Raus aus der Langweiler-Ecke: Der Prius hat im neuen Gewande an Attraktivität gewonnen.
(Foto: Markus Mechnich)
Montag, 22. Februar 2010
Praxistest Toyota Prius III: Unter Strom
Markus Mechnich
Bei all dem Rummel um Bremsen und Gaspedale wird gerne vergessen, dass Toyota grundsätzlich gute Autos baut. Dazu gehört sicherlich auch der Prius als Vorreiter der Hybridwelle. Wie sich dieser als Neuauflage in der Praxis schlägt, zeigt unser Test.Um es gleich vorweg zu nehmen: Unser Prius hat einwandfrei gebremst. Dass dies die aktuellste Frage zu dem Umweltengel des japanischen Herstellers ist, hat sich Toyota selbst eingebrockt. Bei dem Mangel handelt es sich um ein Softwareproblem mit dem ABS-System. Ein Update würde die Problematik in den Griff bekommen. Normalerweise hätten die Werkstätten das bei der Standardinspektion erledigt. Angesichts der Tatsache, dass Toyota derzeit immer mehr in die Ecke gedrängt wird, hat der Hersteller aber einen Rückruf gestartet.
Der Innenraum des Prius ist ungewöhnlich. Die Bedienung der zahlreichen Funktionen ist nicht immer unkompliziert.
So weit, so schlecht für Toyota. Der ganze Medienrummel sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Japaner stets sehr ordentliche Autos gebaut haben und immer noch bauen. Da macht auch die jüngste Generation des Prius keine Ausnahme. Mit der dritten Generation hat er eine Schönheitskur bekommen, die durchaus funktioniert. Der Prius ist deutlich hübscher geworden. Die aerodynamische Grundform ist geblieben, aber durch gezielte Retuschen an der Karosse hat das Fahrzeug mehr Kontur, ja mehr Charakter bekommen.
Vorreiter in Sachen Hybrid
Dass Toyota mit dem Prius bereits in die dritte Generation gegangen ist, ist der Beharrlichkeit des Managements zu verdanken. Schon 1997 zeigten die Japaner den ersten Prius. Damals und auch noch einige Jahre später wurde das Konzept stets als Hightech-Spinnerei aus Fernost belächelt. Erst mit dem Benzinpreisschock von 2008 und der anhaltenden Klimadiskussion begann ein Umdenken, und die Konkurrenz bringt nach und nach ihre eigenen Hybridfahrzeuge auf den Markt. VW präsentierte erst kürzlich im neuen Touareg seinen ersten Serien-Hybriden.
Darüber kann man bei Toyota nun müde lächeln. Dass der Prius bereits in seiner dritten Generation steckt, merkt man dem Auto durchaus an. Das Zusammenspiel zwischen Elektro- und Verbrennungsmotor ist ausgereift. Auch die Start-Stop-Automatik arbeitet einwandfrei. Und das Auto ist dabei nicht unbedingt eindimensional. Es kann sogar so etwas wie Fahrspaß vermitteln, wenn gewünscht. Der Prius passt daher nicht unbedingt in das Bild eines trägen Ökomobils. Wird das Gaspedal bearbeitet, dann sprintet er auch zügig durch Innenstädte oder nimmt rasant Schwung auf für die Langstrecke auf der Autobahn.
Eco oder Power?
Allerdings hat das Ganze Grenzen. Mit 142 Newtonmeter im Gepäck zeigt sich der Vortrieb endlich. Oberhalb der 140 Stundenkilometer bis zur Spitzengeschwindigkeit von 180 Stundenkilometer zieht es sich wie Kaugummi. Der Elektromotor unterstützt bei höheren Geschwindigkeiten nicht mehr. Die 99 PS des Verbrenners sind auf sich alleine gestellt und haben mit dem 1445 Kilogramm schweren Fahrzeug dann doch ihre Last.
Soweit der Eco-Modus. Dieser ist besonders sparsam und soll das Auto dem Normverbrauch von 3,9 Litern nahe bringen. Es geht aber auch anders mit dem Prius. Das Auto hat noch einen Power-Knopf. Dann bekommt der Japaner dauerhaft die volle Unterstützung des Elektromotors, was einen spürbaren Leistungsschub mit sich bringt. Auf der Autobahn sprintet der Prius jetzt knapp über die 190 Stundenkilometer, und auch in der Stadt und auf der Landstraße zieht er kräftig durch. Eine Wesensveränderung auf Knopfdruck, die durchaus ihre Reize hat.
Überzeugende innere Werte
Ein Sportler ist der Prius dennoch nicht, aber das stand auch nicht im Pflichtenheft. Vielmehr soll er ein familientaugliches Fahrzeug mit besonders niedrigem Verbrauch sein. Schauen wir uns also das Zahlenwerk dazu an. Mit einer Länge von 4,46 Meter überragt er einen VW Golf um stolze 26 Zentimeter. Dafür bietet er aber auch eine Menge Platz im Innern. Auf den vorderen beiden Sitzen kommen keine beklemmenden Gefühle auf, und auch hinten können Erwachsene bequem Platz nehmen. Selbst hinten in der Mitte würde man sich nicht scheuen, jemandem einen Platz anzubieten. Allerdings eher für kürzere Strecken. In der Summe aber kann der Prius sich vom subjektiven Raumangebot vorne und hinten ein Prädikat verdienen. Selbst vor Autos aus der Mittelklasse muss sich der grüne Japaner in dieser Disziplin nicht fürchten.
Das Heck ist immer noch sehr unübersichtlich. Parksensoren sind da eine Überlegung wert.
(Foto: Markus Mechnich)
Ähnliches lässt sich über das Volumen des Kofferraums sagen. 445 Liter sind es im Normalzustand, bis zu 1545 Liter bei umgeklappter Rückbank. Der große Bruder im Konzern, der Toyota Avensis Kombi, bietet im Vergleich dazu 543 Liter normal und 1609 umgeklappt. Respekt, das sind gut Werte, die freilich durch die Grundform als Fließheck begünstigt werden. Aber auch der Radstand von 2,70 Meter spielt eine Rolle. Denn der ist gleich groß wie beim Avensis. Eine Anhängelast ist dagegen nicht vorgesehen. Mit dem Prius muss der Hänger in der Garage bleiben.
LED auf Grau im Innenraum
In Sachen Verarbeitung gibt sich der Prius keine Blöße. Auch wenn Plastik das vorherrschende Material im Innenraum ist, wirkt das Ensemble um das Cockpit nicht billig. Die bunten, teils grellen Anzeigen der mittig platzierten Instrumente sind vielleicht nicht jedermanns Sache, aber jedenfalls mal etwas anderes. Immerhin kontrastieren sie schön mit dem Grau der Innenausstattung. Über das Lenkrad lassen sich dort mannigfaltige Informationen abrufen, die mal mehr und mal weniger spannend sind. Man wird es bei einem solchen Auto aber nur schwer lassen können, permanent den Energiekreislauf zu beobachten.
Neben dem Power- und dem Eco-Modus gibt es auch eine Einstellung für die rein elektrische Fahrt (EV). Laut Hersteller sollte es bis zu 45 km/h möglich sein, nur mit Strom zu fahren.
Die Technik des Fahrzeugs wurde mit der neuen Generation des Prius vollständig überarbeitet. Die Leistung ist von 113 auf 136 PS gestiegen, und die Kapazität der Batterie wurde ebenfalls angehoben. Beide Elemente sind allerdings in ihrem Umfang geschrumpft, was Platz im Motorraum schafft. Das stufenlose Planetengetriebe des Prius verrichtet unauffällig und zuverlässig seinen Dienst.
Souveränes Fahrwerk
Ebenso solide präsentiert sich das Fahrwerk des Autos. Angenehm straff, aber auch nicht zu sportlich, ist es dem Fahrzeug absolut angemessen. Auch bei flotterer Fahrt in Kurven lässt sich die Aufhängung des Prius nicht aus der Ruhe bringen und reagiert mit einem braven Untersteuern. Die Lenkung arbeitet präzise, wird aber bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn leicht gefühllos.
Kommen wir schließlich zum Verbrauch. Das soll ja die Paradedisziplin des Autos sein. Die 3,9 Liter Normverbrauch sind allerdings kaum zu erreichen. Bei zurückhaltender Fahrweise und eingeschaltetem Eco-Modus ließ sich der Prius zu einem Konsum von 4,6 Litern bewegen. Der Anteil an Landstraße war dabei hoch, der Stadtanteil betrug rund 40 Prozent und Autobahn weniger als zehn Prozent. Das ist dennoch sehr ordentlich für ein Fahrzeug dieser Größe.
Geringer Verbrauch, sportlicher Preis
Der zweite Durchgang war dagegen von langen Autobahnfahrten geprägt. Und das nicht im Öko-Modus. Dabei genehmigte er sich 7,6 Liter auf 100 Kilometer. Bei höheren Geschwindigkeiten stieg der Verbrauch schon mal auf 8,7 Liter, Baustellen und ein Anteil von 15 Prozent Landstraße und Stadt bremsten den Konsum wieder etwas ein. Auch hier gibt es keinen Grund zu klagen. Welcher Benziner schafft schon einen solchen Verbrauch beim Galopp über den Highway? Die Werte sind zwar nicht die Traumzahlen, die Toyota auf der EU-Runde ermittelt hat, aber als Ergebnisse der Praxis sind sie durchaus beachtlich.
Ein Sparmobil mit Familienqualitäten ist der Prius auf jeden Fall. Allerdings ist er kein Schnäppchen.
(Foto: Markus Mechnich)
Die Spritersparnis an der Tankstelle ist auch notwendig, denn der Prius ist kein Schnäppchen. 25.450 Euro manifestieren einen Grundpreis, der ihn über das Preisniveau normaler Kompaktwagen hebt. Durch eine umfangreiche Grundausstattung ist er aber auch nicht überteuert. Serienmäßig gibt es MP3-Radio, Head-up-Display oder das schlüssellose Zugangssystem. Für 1300 Euro bringt die Ausstattung "Life" noch 17 Zoll Leichtmetallräder, ein Lederlenkrad und Tempomat mit. Das Navigationssystem gibt es ab 2000 Euro, und Parksensoren vorne wie hinten schlagen mit 620 Euro zu Buche. Letztere sind wirklich eine Empfehlung, denn der Prius ist unübersichtlich. Ein besonderes Stück Sonderausstattung ist das Solarschiebedach, das im Sommer den Innenraum belüftet. So sind auch 30.000 Euro keinesfalls unerreichbar.
Sparmeister mit Nutzwert
Unser Fazit fällt zum neuen Toyota Prius fällt in der Summe positiv aus. Der kann schon richtig sparen, wenn man ihn entsprechend bewegt. Auch wenn der Normverbrauch nicht zu erreichen war, kann man dem Auto dennoch einen Titel als Sparmeister verleihen. Vor allem, weil es sich beim Prius um ein vollwertiges Auto handelt. Er bietet Platz und Komfort wie ein Mittelklassefahrzeug, hat jedoch den Verbrauch eines Kleinwagens. Aber er ist eben auch Geschmackssache.
Das Interieur mit seiner digitalen Überwucherung ist sicher nicht jedermanns Sache. Aber es entspricht irgendwo ein Stück weit dem Zeitgeist. Vielleicht gibt es ja irgendwann auch die Generation Prius, die sich an der Spitze der ökologisch vernünftigen Mobilität setzen konnte. Wer weiß? Auf jeden Fall wird schon in wenigen Wochen kaum jemand mehr über die Bremsen des Prius reden. Da hat das Auto jedenfalls wesentlich interessantere Dinge zu bieten.
Datenblatt | |
Abmessungen LxBxH | 4,46 / 1,75 / 1,49 Meter |
Leergewicht | 1445 kg |
Sitzplätze | 5 |
Ladevolumen | 445 bis 1545 Liter |
Maximale Zuladung | 310 bis 360 kg |
max. Anhängelast | -- |
Motor | Reihen-Vierzylinder |
Antrieb und Getriebe | Frontantrieb, |
max. Leistung | 136 PS (100 kW) bei 5200 U/Min |
Kraftstoffart | Super-Benzin |
Tankinhalt | 45 Liter |
Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
max. Drehmoment | 142 Newtonmeter bei 4000 U/Min |
Beschleunigung 0 - 100 km/h | 10,4 Sekunden |
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Kombiniert)Testverbrauch | 4,1/3,7/3,9 Liter
|
CO2-Emissionen | 89 Gramm pro Kilometer |
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette | EURO 5 / Grün |
Grundpreis | 25.450 Euro |
