Hybrid-SUV von VW im Test : Touareg mit Doppelherz
Hybrid ist sparsam und umweltfreundlich, so die landläufige Meinung. Jetzt hat auch VW dem Groß-SUV Touareg einen dualen Antrieb verpasst. Wie schlägt sich der Wolfsburger mit Doppelherz in der Praxis?
Zukunfts-, Brücken- oder Auslauftechnologie - egal, was von Hybridantrieben zu halten ist, kein größerer Autobauer kann es sich mehr leisten, kein Hybrid-Fahrzeug in der Modellpalette zu haben. Der Anteil am Gesamtabsatz solcher Autos bewegt sich zwar im Bereich der Promillegrenze, aber für das Image einer Marke ist ein Auto mit dualem Antrieb unabdingbar. Im Jahr 2010 wurde in Deutschland bei knapp 3 Millionen Zulassungen lediglich 10.661 Hybridfahrzeuge angemeldet.
Wenn schon, denn schon, hat man sich wohl bei VW gedacht und mit dem Touareg gleich das größte und schwerste Modell der Marke hergenommen und ihm einen zusätzlichen Elektromotor eingebaut. "Top-Down" nennt sich diese Strategie, die davon ausgeht, dass Käufer, die bei teuren Modellen zuschlagen, auch weniger ein Problem damit haben, noch mal ein paar tausend Euro für modernste Technik draufzulegen. Natürlich sind die Wolfsburger mit ihrer ganz eigenen Akribie an das Thema herangegangen und haben mit ihrem Hybrid-SUV ein beachtliches Stück Technik auf die Beine gestellt.
Diesel für Europa, Hybrid für die Welt
Angesichts eines angegebenen Normverbrauchs von 8,2 Litern stellt sich natürlich die Frage, warum es ein Hybridmodell braucht, wenn sich die Drei-Liter-Diesel der Baureihe mit 7,4 Liter fahren lassen. Die Weltmärkte geben die Antwort, denn auf anderen Kontinenten ist Diesel nicht so verbreitet und vor allem weitaus weniger geschätzt als in Europa. In den USA zum Beispiel wird Umweltfreundlichkeit nicht selten mit Hybrid gleichgesetzt. Dort kann ein Touareg Hybrid punkten, denn Diesel gilt immer noch als Kraftstoff für Nutzfahrzeuge. In Europa muss sich ein Hybride aber ernsthaft mit den sparsamen Selbstzündern auseinandersetzen. Kann der Touareg mit dualem Antrieb in diesem Vergleich standhalten? Dazu haben mit dem Wolfsburger einige Kilometer zurückgelegt. Darunter viele Stadtfahrten, wo sich ein Hybride auszeichnen sollte.
Schon nach dem Anlassen zeigt der Touareg seine elektrische Seite. Zunächst ist nichts zu hören, der Verbrennungsmotor bleibt erstmal kalt. Aber schon nach wenigen Metern springt der drei Liter große Benzineinspritzer an. Aha, da ist doch was. Im Gegensatz zum normalen Touareg hat VW Downsizing betrieben und den 3,6-Liter-Motor gegen den Antrieb aus dem Audi S4 mit drei Litern Hubraum und Turboaufladung ausgetauscht. Aber damit haben sich die Ingenieure in Wolfsburg nicht begnügt. Klimaanlage und Servolenkung haben sie auf elektrischen Betrieb umgestellt, die Lichtmaschine zugunsten der Hybridtechnik gleich rausgeschmissen und zahlreiche Betriebsteile des Motors geschmeidiger gemacht. Schon mit diesen Maßnahmen sollte der Verbrauch deutlich sinken.
Benziner ist schnell am Start
Kompliziert wird es beim Getriebe. Eine zusätzliche Kupplung kann den Verbrennungsmotor komplett vom Antriebsstrang trennen. So soll der Widerstand beim rein elektrischen Vortrieb minimiert werden. Außerdem hat man noch einen Elektromotor dort untergebracht, der auch als Generator dient. Beachtliche 300 Newtonmeter soll der in die Waagschale werfen und mit seinen 34 kW auch eine Art Boostfunktion bei höheren Geschwindigkeiten bereitstellen.
Hört sich alles nicht schlecht an. Aber was zählt, ist auf der Straße - und da surren wir erstmal aus der Parklücke. Doch der Elektro-Spaß ist schon nach drei Metern vorbei. Denn wer sich in den dichten Berliner Stadtverkehr einfädeln will, der muss schon ein bisschen Gas geben. Im Elektromodus schleicht das Dickschiff, wie ein Trecker mit einer Rolle Zuckerrüben hinten dran. Wird ein bisschen mehr Gas gegeben, ist sofort der Benziner am Start. Ok, um das Hupkonzert hinter uns zu beenden, beschleunigen wir auf die angesagten 50 km/h. An der nächsten Ampel geht der Benziner aber direkt wieder aus. Reibungslos und sehr kommod. Ohne das fehlende Geräusch wäre davon im Innern eigentlich nichts zu merken.
Ernüchterung an der Tankstelle
Die Start-Stopp-Automatik und das Ausschalten des Benziners im Betrieb vollzieht der Touareg erfreulich oft und ohne Komplikationen. Das hat VW schon richtig gut hingekriegt, dieses Zusammenspiel zwischen Elektro- und Verbrennungsmotor. Auch wenn wir im Stadtverkehr bei 50 Stundenkilometer mitschwimmen, verabschiedet sich der Benziner immer wieder und der Schiebebetrieb wird rein vom Stromantrieb erledigt. Das sollte doch so richtig sparsam sein. Doch der Blick auf den Bordcomputer ernüchtert. Dort werden 14,1 Liter Durchschnittsverbrauch angezeigt. Also gut, doch etwas sanfter gleiten.
Nach einigen Kilometern Stadtfahrt stellen wir auch an der Tankstelle fest, dass der Bordcomputer nicht so falsch lag. 12,4 Liter hat sich der Touareg bei verhaltener Stadtfahrt gegönnt. Das wäre kein schlechter Wert für ein Auto dieser Klasse, zumal der Touareg mit einem Gewicht von mehr als 2,2 Tonnen an den Start geht. Wenn, ja, wenn nicht ein Hybrid-Fahrzeug vor uns stehen würde. Das ist aber in der Stadt mit einem Normverbrauch von 8,7 Liter angegeben. Und davon sind wir nun mal meilenweit entfernt.
Entspanntes Reisen
Also gut, die nächste Runde ist eine Langstreckentour. Landstraße mit einem hohen Autobahn-Anteil, eigentlich nicht unbedingt die Hybrid-Domäne, aber vielleicht kann der Touareg da sein Können besser ausspielen. Jedenfalls kann der VW seine Vorzüge als SUV bei unserer Reise einbringen. Der Wagen ist ein ausgesprochen angenehmes Reisefahrzeug. Es bietet Platz ohne Ende, drei vollwertige Sitze hinten und einen Kofferraum, der sich auf bis zu 1555 Liter ausdehnen lässt. Etwas weniger als beim normalen Touareg, aber immer noch üppig.
Auf der Autobahn kann der Stromer wieder das ein oder andere Mal helfend dem Benziner zur Seite springen. Die ersten 300 Kilometer fahren wir eine normale Tour, ohne sonderlich sparsam unterwegs zu sein. Danach zügeln wir im dichter werdenden Verkehr wieder etwas den Vorwärtsdrang. Nach gut 600 Kilometer messen wir jetzt einen Konsum von 9,8 Liter. Das ist dann doch besser als erwartet. Der von den TDI-Motoren bekannte Diesel-Schub geht dem Benziner zwar etwas ab, aber mit 580 Newtonmeter (kombiniert) schiebt auch der hybride Touareg noch ordentlich nach vorne. Die Höchstgeschwindigkeit von möglichen 240 Stundenkilometern ist glaubhaft, aber wir haben sie aufgrund unserer Spritsparambitionen nicht getestet.
Nichts für Sparfüchse
Nach rund 1000 gefahrenen Kilometern mit einem Anteil von etwa einem Drittel Stadtverkehr lässt sich sagen, dass der Touareg Hybrid unsere Erwartungen nicht erfüllen konnte. Das Auto ist ein hervorragend produziertes Stück Technik, bei dem alle Komponenten reibungslos mit einander funktionieren, aber auch der Elektroantrieb vermag es in der Realität nicht, den Benzin-Touareg auf einen durchschnittlichen Verbrauch von weniger als zehn Liter zu bringen. Das schafft der Dieselantrieb allerdings schon, der sich auch in der Praxis mit rund neuneinhalb Litern zufrieden gibt.
Der Touareg Hybrid bringt alle Vorzüge mit, die das große SUV von VW ansonsten auch hat. Eine sehr gute Verarbeitung, ein solides Fahrwerk (mit optionaler Luftfederung), ausgereifte Allradtechnik und jede Menge Komfort. Aber ein Sparmobil wird aus dem Dicken mit Hybridmotor eben nicht. Der Aufpreis gegenüber dem Drei-Liter-TDI liegt bei beachtlichen 22.800 Euro, wobei VW den Hybriden noch mit einiger Zusatzausstattung versüßt. Aber auch bereinigt bleibt es bei einem Aufschlag von rund 15.000 Euro, die der Strom-Touareg mehr kostet. Dieser Aufpreis lässt sich im Betrieb jedenfalls nicht einfahren.
So bleibt das erste Hybrid-Fahrzeug aus dem Hause Volkswagen wohl eher was für den Export in dieselfeindliche Länder und technikverliebte SUV-Fans. Kühle Rechner werden an dem Fahrzeug weniger Freude haben und zum Diesel greifen. Wer aber gerne Benziner fährt und einen flotten Touareg haben möchte, für den ist das Auto dann doch eine Überlegung wert. Denn seinen Benziner-Kollegen (3.6 FSI) kann der Hybride von den Fahrleistungen her locker in den Schatten stellen. Und dann fährt ja immer noch ein gewisses Maß an politischer Korrektheit mit. Ist ja auch was wert heutzutage.
Datenblatt | VW Touareg 3.0 TFSI 4Motion Hybrid |
Abmessungen LxBxH | 4,79 / 1,94 / 1,71 m |
Leergewicht | 2240 kg |
Sitzplätze | 5 |
Ladevolumen | 493 l / 1555 l |
Anhängelast gebremst/ungebremst | 3500 / 750 Kilogramm |
Maximale Zuladung | 670 kg |
Motor | 6-Zylinder Benzin-Motor in V-Form |
Getriebe | 8-Gang Wandlerautomatik mit Überbrückungskupplung |
Leistung | Benziner: |
Kraftstoffart | Super |
Antrieb | Allrad |
Höchstgeschwindigkeit | 240 km/h |
max. Drehmoment | Benziner: |
Beschleunigung 0 - 100 km/h | 6,5 sek |
Normverbrauch (Mittel/Innerorts/Außerorts) | 8,2 l /8,7 l / 7,9 l |
CO2-Emissionen | 193 g/km |
Versicherungseinstufung | 24 / 26 / 23 |
Grundpreis | 73.500 Euro |
Quelle: n-tv.de

