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Außer Benzin- und Dieselmotoren gibt es auch eine Erdgas-Variante.
Außer Benzin- und Dieselmotoren gibt es auch eine Erdgas-Variante.(Foto: Axel F. Busse)

Praxistest Zafira 2.0 CDTi: Vielseitigkeit kommt auf Touren

Von Axel F. Busse

Wie schlechte Unternehmens-Nachrichten die Produkte in Mitleidenschaft ziehen können, dafür ist Opel ein Lehrbeispiel. Nicht, dass die Rüsselsheimer schlechte Autos bauten, aber die Kunden halten sich dennoch zurück. Schade, denn der Zafira Tourer gehört zu den besten Vans seines Segments, wie der Praxistest zeigte.

Hinter der großen Klappe sind rund 1800 Liter Laderaum zu füllen.
Hinter der großen Klappe sind rund 1800 Liter Laderaum zu füllen.(Foto: Axel F. Busse)

Seit Anfang dieses Jahres leistet sich Opel den Luxus, seinen Kompakt-Van Zafira in zwei Versionen anzubieten. Zum identischen Startpreis von 22.950 Euro gibt es den Zafiara Family und den Tourer, der an einem moderneren Design, 53 Millimeter mehr Radstand und 190 Millimeter mehr Außenlänge zu erkennen ist.

Für diesen Test stand ein Modell mit Zweiliter-Dieselmotor zur Verfügung, der 165 PS leistet. Es ist die stärkste Variante von dreien, der Motor ist ebenfalls mit 130 oder 110 PS zu haben. Die Preisspanne beträgt etwa 3400 Euro. Wer es schafft, den Wagen in der Nähe des Normverbrauchs zu bewegen, kann mit dem Zafira Touren mehr als 1000 Kilometer mit einer Tankfüllung zurücklegen.

Augen auf beim Reifenkauf

Das schaffte dieser Testwagen nicht ganz, aber auch ein Praxisverbrauch von 6,1 Litern ist nicht schlecht, zumal auf der Langstrecke die Tachonadel auch mal an die Ziffer "200" getrieben wurde. Mit 350 Newtonmetern Drehmoment wirken enorme Kräfte auf die Vorderachse. Da sind Antriebseinflüsse in der Lenkung nicht immer auszuschließen und beim kräftigen Beschleunigen tritt auch schon mal die Traktionskontrolle in Aktion.

Die Panoramascheibe schafft einen hellen Innenraum.
Die Panoramascheibe schafft einen hellen Innenraum.(Foto: Axel F. Busse)

Die Reifen spielen bei diesem Vorgang eine nicht unwesentliche Rolle. Die am Testfahrzeug montieren 235er Pneus (18 Zoll) der Marke Bridgestone Potenza sind insbesondere in den unteren Gängen und bei Nässe nicht immer in der Lage, den zur verlustfreien Kraftentfaltung nötigen Grip sicherzustellen. Der Fünftürer liegt gut auf der Straße, die Fahrgeräusche sind bis nahe 140 km/h minimal, bei höheren Drehzahlen spürt man den Sound des Selbstzünders deutlicher – ein Manko, das eine Reihe von Opel-Dieselaggregaten betrifft.

Die Lenkung reagiert mit der nötigen Feinfühligkeit, die hohe und aufrechte Sitzposition erlaubt entspanntes Fahren mit guter Übersicht über das Verkehrsgeschehen. Das Getriebe ist leichtgängig und präzise, die Wege der Gangwechsel kurz. Es herrscht die gewohnte Übersichtlichkeit, nur die Mittelkonsole verdient bei der nächsten Modellpflege etwas Entschlackung: So ein gewaltiges Aufgebot an Tasten und Knöpfen braucht es heute nicht mehr, um technische Kompetenz zu vermitteln.

Viel Platz für Kleinzeug

Die bumerangförmigen Scheinwerfer erinnern an den Opel Ampera.
Die bumerangförmigen Scheinwerfer erinnern an den Opel Ampera.(Foto: Axel F. Busse)

Nach dem Platz nehmen stellt sich sofort Wohlfühlatmosphäre ein. Die dynamische Außenansicht, die von den bumerangförmigen Scheinwerfergläsern bestimmt wird,  setzt sich im Innenraum fort. Mit einer markanten Mittelkonsole werden nicht nur die Frontsitze getrennt – das in drei Ebenen vollständig neu gestaltete Element entpuppt sich auch als vielseitiges Stauwunder. Bis zu 30 Verstaumöglichkeiten finden sich insgesamt im Innenraum. Die vielfältige Beweglichkeit der Boxen und Klappen kann sich aber auch als Nachteil herausstellen – als Quelle von Klappergeräuschen bei Fahrt auf unebener Strecke.

In Verbindung mit der riesigen Panoramafrontscheibe genießen Fahrer und Beifahrer eine beispiellose Rundumsicht – die durch die geteilte A-Säule nur minimal eingeschränkt wird. Nur von innen putzen möchte man das riesige Glasstück nicht. Wird die Sonneneinstrahlung zu heftig, kann man den Blendschutz wie eine über die ganze Dachbreite gehende Markise herunterziehen. Ist sie in Ruhestellung, achte man darauf, dass sie ganz zurückgeschoben und eingerastet ist, denn auch hier drohen – wie der Testwagen lautstark belegte – Klappergeräusche.

Je nach Bedarf kann man den Zafira als Fünf- oder Siebensitzer bestellen.
Je nach Bedarf kann man den Zafira als Fünf- oder Siebensitzer bestellen.(Foto: Axel F. Busse)

Die Innenarchitektur des Zafira ist von hoher Funktionalität. Das hat von Anfang an seinen Erfolg ausgemacht. Einen beachtlichen Teil der zusätzlichen Fahrzeuglänge hat Opel in den Innenraum gesteckt. Der verlängerte  Radstand kommt den Passagieren in der zweiten Sitzreihe zugute. Sie können sich über üppige Beinfreiheit freuen. Die Variabilität des als Fünf- und Siebensitzers angebotenen Vans ist legendär. In weniger als einer Minute lassen sich die hinteren Sitze komplett versenken, so dass ein maximales Ladevolumen von 1860 Litern (5-Sitzer) erreicht wird. Die Plätze sechs und sieben bieten allerdings nicht das Bequemlichkeitsniveau wie die vorderen Reihen, Erwachsene sollten sie nur auf Kurzstrecken nutzen. Die Ladefläche ist fast 1,85 Meter tief, die Ladeöffnung misst am unteren Rand 1,06 Meter, oben sogar 1,12 Meter. Die Klappe schwingt bis in 1,85 Meter Höhe auf und die Ladekante hat eine bequeme Höhe von nur 62 Zentimetern.

Aufrüstung in Richtung Oberklasse

Mit dem optionalen "Lounge-System" hat Opel die zweite Sitzreihe ordentlich durchlüftet: Statt einer Bank gibt es nun drei Einzelsitze, von denen sich der mittlere zu Armlehnen für die Außensitze umgestalten lässt. Im Zusammenspiel mit den um 280 Millimetern in der Länge und 50 Millimetern seitlich verschiebbaren Außensitzen lässt sich ein beachtlicher Sitzkomfort erreichen. Mit dem vollständig in der Stoßstange versenkbaren Flexfix-Trägersystem lassen sich bis zu vier Fahrräder transportieren, und das ohne Anhängerkupplung.

Neben einer soliden Basisausstattung lässt sich der Zafira Tourer je nach Ausstattungspaket auch in punkto Sicherheit in Richtung Oberklasse aufrüsten. Frontkamera, Frontradar und Ultraschall-Sensoren liefern eine Vielzahl von Daten, die aktiv zur Unterstützung des Fahrers genutzt werden. Die adaptive Geschwindigkeitsregelung ist nur in Verbindung mit dem Automatik-Getriebe wirklich ein Gewinn, denn das automatische Abbremsen hinter langsameren Fahrzeugen macht häufiges Schalten nötig, was wiederum den Tempomat außer Kraft setzt. Die Schwäche des Druck-Drehrings am Navigationsgerät ist inzwischen auch bei Opel bekannt, schwerer wog bei dieser Testfahrt jedoch, dass das zum Einsatz kommende Kartenwerk nicht dem sonstigen Standard des Autos entsprach: Das Fehlen von (befestigten) Nebenstraßen in bestimmten Maßstäben und wichtigen POIs schmälern den positiven Gesamteindruck.

Fazit: Wer sperriges Sportgerät oder eine große Familie hat, ist mit dem Zafira Tourer bestens bedient. Vielseitigkeit, ordentliche Qualität und ein immer noch solider Wiederverkaufswert verbucht der Zafira auf der Habenseite. Er weiß mit einem guten Preis-Leistungsangebot zu beeindrucken, partielle Schwächen sind verzeihlich. Der wirtschaftlichere Diesel ist bekanntlich in der Anschaffung immer etwas teurer. Wer das Auto weniger fährt und nur für die Freizeit nutzt, kann sich deshalb auch guten Gewissens für Erdgas-Variante entscheiden.

 

DATENBLATTOpel Zafira Tourer 2.0 CDTi
Abmessungen (Länge, Breite, Höhe)4,66/1,93/1,68 m
Leergewicht (DIN)1733 kg
Sitzplätze7
Ladevolumen1521 - 1792 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/Hubraum4-Zylinder Diesel-Motor, quer eingebaut mit 1956 ccm Hubraum
GetriebeSechsgang-Schaltgetriebe
Leistung165 PS (121kW) bei 4000 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit208 km/h
max. Drehmoment350 Nm bei 1750 - 2500 U/min
Tankinhalt58 l
Beschleunigung 0-100 km/h9,8 s
Normverbrauch (kombiniert)5,2 l
Testverbrauch6,1 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
137 g/km
Grundpreis33.505,00 Euro
Preis des Testwagens41.920,00 Euro

Quelle: n-tv.de

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