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Der XC60 war so etwas wie das erste Gelände-Coupé, das sich überhaupt auf dem Markt tummelte.
Der XC60 war so etwas wie das erste Gelände-Coupé, das sich überhaupt auf dem Markt tummelte.

Alter Schwede: Volvo XC60 – Der Coupé-Kraxler

Von Holger Preiss

Das Bild von Volvo wurde über die Jahre doch etwas verwässert. Doch was die Schweden schon immer auszeichnet, sind Attribute wie Sicherheit und Sportlichkeit. Nicht zuletzt mit dem XC60 haben sie nun noch eins hinzugefügt: die Eleganz. Doch kann der Crossover auch 2012 noch überzeugen?

Auch von hinten macht der XC60 eine gute Figur.
Auch von hinten macht der XC60 eine gute Figur.

Seit 2008 ist der Volvo XC60 fest im Straßenbild verankert. Er machte im Blockbuster "Twilight" eine gute Figur als Begleiter des Vampirs Edward Cullen (Robert Pattinson) und wurde noch im Jahr 2011 zum "Allradauto des Jahres" gewählt. Gott sei Dank, denn das Überleben der Schweden stand im Zuge der Wirtschaftskrise 2009 auf Messers Schneide. Vom Mutterhaus Ford verstoßen, musste Volvo eine Liaison mit dem chinesischen Geely-Konzern eingehen. Wie gewinnbringend das für die Zukunft sein wird, muss sich noch zeigen, aber in jedem Fall ist die Traditionsmarke bis auf Weiteres gesichert. Und so steht Volvo heute - wenn auch die Wahrnehmung dafür erst wieder geschärft werden muss - für Sportlichkeit, Sicherheit und Eleganz, kurzum Premium.

Seinerzeit gehörten die Schweden zu den Ersten, die einem SUV neben optischer Robustheit auch eine coupéhafte Linie verpassten. Doch Volvo muss aufpassen, die Mitbewerber rücken mit ähnlichen Modellen nach. Nichtsdestotrotz wartet der XC60 heute noch mit Attributen auf, die ihn berechtigterweise zu einer der interessantesten Kombinationen aus Offroader und Sportcoupé machen. Die hochgelegte und eigenständige Karosserie überzeugt und die typische Horbury-Schulter, benannt nach dem Designer Peter Horbury, ist so gelungen, dass sie auch vier Jahre nach der Markteinführung ein visuelles Kleinod ist. Der klassische Volvo-Grill weist das SUV als echten Schweden aus und die scharfe Tornadolinie kaschiert die hohe Schulter und unterstreicht die Dynamik.

Assistenten, wohin das Auge nicht schaut

Am Spoiler - optisch nicht wirklich kaschiert - finden sich Kamera und Abstandswarner.
Am Spoiler - optisch nicht wirklich kaschiert - finden sich Kamera und Abstandswarner.

Da Sicherheit bei Volvo großgeschrieben wird, ist der Testwagen ein D5 AWD in der Ausstattungslinie Summum natürlich bis unter die Dachkante vollgestopft mit Assistenzsystemen. Neben Einparkhilfe und Tempomat klingeln, bimmeln und blinken Notbremsassistent, Spurhalteassistent, Abstandswarner und der Totwinkelassistent, wenn Vorwegfahrende gefährlich nahe kommen oder sich Verkehrsteilnehmer heimlich von der Seite oder hinten nähern. Das alles ist verpackt im Fahrassistenz-Paket für zusätzlich 1950 Euro und im Sicherheits-Komfortpaket für 1200 Euro. Im Stadtverkehr kann diese Sicherheits-Omnipräsenz schon mal so nerven, dass der Fahrer Teile der Warnsysteme deaktiviert.

Wer aber auf der Autobahn gepflegt dahingleiten möchte, kann die Assistenten getrost ihre Arbeit verrichten lassen. Abstände, Tempo und Bremsvorgänge werden selbsttätig durch die Elektronik verwaltet und entspannen den Fahrer ungemein. Die einzige Notwendigkeit, die bleibt, ist, das Lenkrad fest in der Hand zu halten.

Der Kofferraum bietet bei aufrechter Rückenlehne 495 Liter Stauraum.
Der Kofferraum bietet bei aufrechter Rückenlehne 495 Liter Stauraum.

Das wiederum schmeichelt, mit weichem Nappa überzogen, den Handinnenflächen. Mit ebensolchem Leder sind auch die Sitzpolster überzogen. Allerdings stellt sich schon bei der Nutzung im Test die Frage, ob es wirklich die helle Variante sein muss, da, wer mit Bluejeans ins Gefährt steigt, nach kurzer Zeit deutliche Spuren auf dem feinen Gestühl hinterlässt. Dank ergonomischer Formung schonen die Polster aber den Rücken, bieten eine sehr gute Oberschenkelauflage und sorgen auch in schnell gefahrenen Kurven für extrem guten Seitenhalt.

Standhaft auf allen Wegen

Apropos Kurvenhatz: Die lässt sich mit dem XC60 erstaunlich gut bewerkstelligen, denn der Volvo zeigt kaum Seitenneigung. Sollte es dennoch brenzlig werden, greift das ESP im rechten Moment zu. Längs- und Querfugen interessieren das SUV wenig und auch auf Kopfsteinpflaster gibt das Fahrwerk kaum Informationen über die Beschaffenheit der Straße an die Insassen weiter. Selbst auf unwirtlichen Feldwegen bleibt der XC60 standhaft und schaukelt sich nicht auf wie einige seiner SUV-Kollegen. Insgesamt gibt er sich für einen Crossover erstaunlich agil.

Auch auf holperigen Feldwegen bewahrt der XC60 die Form.
Auch auf holperigen Feldwegen bewahrt der XC60 die Form.

Wer will, kann die Fahreigenschaften mit der Fahrdynamikregelung auf Knopfdruck noch verfeinern. Zur Auswahl stehen Comfort, Sport und Advanced. Letztes ist – wie der Name schon sagt - der Modus für Fortgeschrittene und sollte nur auf wirklich ebener Fahrbahn benutzt werden, denn er ist eher etwas für passionierte Rennfahrer. Das Fahrwerk wird dann nämlich so weit abgesenkt, das es deutlich an Komfort verliert und arge Bodenwellen kaum noch vom Chassis fernhalten kann.

Bei 205 km/h ist Schluss mit lustig

Ansonsten taugt der XC60 nicht nur als elegantes Showcar in der Stadt, als Cruser auf der Landstraße oder Rennmaschine auf der Autobahn, sondern erweist sich im Test auch als wahrer Packesel. Der Kofferraum fasst ordentliche 495 Liter. Bei komplett umgelegter Rückbank wächst er über 1600 Liter an und verschlingt im Notfall sogar eine Couch. Nein, die elektrische Heckklappe schließt dann nicht mehr. Aber der 2,4-Liter-Fünfzylinder mit seinen 215 PS treibt den ohnehin zwei Tonnen schweren Kraxler auch unter Volllast unter sonorem Brummen ordentlich voran.

Hebt man die Haube, ist vom 2,4-Liter-Fünfzylinder nicht viel zu sehen.
Hebt man die Haube, ist vom 2,4-Liter-Fünfzylinder nicht viel zu sehen.

Die 420 Nm werden beim Allradler, der sich durch das Kürzel AWD auszeichnet, gleichmäßig auf alle vier Räder gepresst und lassen den Schweden in 8,5 Sekunden an die 100 km/h-Marke sprinten; auch die doppelte Geschwindigkeit ist kein Problem. Bei 205 km/h ist dann Schluss mit lustig. Hier wünschte sich der Sportfreund ein offenes Ende, denn die ärgsten Konkurrenten zeigen dem XC60-Fahrer an dieser Stelle bösartig grinsend ihre Rücklichter. Den Normverbrauch gibt Volvo für den "dicken" Diesel mit 6,8 Litern an. Ganz so sparsam zeigte sich das Aggregat dann aber doch nicht. Im Mix saugte der Selbstzünder 9,2 Liter auf 100 Kilometer aus dem Tank.

Schluss mit der Infotainment-Mär

In anderen Punkten braucht der Schwede sich nicht vor den Mitbewerbern zu fürchten. Die Verarbeitung ist exzellent. Die "frei schwebende" und leicht zum Fahrer geneigte Mittelkonsole ist eingebettet in hochwertige Plastik; fein gesäumt von einer Chromkante, schmeichelt das Ambiente dem Auge und verwöhnt die Hände. Die Informationsinstrumente sind gut einzusehen und ebenso gut zu erreichen.

Der Arbeitsplatz des Fahrers ist hochwertig und übersichtlich.
Der Arbeitsplatz des Fahrers ist hochwertig und übersichtlich.

An dieser Stelle soll auch mit einer Mär aufgeräumt werden. Volvo wird oft unterstellt, dass die Bedienung des Infotainment-Systems alles andere als intuitiv sei und ein intensives Studium des Handbuches erfordert. Das ist Unsinn. Die Menüführung erfolgt über die zwei Hauptregler, die dreifach belegt sind. Druck oben und unten und eine Drehbewegung sind zur Steuerung nötig. Das ist nicht komplizierter als bei Audi, Mercedes oder BMW. Das Einzige, was sich hier unterstellen ließe, ist der Umstand, dass es spleenig ist. Aber das ist in Ordnung und die logische Fortsetzung der Motorisierung. Oder wer baut heute noch Fünfzylinder?

Kommen wir zum Preis. Für einen D5 werden in der Grundausstattung 40.580 Euro aufgerufen. Wie so oft ist hier aber ordentlich Luft nach oben. Denn eigentlich gibt es nichts, was es nicht gibt: Dachhimmel und Türsäulen in Anthrazit mit Lederpolsterung (2000 Euro) - sieht ausgesprochen schick aus -, Audiopaket mit Bluetooth, MP3 und DVD (1150 Euro). Wer digital fernsehen will, muss weiter 890 Euro bereitlegen. Die 20-Zöller schlagen mit 1200 Euro zu Buche und im Xenium-Paket für 3850 Euro verbergen sich neben der Einparkhilfe vorn und hinten auch die Rückfahrkamera, elektrisch verstellbare Vordersitze und dem High Performance Multimediapaket auch das Panorama- und Schiebedach. Wer jetzt noch die 6-Gang-Automatik für 2100 Euro ordert, hat die Schallmauer der 60.000 Euro locker durchbrochen.

Bilderserie

Fazit: Der Volvo XC60 ist und bleibt eine gute Alternative zum Audi Q5, BMW X3 oder Mercedes GLK. Wer das sportlich-elegante Design sucht, wird es hier eher als bei der Konkurrenz finden. Sollte man allerdings der Wirtschaftlichkeit frönen, ist man mit dem kleineren D3 (136 PS) oder D4 (163 PS) besser bedient. Bereits in der Grundausstattung ist der XC60 ordentlich bestückt und wer nicht jeden Firlefanz braucht, bekommt für etwas über 40.000 Euro ein außergewöhnliches Fahrvergnügen, verpackt in eine ausgesprochen elegante Hülle.

DATENBLATTVolvo XC60 D5 AWD
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,62/ 1,58/ 1,71 m
Radstand2,77m
Leergewicht (DIN)1921 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen495 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/Hubraum2,4-Liter Fünfzylinder-Turbodiesel mit Direkteinspritzung
GetriebeSechsgang-Geartronic-Automatikgetriebe
Leistung215 PS (158 kW) bei 4000 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit205 km/h
max. Drehmoment420 Nm bei 1500 bis 3250 U/min
Tankinhalt70 l
Beschleunigung 0-100 km/h11,2 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)5,6/ 8,9/ 6,8
Testverbrauch9,3 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
179 g/km
Grundpreis46.230,00 Euro
Preis des Testwagens63.275,00 Euro

Quelle: n-tv.de

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