Fahrgefühl.
Der Panamera vermittelt jederzeit ein souveränes Fahrgefühl.

Ansonsten sind es die kleinen Dinge, die Details, die eine Porsche-Limousine vom Rest der Dickschiffe unterscheiden. Es sind diese kleinen Nuancen, die nur Kennern auffallen, die aber genau dieses Quentchen mehr Luxus bieten, diese kleine alltägliche Zufriedenheit geben, die Käufer von Automobilen in der 80.000-Euro-Liga erwarten. Beim Panamera beispielsweise arretieren die Türen stufenlos, die Karte für die Navigation wird direkt im Cockpit angezeigt oder die Sportsitze, die sich passgenau um den Körper schmiegen. Ein leichtes Lächeln zaubern solche kleinen Extras auf das Gesicht und vermitteln das Gefühl verstanden zu werden. Freilich ist auch ein Porsche nicht ohne Fehler. Allerdings hat sich unser Panamera 4 ausgesprochen wenige geleistet.

Dominanter Drehzahlmesser

Eine Kleinigkeit, die aber auf Dauer doch etwas störend ist, ist die fehlende Lautstärkeregelung am ansonsten schlau bestückten Multifunktionslenkrad. Das bietet nämlich eigentlich alles, damit während einer flotten Fahrt die Hand nicht mehr das Lenkrad verlassen muss. Eine Schaltwippe aus Aluminium, Steuerung der Anzeige des rechten Rundinstrumentes (Hier lassen sich Karte, Bordcomputer und andere Dinge visualisieren) und des Tempomat oder der Zugriff auf das mit Bluetooth verbundene Telefon. Dass der Panamera ein Porsche ist, zeigt sich im Cockpit schon am riesigen Drehzahlmesser, der die Ansammlung von vier runden Anzeigen mittig dominiert.

Reichlich Schalter und Hebel finden sich rund um den Fahrerplatz.
Reichlich Schalter und Hebel finden sich rund um den Fahrerplatz.(Foto: worldwide unlimited)

Ansonsten bietet Porsche auf der ansteigenden Mittelkonsole allerlei Technik und Komfort. So kann die Dämpfung des Autos mittels Schalter von Komfort über Normal auf Sport geregelt werden. ESP, Parksensoren und die Start-Stopp-Automatik können ausgeschaltet und das Niveau des Fahrzeugs reguliert werden. Letzteres funktioniert nur mit der optionalen Luftfederung (1952 Euro), die gleichzeitig für ein hohes Komfortniveau sorgt. Außerdem lässt sich der Heckspoiler, der sonst erst jenseits der 120 km/h zum Einsatz kommt, manuell ausfahren und ein Sichtschutz für die Heckscheibe entfalten.

Charakterwandel auf Knopfdruck

Für Dynamik sorgen zwei Schalter mit den Bezeichnungen "Sport" und "Sport Plus". Ist der Panamera im Normalfall ein recht komfortables Gefährt ohne gewichtige, sportliche Ambitionen, so sorgen diese für einen grundlegenden Charakterwandel. Unter anderem werden dann Gaskennlinie und die Schaltpunkte des Doppelkupplungsgetriebes verändert. So wird aus dem Luxus-Viersitzer ein giftiges Ding, das erst bei fast 7000 Umdrehungen schaltet, aggressiv das Gas annimmt und es sogar in knapp über sechs Sekunden auf die 100 Stundenkilometer schafft. Bei unserem Test hat der Gangwechsel manchmal etwas zu spät eingesetzt und die Drehzahl lag für etwas zu lange Zeit im akustisch unangenehmen Bereich. Aber die Fortbewegung im Sport-Modus bringt sehr viel Freude mit sich.

Auch mit sechs Zylindern ist das Auto gut motorisiert. Schwächen leistet sich dieser Porsche kaum.
Auch mit sechs Zylindern ist das Auto gut motorisiert. Schwächen leistet sich dieser Porsche kaum.

Um die Dynamik in rechte Bahnen zu lenken hat Porsche dem Panamera schon von Grunde auf ein straffes Fahrwerk mit auf den Weg gegeben. Die Kombination mit dem Allradantrieb kann nur als gelungen bezeichnet werden. Die bald zwei Tonnen schwere Limousine lässt sich wie auf Schienen durch Kurven, egal ob schnell oder langsam, bewegen. Der Schwerpunkt ist niedrig und ein wesentliches Unter- oder Übersteuern nicht auszumachen. Zu der souveränen Straßenlage trug in unserem Testwagen noch der optionale Wankausgleich (4701 Euro) bei, der das Fahrdynamikangebot komplettiert. Das Ausloten des Grenzbereichs hat uns allerdings die Witterung versagt, denn bei deutlichen Minustemperaturen ist es nicht ratsam diesen zu testen. Insgesamt vermittelt der Panamera jederzeit ein souveränes Fahrgefühl. Er fährt sich fast wie ein Sportwagen, bietet aber den Komfort einer Luxuslimousine.

Ausreichend Potenzial

Enthusiastische Anhänger der Marke werden sagen, dass 300 PS für ein solches Auto nicht genügen. Doch bei unseren Fahrten war nicht festzustellen, dass der Panamera mit dem Sechszylinder-Motor schwachbrüstig unterwegs ist. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 257 km/h und auch jenseits der 180 Stundenkilometer kann das Auto noch jederzeit eine Schippe drauf packen. Beim Verbrauch lagen wir in der Praxis bei 11,4 Litern in einem Mix aus Stadtverkehr, wenig Landstraße, aber mit hohem Autobahn-Anteil. Das sind 1,8 Liter mehr als in der Norm ermittelt. Das Start-Stopp-System beim Panamera funktioniert einwandfrei und hilft sicher den ein oder anderen Liter Sprit zu sparen.  

So viel Komfort in Verbindung mit hoher Sportlichkeit will natürlich bezahlt werden. Wenig erstaunlich, dass Porsches Viersitzer nicht zu den preisgünstigen Automobilen zu zählen ist. 84.110 Euro kostet der Panamera 4 in der Basisversion. Damit ist die Sechszylinder-Version – ohne Allrad ist er für 75.899 Euro zu haben – die günstigste Variante die Porsche-Limousine zu fahren. Wer möchte, kann den Panamera für 8033 Euro noch mit Keramikbremsen ausrüsten. Das macht wohl aber eher bei den stärkeren Motorisierungen Sinn.

Ein Grand Turismo wie der Porsche Panamera muss den Spagat zwischen Sportlichkeit und Komfort schaffen. Dieser Kernaufgabe ist auch die Sechszylinderausgabe gewachsen. Nur Geschwindigkeits-Fanatiker werden den "kleinen" Motor für zu schwach halten. Alle anderen dürfen sich über einen verhältnismäßig moderaten Spritkonsum und jede Menge Komfort freuen. Wem das nicht genügt, der muss eben rund 50.000 Euro mehr auf den Tisch legen und die Turbo-Version ordern. Oder eben doch auf den 911er zurück greifen. Dann muss der Nachwuchs aber zu Hause bleiben. Ist ja manchmal auch nicht schlecht.

Datenblatt

Porsche Panamera 4

Abmessungen LxBxH
4,97 / 1,93 / 1,42 m
Radstand
2,92 m
Leergewicht
1820 kg
Sitzplätze
4
Ladevolumen
normal / maximal
445 l / 1263 l
Tankinhalt
80 Liter
Maximale Zuladung
430 kg
Motor
6-Zylinder Otto-Motor
mit 3.605 ccm Hubraum,
Wasserkühlung und Turboaufladung
Getriebe
7-Gang Doppelkupplungsgetriebe (PDK)
Leistung
300 PS (220 kW) bei 6200 U/Min
Kraftstoffart
Super Plus
Antrieb
Aktiver Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit
257 km/h
max. Drehmoment
400 Nm bei 3750 U/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h
 6,1 sek
Normverbrauch (Mittel/Innerorts/Außerorts)
9,6 l / 12,8 l / 7,2 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
225 g/km
Grundpreis
84.110 Euro

 

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Quelle: n-tv.de

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