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Das erste und einzige SUV von Peugeot: Mit dem 4007 zieht die Löwenmarke durch eine Kooperation in das Segment ein.
Das erste und einzige SUV von Peugeot: Mit dem 4007 zieht die Löwenmarke durch eine Kooperation in das Segment ein.

Peugeot 4007 im Test: Stadt-Mensch auf Landpartie

von Markus Mechnich

Mit dem 4007 hat sich Peugeot ein SUV zugelegt. Eigentlich keine Domäne der Franzosen. Dennoch bietet das Auto grundsätzlich alles, was es für einen ordentlichen Geländewagen braucht. Aber was ist der 4007 wirklich? Landei oder City-Typ?

Peugeot hat sich lange aus dem Segment der SUVs rausgehalten. Doch die Absatzzahlen bei den Geländegängern haben stets zugelegt und so konnte man sich auch in Souchaux nicht länger dem Trend widersetzen. Die Franzosen haben sich in den letzten Jahren allerdings als Meister der Kooperation erwiesen. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Mitsubishi trägt für Peugeot reiche Früchte. In jüngster Zeit hat sie ihnen ein Elektroauto gebracht. Der iOn, baugleich mit dem Mitsubishi i-MiEV, wird seit Ende letzten Jahres vermarktet und hat die Franzosen zu Pionieren in Sachen Elektromobilität gemacht. Zuvor, im Herbst 2007, machte die Kooperation aus dem französischen Kleinwagenspezialisten einen SUV-Anbieter.

Anders als beim Elektroauto hat Peugeot aber nur die Hülle des Mitsubishi Outlanders genommen und vorne eine eigene Fahrzeugfront montiert. Unter der Haube werkelt ausschließlich eine einzige Motorisierung. Natürlich ein Diesel, denn das kann Peugeot traditionsgemäß besonders gut. Angesichts des verschwindend geringen Marktanteils von Benzin-Motoren bei den kompakten SUVs wahrscheinlich auch keine schlechte Idee.

Kraft ausreichend?

Allerdings hat Peugeot mit dem 155 HDi FAP nicht den allerstärksten Selbstzünder aus dem Regal geholt. 156 PS? Da tauchen erst mal Fragezeichen auf. Angesichts eines Leergewichts von 1845 Kilogramm scheint das Peugeot-SUV nicht gerade übermotorisiert. Ok, mit 380 Newtonmeter, die der 2,2 Liter große Motor schon bei 2000 Umdrehungen pro Minute anbietet, sitzt da auch kein Schwächling unter der Haube. Aber die Skepsis bleibt.

In Sachen Nutzwert hat der 4007 durchaus was zu bieten. Obwohl er die Fünf-Meter-Marke deutlich unterschreitet.
In Sachen Nutzwert hat der 4007 durchaus was zu bieten. Obwohl er die Fünf-Meter-Marke deutlich unterschreitet.

Zu Unrecht, wie sich nach den ersten Testkilometern herausstellt. Der französische Geländegänger fährt sich erstaunlich leichtfüßig und agil. Ein Sportwagen ist er sicher nicht, aber dank des bewährten, durchzugsstarken Diesel ist der 4007 sicher auch keine lahme Ente. Die fehlenden PS machen sich aber dann auf der Autobahn bemerkbar. Sprintet das SUV noch relativ behände auf Geschwindigkeiten bis rund 120 km/h, so fehlt es ihm dann aber an Kraft und die Spitzengeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern wird nur zähem Ringen erreicht. Irritierend sind dabei das ruckelige Lenkrad und die recht lauten Windgeräusche.

Ordentliche Allradtechnik

Der Vorzug eines Diesel liegt aber nicht nur in seinem hohen Drehmoment. Vielmehr ist es die Wirtschaftlichkeit, die die Selbstzünder in Europa so beliebt machen. Mit glatten sieben Litern ist der 4007 als Normverbrauch angegeben. Bei unseren Fahrten genehmigte sich das Auto zwar rund neun Liter, aber auch das ist für ein hoch gebautes und schweres Automobil noch in Ordnung. Hilfreich ist dabei der zuschaltbare Allradantrieb, der durch den reinen Frontantrieb auf befestigten und trockenen Straßen eine Menge Kraftstoff einspart.

Der Allradantrieb ist abschaltbar, was Kraftstoff spart. Im Modus "Lock" bekommt die Hinterachse mehr Kraft und eine Differenzialsperre wird zugeschaltet.
Der Allradantrieb ist abschaltbar, was Kraftstoff spart. Im Modus "Lock" bekommt die Hinterachse mehr Kraft und eine Differenzialsperre wird zugeschaltet.

Bei einem kurzen Ausritt in den Schnee wollten wir aber dennoch sehen, was dieser Peugeot mit vier angetriebenen Rädern kann. Drei Modi bietet der Drehknopf in der Mitte. Bei "2WD" arbeiten nur die Vorderräder am Antrieb. Bei der Einstellung "4WD" werden permanent alle vier Räder angetrieben, wobei die Kraft variabel auf die beiden Achsen verteilt wird. Bis zu 55 Prozent bekommt dabei das Hinterrad ab. Bei "Lock" schließlich wird der Allradantrieb mit einer Differenzialsperre kombiniert. Dann bekommen die hinteren Räder auch noch ausreichend Kraft zum Anfahren auf rutschigem Untergrund ab. Diese Technik hat sich auf zugeschneiten Feldwegen durchaus bewährt. Der 4007 wühlt sich recht mühelos auch über Eisflächen oder Schneekuhlen.

Geteilte Heckklappe

Zu viel Offroad-Freude kommt mit dem Peugeot dennoch nicht auf. Die verhindert eine bescheidene Bodenfreiheit von nur 17 Zentimetern und die Furcht die nur durch Plastik geschützten Front- und Heckschürzen zu beschädigen. Auch Böschungswinkel von 22 Grad vorne und 21 Grad hinten, ebenso wie der Rampenwinkel von 19 Grad werden echte Offroad-Fans nicht in Begeisterungsstürme versetzen können. Wer die befestigten Straßen mit dem 4007 verlässt, sollte sehr vorsichtig unterwegs sein.

Für die Not: Die hintersten Sitze sind nicht wirklich für Erwachsene geeignet.
Für die Not: Die hintersten Sitze sind nicht wirklich für Erwachsene geeignet.

Also zurück auf die Straße und in den Stadtverkehr. Schließlich sind moderne SUVs da doch eher in ihrem Revier. Dort zählen andere Werte, wie zum Beispiel Nutzwert. Durch seine Größe kann das Fahrzeug da einiges bieten. 510 Liter Volumen hat der Franzosen schon im Normalzustand im Heck. Wenn alles umgelegt wird, dann entstehen bis zu 1686 Liter Platz. Praktisch ist die geteilt öffnende Heckklappe. Der untere Teil lässt sich nach unten wegklappen und sorgt so für einen bequemen Zugang zum recht hoch gelegenen Kofferraum.

Notsitze im Heck

Platz für Passagiere findet sich vorne ohnehin und auch auf der Rückbank reichlich. Der Peugeot 4007 bietet aber optional sogar Platz für sieben Personen. Hinter der Rückbank lassen sich noch zwei weitere Sitze ausklappen. Diese sind allerdings nicht vollwertig zu nennen, weil der Zugang nicht einfach zu bewerkstelligen ist und weil kaum Fußraum oder sonstiger Platz für bequemes Sitzen vorhanden ist. So werden sich dort höchstens Kinder bis zehn Jahre wirklich wohl fühlen.

Praktisch: Durch die geteilte Heckklappe wird die Ladekante erfreulich niedrig.
Praktisch: Durch die geteilte Heckklappe wird die Ladekante erfreulich niedrig.

Ansonsten ist der Innenraum durchaus hochwertig gestaltet. Die von uns gefahrene Version "Platinum" bietet unter anderem ein mit Leder bestücktes Armaturenbrett, elektrisch verstellbare Sitze und Xenon-Scheinwerfer. Die Dekoreinlagen sind zwar nur optisch aus Metall, aber dem ordentlichen Gesamteindruck tut das keinen Abbruch. Die Verarbeitung ist nicht ganz makellos, aber in Ordnung. Die verwendetetn Materialien sind teilweise erstklassig, aber an anderen Stellen wurde etwas gespart. Insgesamt gibt es aber auch hier wenig auszusetzen.

Vollaustattung für rund 40.000 Euro

Wer einen Peugeot 4007 sein Eigen nennen will, der muss mindestens 34.250 Euro bereit halten. Für die "Platinum"-Version werden noch mal 4000 Euro extra fällig. Ein Navigationssystem mit Touchscreen gibt es für 2490 Euro extra und das Panorama-Glasschiebedach ist für 850 Euro zu haben. So ist das Auto für etwas mehr als 40.000 Euro eigentlich mit Vollausstattung unterwegs und damit kann sich der Franzosen-SUV im Preisvergleich mit deutschen Premiumprodukten sehr gut sehen lassen.

Für schweres Gelände ist der 4007 nicht gemacht. Auf befestigten Straßen fühlt er sich wohler.
Für schweres Gelände ist der 4007 nicht gemacht. Auf befestigten Straßen fühlt er sich wohler.

Denn viele oder wesentliche Schwächen leistet sich der Peugeot 4007 nicht, muss aber doch einen Abstand zu den dann aber teureren Mitbewerbern hinnehmen. Das erste SUV aus Frankreich ist doch auf die Bedürfnisse einer städtischen Käuferschicht ausgerichtet. Und die will bequem reisen, die Kinderschar sowie Opa und Oma mitnehmen können und plant eher selten den wilden Ritt durchs Gelände. Am Ende ist der französische Geländegänger doch eher ein Großstadtcowboy.

Datenblatt

Peugeot 4007 HDi FAP 155

Abmessungen LxBxH
4,63 / 2,07 / 1,71 m
Radstand
2,67 m
Bodenfreiheit
0,17 Meter
Leergewicht
1825 kg
Sitzplätze
7
Ladevolumen
normal / maximal
510 l / 1686 l
Tankinhalt
60 Liter
Maximale Zuladung
585 kg
Motor
4-Zylinder Diesel-Motor
mit 2.179 ccm Hubraum,
mit Direkteinspritzung und Abgasturbolader
Getriebe
6-Gang Schaltgetriebe
Leistung
156 PS (115 kW) bei 4000 U/Min
Kraftstoffart
Diesel
Antrieb
Front- oder Allradantrieb
Böschungswinkel vorne/hinten
22 Grad / 21 Grad
Rampenwinkel
19 Grad
Höchstgeschwindigkeit
200 km/h
max. Drehmoment
380 Nm bei 2000 U/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h
 9,9 sek
Normverbrauch (Mittel/Innerorts/Außerorts)
Testverbrauch
7,3 l / 9,6 l / 6,0 l
9,1 Liter
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
194 g/km
Grundpreis
Testwagenpreis
34.250 Euro
41.590 Euro

Quelle: n-tv.de

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