Born for the USA: Der Hyundai iX55 basiert auf dem US-Modell Veracruz, dass dort schon seit drei Jahren auf den Straßen zu finden ist.
Freitag, 21. Januar 2011
Mit dem Hyundai iX55 auf Tour: Understatement ganz groß
von Markus Mechnich
Hyundai geht mit dem iX55 ganz groß ins Rennen. Der Geländewagen ist ein mächtiges Auto, ausgesprochen gut ausgestattet und lockt mit einem günstigen Preis. Was taugt das Angebot aus Korea in der Praxis?Man kann über die so genannten SUVs sagen, was man will. Die Verkaufstatistiken sprechen eine eigene Sprache. Fast 300.000 Autos der Gattung Geländewagen wurden 2010 in Deutschland zugelassen. Das sind mehr als doppelt so viele Zulassungen wie in der oberen Mittelklasse, wo so bekannte Modelle wie ein Audi A6, eine E-Klasse von Mercedes oder der 5er BMW gelistet sind. Auch die Klasse der Kleinstwagen á la Fiat Panda, Smart oder Ford Ka mit ihren rund 200.000 Zulassungen stecken die Geländegänger locker in die Tasche.
Bei all der Öko-Schelte, die die dicken Brummer auf unseren Straßen in den vergangenen Jahren so einstecken mussten, die Kundschaft greift offenbar unbeirrt zu. Nicht zuletzt auch deshalb, weil wirklich jeder Autobauer zumindest ein, wenn nicht gleich mehrere Modelle in dieser Klasse am Start hat. Die koreanische Marke Hyundai hat in diesem Segment gleich vier Eisen im Feuer. Speerspitze und bislang das Flaggschiff der Marke ist der iX55. Ein großer Geländewagen, der in den USA schon seit 2007 unter dem Namen Veracruz verkauft wird.
Volle Ausstattung
Hierzulande gibt es den iX55 seit Mitte 2009. Da mit dem V6-Benziner in Europa kein Blumentopf zu gewinnen ist, hat Hyundai einen Sechszylinder-Diesel in das Auto gepackt und hat Fahrwerk, Lenkung und Bremsen im Kompetenzzentrum Rüsselsheim auf den europäischen Geschmack abgestimmt. Damit aus dem iX55 auch ein Flaggschiff wird, haben die Koreaner dem Hyndai nahezu das volle Ausstattungsprogramm mit auf den Weg gegeben. Schon die Serienausstattung besticht mit sieben Sitzen, Niveauregulierung, Lederlenkrad oder 17-Zoll-Leichtmetallfelgen. Beim Premiumpaket (6000 Euro extra) bleiben kaum noch Wünsche offen. Lediglich eine Panoramadach (1090 Euro) und Metallic-Lackierung (790 Euro) finden sich dann noch unter den Sonderausstattungen. Und das zu einem Preis von 48.290 Euro. Dafür gibt es bei den Premium-SUVS deutscher Bauart nicht einmal das Basismodell.
Die Ausstattung des iX55 ist üppig, das reichlich vorhandene Hartplastik wirkt aber nicht sonderlich wertig.
Daher ist es eigentlich verwunderlich, dass sich im vergangenen Jahr nicht mal 600 Kunden für den koreanischen Dickmann begeistern konnten. Der erste Eindruck nach dem Einsteigen belegt, dass es wohl auch nicht an Materialien oder Verarbeitung liegen kann. In unserem Testwagen begrüßen uns eine Volllederausstattung, Navigationssytem, Zweizonen-Klimaanlage und eine elektrische Heckklappe. Die Verarbeitung ist ordentlich und auch die Anordnung der Bedienelemente und Instrumente birgt keine großen Überraschungen. Schnell lässt es sich hinter dem Steuer zurecht finden. In der Mittelkonsole zeigt sich allerdings viel Plastik, ebenso wie das Alu-Imitat auf dem Multifunktionslenkrad. Das ist nicht schlimm, aber in dieser Klasse jetzt auch kein Qualitätsmerkmal.
Ein echter Siebensitzer
Die Platzverhältnisse des Autos sind geradezu üppig auf allen Sitzen. Hinten geht es fast ebenso geräumig zu wie auf dem vorderen Gestühl. Was aber wirklich überzeugen kann sind die beiden Sitze ganz hinten. Im Gegensatz zu anderen Herstellern sind das zwei vollwertige Sitzgelegenheiten, die sogar, ebenso wie vorne, mit Leder ausgestattet sind. Natürlich schrumpft der Kofferraum arg zusammen, wenn diese in Benutzung sind. Aber hier können sogar Erwachsene Platz nehmen. Das kann man bei der Konkurrenz meist niemanden zumuten.
Testen wir also mal den Diesel, den Hyundai dem iX55 als einzige Motorisierung für Europa mit auf den Weg gegeben hat. Mit 239 PS sollte das immerhin knapp 2,3 Tonnen schwere Auto nicht untermotorisiert sein. Und dank des Drehmoments von 451 Newtonmetern geht es auch gleich ordentlich nach vorne. Der Antritt ist etwas träge, aber ab 1500 Umdrehungen pro Minute schiebt der iX55 dann doch gut in die Horizontale. Das Fahrwerk ist immer noch sehr komfortabel abgestimmt, auch wenn man ihm in Rüsselsheim die ganz große Weichheit abgewöhnt hat.
Harmonisches Miteinander
Das ist auch nicht weiter schlimm, denn dieser große Geländewagen ist sicher kein Sportsmann. Einen Sprint auf 100 km/h erledigt er in 10,4 Sekunden, was sich in der Realität noch ein bisschen länger anfühlt. Das Wandler-Automatikgetriebe schaltet dabei sanft, aber nicht unbedingt sehr schnell. Nach Zwischenspurts verhaspelt sich die Schaltung auch mal kurzzeitig. Dafür bleibt die Harmonie mit dem Drei-Liter-Diesel stets erhalten. Ein gut eingespieltes Pärchen, bei dem der Motor sich akustisch angenehm zurück hält. Bei 200 Stundenkilometern hat Hyundai übrigens eine Sperre eingebaut. Dafür nehmen die Windgeräusche bei höheren Geschwindigkeiten leicht überproportional zu.
Der kräftige Diesel schiebt das schwere Auto gut nach vorne. Der Verbrauch von gemessenen 10,4 Liter ist in Ordnung.
Was gut gefällt ist die intelligente Verteilung der Kraft des Antriebs auf die vier Räder. Im Normalfall treibt der Diesel nämlich nur die vordere Achse an, was dem Verbrauch des Fahrzeugs sehr entgegen kommt. Erst wenn eines der Räder die Haftung verliert schaltet die elektromagnetische Kupplung auch die Hinterachse hinzu. Das ist ein gutes System für die Straße, im Gelände wäre sowas aber eher schlecht. Aber dafür ist der iX55 auch wirklich nicht gemacht. Der Vorgänger Terracan war noch ein echter Geländegänger, aber die Bodenfreiheit von rund 20 Zentimetern – genaue Maße waren nicht zu finden – bringt den iX55 abseits befestigter Straßen schnell an die Grenzen.
Geboren zum cruisen
Daher machen wir nur einen kurzen Ausflug auf festgefrorene brandenburgische Äcker. Dort schlägt sich der iX55 durchaus beachtlich. Der Allradantrieb schaufelt das SUV im Schnee schnell wieder frei. Das tiefe Geläuft ersparen wir ihm aber und begeben uns wieder auf die Landstraße. Dort lässt es sich schön cruisen. Und das kann der iX55 richtig gut. Amerika lässt grüßen. Am Ende steht der Besuch der Tankstelle an. Wir messen einen Durchschnittsverbrauch von 10,5 Liter, was nur etwas mehr als ein Liter über dem angegebenen Normverbrauch liegt. Kein sehr guter, aber ein ordentlicher Wert für ein solch schweres Auto.
Der Hyundai iX55 ist ein gutes Angebot. Viel Ausstattung, ein relativ günstiger Preis und ein potenter Motor machen das Auto interessant.
Am Ende unseres Tagesausflugs kommen wir zu dem Schluss, dass der Hyundai iX55 ein recht solides Angebot ist. Preislich ist das Auto fast konkurrenzlos. Mehr SUV und vor allem Ausstattung gibt es kaum für weniger als 50.000 Euro. Dafür müssen Abstriche beim den Materialien im Innenraum hingenommen werden. Als Gegenleistung verwöhnt Hyundai seine Kundschaft mit so ziemlich allem, was die Sonderausstattungsliste so hergibt. Mit der eingeschränkten Geländefähigkeit steht der Koreaner in seiner Klasse wahrlich nicht alleine da. SUVs sind eben, streng genommen, keine Geländewagen. Im Gegensatz dazu bietet der iX55 viel Nutzwert in Form eines sehr großen Kofferraums, sieben vollwertigen Sitzen und reichlich Platz für bequemes Reisen. Erstaunlich, dass das die US-Kunden offensichtlich mehr zu schätzen. Denn dort wurde der Veracruz schon mehr als 25.000 mal verkauft. Von solchen Erfolgszahlen ist man in Europa noch meilenweit entfernt.
Datenblatt | Hyundai iX55 |
Abmessungen LxBxH | 4,84 / 1,97 / 1,80 m |
Leergewicht | 2302 kg |
Sitzplätze | 7 |
Ladevolumen | 598 l / 1746 l |
Tankinhalt | 78 Kilogramm |
Maximale Zuladung | 560 kg |
Anhängelast gebremst/ungebremst | 2500 / 750 kg |
Motor | 6-Zylinder Diesel-Motor |
Getriebe | 6-Gang Automatikgetriebe |
Leistung | 239 PS (176 kW) bei 3800 U/Min |
Kraftstoffart | Diesel |
Antrieb | Variabel Frontantrieb oder Allrad |
Höchstgeschwindigkeit | 200 km/h |
max. Drehmoment | 451 Nm zwischen 1750 und 3500 U/Min |
Beschleunigung 0 - 100 km/h | 10,4 sek |
Normverbrauch (Mittel/Innerorts/Außerorts) | 9,4 l /12,4l / 7,6l |
CO2-Emissionen | 249 g/km |
Grundpreis | 42.290 Euro |