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Unter der langgestreckten Motorhaube des V40 befindet sich nicht nur der Motor, sondern auch ein Fußgängerairbag.
Unter der langgestreckten Motorhaube des V40 befindet sich nicht nur der Motor, sondern auch ein Fußgängerairbag.(Foto: Holger Preiss)

V40: schick, sicher, kein Schnäppchen: Schwede für Generation iPhone

Von Holger Preiss

Seit dem Sommer rollt der Individualist in der Kompaktklasse auf deutschen Straßen. Der neue Volvo V40 hat nichts mehr mit seinem Vorgänger gemein. Er ist schön, hat eine durchdachte Bedienung und eine ganze Armada an Sicherheitssystemen an Bord. Irgendwie ist er wie die Generation iPhone.

Hochwertig und elegant präsentiert sich der Innenraum des V40.
Hochwertig und elegant präsentiert sich der Innenraum des V40.(Foto: Holger Preiss)

Wer an einen Volvo V40 denkt, muss sich in Zukunft von der Idee eines Kombi verabschieden. Während das Modell ab 1996 den Einstieg in die Riege der Transportfreunde schwedischer Couleur bildete, steht er heute als dynamischer Kompakter da, der gegen die neue A-Klasse ebenso antritt wie gegen einen Audi A3 oder den 1er BMW. Und die Chancen stehen gar nicht schlecht, dass die Wikinger mit ihrem nunmehr kleinsten Modell, nach dem Produktionsende des C30, gegen die Premium-Konkurrenz wieder Boden gutmachen können. Denn eins ist mal Fakt: Premium ist auch der jüngste Schwede in jedem Detail. Angefangen von der inzwischen Volvo-typischen Formensprache, über die handschmeichelnden Materialien bis hin zu den Sitzen, die in ihrer wohlgeformten Art einen außergewöhnlichen Komfort bieten. Doch der Reihe nach.

Dynamischer Auftritt - kerniger Sound

Ein wirklich schönes Hinterteil.
Ein wirklich schönes Hinterteil.(Foto: Holger Preiss)

Während der alte V40 durch praktische Schlichtheit glänzte, erfreut sein Nachfolger durch extrem dynamische Linien. In der Seitenansicht entzückt die stark ansteigende Schulterlinie und die im Gegensatz leicht abfallende Dachlinie ebenso wie die 18-Zoll-Leichtmetallfelgen mit dem unverständlichen, aber hübschen Namen Taranis, die den Testwagen aber gleich 850 Euro teurer machen. In der Front flankieren tropfenförmige Scheinwerfer den Hexagonalgrill mit dem Volvo-Logo. Und das Heck erst. Ja, der Hintern des V40 mit seinen kühn in die Kotflügel geschwungenen und steil an der C-Säule ansteigenden Rückleuchten ist ein echter Hingucker. Die in den Stoßfängern platzierten Reflektoren dynamisieren den Bug und die zwei Endrohre des D4 wollen sagen: Ich kann, wenn ich will!

Das Herz des Testwagens ist ein Reihenfünfzylinder mit 177 PS.
Das Herz des Testwagens ist ein Reihenfünfzylinder mit 177 PS.(Foto: Holger Preiss)

Und tatsächlich ist das nicht gelogen. Unter der Haube des kraftgespannten Schweden schlägt ein starkes Herz. Ein Reihenfünfzylinder mit zwei Liter Hubraum und 177 PS verrichtet mit einem kernigen Sound nach dem Druck auf den Start-Stopp-Knopf im Testwagen seine Arbeit und erfreut bei jedem Gasstoß das Herz des Piloten. So flink die Sechsgang-Automatik werkelt, die es für 1800 Euro Aufpreis gibt, so deutlich gibt das Triebwerk zu verstehen, dass es gerne seine ganze Leistung entfalten möchte. Bereits ab 1750/min werden 400 Newtonmeter auf die Achse gewuchtet. Wenn es dann zum Kick-down kommt, beschleunigt der Schwede in 8,3 Sekunden auf Tempo 100 und kernig knurrend, ohne dabei laut und lästig zu werden, treibt er den Kompakten bis an die 215 km/h-Marke. Das freut auf freier Strecke den Fahrer, die Mitreisenden nicht immer.

Polster zum Kuscheln

Der Arbeitsplatz des Piloten: aufgeräumt und schick.
Der Arbeitsplatz des Piloten: aufgeräumt und schick.(Foto: Holger Preiss)

Die dürfen sich aber in das wohl bequemste Gestühl kuscheln, das derzeit in der Kompaktklasse zu haben ist, und dabei im Testwagen durch ein Panoramadach (1150 Euro) in die vorbeijagenden Wolken schauen. In der höchsten Ausstattungslinie Summum sind die Sitzpolster mit feinstem Nappa bespannt und wurden im Test-Volvo zusätzlich für 310 Euro mit einer dreistufigen Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer aufgerüstet. Wer die Sitzgelegenheiten auch noch elektrisch bewegen möchte, der muss weitere 1250 Euro berappen. So bequem sich die Polster geben, so elegant und hochwertig ist der Innenraum. Weich geschäumte und fein strukturierte Plastik erfreut Tastsinn und Auge gleichermaßen. Und auch die Schalter am Lenkrad sind fein getrennt und logisch angeordnet. Fehlerhaftes Tippen oder Drehen ist hier schier unmöglich.

Ein besonderes Feature bietet das interaktive Armaturenbrett. Drei Display-Varianten kann der Fahrer wählen. Elegance: Hier strahlen der digitale Tacho und dessen Umgebung in einem hellen Braun. Eco lässt die Anzeige in einem leichten Blau schimmern und Performance umrahmt alles in einem feurigen Rot. Wobei statt der herkömmlichen Tachonadel jetzt die Geschwindigkeit in großen Zahlen in der Mitte prangt. Das muss man mögen, aber als Spielerei ist es eine nette Beigabe. Neben dem Geschwindigkeitsanzeiger finden sich die Tankanzeige und der Drehzahlmesser, der wie ein Höhenmeter im Flugzeug horizontal arbeitet.

In feurigen Rot erstrahlt die Tachoanzeige in der Einstellung Performance.
In feurigen Rot erstrahlt die Tachoanzeige in der Einstellung Performance.

Die "frei schwebende" Mittelkonsole kennen wir bereits aus dem V60. Sie schimmert im Testwagen in dunkel gebürsteter Aluminium-Optik und beherbergt die Dreh- und Drucksteller zur Bedienung von Multimediaeinheit, Navigationssystem, Zwei-Zonen-Klimaautomatik und den Schalter für die Start-Stopp-Automatik, den Driver Alert, den Spurhalteassistenten und den Park-Assistenten. Dessen Anschaffung für 660 Euro ist allerdings fragwürdig. Denn der spricht erst an, wenn die Parklücke so groß ist, dass sogar ein Fahranfänger ein Fahrzeug wie den V40 mit 4,37 Metern Länge spielend in das Loch wuchten kann. Außerdem gibt es in der Ausstattungslinie Summum eine Rückfahrkamera gratis.

Sicherheits-Armada kann nerven

Für Erwachsene geht es auch auf der Rückbank bequem zu. Kinder treffen zielsicher die Rückenlehne der Vordersitze.
Für Erwachsene geht es auch auf der Rückbank bequem zu. Kinder treffen zielsicher die Rückenlehne der Vordersitze.(Foto: Holger Preiss)

Angemerkt sei hier, dass die gesamte Armada an Sicherheitshelferlein, bestehend aus Geschwindigkeits- und Abstandsregler, Bremsassistent, Totwinkelwarner, Verkehrszeichenerkennung und Fernlicht-Assisent im Bündel, und nur so kann es gebucht werden, 1980 Euro Aufpreis kostet. Auf Autobahnen oder langen Überlandfahrten sind sie nicht nur nützlich, sondern entspannen das Fahren ungemein. Im Stadtverkehr hingegen ist man gewillt, einige der Warneinheiten schnell abzuschalten, denn egal wie eingestellt, brüllt einen pausenlos der Abstandswarner an und erschrickt den konzentrierten Fahrer, der gerade versucht, seinen schicken Volvo durch den Großstadtdschungel zu bugsieren und auch der Spurhalteassistent kann hier nerven.

Wenn dann aber das große Gepiepe auf Knopfdruck verstummt, erfreut auch die Fahrt durch die Stadt. Zum einen liegt der Verbrauch mit 6,4 Litern unter den vom Hersteller angegebenen 6,9 Litern Diesel und zum anderen brilliert das Fahrwerk durch angenehmen Komfort. Zwar poltert der Schwede durch das eine oder andere innerstädtische Schlagloch, aber wirklich unangenehm fällt das nicht auf. Denn im Gesamteindruck liegt der D4 angenehm satt auf der Straße. Erst bei extrem engen Kurven schiebt der V40 etwas über die Vorderräder und neigt sich spürbar zur Seite. Aber um diesen Zustand zu erreichen, muss man schon weit außerhalb des Gesetzes entsprechende Kurven nehmen. Sonst gibt sich das Fahrwerk angenehm sportlich und unterstreicht noch einmal den dynamischen Außenauftritt. Doch noch mal zurück zum Verbrauch. Im Drittelmix gibt Volvo den mit 5,2 Liter an. Wie aber zu erwarten, ist dieser Wert im Test nicht zu verifizieren. Es sind 7,3 Liter, die der Selbstzünder auf 100 Kilometer verlangt. Das scheint viel, aber angesichts der winterlichen Temperaturen und einem täglichen Wechsel von Autobahn- und Stadtfahrten geht dieser Wert in Ordnung.

Schmalhans ist Küchenmeister

335 Liter Kofferraumvolumen sind nicht viel.
335 Liter Kofferraumvolumen sind nicht viel.(Foto: Holger Preiss)

Doch wie sieht es jetzt mit dem Platzangebot des Schweden aus? Schließlich war der Vorgänger ein Kombi. Nun, nicht wirklich üppig. Im Kofferraum verschwinden lediglich 335 Liter, und wenn der variable Gepäckraumboden für 100 Euro geordert wird, wird es noch enger. Mit umgelegter Rückbank kann der Laderaum dann auch nur auf 1032 Liter erweitert werden. Transportambitionen sollten Käufer eines V40 also nicht mehr haben. Wenn Volvo, dann sollte hier auf den V60 ausgewichen werden. Die Passagiere hingegen können sich über mangelnden Platz nicht beklagen. Vorn wie auch hinten finden Erwachsene bis zu einer Körpergröße von 1,85 Meter bequem Platz.

Anders, wenn Kinder im Fond transportiert werden. Durch die Sitzposition im Kindersitz stoßen die Füße schnell an die Rückenlehne. Volvo bietet hier für 39 Euro einen Strampelschutz, der vermeidet, dass schmutzige Schuhe an der Rücklehne abgewischt werden, und wer will, kann für 395 Euro die Volvo-eigenen Kindersitze bestellen. Eine Familienkutsche wird der Schwede so aber auch nicht. Will er auch gar nicht sein. Vielmehr will er denen gefallen, die ein Auto suchen, das nicht jeder fährt. Das elegant und schick ist. Es soll die ansprechen, die den Bedienkomfort und die Vielfältigkeit eines Smartphones ebenso schätzen wie die Möglichkeit, es im Auto prolemlos zu nutzen, weil USB-Anschluss und Bluetooth ebenso verfügbar sind wie ein AUX-Eingang.

Fazit: Der Volvo V40 ist mit Sicherheit ein Auto für die Generation iPhone: schick, extrem sicher und kein Schnäppchen. Preislich bewegt er sich selbstbewusst auf dem Niveau der deutschen Edel-Mitbewerber. Aber warum auch nicht? Wer beim Platzangebot keine allzu hohen Ansprüche hat und beim Geld nicht knausern muss, fährt mit diesem Volvo ganz bestimmt nicht schlecht.

DATENBLATTVolvo V40 D4 Geartronic Summum
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,37/ 1,80/ 1,42 m
Radstand2,64 m
Leergewicht (DIN)1597 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen333 Liter/ 1032 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/Hubraum2,0-Liter Reihenfünfzylinder
Getriebe6-Gang-Automatikgetriebe mit Geartronic Funktion
Leistung177PS (130 kW) bei 3500 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit215 km/h
max. Drehmoment400 Nm bei 1750 bis 2750 U/min
Tankinhalt60 l
Beschleunigung 0-100 km/h8,3 s
Normverbrauch (innerorts/außerorts/kombiniert)6,9/ 4,3/ 5,2
Testverbrauch7,3 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
136 g/km
Grundpreis33.080 Euro
Preis des Testwagens46.780 Euro

Quelle: n-tv.de

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