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Tief geduckt strahlt der Cascada dynamische Eleganz aus.
Tief geduckt strahlt der Cascada dynamische Eleganz aus.(Foto: Holger Preiss)

Der Sonne entgegen: Opel Cascada - Besser als Audi und BMW?

Von Holger Preiss

Wer zu viert in einem Stoffdach-Cabrio die Sonne anbeten will, der muss tief in die Tasche greifen. Bis dato war dieser Luxus den Käufern von Premiummarken vorbehalten. Mit dem Cascada hat Opel eine dankbare Alternative zu einem fairen Preis im Angebot. Aber kann der Rüsselsheimer mit dem Audi A5 Cabrio und einem offenen BMW 3er mithalten?

Auch offen macht der Cascada einiges her.
Auch offen macht der Cascada einiges her.(Foto: Holger Preiss)

Wenn die letzten Sonnenstrahlen das Herz erwärmen, dann ist es auch Zeit, noch einmal das Dach des Cabriolets zu öffnen. Im Oben-ohne-Land Deutschland ein Luxus, der sich auf die beschränkt, die es entweder ganz dicke haben oder jene, die dachöffnende Kleinstwagen bevorzugen. Bei den Letztgenannten besteht die Krux darin, dass der Spaß lediglich im Luftzug besteht, denn von Platz und Komfort kann hier keine Rede sein. Den gibt es zwar bei den großen Sonnenanbetern, die sind aber meist sündhaft teuer. Tilli, also die, die vor Jahren in der Fernsehwerbung kaputte Spülhände reparierte, würde jetzt sagen: "Aber das muss nicht sein!" Und recht hat die Frau! Opel bietet mit dem Cascada ein Cabrio, das groß, komfortabel und mit einem Einstiegspreis von 25.945 Euro gar nicht teuer ist. Ja, das sind, wie in einem Überraschungsei, gleich drei Dinge auf einmal. Deshalb der Reihe nach:

Sitzkomfort für Knopffetischisten

Der Cascada geht bei einer Länge von 4,70 Metern als waschechter Viersitzer an den Start. Und dabei sind die zwei Plätze auf der Rückbank wirklich nutzbar. Erwachsene finden selbst bei geschlossenem Dach ausreichend Knie- und Kopffreiheit und Kinder können trotz Sitzhilfe nonchalant die Beinchen baumeln lassen. Zugegeben, der Einstieg ist bei geöffnetem Dach einfacher, als wenn der Vorhang zugezogen ist, wird aber auch dann nicht zur Tortur. Sowohl hinten als auch vorne nehmen die Passagiere auf wohlgeformten Sitzpolstern Platz. Für 685 Euro gibt es für Pilot und Copilot Premium-Ergonomiesitze, die das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken tragen dürfen. Wer auf die 1500 Euro für echtes Leder verzichten will, hat die Möglichkeit, die Ledernachbildung in Morocana Schwarz ohne Aufpreis zu ordern.  

Ausgesprochen angenehm ausgeformte Sitze laden zum Verweilen ein. Der Knopfwust in der Mittelkonsole ist lernintensiv.
Ausgesprochen angenehm ausgeformte Sitze laden zum Verweilen ein. Der Knopfwust in der Mittelkonsole ist lernintensiv.(Foto: Holger Preiss)

Wer sich so bequem gebettet hat, nimmt ein wunderbar griffiges Lenkrad mit Heizung in die Hand und blickt verwirrt auf die Mittelkonsole, die so überladen ist, dass sie nur einem Knopffetischisten gefallen kann. Dabei sind, hat man sich erst mit der Bedienlage vertraut gemacht, die Anordnung und die daraus resultierenden Druckspiele gar nicht so unlogisch. Aber wer mag im Zeitalter von Touchscreen und App noch Knopfhandbücher lesen? Etwas veraltet ist auch das Navi ohne Touch, das im Zusammenspiel mit CD und Radio für satte 1300 Euro geordert werden muss. Viel Geld für eine solche Einheit, bei der sich dann zwar das Telefon per Bluetooth koppeln lässt, aber keine Möglichkeit besteht, über den gleichen Weg die Musik vom mobilen Endgerät über die sieben Lautsprecher in den Innenraum und an die vorbeiziehende Umwelt zu übertragen.

Druckvoll, aber etwas durstig

In 12,2 Sekunden öffnet und schließt das Stoffverdeck des Cascada.
In 12,2 Sekunden öffnet und schließt das Stoffverdeck des Cascada.(Foto: Holger Preiss)

Verzückung kommt dann wieder beim Blick auf die leicht nach innen geneigten und mit einem Chromrahmen versehenen Rundinstrumente auf. Deren Zeiger schlagen beim Start einmal komplett nach rechts aus und man lauscht versonnen dem sanften Grummeln des neuen 1,6-Liter-SIDI-Triebwerks. Das wartet nunmehr mit 170 PS auf und  schiebt die Fuhre in 9,6 Sekunden auf Tempo 100. Was es indes nicht mag, ist untertouriges Fahren. Wer also meint, er könne geschmeidig im zweiten Gang an die Kreuzung rollen und aus dem Drehzahlkeller flott beschleunigen, der wird enttäuscht. Genau an dieser Stelle tut sich ein Turboloch auf, das den schon auf dem Bodenblech stehenden Fahrer verzweifeln oder aber flott zum Gangwähler greifen lässt. Unterstützen kann man den Vortrieb, der ab 3000 Umdrehungen angenehm fühlbar wird, durch die Wahl des Fahrmodi "Sport". Der regelt elektronisch die Drehzahlen nach und lässt das knapp 1,8 Tonnen schwere Cabrio richtig nach vorne gehen. Für lange Strecken bietet Opel dann noch die Einstellung "Tour", die die Übersetzungen wieder erweitert. Nichts erinnert hier noch an die Bräsigkeit des 140 PS-Triebwerks, die Opel so oft vorgeworfen wurde.

Der neue 1,6 SIDI ist ein potentes Triebwerk, will aber auch ordentlich versorgt sein.
Der neue 1,6 SIDI ist ein potentes Triebwerk, will aber auch ordentlich versorgt sein.(Foto: Holger Preiss)

Leider kann keine, auch nicht die ab Werk gegebene Konfiguration, den unbändigen Durst des neuen Benziners zügeln. Innerstädtisch nimmt der Cascada 8,4 Liter, was von den angegebenen 8,0 Litern nicht so weit entfernt ist. Ein Umstand, der sicher auch der Start-Stop-Automatik geschuldet ist, die es in Serie gibt. Aber in der Kombination der einzelnen Fahrstrecken süffelt das Kraftwerk dann schon locker 9,3 Liter aus dem 56 Liter fassenden Tank. Auf dem Rollenprüfstand waren es nur 6,3 Liter, versichert das Datenblatt. Das ist gemein! Vor allem für den, der letztlich die Tankrechnung berappen muss. Am Luftwiderstand kann es jedenfalls nicht liegen, denn offen cruist man in der Regel und wer bei geschlossenem Dach aufs Gaspedal drückt, um den Cascada an seine Grenze von 222 km/h zu treiben, der tut das in einem ausgesprochen windschnittigen Fahrzeug, das trotz seines Stoffdaches kaum Geräusche nach innen lässt. Das liegt daran, weil Opel sein Cabrio schon in der Grundausstattung Edition mit einem Komfortstoffverdeck ausgestattet hat. Das lässt sich im Übrigen  in 12,2 Sekunden und bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h elektrisch öffnen und schließen.

Wuchtige Optik und sanftes Abrollen

Selbst auf den hinteren Sitzen gibt es ausreichend Platz für Jung und Alt.
Selbst auf den hinteren Sitzen gibt es ausreichend Platz für Jung und Alt.

Freude bereitet das offene Fahren auch dadurch, weil es Opel gelungen ist, ein ausgesprochen sportliches und komfortables Fahrwerk zu ersinnen, das den Namen Flexride trägt und in der Ausstattungslinie Innovation Serie ist. Der Cascada rollt selbst auf denen für 600 Euro Aufpreis wuchtigen 19-Zoll-Alurädern und den ebenso gewaltigen 235er Pneus absolut sanft über Unebenheiten hinweg. Selbst bösartige Querfugen können den Insassen nicht den Spaß verderben. Auch in schnellen Kurven gibt es keine störende Karosseriebewegung und der Sonnenanbeter lässt sich dank der geschwindigkeitsabhängigen Servolenkung extrem agil ums Eck steuern. Was etwas Routine braucht, ist der Umgang mit dem Gerät bei geschlossenem Verdeck. Zum einen wird die Sicht nach vorn durch die extrem stark geneigte Frontscheibe, die dadurch lange A-Säule und das sehr flache Dach eingeschränkt. Nach hinten gibt es lediglich einen Sehschlitz, der eher einer Schießscharte als einer Heckscheibe gleicht. All das, im Zusammenspiel mit einem gigantischen Wendekreis von 12,2 Metern, macht Einparksensoren und Rückfahrkamera geradewegs zu einem Muss. Andernfalls wird der Wagen schnell zu einem Entspannungskiller.

Mit etwas Geschick lassen sich auch bei geöffnetem Verdeck 250 Liter im Kofferraum versenken.
Mit etwas Geschick lassen sich auch bei geöffnetem Verdeck 250 Liter im Kofferraum versenken.(Foto: Holger Preiss)

Entspannen kann man hingegen beim Gepäck. Mit geschlossenem Dach fasst der Laderaum 350 Liter. Offen sind es immerhin noch 280 Liter. Sind die zwei Rücksitze (50:50) umgelegt, werden es sogar 630 Liter bei geschlossenem Verdeck. Offen sind es nur 100 Liter weniger. Allerdings muss das Gepäck in jedem Fall mit etwas Geschick versenkt werden, denn die Luke zum Einwerfen ist relativ schmal und der Kofferraum läuft sehr flach nach innen aus. Aber ein Cabrio ist ohnehin kein Transportesel. Insofern bietet der Cascada hier schon mehr als die vergleichbare Konkurrenz. Das Audi A5 Cabrio offeriert bei geschlossenem Verdeck 320 Liter und ein offener 3er BMW bringt es auf lediglich 300 Liter. Auch in puncto Ausstattung muss sich der Opel nicht hinter den Konkurrenten verstecken. Für insgesamt 37.000 Euro bietet der Testwagen mehr als ein A5 Cabrio, das mit 40.050 Euro einsteigt und mehr als das 39.100 Euro teure 3er Cabrio. Dazu gehören neben den 19-Zöllern und den elektrisch verstellbaren Ledersitzen, Einparkhilfe, Regensensor, automatische Leuchtweitenregulierung und Abblendlicht, Bi-Xenon-Scheinwerfer, Ambientebeleuchtung, automatisches Abblendlicht, Kollisionswarner, Spurhalteassistent, Tempomat, Fußraumheizung hinten, Zweizonen Klimaautomatik, Navi und elektrisch anklappbare Außenspiegel, um nur einiges zu nennen.

Fazit: Mit dem neuen 1,6 SIDI ist der Opel Cascada noch ein Stück näher an die offene Premium-Konkurrenz herangefahren. Die 170 PS sind für den Rüsselsheimer Sonnenanbeter durchaus ausreichend und Fahrwerk, Sitzkomfort und Ausstattung lassen höchstens in Details noch Wünsche offen. Wer also auf der Suche nach einem preiswerten Cabrio ist, an dem auch die Familie teilhaben kann, der sollte den Opel unbedingt ins Auge fassen. Auch, weil der breit und tief geduckt auf der Straße stehende Cascada genau die dynamische Eleganz ausstrahlt, die in dieser Klasse so gefragt ist.

DATENBLATTOpel Cascada Innovation 1,6 SIDI
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,70 / 1,83 / 1,44 m
Leergewicht (DIN)1701 - 1818 kg (je nach Motorisierung)
Sitzplätze4
Ladevolumen280 - 530 offen / 350 - 630 geschlossen
MotorReihen-Vierzylinder mit 1598 ccm Hubraum und Turboaufladung
Getriebe6-Gang Handschalter
Leistung125 kW/170 PS bei 6000 U/min
KraftstoffartSuper
AntriebVorderradantrieb
Höchstgeschwindigkeit222 km/h
max. Drehmoment260 Nm bei 1650 - 3200 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h9,6 Sek
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)5,3 / 8,0 / 6,3 l
Testverbrauch9,3 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
148 g/km
EffizienzklasseB
Grundpreis31.845,00 Euro
Preis des Testwagens37.426,80 Euro
Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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