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Ein Vierzylinder in V-Form treibt die CBR 1100 XX an. Honda bietet optional noch ein Doppelkupplungstetriebe an.
Ein Vierzylinder in V-Form treibt die CBR 1100 XX an. Honda bietet optional noch ein Doppelkupplungstetriebe an.

Test: Honda VFR 1200 F: Tradition und Moderne

Gleich zwei Modelle soll die VFR 1200 F ersetzen. Mit einem V-Motor will sie der Nachfolger für die VFR 800 sein und als Big Bike die CBR 1100 XX vertreten. Klappt der Spagat? Ein Test.

Honda will zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Es gilt, der V-Motoren-Fangemeinde einen Nachfolger der VFR 800 und gleichzeitig den Big-Bike-Anhängern einen für die CBR 1100 XX zu präsentieren. Und Honda hat die Ansprüche für das Projekt VFR 1200 F hoch und sich mächtig ins Zeug gelegt. Kann die Neue die V- und Doppel-X-Traditionen der Marke fortsetzen?

Die VFR 1200 F ist ein echter Technologieträger geworden. Das signalisiert schon die Verkleidung mit dem markanten Scheinwerfer, geht über den sehr kompakten V4-Motor, der Einarmschwinge hinten, den Kardanantrieb bis hin zur Upside-Downgabel vorn. Wer es noch innovativer möchte, kann jetzt auch das DCT genannte Doppelkupplungsgetriebe (1.300 Euro) ordern und sich das Kuppeln und die Gangwechsel abnehmen lassen.

Mit fast 270 Kilogramm ist die CBR kein Leichtgewicht.
Mit fast 270 Kilogramm ist die CBR kein Leichtgewicht.

Grund genug also für ausgiebige Testfahrten. Unsere erste Neugier galt freilich dem Motor, dem neuentwickelten V4 mit 127 kW/173 PS – und wir stellten schnell fest, dass er beileibe kein Rauhbein ist, sondern eher untypisch sanft läuft. Sein Grummeln wird begleitet von Mahlgeräuschen aus dem Kardan und feinem Singen der Getrieberäder der Gangstufen drei und vier. Erst ab 5.000 Umdrehungen öffnet sich eine Klappe im Auspuff und ermöglicht freieres Atmen und einen kernigeren Sound. Damit einher geht der nun satt einsetzende Schub des Triebwerks, der bis in den roten Bereich hinein anhält. Den Sprint auf 100 km/h erledigt die Honda dann auch sehr zügig innerhalb von drei Sekunden und erst bei 250 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht.

Spürbare Lastwechsel

Hingegen gibt es sich in den unteren Drehzahlbereichen eher verhalten, hat bei 3.000 und 4.000 Touren einen Hänger, was ein wenig stört, da man in diesem Bereich gerne unterwegs ist. Auch überträgt der Kardan die Kraft nicht ohne Reaktionen, die die Lastwechsel bisweilen spürbar macht. Die Übersetzung ist recht lang geraten.

Das Motorrad ist als bequemer Tourer ausgelegt. Das unterstreicht die breite Sitzbank und das vielfältige Zubehör.
Das Motorrad ist als bequemer Tourer ausgelegt. Das unterstreicht die breite Sitzbank und das vielfältige Zubehör.

Das Fahrwerk ist vorn wie hinten mannigfaltig einstellbar und sorgt für eine enorme Handlichkeit der immerhin fast 270 Kilogramm schweren VFR. Insbesondere in langem Kurven verblüfft sie in Kooperation mit den Dunlop Roadsmart "K" mit ihrer Zielgenauigkeit. Enge Kurven mag sie nicht so sehr, hier fordert die Physik ihr Recht und vom Fahrer höheren Kraftaufwand. In der Verzögerungsabteilung kommt eine Sechskolben-Bremsanlage mit Combined-ABS zum Einsatz, das sehr feinfühlig regelt. Der Zusatz "Combined" bedeutet, dass bei Betätigung nur einer Bremse jeweils auch ein Kolben der anderen mitbremst. Nichts zu mäkeln gibt es an der Schaltung.

Kurze Scheibe

Die komfortable Sitzposition für Fahrer und Beifahrer unterstreicht die Eignung der 1200er als Tourer ebenso wie die breite Sitzbank und die Möglichkeit, in der recht langen Zubehörliste gleich Koffer in Fahrzeugfarbe mitzukaufen. Die Armaturen lassen sich gut ablesen; integriert wurden auch eine Ganganzeige, die Lufttemperatur und die Uhrzeit. Es fehlt die Wassertemperatur; schön wäre auch eine Reifendruckanzeige. Die kurze Scheibe schützt große Fahrer nur unzureichend vor dem Fahrtwind, hier dürfte es auf dem freien Markt aber schon bald Alternativen geben.

Ganz günstig ist die neue Honda allerdings nicht: Wartungsintervalle von 12.000 Kilometern und eine Garantie von drei Jahren relativieren zwar den Einstiegspreis von 14.900 Euro. Allerdings ist der neue V4 kein Kostverächter, mag am liebsten Super Plus und schluckte auf unseren Probefahrten immerhin 6,5 Liter auf 100 Kilometer weg, so dass bei rund 250 Kilometer die Warnlampe angeht.

Unter dem Strich bleibt: Die VFR 1200 F ist ein schönes Stück Ingenieurskunst. Sie ist allerdings mehr ein Nachfolger für die VFR 800 als für die Doppel-X geworden.

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Quelle: n-tv.de

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