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GLK 220 CDI 4Matic im Praxistest: Sternenklar in Führung gegangen

Axel F. Busse

Unauffällig und zuverlässig: Der modernste Dieselmotor "OM 651" von Mercedes besteht den Praxistest. Einzig der Kaltstart läuft etwas schwerfällig ab.

Die Mercedes-Auswahl an geländegängigen SUV rundet der GLK nach unten hin ab.
Die Mercedes-Auswahl an geländegängigen SUV rundet der GLK nach unten hin ab.(Foto: Textfabrik/Busse)

Mehr Leistung und weniger Verbrauch – das hätten viele gerne. Der modernste Dieselmotor aus Mercedes-Produktion, intern mit dem Kürzel "OM 651" versehen, verspricht genau das. Kein Wunder, dass die Meldungen über Probleme mit den Diesel-Injektoren besonders aufschreckten. Grund genug, der Sache in einem Praxistest einmal nachzugehen.

Der OM 651-Motor ist als Allzweckwaffe konzipiert und kommt deshalb in mehreren Modellreihen zum Einsatz. Außer in der C- und der E-Klasse kann man ihn auch noch im GLK bekommen. Für diesen Test stand ein GLK in der Leistungsstufe mit 170 PS zur Verfügung, also der Typ 220 CDI. Der Vierzylinder-Diesel ist außerdem noch in den Leistungsstufen 136 und 204 PS zu haben. Dank der zwei Turbolader ist der Vierzylinder wohl noch nicht an seinem Leistungsmaximum angekommen. Automobil-Experten trauen ihm mehr als 225 PS zu und wählten ihn gleich noch zum "Engine of the year".

Ähnlich forsch ist das Modell GLK im Markt der mittelgroßen SUV aufgetreten. Mit mehr als 13.200 neu zugelassenen Exemplaren in 2009 konnte der GLK den langjährigen Spitzenreiter im Segment, den BMW X3, überflügeln, der es auf 12.433 Exemplare schaffte. Das erstaunt umso mehr, als das Mercedes bereits drei ähnliche Modellreihen am Markt platziert (G-, GL- und ML-Klasse) und so sein Programm nach unten erweitert hat. Noch bevor die neue E-Klasse die von Ecken, Kanten und Blechfalten gekennzeichnete neue Designsprache der Marke in die Realität umsetzte, hat der GLK die Richtung vorgegeben.

Düsen-Probleme gemeistert

Die von Delphi gelieferten Einspritzdüsen des 2,2-Liter-Diesels stellten Mercedes eine Zeit lang vor Probleme.
Die von Delphi gelieferten Einspritzdüsen des 2,2-Liter-Diesels stellten Mercedes eine Zeit lang vor Probleme.(Foto: Daimler)

Nicht alles, was nach Offroad aussieht, ist auch wirklich ein Geländewagen. Nachdem man zum Start der GLK-Reihe mindestens 40.000 Euro für ein solches Exemplar ausgeben musste, hat Mercedes inzwischen zusätzlich eine heckgetriebene Version für knapp mehr als 36.000 Euro im Angebot. Außer auf den Allradantrieb müssen die Kunden dort auf die geschmeidige 7G-Tronic verzichten, die in allen anderen Varianten des GLK für die Kraftübertragung sorgt. Der GLK 220 CDI 4Matic kostet aktuell 40.579 Euro.

Im Alltagsbetrieb der 14-tägigen Testphase benahm sich der GLK so, wie man es von einem Auto mit dem Stern erwartet: Ebenso unauffällig wie zuverlässig. Die Leistungsverweigerung der Piezo-Injektoren, die Tausenden von Autofahrern die Umschaltung aufs Notprogramm und eine rote Warnleuchte im Cockpit bescherten, blieb aus. Mit Hochdruck hatte Mercedes den Austausch der unzulänglichen Bauteile und die Beseitigung der produktionsbedingten Fehler beim Zulieferer Delphi betrieben. Die Injektoren gehören zu den sensibelsten Bauteilen eines modernen Dieselmotors, müssen sie doch je Verbrennungsvorgang bis zu sieben Einspritzungen mit bis zu 2000 bar Druck aushalten.

Die einzige Auffälligkeit, die sich der Motor im Test leistete, war eine gewisse Schwerfälligkeit, mit der er den Kaltstart absolvierte. Doch die paar Umdrehungen mehr sind ebenso zu vernachlässigen wie die kernige Geräuschkulisse, mit der der Motor auch nach der Warmlaufphase zu Werke geht. Zu einem kantigen Typen wie dem GLK passt der robuste Auftritt, wer es lieber etwas dezenter hat, muss dann halt zum Sechszylinder greifen.

Kraft wird variabel verteilt

Insgesamt erwies sich der 220 CDI als kultiviertes Aggregat, das mit seinen 400 Newtonmetern Drehmomentmaximum schon knapp über Leerlaufdrehzahl zupackt. Dass die 1,8 Tonnen schwere Fuhre bereits nach deutlich weniger als zehn Sekunden die 100 km/h-Marke knackt, ist dann auch keine Überraschung mehr. Die Siebengang-Automatik schaltet gewohnt ruckfrei und harmonisch, nur beim Kickdown wünschte man sich eine Portion mehr Spontaneität und Vorwärtsdrang. Laut EU-Norm soll der Motor im Schnitt 6,9 Liter je 100 Kilometer verbrauchen. Im Test waren es 8,2 Liter, was unter anderem einem hohen Kurzstreckenanteil geschuldet ist.

Die kantige Karosserieform zahlt sich für den Fahrer durch gute Übersichtlichkeit aus.
Die kantige Karosserieform zahlt sich für den Fahrer durch gute Übersichtlichkeit aus.(Foto: Textfabrik/Busse)

Das Mercedes-Allradsystem 4MATIC im GLK arbeitet gewöhnlich mit einer Momentverteilung, die 45 Prozent der Antriebskraft nach vorn und 55 Prozent an die Hinterachse leitet. Eine Lamellensperre im Zentraldifferenzial kann das Moment auch variabel zwischen Vorder- und Hinterachse verteilen, wobei maximal 70 Prozent an eine Achse gehen. Das Einzige, was der Fahrer davon merkt, ist die erstaunliche Genügsamkeit und Spurtreue, mit der der GLK zum Beispiel über verschneite Feldwege pflügt. Lediglich ein gelegentliches Aufflackern der ESP-Kontrolleuchte kündete während der Testkilometer davon, dass die Elektronik die Kontrolle über den Fahrzustand übernommen hat. Serienmäßig verfügt das Fahrzeug über das "Agility Control"-Fahrwerk, in dem die verschiedenen Sensor- und Regelsysteme zusammengefasst sind.

Überraschende Leichtigkeit

Obwohl der GLK weder mit Getriebeuntersetzung noch mit Sperrdifferenzial – also der klassischen Offroad-Ausstattung – zu haben ist, krabbelt das vierte Mitglied in der Mercedes-Geländewagenfamilie mit überraschender Leichtigkeit steile Hänge hinauf, durch schlammige Pfützen oder verwegene Abfahrten hinunter. Eine Steigfähigkeit von 70 Prozent oder einen Kippwinkel von 35 Grad würde man einem solch komfortorientierten Mehrzweckauto nicht unbedingt zutrauen. Dass der GLK auch als Zugmaschine seine Qualitäten hat, ist selbstverständlich: Bis zu 2000 Kilo Angehängelast sind drin.

Auch eine geschlossene Schneedecke stellt das Allradsystem 4Matic nicht vor Probleme.
Auch eine geschlossene Schneedecke stellt das Allradsystem 4Matic nicht vor Probleme.(Foto: Textfabrik/Busse)

Da der GLK mit der C-Klasse rund 60 Prozent der Teile gemein hat, geht es auch so bequem wie in der Limousine zu. Die Standard-Ausstattung ist auf überdurchschnittlichem Niveau, was man erwarten darf, denn der Preis ist es schließlich auch. Außer Annehmlichkeiten wie Tempomat und Fahrlichtassistent, Klimaautomatik oder Nebelscheinwerfern gehört auch eine Radio-CD-Wechsler-Kombination dazu, die sich über das Multifunktionslenkrad steuern lässt. Wer sich für ein Navigationssystem entscheidet, muss allerdings noch mit einer Kartengrafik rechnen, deren Maßstab nicht immer den akuten Erfordernissen angepasst werden kann.

Fazit: Der GLK ist gegenwärtig die günstigste Möglichkeit, solide Offroad-Eigenschaften mit einem Stern über dem Kühlergrill zu bekommen. Außer Prestige und Wertstabilität verspricht das vielseitige SUV hohes Komfortniveau bei ausreichender Wirtschaftlichkeit. Der vorübergehende Ärger mit den neuen Diesel-Motoren sollte den guten Eindruck, den der GLK bei Kunden und im Vergleich mit Wettbewerbern hinterlassen hat, nicht dauerhaft beschädigt haben.

 

Datenblatt

 
Abmessungen LxBxH
4,52x1,84x1,67 Meter 
Leergewicht
1845 kg 
Sitzplätze
5
Ladevolumen
450-1550 Liter
Maximale Zuladung
655 kg
max. Anhängelast (ungebremst/gebremst)
750/2000 kg
Motor
2143 ccm/R-Vierzylinder
Antrieb und Getriebe
Allradantrieb/7-Gang-Automatik
max. Leistung
170 PS (125 kW) bei 4800 U/min
Kraftstoffart
Diesel
Tankinhalt
59 Liter
Höchstgeschwindigkeit
205 km/h
max. Drehmoment
400 Nm ab 1400 U/min
Beschleunigung 0 - 100 km/h
8,8 Sekunden
Verbrauch pro 100 Kilometer (Innerorts/Außerorts/Schnitt)
6,9 EU-Mix, 8,2 Testverbrauch
CO2-Emissionen
182 g/km
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette
EURO 5
Grundpreis
40.579 Euro

 

Quelle: n-tv.de

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